• Flekkefjord

    August 4 in Norway ⋅ ☁️ 18 °C

    Um die müden Muskeln zu entspannen und den Regenschauern zu entgehen, machte ich heute nur einen kleinen Rundgang durch den Ort Flekkefjord. Dabei merkte ich, dass mir das Laufen gar nicht so schwer fiel, wie befürchtet.
    Flekkefjord ist ein kleiner, süßer Ort mit schönen weißen Holzhäusern und schmalen Gassen und sehr vielen Wandgemälden.
    Besonders schön fand ich das kleine Viertel Hollanderbyen. Im 16. Jahrhundert ragten die Eichenwälder in der Region Sørlandet hoch empor. In vielen Gebieten wuchsen die Bäume bis zur Küste hinunter. Die Seefahrernation Holland hatte einen großen Bedarf an Holz, hauptsächlich aufgrund des Schiffbaus, aber auch für Fundament- und Hauskonstruktionen. 1647 wurden 397 niederländischen Schiffen Handelsrechte für Norwegen erteilt.
    Flekkefjord hatte eine perfekte Lage: einen Hafen, große Freiflächen zur Holzlagerung sowie die Möglichkeit, Holz auf dem "Grisefjord" und weiter ins Landesinnere zu lagern und zu transportieren. Bereits in den 1520er Jahren importierten die Niederländer die Kappsäge in den Bezirk Flekkefjord. Verarbeitetes und gesägtes Holz war eine weitaus wertvollere Fracht als Rundholzstämme.
    Das Meer war die Verbindung zu Europa und dem Rest der Welt, und Flekkefjord expandierte im Einklang mit dem zunehmenden Handel. Holz, aber auch Steine, Rinde und Moos waren Handelswaren. Allein im Jahr 1738 wurden 300 Schiffsladungen mit Steinen von Flekkefjord aus verschifft. Trotz des Umfangs der Steinexporte wurde das Holz aufgrund der damit erzielten Einnahmen als weitaus wichtiger angesehen. Die teuerste Exportware war Hummer. Der Geschichte zufolge lehrten die Niederländer die Menschen in Flekkefjord, den Hummer mit einer Fischreuse zu fischen, anstatt mit einer Zange.
    Im Jahr 1652 gab es in den ersten 8 Monaten tausend Abfahrten von Amsterdam nach Norwegen.
    Viele der niederländischen Kapitäne kehrten Jahr für Jahr zurück, einige kamen sogar mehrmals im Jahr nach Norwegen. Oft brachten sie ihre Familie mit. Die Kapitäne bezahlten Holz und Steine ​​mit Geld und Silber, tauschten aber auch Waren mit den Einheimischen.
    Salz, Kaffee, Textilien, Hering, Gewürze, Alkohol, Pfeifen und Tabak waren Produkte, die in die Kultur von Flekkefjord eingeführt wurden. Der Schmuggel von Luxusgütern entwickelte sich allmählich, als der Handel reguliert wurde. Besonders Seife, Bleichmittel und Stärke waren bei den Frauen der Stadt äußerst beliebte Produkte.
    Die Niederländer kamen nach Flekkefjord, aber die Menschen in Flekkefjord blickten auch nach Holland. Die Auswanderung nach Holland dauerte in Agder länger als im Rest des Landes. Norwegische Jungen und Männer heuerten auf niederländischen Segelschiffen an und blieben in niederländischem Dienst als Seeleute oder Handwerker. Norwegische Mädchen reisten nach Amsterdam, wo sie als Hausmädchen arbeiteten. Die niederländischen Häuser waren für ihre Sauberkeit bekannt. Die Mädchen brachten diesen Brauch nach Norwegen Einigen Auswanderern ging es gut: "Nach ein paar Jahren kehrten einige aus Holland zurück und trugen mehrere Hosen gleichzeitig und goldene Knöpfe an ihren Hemden." Die Auswanderer hatten sich bei ihrer Rückkehr verändert: "Von diesem Tag an wurden diese Leute Holländer genannt. Sie fielen unter den weniger gereisten Mädchen auf, mit ihren außergewöhnlich langen Blusen, seltsamen Kopfbedeckungen und winzigen Hüten." Viele heirateten auch über Nationalitätengrenzen hinweg. Von 1626 bis 1800 heirateten mehr als 11.000 norwegische Frauen und Männer in Holland, und mehr als 80 % ließen sich in Amsterdam nieder. Man findet noch heute Familiennamen niederländischen Ursprungs in der Gegend um den Flekkefjord.
    Die niederländischen Kapitäne brachten Pflanzen wie Erdbeeren und Gemüse nach Norwegen. Einige wurden als Handelsware eingeführt; andere wurden mit einer großen Menge Saatgut in der Ladung importiert. Um Feldfrüchte anzubauen und den Garten zu pflegen und die Ressourcen optimal zu nutzen, wurden Gewohnheiten von den Auswanderern und Händlern übernommen. Gartenarbeit mit dem Anpflanzen von Beerensträuchern, Obstbäumen und Gemüse wurde im 17. Jahrhundert populär. Die kleinen Gärten in Hollanderbyen wurden nach einem niederländischen Vorbild angelegt.
    "Jeg skjønner ikke en døyt" ("Ich verstehe gar nichts"). Manche sagen das auf Norwegisch, ohne sich der Tatsache bewusst zu sein, dass "døyt" die Bezeichnung für die niedrigste Münze in Holland war, sie entsprach 1/100 Gulden. Die niederländische Sprache beeinflusste die Menschen in Flekkefjord (und die Norweger im Allgemeinen), und Wörter und Ausdrücke wurden dauerhaft an die norwegische Sprache angepasst.

    Nach meinem Rundgang aß ich noch ein leckeres Pizza-Sandwich und fuhr dann weiter. Ich landete auf dem Campingplatz Lindesnes, wo ich auch noch einmal zum Hafen ging und angelte - nunja, zum Abendessen gibt es dann die Reste vom Mittag...
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