• Verona - Sirmione - Desenzano

    Dec 29–30, 2025 in Italy ⋅ 🌙 3 °C

    Nach einer erholsamen Nacht wachten wir voller Energie auf – bereit, die Welt zu entdecken. Also Van-Tür auf … und zack: Da war er wieder. Unser täglicher Reisebegleiter. Der Nebel. Dicht, grau und so zuverlässig wie ein Wecker, den man nicht abstellen kann.
    Ein schneller Blick auf die Wetter-App brachte Hoffnung: Bäm! Sonne ab 11 Uhr. Also angezogen, eine kleine Gassi-Runde mit den Hunden gedreht und los ging’s Richtung Verona.
    Wir fuhren tapfer durch die Suppe, fest davon überzeugt, dass uns dort strahlender Sonnenschein erwarten würde. Spoiler: Tat er nicht. Der Nebel hatte offenbar ebenfalls Verona als Tagesziel gewählt.
    Parkplatz gesucht, Hunde angeleint und ab in die Stadt. Schon auf dem Weg wurden wir von einer mächtigen Burgbrücke empfangen – sehr beeindruckend, sehr fotogen, leider sehr neblig. Trotzdem schlenderten wir neugierig weiter, vorbei an einem Amphitheater, einem großen Marktplatz mit vielen Restaurants und wunderschönen Gebäuden. Alles toll – wäre da nicht diese graue Decke gewesen, die die Stimmung ein bisschen drückte.
    Kurzer Krisenrat: Bleiben oder weiterziehen?
    Ergebnis: Weiterziehen!
    Neues Ziel: Sirmione am Gardasee.
    Und natürlich – wie sollte es anders sein – riss genau beim Wegfahren der Nebel plötzlich auf. Strahlender Sonnenschein über Verona. Als würde die Stadt uns hinterherrufen: „Jetzt? Wirklich jetzt fahrt ihr?“
    Ja. Jetzt.
    In Sirmione angekommen: Jackpot. Sonne, blauer Himmel, ein wunderschöner Park direkt am See – und kaum Menschen. Die Hunde verloren komplett die Contenance und tobten herum, als hätten sie drei Espressi zu viel gehabt. Wir genossen die Sonne, die Aussicht und das Gefühl, endlich wieder Farbe im Leben zu haben.
    Mit dem Van ging es danach Richtung Stadt. Theoretisch.
    Praktisch war Sirmione irgendwie… verteilt. Kein richtiger Kern, keine klare Verbindung zum See. Entweder war die Stadt ein Labyrinth oder wir einfach nicht besonders orientiert. Also Plan B: Desenzano del Garda.
    Und hier beginnt der Actionfilm.
    Ich wollte links abbiegen. Blinker gesetzt, gebremst – alles völlig legal. Doch plötzlich:
    WIIIIIIIIIÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄM!
    Ein Motorrad schoss heran, der Fahrer riss den Motor auf, als wolle er gleich in die Formel 1 einsteigen. Offenbar war er der festen Überzeugung, ich hätte es auf sein Leben abgesehen.
    Er fluchte. Laut. Wild. Leidenschaftlich. Komplett auf Italienisch.
    Ich verstand kein Wort – fühlte mich aber zutiefst persönlich angesprochen. Also fluchte ich zurück. Auf Deutsch. Ebenfalls laut. Ebenfalls emotional. Kommunikation auf höchstem Niveau.
    Ich bog endlich ab, fuhr den Berg hinauf – und musste kurz darauf rechts anhalten. Und dann sah ich es im Rückspiegel.
    Er kam zurück.
    Der Motorradfahrer.
    Er hatte offenbar beschlossen, dass diese Geschichte noch nicht auserzählt war.
    Er hielt neben meinem Fenster, Helm auf, Gestik wie in einer Opernaufführung und fluchte weiter. Ich fluchte zurück. Zwei Erwachsene, zwei Sprachen, null Verständigung – aber 100 % Einsatz. 😂😂😂
    Als ich beim Fluchen auch noch meine Jacke auszog, als würde ich sagen: „So, jetzt reden wir richtig!“, überlegte er es sich plötzlich anders. Er schaute mich an, schaute meine entschlossene Haltung an – und fuhr kommentarlos davon.
    Sieg durch Ausziehen der Jacke. Wer hätte das gedacht.
    In Desenzano angekommen dann endlich wieder Ruhe. Parkplatz direkt an der Stadt – perfekter Start. Hunde angeleint, ab in die Stadt. Und diesmal: Volltreffer.
    Nur eine Straße trennte uns vom Gardasee, direkt gegenüber der Hafen. Kleine Restaurants, weihnachtlich geschmückt, traumhaftes Wetter und kaum Touristen. Genau unser Ort.
    Wir schlenderten entspannt durch die Stadt, genossen die Sonne, den Blick auf den See und dieses Gefühl von „Hier bleiben wir jetzt einfach“. Irgendwann meldete sich der Hunger – laut, deutlich und nicht mehr zu ignorieren.
    Da noch nicht viele Restaurants geöffnet hatten, wurde gegoogelt, Rezensionen studiert und eine mutige Entscheidung getroffen: Hop oder top.
    Und es wurde top.
    Vorspeise, Hauptgang, Beilage, Nachtisch – alles ein Traum. Der perfekte Abschluss für einen Tag voller Nebel, Sonne, Abenteuer, italienischem Temperament und kulinarischem Glück.
    Ein wechselnder, wilder, wunderschöner Tag.
    Und wieder einmal die Erkenntnis: Genau für solche Momente sind wir unterwegs. ✨
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