Lindesnes Fyr
August 5 in Norway ⋅ 🌧 17 °C
Nachdem ich nun schon zwei Mal am nördlichsten Punkt Norwegens (und Europas) war, begab ich mich heute zum südlichsten Punkt Norwegens. Damit habe ich nun wirklich Norwegen der Länge nach bereist.
Im Dunst einer vorüberziehenden Regenwolke treffe ich auf einen rauen Felsvorsprung, an dem Nordsee und Skagerrak sichtbar aneinander rütteln und sich Wind und Wellen um die Vorherrschaft streiten.
Während sich die Touristenmassen oben am Nordkap drängen, steht Lindesnes unten im Süden vergleichsweise still und selbstbewusst in der Brandung. Der rot‑weiße Leuchtturm auf seinem Granitsockel ist Norwegens älteste Leuchtturmstation und markiert den südlichsten Festlandpunkt des Landes – fasst so symbolträchtig wie das rund 2500 Kilometer entfernte Nordkap im hohen Norden.
Hier wurde Mitte des 17. Jahrhunderts Norwegens erstes Leuchtfeuer entzündet, um Schiffen den gefährlichen Übergang in die Ostsee zu markieren. Damals bestand das Licht noch aus 30 Kerzen hinter einem Bleiglasfenster - schnell kamen Beschwerden wegen der schlechten Sichtbarkeit... Später wurde das Leuchtfeuer durch ein offenes Kohlefeuer in einem Feuerkorb ersetzt.
Der heutige gusseiserne Turm stammt von 1915, sein Licht strahlt dank der großen Fresnel‑Linse, die mittlerweile über 160 Jahre alt ist, noch immer weit über die See hinaus und begleitet die Wetter‑ und Strömungsberichte, die seit über 150 Jahren von Lindesnes aus aufgezeichnet werden. Früher wurde der Wetterbericht noch per Funk und Telefon übermittelt, heute wird er täglich online gestellt.
Aus dem ehemaligen Arbeitsplatz der Leuchtturmwärter ist ein lebendiges Leuchtturmmuseum mit Ausstellungen, Felsenhalle und unterirdischen Stollen aus dem Zweiten Weltkrieg geworden.
Ich erkundete zunächst den Leuchtturm und dann die alten Bunkerstollen. Schließlich erholte ich mich ein bisschen im Museumsgebäude, das in den Berg hinein gebaut war. Dort liefen im Kinosaal verschiedene Filme über diesen und andere Leuchttürme, deren Funktionsweise, Seenavigation, die Hanse und weitere interessante Themen.
Wie auch am Nordkap ist dieser "offizielle" Punkt gar nicht wirklich der südlichste Norwegens. Anders als dort musste ich aber nicht 18, sondern nur 2km zum wirklich südlichsten Zipfel laufen. Ich machte mich also auf den Weg dort hin. Auf einem Felsen endete der Weg und ich hatte auch das Gefühl, dass es nun nicht weiter möglich sei, zu laufen. Da kam ein Norweger vorbei und meinte: "Nee nee, der Weg geht immer weiter, du musst nur gehen." Und so folgte ich ihm, kraxelte über die Felsen und stand schließlich wirklich am südlichsten Punkt Norwegens (nagut, etwa 25m Felsen fehlten noch, aber die waren wirklich zu rutschig). Hier beobachtete ich dann, wie sich die Wellen aus der Nordsee und dem Skagerrak trafen und gegen die Felsen schlugen, bevor ich den Rückweg antrat.Read more





































