• Furious Saturday

    August 15 in Czech Republic ⋅ ☀️ 27 °C

    Die Nacht verlief wie schon zuvor erstaunlich friedlich. Unser Tagesprogramm scheint den Kids mittlerweile zuverlässig alles abzuverlangen, was ihre Akkus hergeben. Beste Voraussetzungen also für den nächsten schönen Tag in unserem mittlerweile ganz persönlichen August-Paradies Žárová.

    Michi meinte es heute besonders gut mit uns – beziehungsweise weniger gut mit den Wespen – und baute kurzerhand aus einer alten Plastikflasche eine Wespenfalle. Und tatsächlich: Das Ding funktionierte! Innerhalb kürzester Zeit hatten sich die ersten fünf Wespen darin verirrt und sollten nicht mehr wiederkehren. Blöd nur, dass sich davon fünf weitere überhaupt nicht beeindrucken ließen und weiterhin völlig selbstverständlich an Honigbrot und Nutella bedienten.

    Naja, sei’s drum.

    Weiter zum nächsten Tagesordnungspunkt. Gemeinsam wurde wieder Klarschiff gemacht und anschließend Pläne für den Tag geschmiedet. Und so viel sei bereits vorweggenommen: Ähnlich wie damals in Portugal sollte heute irgendwann dieser ganz besondere Urlaubsmoment erreicht werden, an dem das Nervensystem aufgrund einer Mischung aus Eindrücken, Erlebnissen und völlig ungeplanten Ereignissen einfach Überfluss meldet.

    Zunächst aber alles ganz geordnet.

    Das in den vergangenen Tagen hervorragend funktionierende Konzept der Aufteilung wurde erneut angewandt: Die Mädels aufs Rennrad, die Männer mit den Kids. Die Kinder machten super mit und gleichzeitig kamen auch die Erwachsenen zu ihrem sportlichen Ausgleich. Win-win.

    Das Ziel für die Mädels: unser mittlerweile bestens bekanntes Mittagessen bei Leos.

    Direkt hinfahren wäre allerdings viel zu einfach gewesen. Also wurde eine etwas anspruchsvollere Variante gewählt: 33 Kilometer und etwas mehr als 500 Höhenmeter. Rund 1:40 Stunden später war die Mannschaft wieder vollständig und alle saßen gemeinsam beim Mittagessen.

    Es folgten eine Runde Fußball, ein wohlverdientes Nickerchen für Juli und der Sonntagsbraten am Samstag – wobei sich dieser bei genauerer Betrachtung eher als ordentlich geschmorte Haxe herausstellte. Für die Männer aber vermutlich genau die richtige Kalorienzufuhr für alles, was noch kommen sollte.

    Denn jetzt ging es erst richtig los.

    Nächster Halt: Angeln in Loučná nad Desnou.

    Und spätestens dort begann unser Nervensystem endgültig zu kapitulieren.

    Eigentlich wollten wir einfach nur ein bisschen gemütlich angeln und im Idealfall unseren selbst gefangenen Fisch später über dem Feuer zubereiten. Stattdessen landeten wir mitten in einem ausgewachsenen Event Saturday.

    Direkt an der Straße wartete plötzlich das nächste Spektakel: Die 3. Etappe der Czech Tour führte unmittelbar an uns vorbei. Profiradsport zum Anfassen – und das ausgerechnet an dem Tag, an dem wir selbst mit den Rennrädern unterwegs waren.

    Als wäre das noch nicht genug, lief nebenan auch noch eine Art Holzschnitzwettbewerb. Gestandene bärtige Männer bearbeiteten dort mit Kettensägen riesige Holzstämme und verwandelten sie mit einer kaum nachvollziehbaren Präzision in wunderschöne Tiere, Figuren und Wesen.

    Unser Ökosystem war endgültig überlastet.

    Nur die Fische zeigten sich von der ganzen Veranstaltung wenig begeistert. Am Ende blieb die große Angelbeute leider aus. Woran es lag, war für Milan und Michi allerdings schnell geklärt: Bei diesem unglaublichen Lärm rund um den Teich konnte schließlich kein vernünftiger Fisch beißen.

    Diese Erklärung hatten sich die beiden vorsichtshalber bereits frühzeitig zurechtgelegt.

    Für Milan und Michi hieß es nun ohnehin: umziehen und selbst aufs Rad. Die Mädels übernahmen die Kids und für die Männer gab es ein glasklares Ziel für den Rückweg nach Žárová:

    Die Zeit der Mädels pulverisieren.

    Der Stachel vom Vortag saß schließlich noch tief. Melli hatte die Männer am Parcours des Waldspielplatzes gnadenlos deklassiert. Heute sollte die sportliche Ehre wiederhergestellt werden.

    Angestachelt von den Profis der Czech Tour, die kurz zuvor noch mit einer völlig absurden Geschwindigkeit an uns vorbeigerauscht waren, ging es los. Und die Strecke war einfach genial. Eine unglaublich schöne Rennradrunde durch die Landschaft Richtung Žárová, gutes Tempo in den Beinen und die Uhr fest im Blick.

    Es lief.

    Wir lagen richtig gut in der Zeit. Die Bestmarke der Mädels schien bereits zu wackeln und die Siegessicherheit war groß genug, unterwegs sogar noch den einen oder anderen Schnappschuss einzubauen.

    Tja.

    Zu früh gefreut.

    Denn wer es bekanntermaßen nicht im Kopf hat, muss es eben in den Beinen haben.

    Eine Abfahrt wurde verpasst. Und aus einem kleinen Navigationsfehler wurden kurzerhand acht zusätzliche Kilometer. Damit war nicht nur der sicher geglaubte Sieg dahin – am Ende brauchten wir sogar ein paar Minuten länger als die Mädels.

    Schwamm drüber.

    Denn spätestens bei der Ankunft am Haus war die Niederlage vergessen. Dort wurden wir von jubelnden Kids mit strahlenden Gesichtern empfangen, die kurz zuvor noch mit einer ordentlichen Portion Nudeln versorgt worden waren.

    Also noch einmal gemeinsam ans Lagerfeuer. Marshmallows auf die Stöcke, ab über die Glut und anschließend für die Kids direkt ins Bett.

    Und für die Erwachsenen?

    Wie sollte es inzwischen auch anders sein.

    Lagerfeuer. Sternenhimmel. Dutch Oven.

    Der selbst gefangene Fisch fehlte zwar auf dem Speiseplan, dafür gab es herrliches Grillgemüse aus dem Dutch Oven und erneut ein paar richtig gute Würstel vom Feuer.

    Und während wir dort saßen, konnte man diesen Tag eigentlich nur noch einmal Revue passieren lassen: Rennrad, über 500 Höhenmeter, Haxe, Angeln, Czech Tour, kettensägenschwingende Holzschnitzer, acht unfreiwillige Zusatzkilometer, jubelnde Kinder, Marshmallows und Lagerfeuer.

    Ein völlig normaler Samstag in Žárová eben.
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