Feuer und Wasser
Sep 28–30 in India ⋅ ☀️ 30 °C
Wir waren schon immer daran interessiert, wie Menschen mit ihren Toten umgehen. Deshalb war Varanasi eines der Ziele unserer Reise. Die Stadt gilt als einer der spirituellsten Orte der Welt – die Inder glauben, wer hier stirbt durchbricht den Kreislauf der Wiedergeburt und die Seele geht direkt ins Nirwana. Normalerweise werden die Toten an den Ghats, den breiten Treppenanlagen zum Ganges, verbrannt. Die Asche und die Überreste werden anschließend dem heiligen Fluss übergeben. Als wir in Varanasi ankamen, war der Ganges etliche Meter über seinem normalen Wasserstand. Die Ghats waren überflutet, und die Verbrennungszeremonien mussten an andere Orte verlegt werden. Zum Beispiel auf das Dach eines Gebäudes. Schon bevor ein Verstorbener dort ankommt, kann man es von Weitem hören. Die Toten werden von den Söhnen und männlichen Verwandten durch die Straßen getragen, begleitet von lauten Rufen. Der Körper liegt auf einer Art Trage und ist vollständig in orange-roten Stoff gehüllt. Besonders interessant fanden wir, dass die weiblichen Angehörigen – also Ehefrauen, Töchter und Schwestern – traditionell nicht an der eigentlichen Verbrennung teilnehmen. Sie sind von der Beerdigung ausgenommen. Als wir am Verbrennungsplatz ankamen, war es unglaublich voll. Es war kaum ein Durchkommen. Schließlich stiegen wir auf das Dach und suchten uns erst einmal einen Platz möglichst weit weg von den brennenden Feuern. Die Hitze war enorm, und der Rauch roch intensiv und brannte in den Augen. Anders als unten am Fluss, wirkte das Ganze allerdings wenig feierlich. Das Gelände war schlammig, überall lag Müll, und hinter den Verbrennungsstellen türmten sich die Abfälle. Unten vor dem Ghat lagern riesige Mengen Brennholz. Zu beiden Seiten des Weges ist es teilweise haushoch aufgestapelt. Verwendet werden Mangoholz und Sandelholz. Natürlich spielt der Preis bei der Wahl eine Rolle. Sehr arme Familien werden teilweise von Nachbarn unterstützt um einen würdevollen Abschied zu ermöglichen. Fotografieren durften wir. Aber nur sehr wenig.
Ein weiteres Highlight vor unserer Abreise war eine Fahrt auf dem Ganges. Wegen der starken Strömung durften die kleinen Boote zu dieser Zeit nicht fahren. Wir waren deshalb auf einer umgebauten Fähre unterwegs – und im Nachhinein war das sogar eine ziemlich gute Idee. Wir fuhren an allen 184 Ghats von Varanasi entlang. Vom Wasser aus zeigte sich die Stadt noch einmal völlig anders. Die bunten Gebäude, die unzähligen Treppen, Tempel und Menschen – alles wirkte gleichzeitig chaotisch, faszinierend und irgendwie unwirklich.
Und vielleicht ist genau das Varanasi: eine Stadt, die man nicht beschreiben kann. Man muss sie erleben.Read more






























