Messenien IV
June 10 in Greece ⋅ ☀️ 26 °C
Wir hatten eine ruhige Nacht an der Kirche der Jungfrau von Sgrapa. Vor uns liegt die Gialova-Lagune und gegenüber die Insel Sfaktira. Unser erstes Ziel heute war der Palast des Nestor.
Der Palast wurde um 1300 v. Chr. erbaut und war das administrative und wirtschaftliche Zentrum der Region Messenien. In der griechischen Mythologie – vor allem in Homers Odyssee – war dies der Sitz des weisen, alten Königs Nestor, der im Trojanischen Krieg kämpfte. Homer beschreibt den Palast als prachtvollen Ort, an dem Nestors Sohn den reisenden Telemachos (Sohn des Odysseus) mit warmen Bädern und Wein empfing.
Lange währte die Pracht nicht. Um 1200 v. Chr. fiel der Palast, wie viele andere mykenische Zentren auch, einer plötzlichen Katastrophe zum Opfer. Er wurde durch ein gewaltiges Feuer komplett zerstört und danach nie wieder aufgebaut.
Der historische Glücksfall: Die enorme Hitze des Brandes hatte einen unbeabsichtigten Nebeneffekt. Sie brannte Hunderte von Tontafeln, die im Palast gelagert waren, hart wie Ziegel. Dadurch blieben sie für Jahrtausende erhalten.
Zu den Highlights, die man dort sehen kann, gehören:
Das Megaron: Der zentrale Thronsaal mit den Fundamenten eines riesigen, runden Opferschiffchens (Herd).
Die königliche Badewanne: Eine der ganz wenigen erhaltenen mykenischen Tonsitzbadewannen, die perfekt zu Homers Beschreibungen passt.
Ein absolutes Highlight der jüngeren Archäologiegeschichte ist das Grab des Greifen-Kriegers (Griffin Warrior). Es wurde im Jahr 2015 von einem Archäologenteam der Universität Cincinnati (Sari Stocker und Jack Davis) nur wenige Meter vom Palast entfernt entdeckt – und es war eine weltweite Sensation.
Hier ist, was diesen Fund so besonders macht:
1. Ein unberührtes Zeitkapsel-Grab
Im Gegensatz zu den meisten mykenischen Gräbern, die bereits in der Antike von Grabräubern geplündert wurden, war dieses Schachtgrab völlig unberührt. Es stammt aus der Zeit um 1450 v. Chr. – der Krieger wurde also etwa 150 Jahre vor dem Bau des eigentlichen Palastes von Nestor bestattet.
2. Wer war der „Greifen-Krieger“?
Im Grab lagen die Überreste eines Mannes im Alter zwischen 30 und 35 Jahren. Er war offensichtlich ein mächtiger Anführer, Priesterkönig oder Krieger der Elite. Seinen Spitznamen erhielt er wegen einer im Grab gefundenen Elfenbeinplatte, die mit einem Greifen (einem Fabelwesen mit Löwenkörper und Adlerkopf) verziert war.
3. Der sensationelle Schatz
Die Beigaben waren von unschätzbarem Wert und zeigten, wie eng die Kultur des griechischen Festlands damals schon mit der minoischen Kultur auf Kreta verflochten war. Zu den über 1.400 Fundstücken gehörten:
Ein prachtvolles, fast einen Meter langes Bronzeschwert mit einem Griff aus Gold.
Zahlreiche goldene Becher, Silbervasen und Kämme aus Elfenbein.
Vier monumentale Goldringe, die kunstvoll mit minoischen religiösen Szenen graviert waren und vermutlich als Amtssiegel dienten.
4. Das Meisterwerk: Der Pylos-Achat
Der wertvollste Fund war jedoch ein unscheinbarer, von Kalkkrusten bedeckter Stein, dessen Reinigung im Labor ein Jahr dauerte: der „Combat Agate“ (Kampf-Achat von Pylos).
Dabei handelt es sich um einen nur 3,6 Zentimeter großen Siegelstein, in den mit unfassbarer Präzision eine dynamische Kampfszene zwischen drei Kriegern eingraviert ist. Die Details der Muskeln und Waffen sind so winzig (teilweise weniger als ein Millimeter groß), dass moderne Forscher vermuten, der Künstler müsse bei der Herstellung eine Art Lupe benutzt haben – eine Technologie, von der man nicht wusste, dass sie damals existierte.
Das Grab des Greifen-Kriegers hat das Bild über die Anfänge der mykenischen Kultur völlig auf den Kopf gestellt, da es beweist, dass die damalige Elite viel reicher und künstlerisch anspruchsvoller war, als man je für möglich gehalten hätte.
Zum Entspannen waren wir bei Ag. Kiriaki noch am Strand.Read more


















