• Ent-paradiesung

    January 3 in Egypt ⋅ ☀️ 20 °C

    Es wäre ja nicht ich, wenn ich nicht ein bisschen kritisieren dürfte. Heute hat es mich nicht mehr auf die Liege sondern in die brutale, graue, armselige Realität gezogen.
    Vom sauberen, von Sklaven gut gepflegten Anlagen durch das prachtvolle Portal mit all seinem verschwenderischem Lichtschmuck bin ich über die breite Straße direkt hinein ins Elend derer, die uns hier jeden Wunsch von den Augen ablesen. Ein Kellner- und das ist schon ein hochgestellter Job- verdient um die 120 Euro/Mon. Kein Wunder, dass sie freundlich und diskret aber offensichtlich um die Gunst und Freundschaft der betuchten Gäste buhlen. Sie rennen und schwitzen, unterstützen bei allen Anliegen.
    Unmittelbar "draußen" beginnt Hurghada. Das echte. Das, das es mir verbietet es zu fotografieren, weil ich mich schäme für das Elend. Versteckt hinter ein paar hohen typisch kargen Betonbauten leben die, die voller Hoffnung auf Arbeit und ein besseres Leben hierher kommen wo die Touristen geblendet von Sonne, türkisem Wasser, meterlangen Buffets und den Habibis sich der Armut nie aussetzen. Zu beängstigend wäre es ja, wenn wir entdecken, dass Mohammed, der fesche junge Mann mit seinem charmantem Lächeln mitten drin wohnt im Slum mit seinen Kindern und seiner Frau, die mühselig und geschickt alles instand hält. Hier in den Slums, anders kann man den Dreck, die Ruinen, der Wüste abgetrotzen Wohnverschläge nicht nennen. Mitten auf Müllhalden- unser Müll aus den Hotels?- Im Sand leben alle miteinander. Gelbe Hunde, dürre ängstliche Katzen, Minis, die barfuß geschickt durch den Müll balancieren. Alte, so dunkel und gegerbt durch jahrelange Sandbäder. Selbst ich bin, nach nur ca 15km, die ich wandere komplett verstaubt. Ein Kopftuch wäre super um es mir vor den Mund zu halten sobald ein Auto, ein Moped vorbeischaukelt. Völlig unbehelligt, aber von neugierigen Blicken, freundlichen Grüßen begleitet- offen trage ich Uhr, Mobile, Handtasche- durchstreife ich die Gassen. Sogar Namen haben sie. 11 Street, 17 Street.
    Eine große Straße überquere ich indem ich mich knapp an einen Einheimischen im Anzug hefte. Er weiß wie das funktioniert. Er muss schmunzeln als wir endlich drüben ankommen.
    1000 kleine Werkstätten, Tischlereien, Autodinge, Läden, "Cafés", Undefinierbares bringen Arbeit. Oft ist es vor denen gekehrt, Wasser aufgespritzt gegen den Staub.
    Manchmal fällt eine Unterkunft auf. Die Frau sitzt am Boden im Eingang, zerlegt irgendwas in einem großen Weidling. Tauben gurren um sie herum. Gesund und fett sehen sie aus. Weil sie mich anlächelt bleibe ich stehen. Flugs sind drei saubere Kinder da. Mit Hilfe des Buben erhebt die sich weil ich kleines Transportauto kommt. Der Klee wird geliefert. Sie kauft bündelweise schönen grünen Klee. Der Fahrer erklärt mir, dass die es klein schneidet und etwas dazugeben wird als Futter für ihre Tiere.
    Dann zeigt sie mir noch ganz stolz ihre Kuh und ihre Enten. Ein Minibauernhof mitten im Slum. Jetzt bemerke ich, dass es rundherum gackert und kräht.
    Ich komme an Schulen vorbei und teilweise haben die Kinder schon frei. Sie sind dick angezogen. Ich schwitze und halte mich im Schatten. Sie grüßen mich, niemand bettelt mich an.
    Dann erreiche ich mein Ziel. Der Markt der Altstadt.
    Bunt, verlockend, bepreist ✌️, muss ich eine frische, heiße Flade verspeisen. Sie ist wie ein Bauernkrapfen nur anders. Das Bürschchen will mir 10 EP abknöpfen, er ist mit 5 auch zufrieden. Zwei Oberfranken die nur Euros haben lade ich ein. Warum ich EPf habe? Beim Visum habe ich das Rückgeld bekommen. Es hat 25 USD gekostet, ein TUI 'ler- also zumindest stand er hinter dem TUI Stand- wollte 30€! So ein Lumpi. Also bin ich zum Offiziellen...
    Um zu wechseln kaufe ich mir ein Schweppes. In € will dieser Lumpi auch 2. Ich geb ihm 50c.
    Armut hin oder her.... freiwillig geb ich gern was.
    Dann treffe ich eine gute Informationsquelle als ich versuche die arabischen Zahlen zu entziffern. Er sagt mir, dass eine Dose Schweppes für ihn 15 EPf kostet, aber 50c eh super sind. Halal! Yeahhh und 2 Euro Haram!
    Mit einem Uber- Franzi wäre vermutlich nicht eingestiegen- werde ich schnell und sicher durch das Gassengewirr wieder zum Hotel gebracht. Dort kontrolliert man mich 🤣🤣🤣 weil ich aus dem Totalschaden aussteige! Ach wie liebe ich Reisen!
    Morgen schmeiß ich mich in die sog. Sheraton Road wo alles in russisch angeschrieben ist. Dem Einkaufsherz von Hurghadas Touris....
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