• Von Silute nach Rambynas

    12 września 2025, Litwa ⋅ ⛅ 21 °C

    Heute Morgen – endlich ohne Regen – wirkte Šilutė gleich deutlich freundlicher als noch am Vorabend. Auch unsere Unterkunft hatte ihren ganz eigenen Charme: Die Villa Verdaine wurde bereits vor dem Ersten Weltkrieg als Restaurant erbaut und verfügte über eines der ersten Radios im Memelland. Schon ab 1924 lauschten die Gäste hier Musik und Nachrichten aus Königsberg, Berlin, London und anderen europäischen Städten. Heute dient das historische Gebäude vor allem als Altersheim mit angeschlossenem Minihotel.

    Auf dem Rad standen heute gut 50 Kilometer auf dem Programm – und endlich erreichten wir die Memel. Die Strecke selbst war allerdings weniger spektakulär als die Tage zuvor: Oft verlief sie entlang einer recht stark befahrenen Landstraße durch eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte Region, in der Ortschaften eher selten sind.

    Für die kommenden zwei Nächte haben wir im Senasis Rambynas Quartier bezogen – einem idyllisch gelegenen Gehöft mit Restaurant, mitten im Grünen und genau richtig, um etwas durchzuatmen.

    Exkurs: Die Wolfskinder

    Heute kamen wir auch an einer Gedenktafel vorbei, die an die sogenannten Wolfskinder erinnert und den Litauern dankt, die nach dem Zweiten Weltkrieg viele dieser Kinder aufgenommen haben.

    Als „Wolfskinder“ bezeichnet man vor allem deutsche Kinder und Jugendliche aus Ostpreußen, die nach Kriegsende durch Flucht, Vertreibung und den Verlust ihrer Familien auf sich allein gestellt waren. Viele schlugen sich bis nach Litauen durch, oft in kleinen Gruppen, ständig bedroht von Hunger, Kälte und Krankheiten. Um zu überleben, mussten zahlreiche Kinder ihre Herkunft verschweigen und sich ein neues Leben in einer fremden Umgebung aufbauen.

    Die Geschichten der Wolfskinder gehören zu den bewegendsten und tragischsten Kapiteln der Nachkriegszeit – und machen deutlich, wie lange die Folgen des Krieges für viele Menschen nachwirkten.
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