Die Fülle und die Leere
October 4 in India ⋅ ☀️ 38 °C
Jahrhundertelang führt die Seidenstraße durch Jaisalmer. Die Händler, die hier ansässig waren, erlangten großen Reichtum und ließen sich entsprechend prächtige Häuser bauen. Diese Havelis sind unglaublich kunstvoll gearbeitet, aus dem typischen gelben Sandstein und leuchten in der Sonne wie goldene Schmuckstücke. Es macht großen Spaß, immer wieder neue Details zu entdecken und sich vorzustellen, wie die Menschen damals in diesen prachtvollen Häusern gelebt haben mögen.
Fast hätten wir darüber vergessen, weshalb wir eigentlich AUCH nach Jaisalmer gekommen sind: Jaisalmer liegt mitten in der Wüste, auch wenn man das auf den ersten Blick gar nicht unbedingt sieht. Wir buchen eine Jeep-Tour. Ganz reibungslos läuft die Fahrt allerdings nicht. Wir haben eine Reifenpanne und irgendwann verliert unser Fahrer völlig die Orientierung. Er verfährt sich, wir fahren kreuz und quer durch die Gegend und langsam wird die Zeit knapp. Angekommen, ist sie dann da, diese ganz besondere Stimmung. Nur Sand, Wind und diese unglaubliche Stille.Was auf den Fotos wie pure Lebensfreude aussieht, haben wir in diesem Moment tatsächlich genauso empfunden.Read more
Gold
Oct 2–6 in India ⋅ ☀️ 36 °C
Was macht man in Jaisalmer zuerst? Man besichtigt das große Fort, das oben auf dem Berg thront und die ganze „Goldene Stadt“ überragt. Also machen wir uns auf den Weg und betreten die gewaltige Festung, die aus dem 12. Jahrhundert stammt. Das Besondere daran: Das Fort ist kein Museum, sondern eine lebendige Stadt: Ein Labyrinth aus engen Gassen und kleinen Straßen, in denen tatsächlich Menschen wohnen. Allerdings ist das Fort inzwischen sehr touristisch. Ein Souvenirshop reiht sich an den nächsten und ständig wird man angesprochen. Trotzdem herrscht eine schöne Atmosphäre, und es macht Spaß, einfach durch die Gassen zu schlendern, sich ein bisschen zu verlaufen und ein Rooftop-Cafe mit Schattenplatz zu finden. Besonders beeindruckend sind die schönen Tempel innerhalb der Festung und natürlich die Fledermäuse, die in den Torbögen den Tag verschlafen. Wir lassen uns viel Zeit, setzen uns mal hierhin, mal dorthin und genießen einfach die besondere Atmosphäre. Gegen mittag wird es allerdings immer voller. Die Touristenströme nehmen zu – und wir beschließen, der inzwischen stechenden Sonne zu entgehen. Als wir mit dem Tuk-Tuk ins Hotel wollen, macht uns unser Fahrer einen Vorschlag: Ob wir nicht noch Lust hätten, später noch einen Ausflug zu machen? Klar!
Bada Bagh liegt nicht weit von Jaisalmer entfernt und ist eine beeindruckende Anlage mit sogenannten Chhatri-Cenotaphen – kunstvoll gestalteten Gedenkstätten der früheren herrschenden Familie von Jaisalmer. Besonders bei Sonnenuntergang soll der Ort wunderschön sein. Und tatsächlich: Weit entfernt vom Trubel der Stadt liegt er ganz ruhig in der Nachmittagssonne. In Sichtweite einer der vielen indischen Windparks, ein merkwürdiger Kontrast. Ein paar andere Touristen sind da, dazu jede Menge Tauben und grüne Sittiche, ansonsten herrscht eine wunderbare Ruhe. Die kunstvoll gearbeiteten Chhatris aus gelben Sandstein leuchten im warmen Abendlicht wie Gold. Wer möchte, kann sich die alten Inschriften anschauen oder einfach zwischen den Bauwerken herumlaufen. Wir bleiben, bis die Sonne am Horizont verschwindet.Read more
Deko ist Alles
Oct 2–6 in India ⋅ ☀️ 37 °C
Angekommen in Jaisalmer
Die schönen Dekorationen an den unförmigen Raupen-LKWs waren uns gestern schon aufgefallen. Irgendwie hatte sich der Gedanke bei uns festgesetzt: Von diesen bunten, irgendwie typisch indischen Bommeln müssen wir unbedingt ein paar mit nach Hause nehmen! Wir halten kurzerhand an einem Autobahnshop. Buntes Glück, gar nicht teuer. Irgendwann kommen wir in Jaisalmer an und beziehen unser Hotelzimmer. Allerdings erwartet uns dort eine kleine Überraschung: Unser Zimmer hat kein Fenster. Und wenn dann auch noch der Strom ausfällt, ist es wirklich stockdunkel. Maritta bekommt fast die Krise!
Eigentlich wollten wir den Nachmittag ganz gemütlich im Hotel verbringen und nach den langen Reisetagen einfach mal nichts tun. Aber das Zimmer hält uns nicht: Wir ziehen doch noch einmal los. Und das hat sich gelohnt! Wir entdecken ein wunderschönes kleines Hippie-Café, in dem man den Alltag vergessen kann. Hier kommen wir sicher noch öfter vorbei. Im Schatten weht ein kühlender Wind und es läuft indische Chill-out Musik. Man kann sich vorstellen, hier einfach hängen zu bleiben und dabei zuzuschauen, wie die Zeit - wie die Jahre - vergehen.
Wir sind in Jaisalmer angekommen und bleiben hier die nächsten drei Tage. Mal sehen, was die „Goldene Stadt“ für uns bereithält!Read more
Kühe, Raupen und heilige Ratten
Oct 1–2 in India ⋅ ☀️ 36 °C
Wir sind unterwegs von Mandawa nach Bikaner. Vor uns liegt eine sehr lange Autofahrt – und damit jede Menge Zeit, die indische Autobahn etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Hier gilt meistens Tempo 80 – und zwar auch dann, wenn weit und breit kein anderes Auto zu sehen ist. Der Grund dafür steht beziehungsweise läuft mitten auf der Straße: Kühe! Die sind tiefenentspannt und spazieren ganz selbstverständlich drei- und vierspurig nebeneinander über die Autobahn. Für Fahrer heißt es: Augen auf und ausweichen. Dann entdecken wir etwas, das uns mindestens genauso interessiert: einige der Lastwagen sehen aus wie riesige, fette Raupen. Bei näherem Hinsehen entdecken wir, dass sie mit Heu beladen sind. Solche Lastwagen haben wir noch nie gesehen. Und sie gefallen uns so gut, dass wir für ein Foto anhalten
Ein besonderes Highlight des Tages ist unser Stopp am Rattentempel. Hier werden die Ratten nicht als ekelhafte Tiere betrachtet, sondern als etwas ganz Besonderes. Nach dem Glauben der Menschen hier können sich die Seelen Verstorbener in Ratten wiederverkörpern. Und so begegnet man den Tieren hier wie Familienmitgliedern: als Brüdern und Schwestern, Tanten und Onkeln. Überall werden Schälchen mit Milch aufgestellt und Futter verteilt. Die Ratten gelten als heilig. Manche sehen ausgesprochen gut aus und sind flink und agil unterwegs, andere dagegen wirken etwas angeschlagen. Wir entdecken sogar eine weiße Ratte im Gewimmel und das bringt bekanntlich doppelt Glück. Für den Rundgang durch den Tempel behalten wir unsere Socken allerdings lieber an.
Nach diesem Aufenthalt geht es weiter zu unserem Hotel: ein weiteres Erlebnis! Vom wunderschönen Springbrunnen im Innenhof über die liebevolle Dekoration bis hin zu den vielen kleinen Details stimmt hier einfach alles. Es macht richtig Spaß, einfach durch das Hotel zu laufen und sich umzusehen. Seit wir dieses Hotel noch in Deutschland im Internet entdeckt hatten, hatten wir davon geträumt, hier einmal zu übernachten.
Am Abend gehen wir noch in einem kleinen Restaurant an der Straße essen. Wie so oft sind wir die einzigen europäischen Gäste. Die Besitzer freuen sich riesig über unseren Besuch und wir werden gebeten, ein kleines Videostatement über das Essen und das Restaurant abzugeben.
Klar, machen wir gerne!Read more
Vorgeschmack
Sep 30–Oct 1 in India ⋅ ☀️ 33 °C
Dann sind wir also wieder in Delhi gelandet. Für die sehr weite Strecke von Delhi bis nach Jaisalmer haben wir uns drei Tage Zeit genommen – mit zwei Übernachtungen in wunderschönen Dörfern. Unser erstes Ziel heißt Mandawa und liegt an der alten Seidenstraße und ist tatsächlich schon ein kleiner Vorgeschmack auf das, was später noch in voller Pracht auf uns zukommen wird. Zunächst einmal checkten wir in unserem Hotel ein. Und das war schon eines dieser besonderen Bauwerke, für die diese Gegend berühmt ist: ein Haveli. Havelis sind alte, teilweise mehrstöckige Herrenhäuser. Sie entstanden vor allem in der Zeit, als die Händler durch den Handel mit dem Osmanischen Reich und entlang der Handelsrouten zu großem Reichtum kamen. Und so ließ man prächtige Häuser bauen – mit kunstvollen Malereien, aufwendigen Schnitzereien und einer geradezu überbordenden Dekoration. Viele dieser alten Havelis sind heute Hotels. Wir waren vom Gebäude ganz begeistert und wollten eigentlich den ganzen Abend nur noch unser schönes Zimmer genießen. Aber irgendwie hielt es uns dann doch nicht im Hotel. Also machten wir uns noch zu einem kleinen Spaziergang durch Mandawa auf. Was für eine Wohltat war dieses kleine Städtchen nach Varanasi! Ruhig, überschaubar und geradezu gemütlich. Wir schlenderten durch die Straßen und entdeckten die ersten prachtvollen Havelis. Viele davon verfallen und sind seit langem unbewohnt, was ihrer Faszination keinen Abbruch tut. Uns erwarten noch viele weitere Hawelis auf unserem Weg „entlang der Seidenstraße“. Mandawa :ein kleiner Vorgeschmack...Read more
Feuer und Wasser
Sep 28–30 in India ⋅ ☀️ 30 °C
Wir waren schon immer daran interessiert, wie Menschen mit ihren Toten umgehen. Deshalb war Varanasi eines der Ziele unserer Reise. Die Stadt gilt als einer der spirituellsten Orte der Welt – die Inder glauben, wer hier stirbt durchbricht den Kreislauf der Wiedergeburt und die Seele geht direkt ins Nirwana. Normalerweise werden die Toten an den Ghats, den breiten Treppenanlagen zum Ganges, verbrannt. Die Asche und die Überreste werden anschließend dem heiligen Fluss übergeben. Als wir in Varanasi ankamen, war der Ganges etliche Meter über seinem normalen Wasserstand. Die Ghats waren überflutet, und die Verbrennungszeremonien mussten an andere Orte verlegt werden. Zum Beispiel auf das Dach eines Gebäudes. Schon bevor ein Verstorbener dort ankommt, kann man es von Weitem hören. Die Toten werden von den Söhnen und männlichen Verwandten durch die Straßen getragen, begleitet von lauten Rufen. Der Körper liegt auf einer Art Trage und ist vollständig in orange-roten Stoff gehüllt. Besonders interessant fanden wir, dass die weiblichen Angehörigen – also Ehefrauen, Töchter und Schwestern – traditionell nicht an der eigentlichen Verbrennung teilnehmen. Sie sind von der Beerdigung ausgenommen. Als wir am Verbrennungsplatz ankamen, war es unglaublich voll. Es war kaum ein Durchkommen. Schließlich stiegen wir auf das Dach und suchten uns erst einmal einen Platz möglichst weit weg von den brennenden Feuern. Die Hitze war enorm, und der Rauch roch intensiv und brannte in den Augen. Anders als unten am Fluss, wirkte das Ganze allerdings wenig feierlich. Das Gelände war schlammig, überall lag Müll, und hinter den Verbrennungsstellen türmten sich die Abfälle. Unten vor dem Ghat lagern riesige Mengen Brennholz. Zu beiden Seiten des Weges ist es teilweise haushoch aufgestapelt. Verwendet werden Mangoholz und Sandelholz. Natürlich spielt der Preis bei der Wahl eine Rolle. Sehr arme Familien werden teilweise von Nachbarn unterstützt um einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Fotografieren durften wir. Aber nur sehr wenig.
Ein weiteres Highlight vor unserer Abreise war eine Fahrt auf dem Ganges. Wegen der starken Strömung durften die kleinen Boote zu dieser Zeit nicht fahren. Wir waren deshalb auf einer umgebauten Fähre unterwegs – und im Nachhinein war das sogar eine ziemlich gute Idee. Wir fuhren an allen 184 Ghats von Varanasi entlang. Vom Wasser aus zeigte sich die Stadt noch einmal völlig anders. Die bunten Gebäude, die unzähligen Treppen, Tempel und Menschen – alles wirkte gleichzeitig chaotisch, faszinierend und irgendwie unwirklich.
Und vielleicht ist genau das Varanasi: eine Stadt, die man nicht beschreiben kann. Man muss sie erleben.Read more
Stolz in Varanasi
September 27 in India ⋅ ☁️ 26 °C
Heute haben wir einen City Walk mit unserem Guide Sanjay unternommen. Er hatte sich ein wirklich tolles Programm für uns ausgedacht und führte uns zu Fuß durch Varanasi – vorbei an einem Königspalast aus dem 16 Jahrh., einem Hindutempel und einem alten Tempel auf dessen Plätzen die Menschen heute ihre Wäsche zum trocknen auslegen und der aussieht, als wäre er eine Kulisse für „Mogli“.
Auf Ines’ besonderen Wunsch hin, sind wir auch am „Shivala Dangal“ vorbeigegangen. Dabei handelt es sich um eine traditionelle Wrestling-Schule. Gleichzeitig ist es aber auch eine Art Gym wo man zum trainieren hingeht. Die Trainingsgeräte und Gewichte sind kurios, und die Möglichkeiten, die den Sportlern zur Verfügung stehen, sind im Vergleich zu unseren Fitnessstudios begrenzt. Aber eines ist überall deutlich zu spüren: Der Stolz auf die Leistung, auf die Muskeln, auf das Können und auf das, was man sich durch Training erarbeitet hat. Und genau darin gibt es erstaunliche Übereinstimmungen mit unseren Fitnessstudios zu Hause. Ein Highlight des Tages!
Weiter ging es zum Shivala Ghat. Hier sitzen Gläubige im Ganges und beten. Andere lassen kleine Kerzen auf dem Fluss schwimmen und verbinden damit einen Wunsch. Denn der Ganges nimmt die Wünsche auf und trägt sie weiter – und vielleicht gehen sie dann irgendwann in Erfüllung. Wir haben natürlich auch eine Kerze auf die Reise geschickt. Dieses Ghat ist außerdem für ein Ereignis bekannt, das man sich an diesem überschaubaren Ort kaum vorstellen kann: Alle zwölf Jahre findet die „Kumbh Mela“, eines der größten Pilgerfeste der Welt, statt. Dann wird hier eine Essensausgabe eingerichtet. Ein Teil der Rund 20.000 „Babas“ sollen an diesem kleinen Ghat versorgt werden können. Unvorstellbar! Aber in Varanasi scheint eben vieles möglich zu sein.
Am Abend hatten wir tatsächlich noch Energie – und wollten zum Ganga Aarti. Die Ganga Aarti ist eine spirituelle Feuerzeremonie direkt am Ufer des Ganges, die zu Ehren des heiligen Flusses abgehalten wird. Wir hatten eine feierliche, ruhige Zeremonie erwartet. Und dann kam alles ein bisschen anders. Es war sehr, sehr laut. Zu Beginn dröhnte sogar indische Bollywoodmusik über den Ganges, bevor die Musik allmählich in die spirituellen Klänge überging.Und dann waren da die Menschen! Unglaubliche Mengen waren gekommen, um dieses tägliche Spektakel zu erleben. Die Ufer waren voll und auf dem Ganges lagen viele Boote, die sich dicht an dicht vor dem Ort versammelt hatten.
Varanasi ist laut, bunt, manchmal chaotisch, oft überwältigend – und gleichzeitig voller Spiritualität und ganz eigener Geschichten.Read more
Auf uns die Sintflut
Sep 24–30 in India ⋅ 🌧 30 °C
Wir hatten gedacht, dass heute nur ein kleines, unspektakuläres Programm auf uns wartet. Aber wir hatten uns getäuscht. In Indien ticken die Uhren anders – und kleine Abenteuer und Unvorhergesehenes sind immer schon hinter der nächsten Ecke anzutreffen.
Beim losgehen freuten uns zunächst einmal darüber, dass die Wettervorhersage offensichtlich nicht stimmte: Kein Regen!
Wir wollten mit einem Tuk-Tuk in die Stadt fahren, um eine indische SIM-Karte für Ines’ Handy zu besorgen. Wir schlenderten durch die Gassen und trafen dort auf eine Gruppe von Frauen. Sie sprachen uns sofort an und wollten unbedingt Fotos mit uns machen. Gerade diese kleinen Begegnungen mit indischen Frauen sind etwas ganz Besonderes. Man versteht sich erstaunlich schnell, oft fast ohne Worte. Und innerhalb kürzester Zeit entsteht dieses fröhliche, aufgeregte Durcheinander. Denn mit EINEM Gruppenfoto war es natürlich nicht getan. Es war ein großes Hallo – und vor allem eine unglaublich herzliche und schöne Begegnung.
An der Hauptstraße angekommen, schlendern wir ein wenig am Straßenrand entlang und werden wir plötzlich in einen kleinen Tempel hineingebeten. Wir sind sofort begeistert von den leuchtenden Farben, den vielen kleinen Lichtern und vor allem von der besonderen Atmosphäre. Immer wieder kommen Menschen herein, gehen andächtig um den kleinen Schrein herum und lassen dabei die Glocke erklingen. Wieder einmal sind wir mitten in einem Stück Indien gelandet, das man nicht planen kann – und gerade deshalb so besonders ist.
Dann ging die Jagd nach der SIM-Karte endlich los. Kaum waren wir in das Tuk-Tuk eingestiegen, fing es an zu tröpfeln. Aus dem Tröpfeln wurde Regen. Aus dem Regen wurde Starkregen. Und daraus schließlich eine richtige Sintflut. Der Regen prasselte so heftig auf uns nieder, dass Niemand mehr richtig erkennen konnte, wer auf welcher Spur unterwegs war und wie sicher man überhaupt noch fahren konnte. Das große indische Durcheinander war zu einem sehr nassen großen indischen Durcheinander geworden.
Irgendwann ließ der Regen nach. Aber wie das so ist: Nach dem großen Regen kommen die großen Pfützen. Wir standen noch eine Weile da und überlegten: Müssen wir da jetzt wirklich durch?
Ja, wir müssen.
Also zogen wir Strümpfe und Schuhe aus und machten uns auf den Weg. Die Pfützen reichten uns bis zu den Knöcheln, und die Straßen waren zu diesem Zeitpunkt praktisch vollständig überflutet. Es blieb uns nichts anderes übrig als mitten durch die Wassermassen zu waten als wäre das hier das Normalste der Welt. Und irgendwie war es das dann auch.
Inzwischen waren wir ganz in der Nähe eines kleinen Ladens angekommen, der in Varanasi ziemlich bekannt ist – und längst auch über die Grenzen der Stadt hinaus. Wir hatten ihn schon von Deutschland aus im Internet aufgespürt: Blue Lassi.
Der kleine Laden ist berühmt für seine ausgefallenen Lassis. Mit frischen Früchten oder mit Trockenfrüchten, wunderbar anzusehen und genau so lecker. Genau das Richtige nach unserem unfreiwilligen Fußbad durch die überfluteten Straßen. Als wir ankamen, war der Laden allerdings schon voll. Jeder verfügbare Platz war besetzt. Aber kein Problem: Zwei Europäer passen irgendwie immer noch dazwischen. Wer einmal einen ausgezeichneten Lassi trinken möchte ist hier genau richtig!
Wir saßen außerdem an einer strategisch ausgesprochen guten Ecke und hatten einen wunderbaren Blick hinaus in die Gassen. Dort spielte sich weiterhin das ganz normale Varanasi-Leben ab – mit Menschen, Rindern, dem ständigen Gehupe und allem, was sonst noch so dazugehört.
Was wir dort noch gesehen haben, folgt - etwas ausführlicher - schon im nächsten Kapitel.Read more
Stürmische Zeiten am Ganges
Sep 24–30 in India ⋅ 🌧 31 °C
Varanasi hatten wir uns ganz anders vorgestellt: einen breiten Fluss unter blauem Himmel, große Hitze und eine Bootsfahrt zum Sonnenaufgang auf dem Ganges.
Als wir ankamen, war es jedoch Nacht. Mit dem Taxi fuhren wir bis ins alte Viertel, hinunter zu den Ghats. Und je näher wir kamen, desto verrückter wurde der Verkehr: Hupen von allen Seiten, Menschen, Hunde, Rinder, Ziegen, Hunderte Tuk-Tuks und Fahrräder – scheinbar völlig ohne erkennbare Verkehrsregeln. Für uns Westeuropäerinnen ein einziges Desaster. Jeden Moment erwarteten wir den Kollaps. Doch der kam nicht. Die Inder beherrschten dieses Chaos mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit. Und wir mittendrin.
Da die Gassen rund um unser Hotel und hinunter zu den Ghats viel zu eng für Tuk-Tuks oder Taxis sind, mussten wir aussteigen. Ein Kofferträger nahm uns das Gepäck ab, und dirigierte uns schnellen Schrittes durch die verwinkelten, dunklen und ziemlich stinkenden Gassen von Varanasi. Schon nach kurzer Zeit hatten wir völlig die Orientierung verloren. Als wir schließlich vor unserem Hotel standen, waren wir vor allem eines: erleichtert.
Am nächsten Morgen war der Ganges war noch immer braun, und die Fahnen flatterten heftig im heulenden Wind. Alle Bootsfahrten waren deshalb untersagt und der Traum vom Sonnenaufagng geplatzt. Als wäre das nicht genug, hatte Marisas Netzteil vom Laptop den Geist aufgegeben. Also machten wir uns auf den Weg durch die engen Gassen von Varanasi, um Ersatz zu finden. Und natürlich kam es, wie es kommen musste: Wir haben uns prompt verlaufen. Später fuhren wir mit dem Tuk-Tuk zu einem kleinen Telekommunikationsladen, den wir im Internet aufgestöbert hatten. Eine Glasvitrine mit ein paar neuen Tastaturen und Mäusen, eine Theke und eine Klimaanlage – viel mehr gab es nicht. Aber der Chef wusste, was er tat. Und tatsächlich: Wenig später hieß es „Simsalabim“ – und das Gerät lief wieder.
Später wollten wir mit einem Tuk-Tuk zurück zum Hotel. Ein Fahrer hatte allerdings keine große Lust und verwies uns auf einen Kollegen, der direkt daneben mit einer Fahrradrikscha stand. Der Mann war alt, älter als wir beide, sehr hager. Etwas steif und ungelenk stiegen wir ein. Er schwang sich auf den Sattel und trat in die Pedale – doch viel passierte zunächst nicht. Der Mann war so dünn und hatte so wenig Kraft in den Beinen, dass er sich bei jedem Tritt regelrecht ins Pedal hängen musste. Sobald es leicht bergauf ging oder größere Schlaglöcher kamen, stieg er ab und schob. Wir saßen hinten und wussten gar nicht so recht, wie wir damit umgehen sollten. Einerseits hatten wir großes Mitleid mit diesem Mann, denn die Fahrt war für ihn offensichtlich unglaublich anstrengend. Andererseits dachten wir: Vielleicht sind wir für ihn heute ein gutes Geschäft, vielleicht sogar „die Einnahme des Tages“. Es war eine unglaublich langsame Fahrt und aufreibend für beide Seiten. Wir mussten feststellen: Die indische Realität hatte uns schneller eingeholt, als uns lieb war.Read more

Sabine-on-TourDas mit den Fahrrad-Rikscha-Fahrern ging mir im Dezember in Rajasthan genauso. Es ist gerade für die, die körperlich nicht so fit sind, ein sehr harter Job. Dank unseres sehr schlechten Gewissens, gab es ein sehr großzügiges Trinkgeld...

TravelerDas mit dem Trinkgeld war bei uns auch so. Zumal die Rikscha immer noch viel günstiger ist, als ein Tuktuk. Verkehrte Welt! Viele Grüße

Sabine-on-TourEuch noch eine tolle Reise mit vielen schönen Begegnungen und Erlebnissen. Viele Grüße aus Brühl










































































































































































































































