2. Oktober
October 2, 2023 in South Africa ⋅ ☁️ 22 °C
Mitten in der Nacht gibt es einen lauten Schlag gegen unser Chalet. Ich schrecke aus dem Schlaf auf, Uwe ebenfalls.
Dann rumpelt noch einmal etwas oder jemand gegen die Wand. Sonst höre ich nichts, keinen Ruf, kein Brüllen oder Fauchen.
Ich möchte gerne wissen was da draußen los ist und einen Blick durchs Fenster werfen. Wir haben aber keine Vorhänge, die ich ein klitzekleines bisschen zur Seite schieben könnte, sondern rießige Rollos.
Diese hochzuziehen und dann da draußen einem gefährlichen Tier direkt in die Augen zu sehen, getraue ich mich nicht. Dazu ist der kleine Feigling in mir dann doch zu groß. Uwes Neugier hält sich auch in Grenzen.
Ich muss damit leben, dass wir nie erfahren werden, wer oder was da mitten in der Nacht den Poltergeist gegeben hat.
Im Übrigen stellen wir fest, dass sich Uwe gar nicht mehr übergeben musste.
Waren doch die Malaria Tabletten schuld an der Quälerei die letzten Tage? Oder gewöhnt sich sein Magen langsam an die Ernährungsumstellung?
Egal was der Grund ist. Ich bin so froh, dass es besser wird. Gut geht es ihm noch nicht, aber immerhin besser.
Auch heute heißt es zwanzig vor Fünf Aufstehen.
Karongwe gehört zu den allerschönsten Reservaten die wir bisher gesehen haben. Hier lassen wir garantiert nichts anbrennen.
Im Jeep steigt wieder ein neues junges Pärchen mit uns ein. Mit sechs Gästen hat jeder einen Außenplatz.
Mein Fernglas macht wie immer die Runde und irgendwie verbindet uns das Ding. Ruck Zuck werden drei Pärchen die sich nicht kennen zu einer Gemeinschaft mit Unterhaltungswert.
Der Sonnenaufgang zeigt sich heute von seiner besonders schönen Seite. Und wie bestellt, steht plötzlich ein Gnu sehr dekorativ im Bild.
Ein Highlight und eine Erstsichtung sind zwei Tüpfelhyänen die gerade dabei sind eine Expedition in den ausgehölten Körper einer Giraffe zu unternehmen.
Deren Frischhaltedatum ist schon seit längerer Zeit abgelaufen.
Die Giraffe scheint kein Fleisch mehr auf den Rippen zu haben. Dafür hören wir deutlich wie ihre Knochen brechen.
Die Hyänen haben die Kraft eines Bolzenschneiders im Kiefer.
Wir beobachten sie eine ganze Weile. Ich finde sie kein bisschen hässlich.
Mit einem der Pärchen entwickelt sich eine besondere Interessengemeinschaft. Die beiden sind auf einer dreimonatigen Hochzeitsreise und ihre nächste Station ist Namibia.
Bei diesem Stichwort geht uns das Herz über und wir erzählen den beiden, wo es uns in Namibia besonders gut gefallen hat.
Sie sind daran interessiert sich von unseren Fotos inspirieren zu lassen und deshalb verabreden wir uns in der Mittagszeit.
Gemütlich sitzen wir im Schatten und vertiefen uns in Namibia Erinnerungen.
Nach einer Weile muss ich mal zur Getränkerückgabe Station und laufe die knapp fünf Minuten zum Chalet. Aber was ist jetzt los?
Ich bekomme den Schlüssel nicht ins Schloss. Da ist was kaputt.
Ich muss zurück zu den anderen und Uwe holen.
Die Getränke finden die Zeitverzögerung gar nicht witzig.
Als ich Uwe mein Problem schildere, bemerken wir, dass ich nicht unseren, sondern den Schlüssel des Pärchen in der Hand habe.
Also mit dem richtigen Schlüssel wieder fünf Minuten gelaufen und den ihn ins Schloss gesteckt. Jetzt steckt er zwar, lässt sich aber nicht drehen.
Ich glaube es ja nicht...
keine Ahnung ob ich weitere zehn Minuten Verzögerung ohne ungewollten Flüssigkeitsverlust schaffe.
Aber keine Chance, hier im freien Gelände gibt es null Privatsphäre. Ich muss Uwe holen.
Er kommt mit, steckt den Schlüssel ins Schloss und dreht ihn mühelos um.
Wir stellen fest, dass ich beim zweiten Versuch im Begriff war, in das Chalet neben uns einzubrechen.
Was sehen die auch alle gleich aus?
Der Sundowner ruft uns alle wieder zusammen. Wir sehen einige Rhinos und sie sind sogar ein wenig in Bewegung. Das Unterholz unter ihrem Körpergewicht knackt wie die Knochen der Giraffe. Ein Jungtier ist auch dabei.
Natürlich fehlen auch Elefanten, Giraffen und Zebras nicht.
Zwei halbwüchsige Löwen finden wir aber und können ihnen eine Weile beim Spielen zusehen.
Am Schönsten finde ich heute den Sonnenuntergang an einem Hippo See. Der liegt sehr idyllisch im Buschland und ein Hippo verlässt sogar das Wasser.
Wunderschön spiegeln sich die Sonnenuntergangsfarben auf der Wasseroberfläche.
Das Dinner gibt es heute wieder in Form eines Braais in der Boma in der wieder ein stimmungsvolles Lagerfeuer züngelt und knistert.
Wir schweben hier in dieser Lodge permanent einen Meter über dem Boden vor Glückseligkeit.
In unserem Chalet lassen wir den Tag mit den vielen Eindrücken noch ein wenig sacken und sinken dann müde in die Federn.Read more





















