Stürmische Zeiten am Ganges
Sep 24–30 in India ⋅ 🌧 31 °C
Varanasi hatten wir uns ganz anders vorgestellt: einen breiten Fluss unter blauem Himmel, große Hitze und eine Bootsfahrt zum Sonnenaufgang auf dem Ganges.
Als wir ankamen, war es jedoch Nacht. Mit dem Taxi fuhren wir bis ins alte Viertel, hinunter zu den Ghats. Und je näher wir kamen, desto verrückter wurde der Verkehr: Hupen von allen Seiten, Menschen, Hunde, Rinder, Ziegen, Hunderte Tuk-Tuks und Fahrräder – scheinbar völlig ohne erkennbare Verkehrsregeln. Für uns Westeuropäerinnen ein einziges Desaster. Jeden Moment erwarteten wir den Kollaps. Doch der kam nicht. Die Inder beherrschten dieses Chaos mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit. Und wir mittendrin.
Da die Gassen rund um unser Hotel und hinunter zu den Ghats viel zu eng für Tuk-Tuks oder Taxis sind, mussten wir aussteigen. Ein Kofferträger nahm uns das Gepäck ab, und dirigierte uns schnellen Schrittes durch die verwinkelten, dunklen und ziemlich stinkenden Gassen von Varanasi. Schon nach kurzer Zeit hatten wir völlig die Orientierung verloren. Als wir schließlich vor unserem Hotel standen, waren wir vor allem eines: erleichtert.
Am nächsten Morgen war der Ganges war noch immer braun, und die Fahnen flatterten heftig im heulenden Wind. Alle Bootsfahrten waren deshalb untersagt und der Traum vom Sonnenaufagng geplatzt. Als wäre das nicht genug, hatte Marisas Netzteil vom Laptop den Geist aufgegeben. Also machten wir uns auf den Weg durch die engen Gassen von Varanasi, um Ersatz zu finden. Und natürlich kam es, wie es kommen musste: Wir haben uns prompt verlaufen. Später fuhren wir mit dem Tuk-Tuk zu einem kleinen Telekommunikationsladen, den wir im Internet aufgestöbert hatten. Eine Glasvitrine mit ein paar neuen Tastaturen und Mäusen, eine Theke und eine Klimaanlage – viel mehr gab es nicht. Aber der Chef wusste, was er tat. Und tatsächlich: Wenig später hieß es „Simsalabim“ – und das Gerät lief wieder.
Später wollten wir mit einem Tuk-Tuk zurück zum Hotel. Ein Fahrer hatte allerdings keine große Lust und verwies uns auf einen Kollegen, der direkt daneben mit einer Fahrradrikscha stand. Der Mann war alt, älter als wir beide, sehr hager. Etwas steif und ungelenk stiegen wir ein. Er schwang sich auf den Sattel und trat in die Pedale – doch viel passierte zunächst nicht. Der Mann war so dünn und hatte so wenig Kraft in den Beinen, dass er sich bei jedem Tritt regelrecht ins Pedal hängen musste. Sobald es leicht bergauf ging oder größere Schlaglöcher kamen, stieg er ab und schob. Wir saßen hinten und wussten gar nicht so recht, wie wir damit umgehen sollten. Einerseits hatten wir großes Mitleid mit diesem Mann, denn die Fahrt war für ihn offensichtlich unglaublich anstrengend. Andererseits dachten wir: Vielleicht sind wir für ihn heute ein gutes Geschäft, vielleicht sogar „die Einnahme des Tages“. Es war eine unglaublich langsame Fahrt und aufreibend für beide Seiten. Wir mussten feststellen: Die indische Realität hatte uns schneller eingeholt, als uns lieb war.Read more
































Sabine-on-TourDas mit den Fahrrad-Rikscha-Fahrern ging mir im Dezember in Rajasthan genauso. Es ist gerade für die, die körperlich nicht so fit sind, ein sehr harter Job. Dank unseres sehr schlechten Gewissens, gab es ein sehr großzügiges Trinkgeld...
TravelerDas mit dem Trinkgeld war bei uns auch so. Zumal die Rikscha immer noch viel günstiger ist, als ein Tuktuk. Verkehrte Welt! Viele Grüße
Sabine-on-TourEuch noch eine tolle Reise mit vielen schönen Begegnungen und Erlebnissen. Viele Grüße aus Brühl