• Auf geht's durchs "Höllentor"

    27. November 2025 in Kenia ⋅ ⛅ 22 °C

    CM Heute ist der letzte Tag unserer 5-Tagessafari. Mit verkleinerter Gruppe fahren wir zum nahegelegenen Hell's Gate Nationalpark. Der Name zu deutsch "Höllentor" hört sich dramatisch an. Ich rechne schon mit siedenden Quellen und stinkenden Schwefelschwaden, aber weit gefehlt. Vor der Einfahrt zum Park fragt uns Evans, wer wandern und wer mit dem Rad fahren will. Ich entscheide mich fürs Rad und Franz für einen Fußmarsch.
    An der Abzweigung zum Park halten wir beim Fahrradverleih an. Dort darf ich aus ca. 100 mehr oder weniger ramponierten Rädern eines auswählen. Nach einer kurzen Proberunde nehme ich ein etwas älteres Mountainbike. Hauptsache die Bremsen funktionieren gut denke ich mir. Nun nehme ich an, dass die Radlgruppe mit dem Velo gleich zum nahen Park fährt. Aber nein, nachdem die 4 Räder auf ein Motorrad geschnallt sind, steigen wir wieder in unseren Geländewagen und fahren zur nahen Einfahrt. Dort stehen dann schon die Mieträder und wir dürfen erstmal eine zusätzliche Gebühr von ca 13 Euro bezahlen damit wir mit dem Fahrrad reinfahren dürfen. Uns 3 Radfahrern wird auch noch Samuel ein örtlicher Führer zugeteilt. Der Park ist rechts und links von rötlichen Felsen vulkanischen Ursprungs gesäumt und wir fahren durch eine Savannenlandschaft. Gleich zu Beginn treffen wir auf Zebras und Impalas. Die Tiere hier sind aber etwas scheu. Als wir zum fotografieren heranfahren weichen sie immer zurück. Gott sei Dank geht der Weg immer leicht bergab, denn es rächt sich meine oberflächliche Radbegutachtung. Sobald ich etwas ins Pedal trete springt die Kette immer einen Zahn weiter. Der Zahnkranz ist schon so abgefahren und die Kette so ausgleiert, das keine vernünftige Kraftübertragung mehr möglich ist. Da bin ich dann ausnahmsweise froh, dass ich nur zum Ende des Parks fahren muss und die Räder dann wieder per Motorrad zurückgebracht werden.
    Also Schwefelgeruch habe ich nicht bemerkt, aber es gibt einzelne heiße Quellen an den Felswänden.

    FB: Endlich zu Fuß unterwegs. Für mich war von vornherein klar, den letzten Tag, den letzten Nationalpark wollte ich nicht mit dem Auto, auch nicht mit einem der klapprigen Fahrräder, sondern langsam gehend und weitgehend alleine erleben. Knapp acht Kilometer, leicht abfallende Schotterstraße und mein Tempo selbst bestimmend.

    Nach knapp zwei Stunden ist die Ranger-Station am Eingang zum steil eingeschnittenen Canyon Ol Jorowa erreicht. Gegen Gebühr führt einen Guide Samuel einen mitunter etwas glitschigen vom Wasser ausgespülten Weg zum Canyongrund, einen Weg, den man alleine ganz genauso hätte gehen können. An manchen Stellen fallen grüne schmierige Algen an den Felswänden auf, über die Wasser fließt. Über 40 Grad hat dieses Wasser, an einigen Orten oberhalb des Canyon wird es geothermisch genutzt. Die Gegend ist vulkanisch aktiv, der nahe 2770 Meter hohe Longonot brach 1860 zum letzten Mal aus.

    Wie gefährlich, ja lebensgefährlich dieser Weg allerdings bei plötzlich einsetzendem Regen sein kann, zeigen die zahlreichen „Emergency Exits“, steile Treppen, auf denen sich Wanderer im Bedarfsfall retten können. Denn innerhalb kürzester Zeit kann aus dem fast versickernden Rinnsal am Grund des Canyons ein meterhoher reißender Fluß werden, der laut unserem Guide immer wieder Todesopfer fordert. Deshalb wird der Weg von den Parkrangern auch sofort geschlossen, wenn sich Regen auch nur andeutet. Trotz dunkler Wolken und den daraus resultierenden Mahnungen des Guides zur Eile, wir haben jedenfalls keinen einzigen Tropfen abbekommen.

    Bei der Rückkehr zur Ranger Station dann eine unliebsame Überraschung: mein als Mitbringsel für meinen Sohn gedachter im Auto gelassener kenianischer Spezialkaffee hat einen Pavian animiert, durch das aus Versehen offen gelassene Seitenfenster einzusteigen. Die Packung war zerfetzt, einige Kaffeebohnen lagen auf dem Boden, doch muss das schlaue Vieh ziemlich schnell gemerkt haben, dass es sich um Kaffee und nicht etwa um Nüsse oder Süßigkeiten handelte.

    Vier Stunden später und permanenten Telefonaten unseres deshalb meist einhändig fahrenden Drivers Evan landen wir dann wieder im Smog der Metropole Nairobi. Fünf Tage Urlaub sind zu Ende!
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