• D-Day

    May 24 in France ⋅ 🌬 17 °C

    Der Küstenradweg klappert die Landungsbuchten der Alliierten ab. D-Day überall. Es ist ein richtiger Touri- Militär- Mikrokosmos mit Shuttle- Service von Beach zu Beach, Jeep-Touren, Military Shops, Museen, Denkmälern, Schautafeln ect. Die Flaggen der Alliierten wehen, viele Amerikaner und noch mehr Briten sind unterwegs. In Carentan trafen wir ein Radlerpaar in unserem Alter, die Stationen ihrer Eltern abfuhren. Der Vater des Mannes war als 19jähriger in einem Panzer beim Debarquement dabei und kam mit seiner Einheit schließlich bis an den Rhein. Wir besuchten ausgiebig das Museum an Utha Beach, wo den Amerikanern als erstes der Durchbruch gelang. Haben viel gelernt über den genau getakteten Ablauf dieses Tages mit selbstmörderischen Fallschirmjägern hinter den deutschen Linien in der Nacht, Flugzeugangriffen auf die Bunker im Morgengrauen und dann die eigentliche Landung. Hotspot für die amerikanischen Besucher ist Omaha Beach, wo auch der große Soldatenfriedhof ist. Da waren Hunderte unterwegs. Die alte Dame, bei der wir auf dem Weg nach Bayeux in einem Dorf übernachteten, sagte, dass sie eigentlich ausschließlich Gäste aus den USA, Kanada und Großbritannien hätte. Bayeux ist eine der wenigen Städte, die in der Region nicht zerstört wurden und scheint ebenfalls vom D-Day Tourismus zu leben. Hier ist auch der wirklich tolle 1000 jährigen Teppich über die Eroberung Englands durch William the Conquerer zu sehen. In Bayeux liegen die englischen Soldaten. Anders als bei den Amerikanern stand auf den Grabsteinen das Alter der getöteten ( meist Anfang 20, selten über 30) und persönliche Worte der Angehörigen. Wenn ich Inschriften lese wie „My only child, Mother“ muss ich weinen. Reiner kam mit Tränen in den Augen von der Gedenkstätte für getöteten Journalisten zurück, die direkt gegenüber ist. Auf dem Campingplatz verbrachten wir den Abend mit einem Radler aus Essen, der schon seit Jahren in dieser Gegend reist. Er hatte an diesem Tag zufällig einen Ort deutscher Kriegsverbrechen gefunden, den er noch nicht kannte und war ebenfalls in Tränen ausgebrochen. Alles sehr emotional hier. Als wir am nächsten Tag auf dem Weg nach Caen auch den letzten der 5 Landungs- Strände hinter uns hatten, hatte ich dann aber auch genug von D-Day, Militärgeschichte und vor allem vom touristischen Auflauf.Read more