• Nationalmuseum

    August 2, 2025 in Faroe Islands ⋅ 🌬 13 °C

    Heute morgen schlief ich erst einmal aus und machte mich dann auf dem Weg nach Tórshavn. Auf dem Weg erlebte ich direkt schon ein Highlight: den weltweit einzigen Unterwasserkreisel. Als der Tunnel 2006 fertiggestellt wurde, war er mit 10km Länge das größte Bauwerk der Färöer, inzwischen wurde er vom Sandoyartunnilin abgelöst. Der Unterwasserkreisel ist die erste Anlage dieser Art weltweit und liegt rund 73m unter dem Meeresspiegel. An seiner tiefsten Stelle befindet sich der Eysturoyartunnilin 189 Meter unter der Wasseroberfläche. Der Kreisel befindet sich nahe des geographischen Zentrums der Färöer und wurde von einem Künstler mit einer 80 Meter langen Lichtskulptur dekoriert. Ein Stahlring aus sich die Hände reichenden Menschenfiguren umschließt einen Fels und erinnert an den traditionellen färöischen Kreistanz. Die wechselnden Farben der Installation lassen die Skulptur wie eine leuchtende Tiefseequalle erscheinen.

    In Tórshavn angekommen besuchte ich dann das Nationalmuseum - bei Regen verzog ich mich doch lieber nach drinnen. Dort erfuhr ich, dass ich eigentlich in Grönland bin - nur leider 55 Millionen Jahre zu spät... Vor so langer Zeit lagen die Inseln noch direkt neben Grönland, bis die Kontinantalplatten auseinander drifteten. Die Landmasse der Färöer entstand auch durch Vulkanausbrüche. Der rhythmische Lavafluss bewirkte dabei, dass die Berge teilweise treppenartig aussehen. Sie wurden aus etwa 36 Lavaströmen geformt, die durchschnittlich 10 m dick sind.
    Als die vulkanische Aktivität nachließ, begann sich das Plateau abzusenken. Durch den Spannungsabbau entstanden kilometerlange, fast senkrechte Risse im Basalt, wodurch eine neue Öffnung zur Magmakammer entstand und ein Druckabfall, der das Magma erneut „erweckte“. Lava konnte nach oben drücken und die offenen Risse erneut füllen. Als die Seiten des Risses abkühlten, bildeten sich kleine horizontale Säulen senkrecht zur vertikalen Seitenwand des Risses. An der äußersten Wand erstarrte die Schmelze schnell und wurde zu dichtem, glasigem Basalt. In der Mitte kühlte die Schmelze jedoch langsam ab, und der Basalt wurde kristalliner und kompakter. Dieser kompaktere Basalt kann den Erosionskräften der Natur besser widerstehen als das umgebende Gestein.
    Er sticht heute als Erhebung in der Landschaft hervor wie ein Steinzaun.
    Die Bewegung entlang der ursprünglichen Spalte könnte noch lange nach dem Erstarren der Schmelze angehalten haben. Der Basalt im Gang reißt der Länge nach und wird „weich“, so dass er leichter zerbricht als das umgebende Gestein. Der Gang wird zu einer Schlucht oder einem tiefen Einschnitt in der Küstenlinie.

    Die kulturelle Geschichte der Färöer wurde (zumindest teilweise) anhand eines Wandteppichs mit 12 Bildern erzählt.
    Das Wachstum der Gesellschaft und Wirtschaft ist eng mit der Seefahrt und der Fischerei verknüpft. Der in Deutschland geborene Christian Ludvig Ulrich von Born (1744–1805) diente beim dänischen Militär. Von 1782 bis 1796 befehligte er die Festung von Tórshavn. Während seines Militärdienstes wurde er in Kartierung und Vermessung ausgebildet. Es gelang ihm, die Färöer innerhalb von 4 Jahren zu kartieren. Die Born-Charta war über 100 Jahre lang in Gebrauch.
    Darüber hinaus zeigen die Vignetten der Karten die raue färöische Landschaft, Natur sowie das Volksleben und die Volksindustrie des späten 18. Jahrhunderts.
    Auch die Fährverbindung mit der Smyril-Line gehört zu den Errungenschaften der Färöer. Hier war ein Werbeplakat aus dem Jahr 2000 ausgestellt, das die damalige Route zeigte.
    Zur heutigen Kultur wurden die Hintergründe der traditionellen Tracht erklärt. Bei den Farben und Mustern gibt es (im Gegensatz zu beispielsweise Norwegen) keine regionalen Standards, sondern sie richten sich frei nach der aktuellen Mode. Allerdings finden sich hier religiöse Symbole. Diese Symbole sind alt und haben durch Mundpropaganda überlebt. 10 Knöpfe an der Hose, 5 an jedem Hosenbein, symbolisieren die 10 Gebote. 12 Knöpfe auf jeder Seite des gestrickten offenen Pullovers der Männer repräsentieren die 12 Apostel Jesu.
    7 Knöpfe an der Weste spiegeln die 7 Gebetsanliegen im Vaterunser wider.
    Es gibt eine ungeschriebene Regel, dass der Rock der Frauen mit 13 Falten auf jeder Seite aus der mittleren Schicht genäht werden soll. Dies symbolisiert Jesus und seine 12 Apostel. Ebenso hat der traditionelle färöische Hut der Männer 13 Falten.
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