Bergson-Kunstkraftwerk
July 23 in Germany ⋅ ⛅ 22 °C
Die Architektur: Monumentale Weite
Schon beim Betreten des Geländes in Aubing beeindruckt die schiere Masse des ehemaligen Heizkraftwerks. Der Kontrast zwischen dem rauen, denkmalgeschützten Sichtbeton, den rostfarbenen Stahlelementen und den modernen, minimalistischen Glasanbauten ist spektakulär. Herzstück ist das gigantische, 25 Meter hohe Atrium. Hier oben zu stehen und in den riesigen Raum zu blicken, fühlt sich gleichzeitig sakral und urban an. Die Architektur bewahrt die industrielle Vergangenheit perfekt, öffnet sie aber durch Lichtbänder und offene Ebenen für eine völlig neue, luftige Dynamik.
Der Konzertsaal: Akustische Chamäleon-Technologie
Das absolute Highlight für die Ohren ist das Elektra Tonquartier. Der Saal mit rund 450 Plätzen bricht mit traditioneller Konzertsaal-Architektur. Das Geheimnis liegt in den Wänden: Ein softwaregesteuertes, elektronisches Raumakustik-System verwandelt den Raum per Knopfdruck. Bei der Jazz-Session fühlt sich der Sound trocken, intim und direkt an – als stünde man in einem kleinen New Yorker Kellerclub. Nur Minuten später, bei einem klassischen Stück, simuliert die Technik den majestätischen Nachhall einer Kathedrale. Diese akustische Flexibilität ist faszinierend und macht jeden Sitzplatz zum perfekten Hörplatz.
Die drei Säulen des Erlebnisses
1. Konzerte & Veranstalter: Das Programm bricht bewusst mit elitären Grenzen. Von klassischer Kammermusik über bildende Kunst in den ehemaligen Silos bis hin zu mitreißendem Techno im Live-Club Barbastelle greift hier alles ineinander. Die Macher nutzen die verschiedenen Räume extrem clever, um Brücken zwischen Hoch- und Popkultur zu schlagen.
2. Kulinarik: Das kulinarische Konzept spiegelt den anspruchsvollen, aber nahbaren Charakter des Hauses wider. Im Restaurant Zeitlang wird moderne, gehobene Küche serviert, während die Tagesbar Anima perfekt für einen schnellen Espresso oder Aperitif zwischen zwei Ausstellungen ist. Im Sommer lockt zudem der riesige, entspannte Biergarten.
3. Musikproduzenten & eigene Musiker: Das Bergson ist kein reines Gastspielhaus, sondern eine kreative Fabrik. Als "Homebase" der berühmten Jazzrausch Bigband und unter der Leitung von Roman Sladek spürt man an jeder Ecke die Handschrift aktiver Musikproduzenten. Hier wird Musik nicht nur konsumiert, sondern vor Ort gelebt, produziert und in neuen, spartenübergreifenden Formaten frisch gedacht.
Im Bergson Kunstkraftwerk lebt die streng geschützte Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus). Während des jahrzehntelangen Leerstands nutzte sie das Gebäude als Winterquartier.Bei der Sanierung wurde für die Tiere ein eigenes, 70 Quadratmeter großes Keller-Biotop mit High-Tech-Belüftung und Einflugschneisen eingerichtet. Als Hommage an die tierischen Bewohner wurde der Live-Club im Untergeschoss nach ihrem wissenschaftlichen Namen benannt: Barbastelle.Read more














