• Tag 112 - Seetag

    1. mars, Indischer Ozean ⋅ 🌬 17 °C

    Heute ist wieder ein Seetag. Und was für einer.
    Das Meer zeigt sich von seiner wilden Seite – 6 Meter hohe Wellen, Windstärke 10. Temperatur 17 Grad, gefühlt wie 9🥲, wie schon vom Kapitän vorhergesagt. Das Schiff arbeitet spürbar gegen Wind und Wasser, es knarzt hier und da, es wackelt und wackelt.
    Zum Glück haben wir erst einmal in Ruhe gefrühstückt. Ein voller Magen ist wichtig an so einem Tag. Für mich gehört heute auch die Reisetablette gegen zu viel Seegang dazu ohne die geht es gar nicht.
    Für den Nachmittag wurde noch stärkerer Wind angesagt. Das ständige Gewackel hat mich unglaublich angestrengt, trotz Reisetabletten. Mein Körper hat klar signalisiert: Pause. Also bin ich in der Kabine geblieben, habe weder Sport gemacht noch die Sauna besucht. Habe erst gearbeitet und mich dann hingelegt. Mehr ging nicht. Ein Telefonat mit meiner Enkelin Hermina musste dennoch sein. Sie wurde heute vier Jahre. Wie die Zeit vergeht. Ich freue mich so auf alle meine Kinder und Enkelkinder.
    Andreas war dagegen fleißig – erst Sport, dann Sauna. Ich habe mich für ihn gefreut, während ich versucht habe, mit der Übelkeit und dieser bleiernen Müdigkeit klarzukommen.
    Zum Sonnenuntergang sind wir am Kap Agulhas vorbeigefahren, dem südlichsten Punkt Südafrikas. Ein besonderer Moment. Hier treffen der Indische Ozean und der Atlantik aufeinander – zwei gewaltige Meere, die sich genau an diesem Punkt begegnen. Daher auch der Wellengang und Sturm.
    Und doch lag ein Schatten über diesem Tag. Die Nachrichten über die Angriffe in so vielen Ländern durch Iran – unfassbar. Dubai, Oman, Doha … Orte, die man mit Reisen, Licht, Wärme verbindet. Und plötzlich klingen sie nach Bedrohung. Diese Welt fühlt sich manchmal so widersprüchlich an: Wir fahren an einem der schönsten Punkte Afrikas vorbei, während anderswo Raketen einschlagen. Das beschäftigt mich.
    Wir waren nur kurz essen. Den Abend lassen wir ruhig mit „Tatort“ ausklingen. Jetzt ist die Zeitverschiebung nur noch eine Stunde. Ein kleines Stück Normalität.
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