Stürmische Zeiten am Ganges
24–30 sep., Indien
🌧 31 °C
Varanasi hatten wir uns ganz anders vorgestellt: einen breiten Fluss unter blauem Himmel, große Hitze und eine Bootsfahrt zum Sonnenaufgang auf dem Ganges.
Als wir ankamen, war es jedoch Nacht. Mit dem Taxi fuhren wir bis ins alte Viertel, hinunter zu den Ghats. Und je näher wir kamen, desto verrückter wurde der Verkehr: Hupen von allen Seiten, Menschen, Hunde, Rinder, Ziegen, Hunderte Tuk-Tuks und Fahrräder – scheinbar völlig ohne erkennbare Verkehrsregeln. Für uns Westeuropäerinnen ein einziges Desaster. Jeden Moment erwarteten wir den Kollaps. Doch der kam nicht. Die Inder beherrschten dieses Chaos mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit. Und wir mittendrin.
Da die Gassen rund um unser Hotel und hinunter zu den Ghats viel zu eng für Tuk-Tuks oder Taxis sind, mussten wir aussteigen. Ein Kofferträger nahm uns das Gepäck ab, und dirigierte uns schnellen Schrittes durch die verwinkelten, dunklen und ziemlich stinkenden Gassen von Varanasi. Schon nach kurzer Zeit hatten wir völlig die Orientierung verloren. Als wir schließlich vor unserem Hotel standen, waren wir vor allem eines: erleichtert.
Am nächsten Morgen war der Ganges war noch immer braun, und die Fahnen flatterten heftig im heulenden Wind. Alle Bootsfahrten waren deshalb untersagt und der Traum vom Sonnenaufagng geplatzt. Als wäre das nicht genug, hatte Marisas Netzteil vom Laptop den Geist aufgegeben. Also machten wir uns auf den Weg durch die engen Gassen von Varanasi, um Ersatz zu finden. Und natürlich kam es, wie es kommen musste: Wir haben uns prompt verlaufen. Später fuhren wir mit dem Tuk-Tuk zu einem kleinen Telekommunikationsladen, den wir im Internet aufgestöbert hatten. Eine Glasvitrine mit ein paar neuen Tastaturen und Mäusen, eine Theke und eine Klimaanlage – viel mehr gab es nicht. Aber der Chef wusste, was er tat. Und tatsächlich: Wenig später hieß es „Simsalabim“ – und das Gerät lief wieder.
Später wollten wir mit einem Tuk-Tuk zurück zum Hotel. Ein Fahrer hatte allerdings keine große Lust und verwies uns auf einen Kollegen, der direkt daneben mit einer Fahrradrikscha stand. Der Mann war alt, älter als wir beide, sehr hager. Etwas steif und ungelenk stiegen wir ein. Er schwang sich auf den Sattel und trat in die Pedale – doch viel passierte zunächst nicht. Der Mann war so dünn und hatte so wenig Kraft in den Beinen, dass er sich bei jedem Tritt regelrecht ins Pedal hängen musste. Sobald es leicht bergauf ging oder größere Schlaglöcher kamen, stieg er ab und schob. Wir saßen hinten und wussten gar nicht so recht, wie wir damit umgehen sollten. Einerseits hatten wir großes Mitleid mit diesem Mann, denn die Fahrt war für ihn offensichtlich unglaublich anstrengend. Andererseits dachten wir: Vielleicht sind wir für ihn heute ein gutes Geschäft, vielleicht sogar „die Einnahme des Tages“. Es war eine unglaublich langsame Fahrt und aufreibend für beide Seiten. Wir mussten feststellen: Die indische Realität hatte uns schneller eingeholt, als uns lieb war.Läs mer
Auf uns die Sintflut
24–30 sep., Indien
🌧 30 °C
Wir hatten gedacht, dass heute nur ein kleines, unspektakuläres Programm auf uns wartet. Aber wir hatten uns getäuscht. In Indien ticken die Uhren anders – und kleine Abenteuer und Unvorhergesehenes sind immer schon hinter der nächsten Ecke anzutreffen.
Beim losgehen freuten uns zunächst einmal darüber, dass die Wettervorhersage offensichtlich nicht stimmte: Kein Regen!
Wir wollten mit einem Tuk-Tuk in die Stadt fahren, um eine indische SIM-Karte für Ines’ Handy zu besorgen. Wir schlenderten durch die Gassen und trafen dort auf eine Gruppe von Frauen. Sie sprachen uns sofort an und wollten unbedingt Fotos mit uns machen. Gerade diese kleinen Begegnungen mit indischen Frauen sind etwas ganz Besonderes. Man versteht sich erstaunlich schnell, oft fast ohne Worte. Und innerhalb kürzester Zeit entsteht dieses fröhliche, aufgeregte Durcheinander. Denn mit EINEM Gruppenfoto war es natürlich nicht getan. Es war ein großes Hallo – und vor allem eine unglaublich herzliche und schöne Begegnung.
An der Hauptstraße angekommen, schlendern wir ein wenig am Straßenrand entlang und werden wir plötzlich in einen kleinen Tempel hineingebeten. Wir sind sofort begeistert von den leuchtenden Farben, den vielen kleinen Lichtern und vor allem von der besonderen Atmosphäre. Immer wieder kommen Menschen herein, gehen andächtig um den kleinen Schrein herum und lassen dabei die Glocke erklingen. Wieder einmal sind wir mitten in einem Stück Indien gelandet, das man nicht planen kann – und gerade deshalb so besonders ist.
Dann ging die Jagd nach der SIM-Karte endlich los. Kaum waren wir in das Tuk-Tuk eingestiegen, fing es an zu tröpfeln. Aus dem Tröpfeln wurde Regen. Aus dem Regen wurde Starkregen. Und daraus schließlich eine richtige Sintflut. Der Regen prasselte so heftig auf uns nieder, dass Niemand mehr richtig erkennen konnte, wer auf welcher Spur unterwegs war und wie sicher man überhaupt noch fahren konnte. Das große indische Durcheinander war zu einem sehr nassen großen indischen Durcheinander geworden.
Irgendwann ließ der Regen nach. Aber wie das so ist: Nach dem großen Regen kommen die großen Pfützen. Wir standen noch eine Weile da und überlegten: Müssen wir da jetzt wirklich durch?
Ja, wir müssen.
Also zogen wir Strümpfe und Schuhe aus und machten uns auf den Weg. Die Pfützen reichten uns bis zu den Knöcheln, und die Straßen waren zu diesem Zeitpunkt praktisch vollständig überflutet. Es blieb uns nichts anderes übrig als mitten durch die Wassermassen zu waten als wäre das hier das Normalste der Welt. Und irgendwie war es das dann auch.
Inzwischen waren wir ganz in der Nähe eines kleinen Ladens angekommen, der in Varanasi ziemlich bekannt ist – und längst auch über die Grenzen der Stadt hinaus. Wir hatten ihn schon von Deutschland aus im Internet aufgespürt: Blue Lassi.
Der kleine Laden ist berühmt für seine ausgefallenen Lassis. Mit frischen Früchten oder mit Trockenfrüchten, wunderbar anzusehen und genau so lecker. Genau das Richtige nach unserem unfreiwilligen Fußbad durch die überfluteten Straßen. Als wir ankamen, war der Laden allerdings schon voll. Jeder verfügbare Platz war besetzt. Aber kein Problem: Zwei Europäer passen irgendwie immer noch dazwischen. Wer einmal einen ausgezeichneten Lassi trinken möchte ist hier genau richtig!
Wir saßen außerdem an einer strategisch ausgesprochen guten Ecke und hatten einen wunderbaren Blick hinaus in die Gassen. Dort spielte sich weiterhin das ganz normale Varanasi-Leben ab – mit Menschen, Rindern, dem ständigen Gehupe und allem, was sonst noch so dazugehört.
Was wir dort noch gesehen haben, folgt - etwas ausführlicher - schon im nächsten Kapitel.Läs mer
Stolz in Varanasi
27 september, Indien
☁️ 26 °C
Heute haben wir einen City Walk mit unserem Guide Sanjay unternommen. Er hatte sich ein wirklich tolles Programm für uns ausgedacht und führte uns zu Fuß durch Varanasi – vorbei an einem Königspalast aus dem 16 Jahrh., einem Hindutempel und einem alten Tempel auf dessen Plätzen die Menschen heute ihre Wäsche zum trocknen auslegen und der aussieht, als wäre er eine Kulisse für „Mogli“.
Auf Ines’ besonderen Wunsch hin, sind wir auch am „Shivala Dangal“ vorbeigegangen. Dabei handelt es sich um eine traditionelle Wrestling-Schule. Gleichzeitig ist es aber auch eine Art Gym wo man zum trainieren hingeht. Die Trainingsgeräte und Gewichte sind kurios, und die Möglichkeiten, die den Sportlern zur Verfügung stehen, sind im Vergleich zu unseren Fitnessstudios begrenzt. Aber eines ist überall deutlich zu spüren: Der Stolz auf die Leistung, auf die Muskeln, auf das Können und auf das, was man sich durch Training erarbeitet hat. Und genau darin gibt es erstaunliche Übereinstimmungen mit unseren Fitnessstudios zu Hause. Ein Highlight des Tages!
Weiter ging es zum Shivala Ghat. Hier sitzen Gläubige im Ganges und beten. Andere lassen kleine Kerzen auf dem Fluss schwimmen und verbinden damit einen Wunsch. Denn der Ganges nimmt die Wünsche auf und trägt sie weiter – und vielleicht gehen sie dann irgendwann in Erfüllung. Wir haben natürlich auch eine Kerze auf die Reise geschickt. Dieses Ghat ist außerdem für ein Ereignis bekannt, das man sich an diesem überschaubaren Ort kaum vorstellen kann: Alle zwölf Jahre findet die „Kumbh Mela“, eines der größten Pilgerfeste der Welt, statt. Dann wird hier eine Essensausgabe eingerichtet. Ein Teil der Rund 20.000 „Babas“ sollen an diesem kleinen Ghat versorgt werden können. Unvorstellbar! Aber in Varanasi scheint eben vieles möglich zu sein.
Am Abend hatten wir tatsächlich noch Energie – und wollten zum Ganga Aarti. Die Ganga Aarti ist eine spirituelle Feuerzeremonie direkt am Ufer des Ganges, die zu Ehren des heiligen Flusses abgehalten wird. Wir hatten eine feierliche, ruhige Zeremonie erwartet. Und dann kam alles ein bisschen anders. Es war sehr, sehr laut. Zu Beginn dröhnte sogar indische Bollywoodmusik über den Ganges, bevor die Musik allmählich in die spirituellen Klänge überging.Und dann waren da die Menschen! Unglaubliche Mengen waren gekommen, um dieses tägliche Spektakel zu erleben. Die Ufer waren voll und auf dem Ganges lagen viele Boote, die sich dicht an dicht vor dem Ort versammelt hatten.
Varanasi ist laut, bunt, manchmal chaotisch, oft überwältigend – und gleichzeitig voller Spiritualität und ganz eigener Geschichten.Läs mer
Feuer und Wasser
28–30 sep., Indien
☀️ 30 °C
Wir waren schon immer daran interessiert, wie Menschen mit ihren Toten umgehen. Deshalb war Varanasi eines der Ziele unserer Reise. Die Stadt gilt als einer der spirituellsten Orte der Welt – die Inder glauben, wer hier stirbt durchbricht den Kreislauf der Wiedergeburt und die Seele geht direkt ins Nirwana. Normalerweise werden die Toten an den Ghats, den breiten Treppenanlagen zum Ganges, verbrannt. Die Asche und die Überreste werden anschließend dem heiligen Fluss übergeben. Als wir in Varanasi ankamen, war der Ganges etliche Meter über seinem normalen Wasserstand. Die Ghats waren überflutet, und die Verbrennungszeremonien mussten an andere Orte verlegt werden. Zum Beispiel auf das Dach eines Gebäudes. Schon bevor ein Verstorbener dort ankommt, kann man es von Weitem hören. Die Toten werden von den Söhnen und männlichen Verwandten durch die Straßen getragen, begleitet von lauten Rufen. Der Körper liegt auf einer Art Trage und ist vollständig in orange-roten Stoff gehüllt. Besonders interessant fanden wir, dass die weiblichen Angehörigen – also Ehefrauen, Töchter und Schwestern – traditionell nicht an der eigentlichen Verbrennung teilnehmen. Sie sind von der Beerdigung ausgenommen. Als wir am Verbrennungsplatz ankamen, war es unglaublich voll. Es war kaum ein Durchkommen. Schließlich stiegen wir auf das Dach und suchten uns erst einmal einen Platz möglichst weit weg von den brennenden Feuern. Die Hitze war enorm, und der Rauch roch intensiv und brannte in den Augen. Anders als unten am Fluss, wirkte das Ganze allerdings wenig feierlich. Das Gelände war schlammig, überall lag Müll, und hinter den Verbrennungsstellen türmten sich die Abfälle. Unten vor dem Ghat lagern riesige Mengen Brennholz. Zu beiden Seiten des Weges ist es teilweise haushoch aufgestapelt. Verwendet werden Mangoholz und Sandelholz. Natürlich spielt der Preis bei der Wahl eine Rolle. Sehr arme Familien werden teilweise von Nachbarn unterstützt um einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Fotografieren durften wir. Aber nur sehr wenig.
Ein weiteres Highlight vor unserer Abreise war eine Fahrt auf dem Ganges. Wegen der starken Strömung durften die kleinen Boote zu dieser Zeit nicht fahren. Wir waren deshalb auf einer umgebauten Fähre unterwegs – und im Nachhinein war das sogar eine ziemlich gute Idee. Wir fuhren an allen 184 Ghats von Varanasi entlang. Vom Wasser aus zeigte sich die Stadt noch einmal völlig anders. Die bunten Gebäude, die unzähligen Treppen, Tempel und Menschen – alles wirkte gleichzeitig chaotisch, faszinierend und irgendwie unwirklich.
Und vielleicht ist genau das Varanasi: eine Stadt, die man nicht beschreiben kann. Man muss sie erleben.Läs mer
Vorgeschmack
30 sep. – 1 okt., Indien
☀️ 33 °C
Dann sind wir also wieder in Delhi gelandet. Für die sehr weite Strecke von Delhi bis nach Jaisalmer haben wir uns drei Tage Zeit genommen – mit zwei Übernachtungen in wunderschönen Dörfern. Unser erstes Ziel heißt Mandawa und liegt an der alten Seidenstraße und ist tatsächlich schon ein kleiner Vorgeschmack auf das, was später noch in voller Pracht auf uns zukommen wird. Zunächst einmal checkten wir in unserem Hotel ein. Und das war schon eines dieser besonderen Bauwerke, für die diese Gegend berühmt ist: ein Haveli. Havelis sind alte, teilweise mehrstöckige Herrenhäuser. Sie entstanden vor allem in der Zeit, als die Händler durch den Handel mit dem Osmanischen Reich und entlang der Handelsrouten zu großem Reichtum kamen. Und so ließ man prächtige Häuser bauen – mit kunstvollen Malereien, aufwendigen Schnitzereien und einer geradezu überbordenden Dekoration. Viele dieser alten Havelis sind heute Hotels. Wir waren vom Gebäude ganz begeistert und wollten eigentlich den ganzen Abend nur noch unser schönes Zimmer genießen. Aber irgendwie hielt es uns dann doch nicht im Hotel. Also machten wir uns noch zu einem kleinen Spaziergang durch Mandawa auf. Was für eine Wohltat war dieses kleine Städtchen nach Varanasi! Ruhig, überschaubar und geradezu gemütlich. Wir schlenderten durch die Straßen und entdeckten die ersten prachtvollen Havelis. Viele davon verfallen und sind seit langem unbewohnt, was ihrer Faszination keinen Abbruch tut. Uns erwarten noch viele weitere Hawelis auf unserem Weg „entlang der Seidenstraße“. Mandawa :ein kleiner Vorgeschmack...Läs mer
Kühe, Raupen und heilige Ratten
1–2 okt., Indien
☀️ 36 °C
Wir sind unterwegs von Mandawa nach Bikaner. Vor uns liegt eine sehr lange Autofahrt – und damit jede Menge Zeit, die indische Autobahn etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier gilt meistens Tempo 80 – und zwar auch dann, wenn weit und breit kein anderes Auto zu sehen ist. Der Grund dafür steht beziehungsweise läuft mitten auf der Straße: Kühe! Die sind tiefenentspannt und spazieren ganz selbstverständlich drei- und vierspurig nebeneinander über die Autobahn. Für Fahrer heißt es: Augen auf und ausweichen. Dann entdecken wir etwas, das uns mindestens genauso interessiert: einige der Lastwagen sehen aus wie riesige, fette Raupen. Bei näherem Hinsehen entdecken wir, dass sie mit Heu beladen sind. Solche Lastwagen haben wir noch nie gesehen. Und sie gefallen uns so gut, dass wir für ein Foto anhalten
Ein besonderes Highlight des Tages ist unser Stopp am Rattentempel. Hier werden die Ratten nicht als ekelhafte Tiere betrachtet, sondern als etwas ganz Besonderes. Nach dem Glauben der Menschen hier können sich die Seelen Verstorbener in Ratten wiederverkörpern. Und so begegnet man den Tieren hier wie Familienmitgliedern: als Brüdern und Schwestern, Tanten und Onkeln. Überall werden Schälchen mit Milch aufgestellt und Futter verteilt. Die Ratten gelten als heilig. Manche sehen ausgesprochen gut aus und sind flink und agil unterwegs, andere dagegen wirken etwas angeschlagen. Wir entdecken sogar eine weiße Ratte im Gewimmel und das bringt bekanntlich doppelt Glück. Für den Rundgang durch den Tempel behalten wir unsere Socken allerdings lieber an.
Nach diesem Aufenthalt geht es weiter zu unserem Hotel: ein weiteres Erlebnis! Vom wunderschönen Springbrunnen im Innenhof über die liebevolle Dekoration bis hin zu den vielen kleinen Details stimmt hier einfach alles. Es macht richtig Spaß, einfach durch das Hotel zu laufen und sich umzusehen. Seit wir dieses Hotel noch in Deutschland im Internet entdeckt hatten, hatten wir davon geträumt, hier einmal zu übernachten.
Am Abend gehen wir noch in einem kleinen Restaurant an der Straße essen. Wie so oft sind wir die einzigen europäischen Gäste. Die Besitzer freuen sich riesig über unseren Besuch und wir werden gebeten, ein kleines Videostatement über das Essen und das Restaurant abzugeben.
Klar, machen wir gerne!Läs mer
Deko ist Alles
2–6 okt., Indien
☀️ 37 °C
Angekommen in Jaisalmer
Die schönen Dekorationen an den unförmigen Raupen-LKWs waren uns gestern schon aufgefallen. Irgendwie hatte sich der Gedanke bei uns festgesetzt: Von diesen bunten, irgendwie typisch indischen Bommeln müssen wir unbedingt ein paar mit nach Hause nehmen! Wir halten kurzerhand an einem Autobahnshop. Buntes Glück, gar nicht teuer. Irgendwann kommen wir in Jaisalmer an und beziehen unser Hotelzimmer. Allerdings erwartet uns dort eine kleine Überraschung: Unser Zimmer hat kein Fenster. Und wenn dann auch noch der Strom ausfällt, ist es wirklich stockdunkel. Maritta bekommt fast die Krise!
Eigentlich wollten wir den Nachmittag ganz gemütlich im Hotel verbringen und nach den langen Reisetagen einfach mal nichts tun. Aber das Zimmer hält uns nicht: Wir ziehen doch noch einmal los. Und das hat sich gelohnt! Wir entdecken ein wunderschönes kleines Hippie-Café, in dem man den Alltag vergessen kann. Hier kommen wir sicher noch öfter vorbei. Im Schatten weht ein kühlender Wind und es läuft indische Chill-out Musik. Man kann sich vorstellen, hier einfach hängen zu bleiben und dabei zuzuschauen, wie die Zeit - wie die Jahre - vergehen.
Wir sind in Jaisalmer angekommen und bleiben hier die nächsten drei Tage. Mal sehen, was die „Goldene Stadt“ für uns bereithält!Läs mer
Gold
2–6 okt., Indien
☀️ 36 °C
Was macht man in Jaisalmer zuerst? Man besichtigt das große Fort, das oben auf dem Berg thront und die ganze „Goldene Stadt“ überragt. Also machen wir uns auf den Weg und betreten die gewaltige Festung, die aus dem 12. Jahrhundert stammt. Das Besondere daran: Das Fort ist kein Museum, sondern eine lebendige Stadt: Ein Labyrinth aus engen Gassen und kleinen Straßen, in denen tatsächlich Menschen wohnen. Allerdings ist das Fort inzwischen sehr touristisch. Ein Souvenirshop reiht sich an den nächsten und ständig wird man angesprochen. Trotzdem herrscht eine schöne Atmosphäre, und es macht Spaß, einfach durch die Gassen zu schlendern, sich ein bisschen zu verlaufen und ein Rooftop-Cafe mit Schattenplatz zu finden. Besonders beeindruckend sind die schönen Tempel innerhalb der Festung und natürlich die Fledermäuse, die in den Torbögen den Tag verschlafen. Wir lassen uns viel Zeit, setzen uns mal hierhin, mal dorthin und genießen einfach die besondere Atmosphäre. Gegen mittag wird es allerdings immer voller. Die Touristenströme nehmen zu – und wir beschließen, der inzwischen stechenden Sonne zu entgehen. Als wir mit dem Tuk-Tuk ins Hotel wollen, macht uns unser Fahrer einen Vorschlag: Ob wir nicht noch Lust hätten, später noch einen Ausflug zu machen? Klar!
Bada Bagh liegt nicht weit von Jaisalmer entfernt und ist eine beeindruckende Anlage mit sogenannten Chhatri-Cenotaphen – kunstvoll gestalteten Gedenkstätten der früheren herrschenden Familie von Jaisalmer. Besonders bei Sonnenuntergang soll der Ort wunderschön sein. Und tatsächlich: Weit entfernt vom Trubel der Stadt liegt er ganz ruhig in der Nachmittagssonne. In Sichtweite einer der vielen indischen Windparks, ein merkwürdiger Kontrast. Ein paar andere Touristen sind da, dazu jede Menge Tauben und grüne Sittiche, ansonsten herrscht eine wunderbare Ruhe. Die kunstvoll gearbeiteten Chhatris aus gelben Sandstein leuchten im warmen Abendlicht wie Gold. Wer möchte, kann sich die alten Inschriften anschauen oder einfach zwischen den Bauwerken herumlaufen. Wir bleiben, bis die Sonne am Horizont verschwindet.Läs mer
Die Fülle und die Leere
4 oktober, Indien
☀️ 38 °C
Jahrhundertelang führt die Seidenstraße durch Jaisalmer. Die Händler, die hier ansässig waren, erlangten großen Reichtum und ließen sich entsprechend prächtige Häuser bauen. Diese Havelis sind unglaublich kunstvoll gearbeitet, aus dem typischen gelben Sandstein und leuchten in der Sonne wie goldene Schmuckstücke. Es macht großen Spaß, immer wieder neue Details zu entdecken und sich vorzustellen, wie die Menschen damals in diesen prachtvollen Häusern gelebt haben mögen.
Fast hätten wir darüber vergessen, weshalb wir eigentlich AUCH nach Jaisalmer gekommen sind: Jaisalmer liegt mitten in der Wüste, auch wenn man das auf den ersten Blick gar nicht unbedingt sieht. Wir buchen eine Jeep-Tour. Ganz reibungslos läuft die Fahrt allerdings nicht. Wir haben eine Reifenpanne und irgendwann verliert unser Fahrer völlig die Orientierung. Er verfährt sich, wir fahren kreuz und quer durch die Gegend und langsam wird die Zeit knapp. Angekommen, ist sie dann da, diese ganz besondere Stimmung. Nur Sand, Wind und diese unglaubliche Stille.Was auf den Fotos wie pure Lebensfreude aussieht, haben wir in diesem Moment tatsächlich genauso empfunden.Läs mer
Selbstdarsteller
5 oktober, Indien
☀️ 37 °C
Am letzten Abend vor unserer Weiterfahrt wollten wir noch zum Gadisar Lake, einem kleinen See, der gar nicht weit von unserem Hotel entfernt liegt. Also machten wir uns zu Fuß auf den Weg. Als wir ankamen, war schon einiges los. Ein großes Hallo herrschte rund um die festlich geschmückten, meist weißen Pferde. Vor allem die Männer wollten unbedingt eine Runde (!) reiten. Danach kamen sie mit stolzgeschwellter Brust zurück und liessen sich in einer heldenhaften Pose von ihren Frauen und Freunden fotografieren. Das Ganze hatte etwas ausgesprochen Komisches. Auch wir wurden wieder fotografiert (erst mit der Gruppe und dann mit jedem einzeln) und machten uns anschließend auf den Weg zu einem Bootsstand. Wir hatten Glück: Mahendar Goswami war nicht nur ein hervorragender Bootsführer, sondern erwies sich auch als ausgesprochen talentierter Fotograf. Er nahm er unsere Handys und machte eine ganze Reihe wunderschöner Fotos von uns ohne, dass wir ihn darum gebeten hatten. Wir waren am Ende ganz begeistert – und so wurde aus unserem kleinen Ausflug zum Gadisar Lake ein schöner letzter Abend in Jaisalmer.Läs mer

Sabine-on-Tour
Sehr schön, da kommen Erinnerungen hoch 😊, im Dezember stand ich dort auch...
Mit der Eisenbahn nach Jodhpur
6–10 okt., Indien
☀️ 36 °C
Indien ist groß, und so sind auch die Entfernungen, die wir zurücklegen, oft beträchtlich. Zum ersten Mal sind wir in Indien mit der Eisenbahn unterwegs – und angenehm überrascht. Die Bilder, die man aus dem Fernsehen kennt – Menschen, die auf den Trittbrettern stehen oder an Türen und Fenstern hängen –, haben wir jedenfalls nicht erlebt. Die Abteile sind nicht voll und das macht die Fahrt recht komfortabel. Es gibt Snacks, Wasser, Chai und eigentlich alles, was man sich unterwegs wünschen kann. Die indische Eisenbahn ist erstaunlich pünktlich, die Zugtüren stehen während der Fahrt offen und der Fahrtwind sorgt so für eine erfrischende Brise! Wir sitzen gerne hier im Gang; D:H: Ines sitzt gerne dort. Maritta zieht dann zwangsweise die Toilette vor.
Nach etwa sechs Stunden erreichen wir Jodhpur, wo wir am Bahnhof erwartet und zu unserem Hotel gebracht werden. Das gefällt uns auf Anhieb, vor allem unser Zimmer ist traumhaft! Später unternehmen wir noch einen kleinen Streifzug, aber ansonsten lassen wir es an diesem Tag ruhig angehen. Das muss ja auch mal sein!Läs mer
Bedrückende Abdrücke
8 oktober, Indien
☀️ 37 °C
Heute sind wir zum fantastischen Fort von Jodhpur aufgebrochen – schon von außen ist es beeindruckend. Wie eine mächtige Trutzburg thront es auf dem Felsen über der Stadt. Doch wenn man es betritt, zeigt sich eine ganz andere Seite: Im Inneren ist es unglaublich filigran und kunstvoll gearbeitet. Gerade dieser Kontrast zwischen der wuchtigen Außenmauer und den feinen, prachtvollen Innenräumen hat uns besonders fasziniert. Schon der Eingangsbereich erzählt von einer Zeit, in der das Fort nicht nur ein prächtiger Palast, sondern auch eine Festung war. Die Tore sind so angelegt, dass angreifende Elefanten keinen Anlauf nehmen konnten. Die geschwungenen Zugänge verhinderten, dass sie mit voller Wucht gegen die Tore stürmen konnten. Zusätzlich waren auf Stirnhöhe der Elefanten eiserne Spitzen in die Tore eingelassen. Elefanten wurden damals tatsächlich als Kriegswaffen eingesetzt.
Doch direkt am Eingang erwartete uns auch der Teil des Forts, der uns emotional am meisten berührt hat. An den Toren befinden sich die Handabdrücke von Frauen der Maharajas. Wenn ein Maharaja starb, war es in früheren Zeiten üblich, dass seine Frauen ihm auf den Scheiterhaufen folgten und lebendig mitverbrannt wurden. Und freiwillig geschah dies längst nicht immer. Manche Frauen wurden unter Drogen gesetzt, andere waren noch sehr jung. Ein Maharaja konnte bis zu 15 Frauen haben und die Frauen duften keinen Laut von sich geben. Von diesen Frauen ist kaum etwas geblieben. Keine Namen, keine Porträts, keine Geschichten. Nur ihre Handabdrücke, die sie vor ihrem Tod in den Stein gedrückt haben – rot und wie mit Blut gezeichnet. Das Fort von Jodhpur ist voller Schönheit, aber eben auch voller Geschichten, die nachdenklich machen.Läs mer
Aber bitte mit Mayo
8 oktober, Indien
☀️ 37 °C
Heute haben wir eine ganz andere Seite von Jodhpur kennengelernt: die blaue Stadt. In den engen Gassen sind viele Häuser in Indigo-Blau gestrichen. Früher war diese Farbe vor allem den Brahmanen vorbehalten. Heute hört man auch andere Erklärungen für das Blau: Es soll die Häuser vor Hitze schützen und angeblich sogar Moskitos fernhalten. So haben inzwischen viele Bewohner die Farbe für ihre Häuser übernommen. Die Gassen waren – im Gegensatz zum Verkehrsinferno um den Uhrturm - erstaunlich ruhig. Statt hektischem Treiben gab es kleine Häuser und beschauliche Winkel, alles ist mit mehr oder weniger schönen Graffitis bemalt - „Rural Life“ und andere Kitschszenen.
Von dem Omelett-Stand am Uhrturm im Zentrum von Jodhpur hatten wir schon in Deutschland gehört. Den wollten wir unbedingt ausprobieren! Von einem richtigen Laden kann allerdings kaum die Rede sein. Es ist eher ein Ofen mit zwei Pfannen darin und eine alte Büchse zum anrühren der Omelettes. Viele werden als „creamy“ angeboten – und das bedeutet hier vor allem eines: eine ordentliche Portion Mayonnaise drüber! Hmm … war gar nicht so schlecht!
An diesem Tag trafen wir auch Anne und Brendan wieder, die wir bei unserer Wüstentour kennengelernt hatten. Danach waren wir uns schon zweimal völlig zufällig über den Weg gelaufen. Beim dritten Mal war klar: Jetzt müssen wir doch endlich einmal zusammen Kaffee trinken! Die beiden sind supernett und gerade auf einer Weltreise unterwegs. Es war schön, sich ein bisschen auszutauschen. Und wer weiß – vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja noch einmal. Das würde uns freuen!
Am Abend beschlossen wir noch zu den Mandore Gardens zu fahren. Wir hatten gehört, dass es dort Lightshows gibt, und wollten uns das ansehen. Als wir ankamen, war bereits alles erleuchtet. Überall blinkte und glitzerte es, und zwischen den Bäumen und Mauern turnten die Hanuman-Languren herum. Sie waren für uns fast schon die eigentliche Attraktion des Abends. Noch bevor die Lightshow begann, hatten wir unsere Entscheidung getroffen: zu viele „Selfies“ mit uns, zu viele Menschen, zu viel Kitsch. Wir waren müde, ließen die Lichter Lichter sein, stiegen ins Tuk-Tuk und fuhren zurück ins Hotel. Manchmal sind die schönsten Träume die, die man nach einem langen Tag im Bett träumen kann.Läs mer
Selbst-Bestimmung
9 oktober, Indien
☀️ 36 °C
Rund um meinen Geburtstag haben sich einige Begegnungen ergeben, die uns immer wieder mit einer Frage beschäftigt haben: Welche Möglichkeiten haben Frauen in Rajasthan ihr Leben selbst zu gestalten? Maritta und ich wurden auf unserer Reise erstaunlich oft gefragt, ob wir berufstätig seien. Ich antworte dann immer ein wenig stolz: „Ja, ich arbeite. Ich habe mein eigenes Business.“ Für mich ist das selbstverständlich. Doch in Jodhpur kamen wir mit einer Frau ins Gespräch, die uns erzählte, wie schwierig es für Frauen in Rajasthan ist, selbstbestimmt zu leben. Zwar sind Frauen und Männer gesetzlich gleichgestellt, doch die gesellschaftliche Wirklichkeit ist ganz anders. Patriarchalische Strukturen bestimmen nach wie vor, was Frauen zugetraut wird und welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen sollen. Gut ausgebildete Frauen haben es oft schwerer als Männer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Ihr Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit und Unabhängigkeit wird nicht selten durch frühe Verheiratung und traditionelle Rollenbilder ausgebremst. Auch im Straßenbild fällt uns etwas auf: Frauen begegnen uns vergleichsweise selten als Berufstätige. Ausgenommen die Märkte auf denen Saris und Kunsthandwerk vertrieben werden. Wir wünschen uns, dass Frauen in Rajasthan bald selbst entscheiden können, ob sie arbeiten, ein eigenes Unternehmen führen oder einen ganz anderen Lebensweg einschlagen. Vielleicht können Maritta und ich – zwei alleinreisende Frauen – durch unsere Reise und die Art, wie wir unser Leben gestalten, ein winziges Stück dazu beitragen, dass Selbstständigkeit und Unabhängigkeit für Frauen ein wenig selbstverständlicher werden.Läs mer
Außen hui, innen pfui!
10–16 okt., Indien
☀️ 34 °C
Wieder steht ein Reisetag an. Morgens um halb sechs brechen wir mit dem Zug von Jodhpur nach Jaipur auf. Die Fahrt ist angenehm: Der Zug ist pünktlich, macht einen guten Eindruck und es gibt reichlich zu essen.
Bei unserer Ankunft im neuen Hotel bekommt der Tag einen Dämpfer. Das Hotel, das wir nur von Bildern kannten, stammt aus den Achtzigern und ist ziemlich heruntergekommen. Überall wirkt es schmuddelig und schmierig. In unserem großen Zimmer riecht das Badezimmer nach Fäkalien, draußen liegt ein unangenehmer Geruch nach faulen Eiern in der Luft.
Unser erstes Ziel in Jaipur ist der Palast der Winde. Dafür probieren wir die U-Bahn. Wir fahren nur ein paar Stationen, aber der Versuch lohnt sich: Die Metro ist blitzsauber, ordentlich und pünktlich. Obwohl der Palast der Winde direkt neben der U-Bahn-Station liegt, müssen wir ihn erst einmal finden. So leicht ist er gar nicht zu entdecken. Also schlendern wir zunächst durch die Gassen und stärken uns mit einem Chai. Schließlich geraten wir in eine ganz freiwillige „Fotofalle“! Wir beschließen, uns vor dem Foto des Palastes in traditioneller Tracht ablichten zu lassen. Blöder geht nicht, aber es entstehen kitschigste Erinnerungsfotos. Danach schauen wir uns den Palast an. Das beeindruckende Bauwerk wurde 1799 im Auftrag eines Maharadschas errichtet und war Teil des Stadtpalastkomplexes. Es diente vor allem den Hofdamen dazu, durch die vielen kleinen Fenster das Treiben auf den Straßen zu beobachten, ohne selbst gesehen zu werden. Bei diesem Gebäude passt unser Eindruck vom Hotel fast genauso gut: Außen hui, innen pfui! Die rosafarbene Fassade mit ihren unzähligen Fenstern und kunstvollen Verzierungen ist einfach grandios. Innen dagegen bröckelt es an vielen Stellen, und alles wirkt vernachlässigt und ein wenig schmuddelig.
Zurück im Hotel gilt es, sich gegen die zugige Klimaanlage zu schützen. Ines versuchts mit Decke, Kappe und indischem Fernsehen.
Mal sehen, was uns morgen erwartet - außer einem Hotelwechsel, denn wir haben beschlossen, hier bleiben wir auf keinen Fall noch weitere Tage!Läs mer
Handdruck und Kuhfladen
12 oktober, Indien
☀️ 34 °C
Wir sind nun ja schon eine ganze Weile unterwegs und hatten langsam genug davon, uns ständig etwas Neues anzuschauen und noch eine weitere Sehenswürdigkeit zu entdecken. Deshalb beschlossen wir, einmal etwas ganz anderes auszuprobieren: selber machen! Jaipur ist berühmt für seine lange Tradition des Handdrucks mit geschnitzten Holzblöcken. Hier werden Stoffe seit Generationen mit Holzstempeln bedruckt. Oft mit bis zu 9 Farben übereinander. In Workshops kann man dieses alte Handwerk nicht nur kennenlernen, sondern auch selbst Hand anlegen. Also fuhren wir zu einem Studio, in dem Stoffe von Hand bedruckt werden. Die Arbeiter dort sind Meister ihres Fachs. Viele üben dieses Handwerk schon jahrzehntelang aus. Entsprechend beeindruckend ist ihre Präzision: Jeder Holzblock muss exakt angesetzt werden, damit ein harmonisches Muster entsteht. Was bei ihnen so mühelos aussieht, daran scheitern Anfänger natürlich. Maritta und ich wurden von hilfsbereiten Menschen unterstützt, und es fluppte trotzdem nicht. Spaß gemacht hat’s aber trotzdem! Besonders interessant fanden wir einen weiteren Bereich der Fabrik: die Qualitätskontrolle. In diesem Bereich arbeiten ausschließlich Frauen. Die Erklärung dafür fanden wir spannend: Frauen hätten einfach einen besonders guten Blick für Details und würden Fehler zuverlässiger erkennen...
Am Abend zog es uns noch auf einen Markt, denn Maritta wollte shoppen. Zum Markt sind wir zu Fuß gegangen. Etwa 30 Minuten mit dem üblichen ständigen Gehupe und dem Angesprochen werden, dem Dreck, dem Müll und den allgegenwärtigen Kuhfladen an den staubigen Straßenrändern. Dem Ausweichen von Geisterfahrern, Kühen, Hunden – ein Hindernislauf „indian Style“. Auf dem Markt selbst herrschte unglaubliches Gedränge, Gefeilsche und immer noch hohe Temperaturen. Natürlich verliefen wir uns und landeten nicht einmal in dem Teil des Marktes, den wir eigentlich besuchen wollten. Das ganze Marktareal war so weitläufig und unübersichtlich wie ein eigener Stadtteil. Für uns Europäerinnen gar nicht so einfach sich darin zurechtzufinden.Läs mer
TukTuk und Thelas
13 oktober, Indien
☀️ 34 °C
Irgendwie scheint jede größere indische Stadt ihr eigenes Fort zu haben. Natürlich auch Jaipur. Und so haben wir beschlossen, am Abend noch zum Nahargarh Fort zu fahren. Das liegt, wie sollte es anders sein, hoch oben auf einem Berg und bildete früher zusammen mit dem Amber Fort einen Teil der Verteidigungsanlage der Stadt. Heute zieht es vor allem diejenigen hierher, die den Sonnenuntergang genießen wollen. Der Sunset-Point zieht zahlreiche Touristen, aber viele Inder jeden Abend an, um sich vor der untergehenden Sonne zu fotografieren zu lassen. Wir haben auch Influencerinnen beobachtet, die aufwendig inszenierte Filmchen drehten. Trotz des Trubels herrschte eine entspannte, schöne Atmosphäre. Und dann kam dieser besondere Moment: Unten in der Stadt begannen die Muezzine gleichzeitig zu singen. Ihre Rufe schallten bis hinauf zu uns auf den Berg. Man kann zur Religion stehen, wie man will – dieser Augenblick hatte etwas Magisches.
Wir wurden diesmal von einem ganz besonderen TukTuk abgeholt: dem „Pink TukTuk“! Wir kannten es natürlich nicht, es scheint aber einmalig und besonders in Jaipur zu sein. Als wir vom Rundgang im Fort zurückkamen, entdeckten wir, dass unser Gefährt nicht nur diese spezielle Farbe hatte, sondern nach Sonnenuntergang blinkte und leuchtete wie eine fahrende Discokugel! Auf dem Rückweg legten wir noch einen kurzen Stopp am Water Palace ein um ein Foto zu machen. Doch mehr als der Palast interessierten zumindest Ines die sogenannten LED-Thelas. Thelas sind traditionelle indische Handwagen, auf denen früher Waren oder Essen angeboten wurden. Die alten Modelle kennt man mit großen Holzrädern. Inzwischen gibt es eine neue Generation: bunt, aus Edelstahl und mit jeder Menge LED-Beleuchtung. Die kleinen Verkaufsstände, an denen man Snacks und Leckereien kaufen kann, blinken und leuchten in ständig wechselnden Farben. Fast so schön wie unser Tuk-Tuk.Läs mer
Fire in the sky
14 oktober, Indien
☀️ 34 °C
Wer glaubt, dass man im Urlaub oder auf Reisen immer ausschlafen kann, der irrt sich. Denn manche Erlebnisse finden gerade in den frühen Morgenstunden statt. Diesmal hieß es für uns: raus aus den Federn und zwar gegen vier! Etwas später wurden wir abgeholt und fuhren aus der Stadt hinaus. Die Umgebung wurde immer offener, bis wir schließlich auf einer Sandfläche drei riesige Heißluftballons vor uns sahen. Sie waren bereits angeheizt und lagen im Sand wie erwachende Ungetüme. Nach einer kurzen Einweisung stiegen wir gemeinsam mit unserem Piloten in den Korb, und es ging los: das laute Anfachen und Befeuern des Ballons, das klingt als wenn ein Drache Feuer speit! Grade der Abflug war ein sehr aufregendes Erlebnis! Etwa eine Stunde schwebten wir über Jaipur. Von oben konnten wir die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive erleben und beobachten, wie langsam die Sonne aufging und unter uns das Leben erwachte. Ein faszinierender Anblick, der uns für das frühe Aufstehen mehr als entschädigte. Auch die Landung verlief sanft und problemlos nur einige Wasserbüffel auf dem Feld unter uns ergriffen die Flucht. Leider ist auf Ines Urkunde (Ja! Wir haben eine Flugurkunde bekommen!) ein kleiner Fehler unterlaufen. Ihr Ballonfahrername lautet nun Llisi.Läs mer
Lotos und Lotussitz
15 oktober, Indien
⛅ 31 °C
Heute war für uns mal wieder eine kurze Nacht angesagt. Um sechs öffnet der Blumenmarkt in Jaipur, und den wollten wir uns unbedingt anschauen. Der Markt ist mittlerweile eine echte Touristenattraktion. Überall sieht man Besucher, die staunend herumlaufen und fotografieren – was übrigens völlig problemlos möglich ist. Dabei sollte man wissen, dass hier keine Blumen an Endkunden verkauft werden. Es handelt sich um einen Großmarkt, auf dem die Händler ihre Ware untereinander handeln. Bis acht Uhr herrscht jeden Tag geschäftiges Treiben, dann ist Feierabend. Die Händler kommen aus den umliegenden Ortschaften, wo sie ihre Blumen anbauen. Es ist laut, wuselig und gleichzeitig herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Man sollte sich von den zarten Blüten übrigens nicht täuschen lassen! Die Säcke, die auf den Fotos zu sehen sind, sind richtig schwer. Blumenhandel ist eben auch harte Arbeit.
Am Nachmittag gönnten wir uns dann eine ganz andere Erfahrung: Wir besuchten ein Ayurvedaklinik, in dem man sich professionell massieren lassen kann. Das haben wir ausprobiert – und fühlten uns danach fit für unser Abendprogramm. Denn wir wollten noch ins Albert Hall Museum. Dort werden Kunstwerke und historische Schätze aus vielen verschiedenen Epochen ausgestellt. Wie ein deutsches Museum sieht es hier allerdings nicht aus. Tauben brüten im Foyer und laufen durch die Ausstellungsräume, überall liegen Federn herum und auf der Empore sind die Schaukästen so verstaubt, dass man gar nicht durchsehen kann… Richtig begeistert haben uns neben vielem anderen auch die kleinen Skulpturen, die verschiedene Yoga-Haltungen darstellen. Manche davon sehen ganz schön anspruchsvoll aus! Ihr könnt ja beim Betrachten der Fotos einmal versuchen, die eine oder andere Haltung nachzumachen… wir sind bisher gescheitert.Läs mer
Pack den Tiger in den Koffer!
16–19 okt., Indien
⛅ 32 °C
Tja, und dann kommt das, was auf jeder Reise irgendwann kommt: Die letzten Tage brechen an. Die letzte Station auf unserer Incredible-India-Reise ist Ranthambore. Ein kleiner Ort, der vor allem für seinen Nationalpark bekannt ist. Hier leben Tiger, und mit etwas Glück bekommt man sie sogar zu Gesicht. Das lockt natürlich Gott und die Welt an. Zahlreiche indische Touristen kommen hierher, aber auch viele Europäer. Jeden Morgen und Nachmittag setzen sich Kolonnen von Trucks und Großraumjeeps in Bewegung, um in den Nationalpark einzufahren. Im Schutzgebiet verteilen sich die Fahrzeuge dann. Wir haben drei Safaris gemacht, und die waren einfach wunderbar! Aufregend, erwartungsvoll, begeisternd! Tiger haben wir leider nicht gesehen, aber was wir stattdessen erlebt haben, war beeindruckend. Ranthambore überrascht mit einer unglaublichen Vielfalt an Tieren und einer Landschaft, die wir uns so überhaupt nicht vorgestellt hatten. Sie ist bergig, mit Seen und Wasserläufen, trockenen Wäldern, Steppen und sehr felsigen Abschnitten. Viele Tiere sind erstaunlich wenig scheu. Sie lassen sich von den Fahrzeugen kaum stören und kommen manchmal sogar ziemlich nah an die Jeeps heran. Man darf im Nationalpark nicht mit dem Handy fotografieren und unsere Kamera ist inzwischen etwas altersschwach und liefert längst nicht mehr die Bilder, die wir uns wünschen würden. So müssen wir uns eben darauf verlassen, dass die Eindrücke in unseren Köpfen umso lebendiger bleiben.
Neben den Safaris hatten wir noch einen anderen Programmpunkt, den wir bereits von Deutschland aus geplant hatten: Wir besuchten eine kleine Manufaktur, in der vorwiegend Frauen arbeiten. Sie haben sich zusammengeschlossen, um verschiedenste Handarbeitsprodukte herzustellen: Tischdecken, Platzsets, Kleidung und anderes. Besonders angetan hatten es uns aber die kleinen Stofftiger. Vor Ort entdeckten wir dann, dass sie nicht nur Tiger herstellen, sondern auch einige der Vogelarten, die im Nationalpark zu Hause sind. Da fiel die Entscheidung richtig schwer!
Was bleibt von Ranthambore? Drei wunderbare Safaris, eine faszinierende Tierwelt und auch ohne Tigerbegegnung ein großartiges Erlebnis. Und irgendwie war es genau der richtige Abschluss für unsere Reise: noch einmal „Indien anders“, mit all seinen Überraschungen, seiner Vielfalt und seiner überbordenden Gleichzeitigkeit, die man nicht wirklich in Worte fassen kann: Incredible India!Läs mer

Sabine-on-TourIch habe letztes Jahr leider auch keine Tiger gesehen, aber ansonsten waren auch recht viele andere Tiere da...

































































































































































































































































































































































































































































































































Sabine-on-TourDas mit den Fahrrad-Rikscha-Fahrern ging mir im Dezember in Rajasthan genauso. Es ist gerade für die, die körperlich nicht so fit sind, ein sehr harter Job. Dank unseres sehr schlechten Gewissens, gab es ein sehr großzügiges Trinkgeld...
ResenärDas mit dem Trinkgeld war bei uns auch so. Zumal die Rikscha immer noch viel günstiger ist, als ein Tuktuk. Verkehrte Welt! Viele Grüße
Sabine-on-TourEuch noch eine tolle Reise mit vielen schönen Begegnungen und Erlebnissen. Viele Grüße aus Brühl