2. Tag Marrakesch
January 14 in Morocco ⋅ ⛅ 14 °C
Und wieder fällt das Aufstehen schwer. Diesmal liegt es an der Nacht. Meine kleine „Erkältung“ ist über Nacht ausgewachsen: Nase, Stirn- und Nebenhöhlen komplett zu – da geht nichts mehr. Mist.
Also lassen wir es ruhig angehen. Erst nach einem späten Frühstück schlendern wir los. Diesmal wollen wir Marrakesch auf eigene Faust erkunden, genauer gesagt ein ganz bestimmtes Viertel: El Mellah, das älteste jüdische Viertel der Stadt.
Wir passieren den prunkvollen Bahia-Palast und landen im offensichtlichen Gegensatz: heruntergekommene Häuser und Straßen, gebückte, zahnlose Menschen, Müll, Elend, Dreck. Puh. So hatten wir uns das nicht vorgestellt.
El Mellah entstand nach der spanischen Inquisition, als rund 30.000 jüdische Flüchtlinge in Marrakesch Schutz suchten – und bleiben durften. Damals gab es allein in diesem Viertel 35 intakte Synagogen, zahlreiche Schulen und florierenden Handel. Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs lebten in Marokko rund 400.000 Jüdinnen und Juden, die größte Gemeinde in Marrakesch, weitere im Atlasgebirge. Nach der Gründung des Staates Israel leben heute nur noch etwa 200 von ihnen in Marrakesch. Und das in El Mellah. Wobei man das kaum Leben nennen kann.
Anscheinend bemüht sich Marokkos König um das Viertel und die verbliebene Bevölkerung. Wir sehen davon nichts. Zuerst besuchen wir eine der zwei noch intakten Synagogen samt Museum – sehr hübsch – danach den jüdischen Friedhof. Die stark verblichenen weißen Grabmäler sollen dem Aufbau der Stadt Marrakesch nachempfunden sein. Männer, Frauen, Kinder, Geistliche, Politiker und andere „Würdenträger“ – alle voneinander getrennt begraben. Ein düsterer Ort, passend zu den noch Lebenden. Schnell weiter.
Wir laufen die Hauptstraße entlang. Super stressig, super viel los. Dann endlich ein üppig bepflanzter Stadtpark. Von dort gelangen wir schließlich zum berühmten Hotel La Mamounia, angeblich eines der besten Hotels der Welt. Ehemalige Gäste: Roosevelt, de Gaulle, Mandela, Churchill, Reagan, Kohl. Die „Öffentlichkeit“, also westliche Touristen wie wir, darf hinein und das prunkvolle Innere sowie die paradiesische Parkanlage bestaunen. Kaffee: 7,50 €. Verrückt. Und auch hier fühlen wir uns dezent deplatziert. Vor allem ich mit meiner Schniefnase. Also zurück.
Wir gehen lecker essen, danach muss ich ins Riad. Der Kopf dröhnt inzwischen, ich muss ins Bett. Während ich mich etwas erhole und nebenher arbeite (selbstständig, klar), geht Jan ins Hammam – ein türkisches Bad. Mit anderen Männern in Unterhosen sitzt er auf warmen Fliesen und begießt sich mehrfach mit heißem Wasser, bis er ganz sauber ist. Als Anfänger wusste er nicht, dass man sein eigenes Peeling-Equipment mitbringen sollte, also muss das Duschgel reichen.
Nach zwei Stunden Erholung holt er mich ab, wir gehen Abendessen. Leckere Tajine, und ich probiere das Schmorhühnchen Tanjia – beides gut. Währenddessen läuft das Halbfinale des Africa Cup: Nigeria gegen Gastgeber Marokko. Alle sind aus dem Häuschen. Sweet. Wir drücken die Daumen.Read more























TravelerHallo Damiana, pass einfach gut auf dich und das Baby auf, mach bitte keine verrückten Sachen, lieber Gruß Reinhard
TravelerNa klar machen wir! 😃