Tag 6+7: Schlamassel auf den 🍚-Terassen
November 3, 2025 in Vietnam ⋅ ☁️ 10 °C
Die Fahrt von Hanoi zu unserem nächsten Ziel Sa Pa dauerte über 6 Stunden.
Die Idee war, mit der Nachtfahrt im Bus keine wertvolle Urlaubszeit zu verlieren und damit sogar noch eine Hotelübernachtung zu sparen. :D Klang für uns eigentlich so ganz sinnvoll... Nach ausführlicher Beratung wurde für uns eine Doppelkabine gebucht. Uns wurde versichert, dass diese für uns auf jeden Fall ausreichen und genügend Platz bieten würde.
Beim Einsteigen musste man die Schuhe ausziehen und diese in eine Plastiktüte einpacken, damit der Boden des Busses schön sauber blieb.
Wir wurden bereits ein wenig misstrauisch, als wir sahen, dass niemand zu zweit in eine Schlafkabine stieg. Überall saß oder lag stets nur eine Person.
Nachdem wir uns in unserer Kabine eingefunden haben, konnten wir das absolut nachvollziehen. Diese Kabine war knapp 170 cm lang (sodass Katja sich schon zusammenrollen musste), 90 cm breit und hatte alles nur ein einziges Mal. 😅👌 Also eine Steckdose, ein Kissen, eine Flasche Wasser usw...
Und ich, nun ja, ich passte beim besten Willen nicht einmal zusammengerollt richtig rein.
Die Nacht war dementsprechend sehr, sehr anstrengend. Wir schätzen, dass wir insgesamt auf eine Schlafzeit von maximal 30 min kamen. 😅
Mit den Toilettenpausen war das auch so eine Sache....
Es wurde gesagt, dass der Bus wohl dafür Pausen machen würde. Man wusste nur nicht wie oft, wann oder wie lange. 😂
Als ich (Katja) mal wieder mitten in der Nacht wach wurde, bemerkte ich, dass der Bus steht.
Aha, also eine Toilettenpause! Ich schnappte mir meine Schuhe in der Plastiktüte und lief schnell hinaus. Direkt draußen vor dem Bus stand eine große Kiste voll mit Schlappen, von denen man sich welche ausleihen und anziehen durfte. Seltsamerweise waren alle Schlappen vorne abgeschnitten und allesamt relativ klein. 😅
Als ich zurück war, wurde Jan gerade wach und wollte auch noch schnell die Toilettenpause nutzen. (Man wusste ja nie ob es noch eine geben würde und wenn ja dann wann).
Ich sagte ihm, dass es draußen Schlappen gäbe und er die Schuhe hier lassen könne.
Mit meinem müden Gehirn habe ich natürlich nicht berücksichtigt, dass Jan die Schuhgröße 46 trägt...
Als ich mich wieder umdrehen wollte sah ich gerade noch aus dem Fenster wie Jan mit Schlappen an den Füßen, wo gerade mal seine Zehen reinpassten durch den Regen zur Toilette hastete.
Ich blieb natürlich wach, um sicherzustellen, dass der Bus nicht ohne ihn wegfuhr.
Jan hier wieder: Als ich vom WC zurückkam, waren die Busfahrer anscheinend mit ihrer Pause fertig. Sie saßen nicht mehr an ihrem Tisch. Also rannte ich mit meinen kleinen Schlappen zum Bus. Mit Schrecken stellte ich fest, dass ich mein Handy im Bus gelassen hatte. Ich hatte mir übermüdet weder die Position noch die Busnummer gemerkt. Ich hätte ihn an der Schlappenkiste erkannt, aber diese war weggestellt worden. Alleine nachts auf der Autobahn in Vietnam ohne Handy mit diesen Schuhen ? Es gab bessere Aussichten. Schließlich fand ich den richtigen Bus und konnte Gott sei dank doch noch mitfahren. Was ein Schreck 😂
Endlich kamen wir um 7 Uhr morgens in Sa Pa an und genossen ein reichliches Frühstück bestehend aus Pho, Omelette, einem Pancake und Obstsalat. Die Preise waren hier sogar noch etwas günstiger als in Hanoi. Hier töteten wir systematisch unsere Müdigkeit mit zahlreichen Kaffees. 😄👌
Da wir das Meiste unseres Gepäcks für die nächsten 2 Tage nicht brauchen würden, konnten wir es freundlicherweise einfach bei dem Café lassen.
Um 9 Uhr morgens trafen wir uns anschliessend an der Dorfkirche mit Do, unserem Guide für die nächsten zwei Tage.
Sie ist eine Angehörige der ethnischen Gruppe der Hmong und stammt aus einem kleinen, hiesigen Dorf.
Do ist eine ca. 140 cm kleine Frau mit einem unfassbaren Humor und so einem strahlendem Lächeln, dass man einfach sofort mitlächeln muss.
In der Region Sa Pa gibt es verschiedene Stämme mit unterschiedlichen Kulturen. Die Hmong sind ein Volk, welches über ganz Südostasien verteilt ist. Sie tragen aus Naturfarben selbst hergestellte, bunte Kleidung und leben in Gruppen aus mehreren Familien zusammen. Für sie ist Familie das Allerwichtigste. Ein Sprichwort von ihnen ist: „Eine Familie zu haben bedeutet glücklich zu sein. Keine zu haben, bedeutet verloren zu sein.“
Alle haben feste Aufgaben und auch die Kinder sind früh dafür verantwortlich, sich um das nächstjüngere Geschwisterkind zu kümmern. Für Frauen ist es jedoch aufgrund der fehlenden Bildung (kein Schulbesuch o.Ä. möglich) besonders schwer einen Job zu finden.
Do engagiert sich für die Frauen in Ihrer Familien- und Freundesgruppe und hat bereits einigen von Ihnen geholfen unabhängiger zu sein und ihr eigenes Geld zu verdienen. Auserdem hat sie mit den anderen Frauen zusammen bereits genügend Geld zusammengelegt, damit auch die kleinen Mädels in die Schule gehen können.
Die Ältesten des Dorfes werden aufgrund ihrer Weisheit extrem geschätzt und um Rat gefragt. Laut Do werden die Männer oftmals bis zu 110 und die Frauen nicht selten sogar bis zu 120 Jahren alt! Damit gehört diese Region zu den sogenannten Blue Zones, also Orte der Welt, wo die Menschen besonders lange und in guter Gesundheit leben...
Wir fanden das einfach unglaublich... Der Zugang zu moderner Medizin ist den meisten Hmong nämlich verwehrt und wenn sie doch mal medizinische Hilfe in Anspruch nehmen müssen, wenden sie sich an den Schamanen des Dorfes...
Die Hmong in Sa Pa sind ein ärmeres Volk. Sie exportieren keinen Reis, sondern ernähren sich hauptsächlich selbst davon und benutzen ihn zudem auch als Wertanlage, da sie sogar damit bezahlen können, wenn ihnen das Geld ausgehen sollte.
Nun aber zurück zu unserem Trip:
Relativ schnell ging es mit unserer Gruppe los zu den berühmten Reisterassen von Sa Pa sowie mehreren kleinen Dörfern der Hmong.
Meine Motivation lag aufgrund des Schlafmangels, des Regens, des die Aussicht versperrenden Nebels und der Kälte bei ~minus 15%. Sie stieg aber relativ schnell, als wir anfingen zu laufen und die Müdigkeit nachliess.
Direkt zu Beginn musste man sich entscheiden:
Man konnte den "easy way" gehen, der zum Teil an der befahrenen Strasse entlangführte oder den "difficult way", der mitten durch die Reisterassen führte und wohl sehr anstrengend, steil, matschig und rutschig ("slippery") sein sollte...
Also teilte sich unsere Gruppe auf und 3x dürft ihr raten, welchen Weg wir uns ausgesucht hatten... 😅👌
Spoiler: Es war ein richtiger Schlam(m)assel 🥲😄.
Katja und ich hatten zwar Trailrunning-Schuhe mit gutem Profil an, dieses war jedoch direkt mit Schlamm bedeckt und dadurch völlig verschwunden. Der Weg war wirklich ein unvorstellbares Gerutsche und Gestolpere, wobei es uns ein Rätsel war, wie die Hmong-Frauen es mit Ihren Gummistiefeln schafften, ganz souverän ohne jegliche Unsicherheit dem Schlamm zu trotzen.
Zwei ältere, noch beeindruckend sportliche Hmong Frauen nahmen uns hin und wieder an die Hände und retteten uns immer und immer wieder 😂. Sie waren sehr fürsorglich und lieb, sodass wir uns später wenigstens durch den Kauf zweier selbstgefertigter Schals von Ihnen ein kleines Bisschen revanchieren konnten.
Was wir wirklich schade fanden ist, dass es den ganzen Vormittag wirklich sehr neblig und regnerisch war und wir meistens nur bis zum nächsten Wasserbüffel sehen konnten. Nach ein paar Abstechern in 2 kleine Dörfer der Region klarte es jedoch ein wenig auf und wir konnten uns das erste Mal an der Aussicht auf die zahlreichen Reisterassen erfreuen. In den Dörfern wurde uns gezeigt, wie dort Garn und Farbe für die traditionelle Kleidung hergestellt wurde, wie dort Häuser gebaut werden, wie Reis geerntet, verarbeitet und gelagert wird und auch wie die Menschen dort kochen. Anschliessend ging es zum Abendessen und Übernachten in Dos Haus.
Dieses war ganz hoch oben auf einem Berg und sehr schön, gross und gemütlich. Der letzte Aufstieg war wirklich nochmal ein Hammer zum Ende.
Hier gab es aber dann noch einen heißen Tee, ein köstliches gemeinsames Essen mit "Happy water" 😂 (= Sake), eine interaktive Tanzshow der Kinder und sogar einen Karaokeabend. (Den fanden wir aber leider schrecklich, weshalb wir früh schlafen gingen. 😂)
Am nächsten Tag hatte das Wetter eine Wendung um 180° hingelegt und hat uns nach einem leckeren Pancake-Frühstück eine absolut traumhafte Aussicht auf die Reisterassen vom Balkon des Hauses ermöglicht! Der Regen und der Nebel hatten sich vollständig verzogen! Auch heute suchten wir uns (wider besseren Wissens) die schwere Route aus und wanderten durch die Hügel und Reisfelder der Region. Diesmal hatten wir aber jeweils einen Bambus-Wanderstock bekommen, der uns wirklich sehr viel Gerutsche und sicher einige Stürze ersparte. Leider ist es aber auch mit dem Stock nicht immer leicht zu erkennen, wo der Boden fest ist und wo der Matsch einfach supertief ist, sodass ich schon nach 5 Minuten wieder nasse Füße hatte. 😂
Am Ende waren wir unter traumhaften Sonnenschein im Dorf Santa Chai angekommen, wo es unsere letzte gemeinsame Mahlzeit (natürlich wieder mit atemberaubenden Ausblick) gab. Anschliessend wurden alle in das inzwischen 35 km entfernte Sa Pa zurückgebracht und wir checkten in unser Hotel ein.
Abends ging es in ein 100 m entferntes lokales Restaurant, wo wir gefühlt die halbe Karte bestellten und wahrscheinlich alle Vorräte aufgefuttert haben. Es war so unfassbar lecker, dass wir sind in den folgenden Tagen noch weitere 2x hingegangen sind 😂. Es gab Kürbissuppe, Mangosalat mit Shrimps, Lachs und Tofu in einem heißen Keramiktopf, natürlich Reis und jede Menge Kaffee dazu. 😅
Entsprechend aufgeladen konnte es am nächsten Morgen zu unserem nächsten Abenteuer gehen... Der Besteigung des höchsten Berges von Vietnam und ganz Indochinas, dem Fansipan!Read more































Traveler
😂
Traveler
Oh nein! Was für ein Wetter 😱
Traveler
😱