• Tag 7-9: "Slowly, ya...?!"

    November 5, 2025 in Vietnam ⋅ ☁️ 10 °C

    Nach unserem 2-tägigen Trekking durch die Dörfer und Reisterassen Sa Pas ging es erneut früh morgens los zur Besteigung des Fansipans, den mit 3143 Metern höchsten Bergs Vietnams, Laos und Kambodschas. Man nennt ihn auch "das Dach Indochinas".

    Wir wurden direkt vom Hotel aus abgeholt und gabelten unterwegs noch einen weiteren Wandergefährten namens Chris und unsere Reiseführerin May auf. Chris war ein sympathischer Brite. Er hatte noch nichts gegessen und fragte daher direkt nach dem Einsteigen extrem höflich in feinstem British-English den Fahrer (der kein einziges Wort Englisch konnte) "Would you mind stopping for a Banh Mi?".
    Nachdem ihm May Chris Wunsch übersetzt hatte und nach mehreren Überzeugungsversuchen ihrerseits (der Fahrer hatte es erstaunlich eilig), haben wir dann doch irgendwann angehalten und er hat sein Sandwich tatsächlich noch bekommen.
    Chris war wirklich ein cooler Typ, 52 Jahre alt, top in Form und nach dem seine Kinder erwachsen waren hat er gerade nochmal studiert.
    May war ebenfalls sehr sympathisch, auch wenn sie eher weniger sprach. Sie konnte nicht so gut Englisch, aber sehr gut dafür, dass sie weder lesen noch schreiben konnte! Sie war eine Hmong, die nicht zur Schule gehen konnte. Ihr Leben ist ihre Familie und der Fansipan, auf den sie bis zu 5x die Woche hochgeht!

    Was uns aber wirklich Sorgen bereitete, war das Wetter. Es war kalt, regnete ununterbrochen und es war so neblig, dass man kaum 5 Meter weit gucken konnte. Im wahrsten Sinne, tolle Aussichten. Wir hatten alle unsere warmen Sachen übereinander angezogen, darüber die Regenjacken und hofften auf das Beste.

    Leider blieb es jedoch so die gesamte Zeit. Wir kämpften uns mit May und Chris insgesamt 8 Stunden lang ca. 1400 Höhenmeter hoch (der Startpunkt liegt ungefähr bei 1800 m).

    Man kann seit ein paar Jahren auch mit einer Seilbahn hochfahren, was uns aber falsch vorkam, wir wollten uns den schönen Ausblick mit dem Aufstieg verdienen und ihn somit besser genießen.

    Also stiegen wir bei Regen, Nebel und Kälte den steilen und rutschigen Weg hinauf. Leider verlor man ständig die mühsam erstiegenen Höhenmeter dadurch, dass immer wieder längere Abstiege dabei waren. Gefühlt stieg man 100 m hoch, dann 150 m herunter, dann wieder 200 m hoch usw.
    Es war einfach super anstrengend und Katjas Erkältung schien auch seit 2 Tagen wieder zurück zu kommen.
    May sagte fast ausschliesslich die Worte "Slowly, ya..?!", jedes Mal wenn man ausrutschte und auch hin und wieder ohne ersichtlichen Grund....
    Nach einer gewissen Zeit strapazierte das zusätzlich unsere Nerven, da man nicht zu schnell ging, sondern es einfach nur rutschig war 😂! May war es, die stets sehr schnell voraus lief. Nach 6 Stunden gab es eine Pause in einem durch ein Lagerfeuer zugeräucherten Hüttchen auf 2800 Höhenmetern. Zusammen mit einem polnischen Pärchen gab es einen Mittagsimbiss, wobei wir im wahrsten Sinne des Wortes dampften wie unsere Suppen! Nachdem ich nochmal bei dem rutschigen Boden auf dem Weg zum Klo brutal in den Dreck gestürzt bin, ging es nun weiter zur Spitze.
    Chris war schon vorgegangen (alleine!), da er schnell zu seiner erkälteten Frau wollte. Ich musste das nicht, meine erkältete Katja stieg mit mir den Berg hinauf (man möchte ja nichts verpassen im Urlaub! 😃). Als wir endlich oben angekommen waren, war die Sicht immer noch genauso schlecht. Man sah kaum den Tempel oder den riesigen Buddha neben einem auf der Spitze !! 🤨😶😑. Aber wenigstens hatten wir diesen Berg bezwungen. May zeigte uns Bilder wie es ohne Nebel aussieht, wirklich atemberaubend schön. Eine Bergspitze in einem Bergpanorama knapp über den Wolken mit wunderschönen buddhistischen Bauwerken, ein würdiger Gipfel für Indochina. (Aber wie zum Teufel haben die das hier oben hingebaut??).
    May gab uns noch auf der Spitze ein Zertifikat und eine Medaille. Dann ging es mit der Seilbahn zurück in die Stadt Sa Pa (den Abstieg wollten wir uns an dieser Stelle ersparen), wo wir uns eine Full-Body-Massage und ein hier typisches Kräuterbad gönnten. Natürlich wurde sich auch wieder eine absurde Menge an gutem Essen gegönnt. 😄

    Den nächsten Tag benötigten wir zur Regeneration. Er war also auch ziemlich slowly. Wir schliefen viel und organisierten die Transporte und Unterkünfte der nächsten Tage. Außerdem ging ich in einen Barbershop. Das war schon ein spezieller Vibe. Wie an den Straßenecken Hanois rauchten Kunden und Mitarbeiter hier drin die riesige Bambuspfeife mit Thuoc Lao, dem ultrastarken lokalen Tabak. Dieser macht extrem süchtig. Die Vietnamesen haben deshalb sogar ein Sprichwort ~ "Ich vermisse dich wie Thuoc Lao". Der Haarschnitt mit Bart und Haare waschen war super und schnell und kostete nur 5€. Einfach top.

    Am Tag danach machten wir nochmal eine Wanderung durch das Cat Cat Village mit Wasserfall und die wunderschönen umliegenden Reisterassen und Wälder.

    Das Cat Cat Village besitzt Wasserfälle und eine schöne Panorama-Aussicht und war einmal eine authentische Dorferfahrung für Besucher. Nun kann man es sich wie ein "Fake Dorf" für Touristen vorstellen, welches ausschliesslich aus Verkaufssständen, Kostümverleihen, Makeup-Studios und vielen, vielen Örtlichkeiten für Instagram-Fotos besteht. Kostümverleih? Make-Up? Ja genau! Im ganzen Dorf liefen (zugegeben wunderschön) zurechtgemachte hauptsächlich asiatische Touristinnen in traditionellen Gewändern und aufwändigem Make-Up herum und wurden vor eben diesen Wasserfällen auf Brücken professionell fotografiert.
    Wir haben uns gefühlt, als wären wir in eine Falle hineingetappt. Ganz, ganz unangenehm alles...

    Allerdings hatten wir endlich Glück mit dem Wetter, es war richtig warm, sonnig und es gab keinen Nebel! 😍😍😍
    Die Wanderung war (nachdem man dem Cat Cat Village entflohen war) wirklich toll, neben wunderschönen Ausblicken konnte man doch noch das echte Dorfleben sehen.

    Außerdem war die Wanderung nicht nur aufgrund des überraschend steilen und anspruchsvollen Weges und der vielen Insekten im Bambuswald abenteuerlich: Einmal stellten sich uns auf dem schmalen, alternativlosen Pfad sechs Wasserbüffel mit Ihrem Kalb in den Weg. Aber kein Problem, Katja trieb sie sanft den Weg entlang, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Am Ende entschieden wir uns aufgrund Katjas persistierender Erkältung, die restlichen Aufwärtskilometer fahren zu lassen.
    Dadurch hatten wir eine coole Rollerfahrt bis zu unserem Hotel. Nachdem wir nochmal in unsrem Lieblingslokal "24" in Sa Pa den Laden leer gegessen und getrunken hatten, machten wir in uns auf zum Nachtbus nach Ninh Binh. Diesmal aber mit zwei Schlafkabinen, um nicht wieder völlig zerstört aus der Nacht zu kommen 😄.
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