• Ein Tag zum Vergessen

    January 18 in Morocco ⋅ 🌙 12 °C

    Wie im Leben selbst ist auch das Reisen von Höhen und Tiefen geprägt. Während der gestrige Tag traumhaft schön endete, entpuppt sich der heutige als eine einzige Qual.

    Wir erwachen frühmorgens in unserem Berberzelt. Es ist eisig kalt, eigentlich wollen wir gar nicht aufstehen. Doch der Zeitplan ruft. Nach einem trockenen Frühstück – weiße Kohlenhydrate und Zucker – wandern wir die Dünen hinauf, um den Sonnenaufgang zu sehen. Für einen kurzen Moment ist es wunderschön. Dann ziehen dichte, graue Wolken auf und versperren die Sicht. Regenwolken in der Wüste? Wir sind irritiert.

    Heute steht die Rückfahrt an, geplante Ankunftszeit in Marrakesch: 20 Uhr. Zwölf Stunden Busfahrt liegen vor uns, auf schmalen, engen Sitzen. Krass. Aber das wussten wir vorher und versuchen, die Stimmung hochzuhalten. Was niemand eingeplant hat, ist der Regen. Und aus Regen werden plötzlich dicke, weiße Flocken. Es schneit in der Wüste! Selbst unser Guide kann es kaum glauben. Die Sicht wird immer schlechter. Und dann passiert, was passieren musste: Der Gebirgspass Tizi n'Tichka nach Marrakesch wird gesperrt. Scheiße.

    Wir sollen hier über Nacht bleiben. Sich aufzuregen bringt nichts. Also buchen wir ein Hotel in Ouarzazate und kämpfen uns weiter durch den Schnee. Auf der kargen Steinwüste liegt inzwischen eine geschlossene Schneedecke. Palmen und Olivenbäume sind zugedeckt, Menschen versuchen sich mit Teppichen und Handtüchern vor dem Schnee zu schützen. Surreal. Klimawandel live.

    Irgendwann kommt die Nachricht, dass die Route nach Marrakesch über Agadir wieder freigegeben ist. Der Vorteil: Alle mit Rückflug am nächsten Tag können ihren Flug erreichen. Der Nachteil: Fünf zusätzliche Stunden Busfahrt. Die Mehrheit entscheidet sich für den Umweg. Also gut. Wir stornieren das Hotel und fahren weiter.

    War die Schwangerschaft auf Reisen bislang kein Hindernis, spüre ich nun jeden Kilometer, jede Bodenwelle, jede Kurve. Die Situation wird zunehmend unerträglich. Schlafen ist wegen der Übelkeit unmöglich. Es hilft nichts – ich muss da durch. Währenddessen verfolgen die anderen im Bus das Finale des Africa Cups: Marokko gegen Senegal. Marokko verliert in der Verlängerung. Ein schlechter Tag – für mich, für den ganzen Bus und für alle marokkanischen Fans.

    Doch auch diese Qual hat irgendwann ein Ende. Um ein Uhr nachts erreichen wir Marrakesch. Wir steigen aus. Mein ganzer Körper schmerzt, ich zittere, obwohl mir gar nicht kalt ist. Nach einer langen, heißen Dusche fallen wir völlig erschöpft ins Bett.

    Mein Learning: Nie wieder 17 Stunden Busfahrt auf engstem Raum während der Schwangerschaft.
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