• Bretonischer Wind

    September 2, 2025 in France ⋅ 🌬 19 °C

    Der Montag zeigte sich launisch, wie so oft hier: kurze Regenschauer und Sonne wechselten sich ab, alles wechselt in rascher Folge.
    Wir nutzten die kurzen Pausen, in denen uns keine Schauer überraschen, und fuhren hinüber auf die andere Seite unserer Landzunge, um die "Pont de Chantel" Runde zu laufen.
    Mogueriec/le Dossen: Schon der Parkplatz verriet mir, dass hier etwas im Gange war – Surfbretter und Strandbuggys und das Geräusch eines tosenden Meeres. Als wir die Düne überquerten, hielten wir den Atem an: ein Strand weit und hell, öffnete sich, keine kleinen, geschützten Buchten wie sonst hier, sondern Weite. Die Wellen: hoch, schäumend und wild. Wir blieben stehen und sahen den Surfern zu, wie sie auf "ihre" Welle warteten.
    Unser Campingplatz liegt im Windschatten, dort ist das Meer ein anderes – zahmer, fast brav, und nur bei Flut und starkem Wind erwacht es. Hier jedoch tobte sich der Atlantik aus, hemmungslos und überwältigend. Darauf waren wir nicht vorbereitet und freuten uns mächtig.
    Der Weg führte uns weiter, schlängelte sich an der Küste entlang, durch Dünen, dann hinein in sandige Waldpfade. Die Landschaft erinnerte mich an Gegenden weiter südlich, bei Bordeaux vielleicht – dieselbe Landschaft: Kiefern, Weite und die Stille nur unterbrochen vom tosenden Meer.

    Saint-Pol-de-Léon.
    Seit einer Woche sind wir nun hier. Der Morgen beginnt ungestüm, wie es sich für diesen Landstrich gehört: Windböen rütteln am Wohnwagen, Regen trommelt gleichmäßig auf das Dach. Laut Wetterbericht kündigt sich für die Nacht ein Sturm an. Sechzig Kilometer pro Stunde – eine Zahl, die man auch in der Bretagne ernst nimmt.
    Also: Baumarkt. Spanngurte. Eine Sicherung der Markise, damit sie nicht von unten erfasst und wie ein Segel aufgerissen wird. Prävention ein Muss.
    Doch dann wieder hinaus in die Welt. Wieder der GR 34. Dieses Mal noch weiter westlich, wilder, unberechenbarer. Startpunkt: Kerscouarnec. Gestern war nur ein Vorgeschmack auf heute.
    Die Felsen – bizarr, grotesk. Das Meer tosend, Wind, der einem die Frisur zerzaust, Sonne und Wolken im unablässigen Wechsel. Steinformationen, als hätte sie jemand arrangiert: Luftlöcher, Gesichter, Figuren, Fratzen, Tiere. Ein hakennasiges Steinprofil starrt am Wegesrand aufs Meer. Man fragt sich unwillkürlich: Wer hat diese Szenerie entworfen?
    Wir durchqueren ein kleines Dorf mit Häusern, alles wirkt friedlich und still und wir nehmen wieder eine Inspiration für zu Hause mit. Vor uns liegen Pferdekoppeln, Maisfelder, Porree, Rotkohl, Artischocken und Gemüsekohl.
    Kurz vor dem Ende der Runde überrascht uns doch noch ein Schauer. Aber wir sind vorbereitet, die Regenjacken leisten gute Dienste.
    Zurück am Campingplatz: Kaffee. Danach ein kurzer Spaziergang zur Îlot Sainte-Anne.
    Windig...selbstverständlich.
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