• Massentourismus- moderner Kolonialismus?

    November 24, 2025 in Kenya ⋅ ⛅ 28 °C

    FB: Unwillkürlich drängt sich ein Vergleich auf, wenn man an einer Safari teilnimmt. Ein Vergleich mit Kolonialzeiten, mit dem ausgebenden 19. Jahrhundert. Die Fahrer der zu Safarifahrzeugen aufgerüsteten Landcruiser sind Afrikaner, die Passagiere Europäer, Amerikaner, Chinesen, Japaner und sehr viele Inder, letztere oft mit Großfamilie. Natürlich nicht mehr mit Tropenhelmen und weißen -Anzügen. An deren Stelle treten bei vielen Touristen khakifarbene Hüte, Hemden und Shorts. Indiana Jones lässt grüßen. Und statt mit Pferden oder zu Fuß sind die Entdecker von heute eben mit Spezialfahrzeugen unterwegs. Wer sich dazu noch etwa den Luxus einer frühmorgendlichen Ballonfahrt (450 US-Dollar) leisten will, wird anschließend mit einem Frühstück auf einem weiß gedeckten Tisch im Freien verwöhnt. Bedient natürlich von Afrikanern.

    Oft kommen die Gäste genau für eine Woche, nach der Safari geht es wieder nach Hause. Übernachtet wird in Unterkünften aller Schattierungen. Von einfachen Lodges mit großen Zelten bis hin zu massiven Luxus-Ressorts aus Holz und Glas mit Pool und Massage, je nach Geldbeutel und Bereitschaft diesen zu leeren.

    Nur: das ist eben Tourismus. Und auf Tourismus ist ein unterentwickeltes Land wie Kenia (HDI-Index, also Index der menschlichen Entwicklung Platz 143 von 193 Staaten) dringend angewiesen. An Großprojekten wie Nationalparks verdient ja nicht nur der Staat. Es verdienen auch viele Angestellte, viele Kleinunternehmer, die Beherbergungsbetriebe rund um den Park und nicht zu vergessen die zahlreichen Souvenierverkäuferinnen. Ohne den Park und die vielen Touristen wären sie ohne Arbeit.

    Werden diese zuviel? Der Eindruck könnte entstehen, wenn sich an einer Wasserstelle plötzlich 24 (!) Safarifahrzeuge um die beste Position für ein Foto streiten, nur weil ein Leopard gesichtet wurde. Dem scheint der Rummel übrigens völlig egal zu sein. Scheinbar unbekümmert wartet er still auf Beute, ohne die schaulustigen Besucher zu registrieren.
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