• Fortsetzung Ericeira - Tag 7 - 11

    August 13, 2025 in Portugal ⋅ ⛅ 21 °C

    Es ist unglaublich, wie gut uns die Zeit hier in Ericeira tut.
    Jeden Tag fühlen wir uns ein bisschen entspannter und glücklicher. Neben fortwährender Dankbarkeit haben wir das Gefühl, einfach am richtigen Ort zu sein. Dieser Aufenthalt scheint wirklich genau das zu sein, was wir alle gebraucht haben....

    Rückblickend erscheinen mir die vergangenen Tage wie ein schöner Traum. Schon jetzt spüre ich ein wenig Wehmut, wenn ich daran denke, dass ich bald wieder im Flieger nach Hause sitzen werde und die nächsten sechs Nachtschichten vor mir liegen. Aber nirgendwo lässt sich dieser Stress so gut vergessen oder verarbeiten wie hier...

    Die Yoga-Stunden machten mir so viel Spaß und ich merkte schon wie ich mich abends nach dem Yoga bereits auf die nächste Session am Morgen freute.
    Es ist der Wahnsinn, welche Fortschritte in so kurzer Zeit möglich waren. Ich hätte nie gedacht, dass für mich als Yoga-Anfänger bereits einige fortgeschrittene Posen schon machbar sind! Das ist dann natürlich zu all den direkten positiven Effekten auf Körper und Geist eine unglaublich tolle Motivation!
    Am Mittwochmorgen hatten wir eine unvergleichliche Yoga-Stunde....
    Alle zusammen sind wir in einer stillen Geh-Meditation zu dem Klippenvorsprung über dem Meer gelaufen. Es ist gar nicht so leicht beim Gehen nicht mit den Gedanken abzuschweifen, sondern wirklich nur die "Beobachter-Perspektive" einzunehmen...
    Dort angekommen begannen wir mit einer wunderschönen Einheit in den frühen Morgensonne.... ☀️

    Nach dem weniger erfolgreichen Dienstag beim Surfen, war es am Mittwoch bereits wieder um einiges besser. Wir übten weiterhin das eigenständige "Wellenlesen", paddeln, aufspringen und fahren.
    Es war zwar immer noch ziemlich schwierig, aber wir erwischten diesmal mehr Wellen und hatten wieder viel mehr Spaß!
    Heute war sogar ein profesioneller "Surf-Fotograf" da, welcher uns mit einer extrem merkwürdig konstruierten Kamera unermüdlich fotografiert hatte. Selbstverständlich habe ich jedes Mal wenn er die Linse auf mich richtete, abwechslungsreiche Sturzvariationen abgeliefert. Aber ein paar akzeptable Fotos waren glücklicherweise dann doch noch dabei. 😄

    Am Mittwochabend habe ich Tamer und Linda mein Lieblingskartenspiel (Durak) beigebracht (natürlich mit Schummeln) und es war einfach nur extrem witzig. Dazu haben wir irgendwie ständig Wein von anderen Hostelgästen geschenkt bekommen, was der Stimmung keinen Abbruch getan hatte. 🥰
    Dazu haben wir 2 unglaublich sympathische Berliner kennengelernt und uns wunderbar unterhalten. ☺️

    Am Donnerstag hatten wir unseren Rest-day und starteten ganz gemütlich mit Yoga in den Morgen.
    Über den Tag hat Linda gearbeitet, Tamer und ich waren kurz am Strand und ich habe anschliessend noch eine kleine Wanderung in den Ort (wir wohnen ja ein wenig außerhalb von Ericeira selbst) unternommen.
    Es war wie erwartet absolut wunderschön und ich habe einige unfassbare Ausblicke genossen und mir im Ort einen Kaffee und eine neue Sonnenbrille geholt. (Meine alte Brille wurde mir am Mittwoch von einer fiesen Welle geklaut 😅).

    Abends hatte Julia, unsere Yogalehrerin, ein interessantes indisches Akkordion-ähnliches Instrument mitgebracht, was für eine sehr besondere, meditative Atmosphäre sorgte.
    Nach dem vorzüglichen Abendessen konnten wir uns noch einen perfekten Sonnenuntergang über dem Meer anschauen....
    Allein das Schreiben darüber über all die schönen Erlebnisse macht mich schon wieder so glücklich! ☺️

    Am Freitag waren wir drei allerdings wieder ein wenig frustriert nach der Surfsession. Es ist ein tägliches Auf und Ab mit dem Surfen. Es ist ziemlich schwer zu akzeptieren, dass sich die Wellenverhältnisse wirklich(!) jeden Tag ändern und man sich als Anfänger einfach nicht gut daran anpassen kann. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung auf dem Meer. 😄
    Vielleicht haben wir nach dem Rest-day auch einfach ein paar Skills vergessen. 🙈

    Dafür war der restliche Tag umso schöner: Nach dem Abendessen hat sich eine super nette Runde auf der Terasse gebildet. Dabei waren alle Menschen so interessant und es wurden viele, viele Geschichten und Erfahrungen ausgetauscht.
    Nachdem mehrere Weinflaschen daran glauben mussten (unter anderem eine 1,5 l Magnumflasche Rotwein, die unser Masseur Tomas beigesteuert hatte 😂), wurden für jeden einzelnen in der Runde Taro-Karten von Eden (aus Australien) gelegt. 😂
    Es war so eine coole Stimmung! Eigentlich glauben wir alle drei nicht an Taro-Karten, aber was uns da vorhergesagt wurde, hat exakt nur zu der jeweiligen Person gepasst, und zwar wirklich nur zu der einen... Extrem gruselig und faszinierend zugleich 🫣🤯
    An diesem Abend kamen wir auch auf die glorreiche Idee uns nach 5h Schlaf zum Morgenschwimmen am Meer zu verabreden. Noch vor der Yoga-Einheit.

    Ich sags euch... Was manchmal extrem unangenehm nach ziemlich maßlosem Weinkonsum an einem verhältnismäßig kalten und grauen Morgen klingt, kann manchmal einfach wundervoll werden:
    Aufgrund der kühleren Lufttemperatur schien uns das Meer auf einmal gar nicht mehr so kalt zu sein und man konnte sich problemlos darin aufhalten.
    Tomas hat sich spontan noch angeschlossen und uns noch auf einen "After swim Coffee" in seinem Haus direkt am Meer eingeladen. 😍
    Es war wirklich großartig. Das Freiheitsgefühl war einfach nur berauschend....

    Das Surfen war am Samstag auch ein absolutes Highlight! Wir drei hatten alle unseren bisher besten Surftag! 😍
    Heute hatten wir endlich wieder meinen Lieblingstrainer Marcel (ich habe alle Hoffnungen in ihn gesetzt 😂) und er hat Linda und mir die entscheidenden Tipps gegeben. Witzigerweise hatten Linda und ich immer dieselben Fehler (beide haben wir zuerst die Knie aufgesetzt, zu früh aufgestanden, zu kurz gepaddelt usw.)
    Allerdings waren wir ziemlich stolz auf eine Welle die wir beide genommen und wie in einem (vermutlich schlechten) Film nebeneinander fast händchenhaltend bis zum Strand gefahren sind. 😂
    Tamer hingegen hatte bereits ein ganz neues Level erreicht und sah einfach schon super profimäßig aus.
    (Nur sein Fahrversuch gemeinsam mit Linda war nicht so profimäßig 🤣, das Foto nach dem Crash ist hier dabei).

    Nach dieser Surfsession wurden wir alle offiziell bereit für "grüne Wellen" erklärt. Das sind im Gegensatz zu den "weißen Wellen" höhere, ungebrochene Wellen, die sich etwas weiter weg vom Strand befinden. Hierbei muss man auf die Welle aufspringen, wenn man am höchsten Punkt ist und zwar bevor sie bricht. Bisher haben wir uns nur die weißen, gebrochenen Wellen vorgenommen, welche aber auch nicht ohne waren. 😅

    Nach dem Surfen ging es noch ein letztes Mal gemeinsam an den Strand, da Linda am nächsten Tag bereits abreisen musste.
    Es wurden einige "Spaß-Getränke" geordert (Definition gemäß Linda: ein alkoholfreies Getränk mit möglichst vielen fancy Zutaten in einem möglichst hübschen Glas 💁🏼‍♀️, Definition von Tamer und mir: ein möglichst großes Glas eines alkoholischen Getränks 😄), im Meer gebadet und wieder ganz viel Durak gespielt. 🏖

    Am Abend haben wir wieder eine schöne entspannte Yogastunde und ein leckeres Abendessen gehabt und natürlich ein paar Runden Durak gezockt. 😄

    Der Sonntag startete wieder um 7:00 mit einer Badeaktion im Meer. Ich konnte jedoch leider nur Alma (aus Schweden) dafür begeistern.
    Dabei war das Wetter im Vergleich zum letzten Mal wirklich herrlich: die Sonne blitzte bereits hervor, es gab keinen Wind und die Wellen waren auch ganz klein. Das Schwimmen war eigentlich richtig gut!
    Eine Sache haben wir jedoch nicht bedacht: die Riesen-Algen.
    Es fühlte sich an, als müsste man sich unter Wasser durch einen Dschungel kämpfen und teilweise wurden wir richtig festgehalten. 🫣
    Wir schafften es jedoch uns zu befreien und mussten hinterher beim Umziehen erschrocken feststellen, dass wir unter unseren 👙 einen feschen "Algen-Bikini" aus kleinen Algenstückchen trugen. 😝
    Das nächste Mal müssen wir es einfach so machen wie Justine (natürlich aus Paris) und einfach nackt baden gehen... 😉

    Beim Yoga heute schaffte Linda ihre erste Krähe, Tamer einen 2-sekündigen freien Kopfstand und ich sogar eine seitliche Krähe! 🤩 Wir sind schon ein bisschen stolz auf unsere neuen Skills....
    Mir fällt auch immer wieder auf, wie gut das Surfen mit dem Yoga harmoniert.
    Die Balance, die Positionen beim Paddeln oder Aufstehen, die richtige Atmung; alles überschneidet sich und unterstützt das jeweils andere!
    Die Fortschritte sind einfach richtig spürbar! ☺️
    Wie ihr euch wahrscheinlich schon denken könnt, lief auch dieser (unser vorletzter) Surftag ziemlich gut.
    Heute waren die Wellen ziemlich gross und messy, die Strömung stark und noch vor ein paar Tagen wäre ich bei diesen Bedingungen bestimmt verzweifelt.
    Heute fühlte ich mich aber so sicher beim Aufstehen, wie noch nie zuvor. Als hätte endlich etwas in mir "Klick" gemacht. 😄
    Natürlich ist das alles noch sehr weit weg von perfekt und ich habe wieder viele hilfreiche Hinweise bekommen, aber allein das ist auch schon ein Erfolg!
    In den ersten Tagen war der beste Rat unseres Coaches immer nur "Try to have fun", weil ich sowieso nichts von seinen Tipps umsetzen konnte. 😅
    An die grünen Wellen habe ich mich heute noch nicht herabgetraut, aber morgen versuche ich auf jeden Fall mein Glück.
    Tamer hat sich jedoch (unter der vollständigen Erschöpfung seiner Kraftreserven) mehrmals durch die Strömung gekämpft und tatsächlich eine schöne grüne Welle erwischt! 🤩
    Allerdings waren seine Arme danach so schwer, dass selbst das Brett zurück zu tragen für ihn ein Akt des Grauens war. 😅

    Nach dieser Einheit verabschiedeten wir Linda (natürlich nicht ohne vorher noch einmal Kuchen gegessen zu haben). Tamer arbeitete an Entwürfen für neue Skulpturen und ich probierte einen Küstenwanderweg aus, welcher einfach nur absolut hinreißend war.
    Die ganze Zeit wechselte die Landschaft, mal war man unten am Strand, mal hoch oben und schaute auf die Klippen herab, mal musste man über Felsen klettern oder durch verwucherte Wäldchen laufen. Ich war absolut hin und weg und bin ein wenig traurig, dass ich diesen Weg erst heute entdeckt habe....

    Abends war Ricardos ganze Familie im Hostel zu Besuch und da wir aktuell nur sehr wenige Gäste sind, wurde uns (und seiner Familie) eine besonders leckere Spezialität serviert: Der Creamy Codfish. Die Portugiesen sagen immer, es gibt 100 Zubereitungsarten von Kabeljau, das wichtigste ist aber der Wein, den man dazu trinken muss. 😁 Das ließen wir uns nicht zweimal sagen und tranken weiter Vinho Verde zum köstlich überbackenen Codfish.

    Abends kamen wir noch in ein längeres Gespräch mit Linda, einer sehr interessanten, älteren Dame aus Südafrika. Sie kam vor einigen Tagen erst vom portugiesischen Caminho zurück, daher war es für mich ziemlich spannend ihren Erfahrungen zu lauschen.
    Später erzählte sie uns, im Laufe ihres Lebens mit vielen harten Entscheidungen konfrontiert gewesen zu sein und einige schwere Rückschläge erlitten zu haben. Daher habe sie vor 9 Jahren mit Yoga begonnen. Sie teilte mit uns, was es für sie bedeutet und dass Yoga ihr Leben gerettet habe....

    Morgen beginnt dann leider auch schon unser letzter Tag an diesem wundervollen Ort....
    Read more