• Bedrückende Abdrücke

    October 8 in India ☀️ 37 °C

    Heute sind wir zum fantastischen Fort von Jodhpur aufgebrochen – schon von außen ist es beeindruckend. Wie eine mächtige Trutzburg thront es auf dem Felsen über der Stadt. Doch wenn man es betritt, zeigt sich eine ganz andere Seite: Im Inneren ist es unglaublich filigran und kunstvoll gearbeitet. Gerade dieser Kontrast zwischen der wuchtigen Außenmauer und den feinen, prachtvollen Innenräumen hat uns besonders fasziniert. Schon der Eingangsbereich erzählt von einer Zeit, in der das Fort nicht nur ein prächtiger Palast, sondern auch eine Festung war. Die Tore sind so angelegt, dass angreifende Elefanten keinen Anlauf nehmen konnten. Die geschwungenen Zugänge verhinderten, dass sie mit voller Wucht gegen die Tore stürmen konnten. Zusätzlich waren auf Stirnhöhe der Elefanten eiserne Spitzen in die Tore eingelassen. Elefanten wurden damals tatsächlich als Kriegswaffen eingesetzt.
    Doch direkt am Eingang erwartete uns auch der Teil des Forts, der uns emotional am meisten berührt hat. An den Toren befinden sich die Handabdrücke von Frauen der Maharajas. Wenn ein Maharaja starb, war es in früheren Zeiten üblich, dass seine Frauen ihm auf den Scheiterhaufen folgten und lebendig mitverbrannt wurden. Und freiwillig geschah dies längst nicht immer. Manche Frauen wurden unter Drogen gesetzt, andere waren noch sehr jung. Ein Maharaja konnte bis zu 15 Frauen haben und die Frauen duften keinen Laut von sich geben. Von diesen Frauen ist kaum etwas geblieben. Keine Namen, keine Porträts, keine Geschichten. Nur ihre Handabdrücke, die sie vor ihrem Tod in den Stein gedrückt haben – rot und wie mit Blut gezeichnet. Das Fort von Jodhpur ist voller Schönheit, aber eben auch voller Geschichten, die nachdenklich machen.
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