• 16. Oktober

    October 16, 2023 in South Africa ⋅ ☀️ 25 °C

    Heute begrüßt uns strahlender Sonnenschein während wir zum Frühstück gehen.

    Der Speisesaal an sich hat Potential und sieht relativ neu renoviert aus.
    Aber es fehlt jegliche Behaglichkeit.

    Es gibt keine Wandbilder oder Spiegel, keine Pflanzen, Kerzen oder sonstige Dekoration. Nicht einmal Blümchen stehen auf den Tischen.
    Dabei müsste man nur welche im Garten pflücken.
    Hier ist null Liebe zum Detail zu sehen.

    Wir fühlen uns gar nicht wohl.
    Da ist die Atmosphäre in manch einer Kantine besser.

    Fürs Buffet werden große Teller und Platten verwendet, die mit minimalistischen Portionen belegt sind.
    Soll das etwa eine Einschüchterungstaktik sein, damit es niemand wagt, sich etwas zu nehmen?
    Falls ja, funktioniert das bei mir.

    Wir halten uns nur so lange hier auf, wie unbedingt nötig.

    Dafür freuen wir uns auf die
    Wine & Cuisine - Tour die wir als Kleingruppentour mit fünf weiteren Paaren gebucht haben.

    Laut der Programmbeschreibung war es geplant mit der Bummel Bahn von A nach B zu fahren. Doch wegen der Unwetterschäden sind noch Teilstrecken gesperrt.

    Deshalb fällt das Vergnügen mit mit der Tram sehr kurz aus.
    Die Fahrt ist schon zuende, kaum dass wir Platz genommen haben.
    Für die restlichen Strecken sitzen wir mit dem Bus.

    Kinder, die eigentlich in der Schule sein sollten, hängen sich ans Fahrzeug und betteln. Sie werden vom Fahrer verscheucht.

    Uns wird gesagt, dass wir ihnen nichts geben sollen, weil ihnen sonst Betteln lukrativer erscheint, als zu lernen.
    Man kann sich ja denken, dass die süßen Kinder irgendwann nicht mehr süß aussehen und dann weder Bildung haben, noch mit Betteln erfolgreich sind.

    Unser erster Besuch gilt dem Weingut Paserene.
    Die Architektur gleicht einem modernen Kunstwerk.
    Der Verkostungsraum ist fast komplett verglast. Wir haben freie Sicht auf die Reben, auf einen einen kleinen See und auf einen hübschen Garten. Das hat schon was!

    Drei Weine werden uns hier kredenzt dazu verschiedene Frühstücksvarianten.

    Wir lernen unsere Gruppenteilnehmer ein bisschen kennen. Der Funke der Sympathie springt aber nicht auf die gesamte Gruppe über. Es ist schwierig eine Gemeinschaft aufzubauen. Das Miteinander bleibt steif.

    Wir werden nur mit einem Ehepaar warm.
    Vielleicht wollen die anderen, die sich untereinander schon kennen, gar keinen weiteren Kontakt.
    Wir bemühen uns nach dem ersten Versuch auch nicht weiter. Sie sind ja in ihre eigene Gruppe integriert.

    Der Garten zieht mich magisch an.
    Er grenzt direkt an einen Weinberg. Der Blick über die Reben und auf die dahinterliegenden Berge ist fantastisch.

    Die nächste Station auf dieser Weinland- Reise ist die
    Grand Provonce Winery.

    Über eine Zypressen-Allee betreten wir eine Gartenanlage wie aus dem Bilderbuch.

    Es gibt einen großen alten Baumbestand, kleine Brunnen, kunstvolle Skulpturen und überall Sitzgelegenheiten die zum Verweilen und Genießen einladen.

    Für unsere Gruppe wurde ein langer Tisch unter einem großen Baum gedeckt.
    Es wird ein sagenhaftes drei Gänge Menü aufgetragen und zu jedem Gang drei Weine.

    Das Essen schmeckt ausgezeichnet und wird uns auf hohen Niveau serviert.

    Ich möchte diesen Garten eher als Park bezeichnen. Er sieht einerseits wegen der vielen alten Bäume naturbelassen aus, aber dann gibt es doch auch wieder gepflegte Blumenrabatten.
    Die Skulpturen, die überall zu finden sind, wurden sehr wirkungsvoll platziert.

    Dieses Ambiente bietet einen äußerst passenden Rahmen für unser Gourmet Erlebnis.

    Natürlich muss ich irgendwann mal die Toilette suchen. Ich finde sie im Nebengebäude.

    Auf dem Weg durch den Gang, steht eine Tür zu einem Salon offen. Ich denke, das ist beabsichtigt und soll den Besucher beeindrucken.

    Im Zentrum dient ein edler Designer- Kronleuchter aus Weinflaschen als Eyecatcher.
    Ein großer Holztisch mit bequemen Polsterstühlen hat bestimmt schon für manchen festlichen Anlass eine feudale Tafel abgegeben, und vor einem imposanten Kamin lädt eine gemütliche Sitzgruppe zum Verweilen ein.
    Hier würde ich definitiv auch gerne mal ein Fest feiern. Ja, ich bin tatsächlich schwer beeindruckt. Der Stil gefällt mir ausnehmend gut.

    So einen Kronleuchter aus Flaschen sehe ich heute zum ersten Mal.
    Später werden wir noch oft welche sehen. Besonders wirkungsvoll sind sie, wenn es dunkel ist. Dann wirft ihr Licht leuchtende Sterne in den Raum.

    Mit diesem Leuchter ist übrigens eine besondere Geschichte verbunden:

    Der Herr des Hauses hat zur Geburt seines Sohnes, einen besonders edlen Tropfen spendiert und aus den leeren Flaschen diesen Kronleuchter anfertigen lassen.

    Das sagt schon viel aus, über die Freude die dieses Kind in die Familie gebracht hat.

    Nachdem ich lange genug staunend stehengeblieben bin, schlendere ich noch ein wenig durch den Garten.

    Das dritte Weingut welches wir heute sehen, ist das Haute Cabrière.
    Im Inneren ist es sehr schön.
    Beim Weinkeller hat man sich besonders viel Mühe gegeben, dass er etwas her macht.

    Hier werden uns Dessertweine vorgestellt und kleine Sweets dazu gereicht.

    Die kleinen Desserts werden uns optisch ansprechend serviert. Sie schmecken nach mehr.

    Mit der Verkostung halten wir es lieber kurz und gehen dafür auf Entdeckungsreise.
    Doch der Garten ist hier längst nicht so ansprechend wie bei den vorherigen Weingütern.

    Bevor wir uns verabschieden, stellt sich eine junge zierliche Mitarbeiterin mit einer Flasche Prosecco vor uns und köpft mit einem Säbel den Flaschenhals. Das macht sie ganz offensichtlich nicht zum ersten Mal.
    Dann stoßen wir alle noch einmal auf die wunderbare Weintour an. Anschließend werden wir zur Tramstation zurück gebracht, wo unser Auto parkt.

    Insgesamt wurden uns heute 15 Weine zum Probieren angeboten.
    Die meisten Teilnehmer haben ihre Gläser immer leer getrunken.
    Ob die danach noch geradeaus laufen konnten?
    Ich habe nur daran genippt und merke die paar Tropfen die meine Zunge berührt haben trotzdem.

    Unser Fokus lag mehr auf den Weingütern an sich.
    Wir haben märchenhafte Gartenanlagen gesehen, viel Kunst, fabelhafte Innenarchitektur und wunderschöne historische Herrenhäuser.

    Nach der Weintour nutzen wir den restlichen Nachmittag um durch die Straßen von Frankschhoek zu schlendern und bummeln ein bisschen in den kleinen Boutiquen herum.

    Am Abend gehen wir noch eine Kleinigkeit essen und treffen einen Teil unserer Kleingruppe wieder.
    Ein wunderschöner Tag geht zu Ende.

    Frankschhoek würde ich jederzeit nocheinmal besuchen. Dann würde ich allerdings in einem schönen Wine Estate übernachten wollen.

    Ich denke, meine Zeilen lassen erkennen, dass wir nicht die großen Weintrinker sind.
    Für uns hätte es mehr Sinn gemacht, ohne Weinverkostung nur einen Tisch im Restaurant zu reservieren.
    Manchmal ist weniger eben doch mehr.

    Aber aufgrund vieler Reiseberichte die ich las, dachte ich, eine Weinprobe sollte Pflichtprogramm sein, wenn man zum Ersten Mal hier her kommt.
    Jetzt sehe ich das anders.

    Meine Erfahrung lehrt mich, dass nicht alles was für jemand anderen richtig ist, auch auf mich zutreffen muss.
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