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Südnorwegen ohne Plan

Wieder einmal Norwegen - aber diesmal ohne wirklichen Plan...
Ich werde erstmals über die Brücken fahren und dann Südnorwegen erkunden - ein letzter blinder Fleck der Norwegischen Landschaft für mich.
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  • Steinsfoss Tømmerenna

    August 6 in Norway ⋅ ☁️ 18 °C

    Heute machte ich eine besondere Wanderung, bei der es quasi nicht möglich war, sich zu verlaufen.
    Der Weg verlief komplett in einer Flößerrinne. Die Steinsfoss Tømmerenna ist eine rund 4 Kilometer lange Holzkonstruktion entlang des Flusses Otra. Ursprünglich diente die Rinne dazu, geschlagene Baumstämme mit Wasserantrieb vom Wald hinunter zum Kraftwerk Steinsfoss und weiter ins Tal zu transportieren. Gebaut wurde sie Mitte der 1950er‑Jahre, als der Fluss für die Stromproduktion aufgestaut und klassische Holzflößerei kaum mehr möglich war. Bis Anfang der 1980er‑Jahre war sie ein wichtiges Bindeglied zwischen der Forstwirtschaft im Hinterland und den Sägewerken an der Küste. Heute gilt die Anlage als einzigartiges Industrie‑ und Kulturdenkmal.

    Der ehemalige „Holzkanal“ ist heute zum Glück trocken gelegt und begehbar – ich wanderte direkt in der hölzernen Rinne, über schmale Stege, durch Tunnel und über Hängebrücken. Die Strecke war technisch sehr leicht, bot mir aber außergewöhnliche Ausblicke.
    Unterwegs öffnete sich immer wieder der Blick auf den Fluss, die umliegenden Wälder und die Museumsbahn Setesdalsbanen, die zeitweise parallel zur Rinne verläuft - aber heute leider nicht fuhr.
    Auf den Hängebrücken schwankte und wackelte die Konstruktion etwas... Irgendwann kam ich an die Tunnelpassage. Es gab auch eine Umgehung über den Felsen, aber ich war ja natürlich gut vorbereitet mit einer Stirnlampe und so durchquerte ich den teilweise nur 1,20m hohen Tunnel auch innerhalb der Rinne.

    Oben angekommen genoss ich den Ausblick über den Fluss. Ein kurzes Stück der Rinne war hier auch noch geflutet, sodass man sehen konnte, wie sie früher funktioniert haben musste.
    Dann trat ich auch wieder den Rückweg an und hatte die Rinne streckenweise ganz für mich alleine. Immer wieder gab es kleine Ausstiegsstellen zu Rastplätzen oder kreuzenden Wanderwegen.

    Endlich mal keine schwierige, aber trotzdem eine ganz besondere Wanderung!
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  • Kalvøysund Festung

    August 7 in Norway ⋅ ☁️ 21 °C

    Einen kleinen Zwischenstopp legte ich an der alten Festungsanlage Kalvøysund ein.
    Während der deutschen Besatzung Norwegens in den Jahren 1940 bis 1945 wurden insgesamt ca. 300 Befestigungsanlagen entlang der norwegischen Küste errichtet, davon alleine 21 in der Region Agder. Diese deutschen Verteidigungsanlagen waren Teil des Atlantikwalls, der Küstenverteidigung Europas. Die Aufgabe diese Forts war es, die nördliche Einfahrt nach Arendal zu überwachen.
    Die Festung in Kalvøysund wurde im Mai 1941 fertiggestellt und mit drei französischen 10,5 cm Kanonen, einer norwegische 7,5 cm Kanone und einem 2 cm Luftabwehrgeschütz bestückt. Die großen Kanonen waren Kriegsbeute des Feldzuges in Frankreich 1940. 1942 waren hier 121 Soldaten der Küstenartillerie stationiert, sowie eine Truppe Infanteristen, die das Gelände beschützen sollten. 1944 wurde die Befestigung aufgegeben als es notwendig war, Truppen an die Ostfront in Finnland zu verlegen.

    Ab Februar 1945 war die Festung wieder in Benutzung, als vier andere 10,5 cm französische Kanonen hierher verlegt wurden. In der letzten Phase des Krieges wurden auch die umliegenden Äcker vermint. Die insgesamt 610 Minen musste die geschlagene Besatzungsmacht nach der Befreiung am 8. Mai 1945 selbst räumen. Das norwegische Militär übernahm nach dem Krieg die Anlage, und das Fort war danach Teil der Verteidigungsanlagen bis 1959.
    Heute ist das Gelände ein beliebtes Naherholungsgebiet.
    Die alten Bunkerruinen sind größtenteils frei zugänglich - meine Angst vor Spinnen hielt mich allerdings davon ab, in die Bunker hinein zu klettern... Stattdessen blieb ich über der Erde und genoss den herrlichen Ausblick auf das Meer.

    Anschließend fuhr ich weiter zu meinem Nachtplatz hoch über der Stadt Arendal und verschaffte mir einen Überblick, bevor ich die Stadt dann morgen näher erkunde.
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  • Jettegryttene på Sild

    August 7 in Norway ⋅ ☁️ 18 °C

    Nachdem ich hier auch schon die Nacht verbracht hatte, lief ich heute über einen kurzen Waldweg zur felsigen Küste. Hier finde ich außergewöhnliche Felsformationen.
    Die Jettegrytene på Sild Gletschertöpfe direkt am Meer. Die größte dieser glatt geschliffenen Felsmulden misst etwa sechs Meter im Durchmesser und ist fünf bis sechs Meter tief – im Sommer ein außergewöhnlicher Naturpool, wenn auch sehr veralgt.
    Vor rund 10.000 Jahren wirbelte Schmelzwasser der zurückweichenden Gletscher hier Steine und Kies in kreisenden Bewegungen über den Fels. Wie ein natürlicher Bohrer schliffen sie die runden, tiefen Mulden aus dem Gestein – die norwegischen „Jettegryter“, auf Deutsch Gletschertöpfe.
    Auf Sildodden liegen mehrere kleine und größere Gletschertöpfe in den blanken Küstenfelsen.

    An dem größten Pool herrschte mir zu viel Betrieb mit etlichen Anglern (und ich ärgerte mich, meine eigene Angel nicht mitgenommen zu haben). Daher wanderte ich auf den wellenförmig geschliffenen Felsen weiter entlang der Küste und fand schließlich einen wunderschönen Platz auf den warmen Felsen, von dem aus ich die brechenden Wellen beobachten konnte.
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  • Arendal und Grimstad

    August 8 in Norway ⋅ ☁️ 19 °C

    Mit dem kostenlosen gläsernen Panoramaaufzug fahre ich ganz entspannt von meinem Parkplatz aus runter in das Zentrum Arendals. Zunächst konnte ich auf den ersten 20m noch durch das Glas auf die Stadt schauen, die unteren 40m verliefen dann aber durch den Felsen.
    Besonders gut gefiel mir der kleine
    Stadtteil Tyholmen. Bis in die 1930er-Jahre war er noch eine eigene Insel und blieb dadurch von den großen Stadtbränden des 19. Jahrhunderts verschont – deshalb sind hier die ältesten, dicht stehenden Holzhäuser der Stadt erhalten geblieben. 1992 wurde Tyholmen für die vorbildliche Restaurierung mit der silbernen Europa-Nostra-Medaille ausgezeichnet.
    Auf einem kleinen Platz entdecke ich das, was mich nach Arendal gelockt hat: Die Fotoausstellung "Stars of Polar Night" bietet einen Einblick in das Leben und die Arbeit auf der„Ny-Ålesund Research Station“ auf Spitzbergen, einer der weltweit bedeutendsten Forschungsgemeinschaften für Klimaforschung in der Arktis. Durch eindrucksvolle Dokumentarfotografien zeigt die Fotografin und Wissenschaftskommunikatorin Esther Horvath, wie hier daran gearbeitet wird zu verstehen, wie der Klimawandel unseren Planeten beeinflusst.

    Insgesamt wirkt die Stadt etwas ausgestorben. Das kann allerdings auch an den Vorbereitungen zur "Arendalsuka" liegen, die hier ab Montag stattfinden wird. Die Arendalswoche ist Norwegens größte politische Veranstaltung und findet seit 2012 jedes Jahr im August hier in Arendal statt. Fünf Tage lang dient das Event als offene und demokratische Arena für Debatten, Vorträge und den Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft

    Ich spazierte noch am schönen Hafenbecken entlang, das angeblich auch als "Arendals Antwort auf Nyhavn in Kopenhagen" bezeichnet wird - nun, wo ich den Vergleich habe, ist das wohl etwas übertrieben. Rund um das Becken reihen sich aber ebenfalls Restaurants, Cafés und Terrassen. Historisch war der Hafen enorm bedeutend – durch das Zollprivileg von 1523 lagen zeitweise so viele Schiffe vor Anker, dass man der Legende nach trockenen Fußes vom Rathaus zur vorgelagerten Insel Hisøy hätte gehen können. Um 1880 war Arendal sogar die größte Seefahrtsstadt Nordeuropas, bevor die Dampfschifffahrt den Niedergang einläutete.
    Arendal wurde ursprünglich auf sieben kleinen Inseln erbaut und trug deshalb früher den Beinamen "Venedig des Nordens" bzw. "Venedig Skandinaviens" – viele der einstigen Kanäle wurden im Laufe der Zeit zugeschüttet.

    Auf dem weiteren Weg machte ich noch einen kleinen Zwischenstopp in Grimstad. Hier war es sehr viel lebhafter als in Arendal und ich spazierte die Fußgängerzone entlang. Dabei entdeckte ich auch eine witzige Karikatur als Wandmalerei, die mit Henrik Ibsen und der norwegischen Sprache spielt. Der Satz „Ibsens ripsbusker og andre buskevekster“ („Ibsens Johannisbeersträucher und andere Strauchgewächse“) gilt als bekannter norwegischer Zungenbrecher. Ibsen selbst antwortet mit einem Zitat von Nora aus Et dukkehjem: „Ich habe so ungeheuer Lust zu sagen: Tod und Pein!“ – einer altmodisch-dramatischen Fluchformel. Selbst Norwegens großer Dramatiker scheint angesichts dieses sprachlichen Stolpersteins die Geduld zu verlieren. Zum Abschluss trank ich noch einen Kaffee am Hafenbecken und fuhr dann weiter.
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  • Fisch und Meer

    August 9 in Norway ⋅ ☁️ 20 °C

    Gestern Abend habe ich noch einen kleinen Abstecher gemacht und am Meer angehalten. Leider war der Parkplatz nicht zum Übernachten geeignet, aber zumindest zum Angeln wollte ich ihn nutzen. Knapp eine Stunde später stellte sich dann zu meiner eigenen Überraschung heraus, dass ich wohl Pollack zu Abend essen würde. 😅
    Heute fuhr ich dann weiter zur Bertesbukta, die direkt neben Kristiansand liegt. Die Bucht wurde quasi zu einem kostenlosen Freibad ausgebaut: Es gibt Stege, Leitern, Badeplattformen, eine Liegewiese, Picknickbänke, zwei kleine Sandstrände und sogar Sprungtürme!
    Hier verbrachte ich den ganzen Tag in der Sonne. Die Wassertemperatur ließ allerdings zu wünschen übrig und so schafften es zunächst nur meine Beine bis zu den Knien ins Wasser - der Rest blieb trocken...
    Nachdem ich durch die Sonne ausreichend aufgewärmt war, traute ich mich doch noch ganz ins Wasser, immerhin wollte ich die Badeklamotten nicht umsonst mitgenommen haben.

    Ich packte gerade rechtzeitig zusammen, bevor der Regen begann und fuhr dann zu meinem Nachtplatz außerhalb der Stadt.
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  • Auf die Fähre

    August 10, Skagerrak ⋅ 🌬 16 °C

    Heute stand der traurigste Teil des Urlaubs an. Nachdem ich ausgiebig ausgeschlafen hatte, fuhr ich zum Mittag in Richtung Fährterminal von Kristiansand. Bevor ich im Hafen ankam machte ich noch etwas, was ich bislang nicht für möglich gehalten hätte... Für umgerechnet nur 1,55€/L tankte ich Findus hier in Norwegen noch einmal voll. Sonst habe ich immer schon vorher gerechnet, wie viel ich wirklich noch tanken muss, um gerade so über die deutsche Grenze zu kommen.
    Nach kurzem Warten im Hafen öffnete auch schon das Check-in, ich fuhr zu meiner Warteposition und wartete darauf, dass die MS Bergensfjord in den Hafen kam. Das Beladen verlief etwas schleppend und so verließen wir Kristiansand erst mit fast einer Stunde Verspätung. Im Hafenbecken wartete da schon die nächste Fähre darauf, anlegen zu können...
    An Bord verbrachte ich die erste Hälfte der Zeit im Restaurant mit leckerem Buffet. Anstieg legte ich mich auf dem Helideck in die Sonne und genoss den Ausblick aufs Wasser.
    Gegen 18.45 Uhr kamen wir dann in Hirtshals an und ich hatte wieder festen Boden (und den Autositz) unter mir.
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  • Heimreise

    August 11 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C

    Nach der Fähre fuhr ich noch bis spät in die Nacht hinein durch Dänemark und verbrachte eine (recht unruhige) Nacht auf einer Raststätte kurz vor Hamburg. Das Fahren war zumindest entspannt und angenehm - aber irgendwann wurde ich dann doch einfach zu müde...
    Heute durchquerte ich dann den Elbtunnel - die Einfahrt war noch staufrei, dafür war dann im Tunnel selbst Stau.
    Nach einem kurzen Abstecher über Stade ging es dann auch wieder nach Hause - wegen mehrerer Sperrungen, Unfällen und einem Böschungsbrand war die Fahrt dann doch sehr langsam und anstrengend.
    Mit einer ausreichenden Menge an Importgütern bleibt auf jeden Fall noch länger eine kulinarische Erinnerung an den Urlaub 😉.
    Auch das Reisen ohne echten Plan war zwar anfangs sehr ungewohnt für mich, aber es hat doch alles gut geklappt. Ich konnte die Regenfront in Fjordnorwegen geschickt vermeiden und hatte einen tollen Mix aus Wanderungen, Städteerkundungen und entspannten Strandtagen. Trotzdem ist meine Liste der Orte in Norwegen, die ich noch besuchen möchte, irgendwie nicht kürzer, sondern wieder länger geworden...
    Ich muss also in jedem Fall wieder kommen!

    Har det bra Norge, vi sees!
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    Trip end
    August 12, 2026