• #2 - Oh wunderschönes Zürich!

    April 26, 2024 in Switzerland ⋅ ☁️ 13 °C

    >> Everyday Life Nuggets <<
    • Überall in Zürich stehen Brunnen mit fließendem Wasser, aus denen man trinken kann. Paradies, oder was?!
    • Es ist alles unfassbar sauber und gepflegt!
    • Die ETH Zürich (Uni) hat goldene Laternen am Hauptgebäude und einen wundervollen Blick auf die Berge. Da kann man ja nur inspiriert sein!
    • Der prototypische Züricher geht am Wochenende nicht feiern, sondern in den Bergen wandern oder Ski fahren. Mega!
    • Am Züri-See gibt es sogenannte „Badis“. Das sind schwimmende Plattformen, die in der Mitte ein Loch zum See haben. Dadurch kann man „zivilisiert“ und mit Sonnenliegen in einen natürlichen Pool springen. Ein paar Saunen direkt am Wasser und mit Blick auf den See gibt es auch. Die Züricher wissen, wie man es sich gut gehen lässt!
    • Selbst die Toiletten an den Wanderwegen sind ur-sauber! (so sagt der Schweizer)
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    26. April
    Nachdem ich ungefähr auf eine Millionen Weisen von der tollen Bahnorganisation nervlich auf die Probe gestellt wurde – hab ich es endlich geschafft: mein erstes Reiseziel ist so gut wie erreicht!
    Auf dem Weg von Basel nach Zürich fängt schon die wundervolle, sanfte Landschaft mit ihren bilderbuchartigen Häuschen, Graslandschaften und Bäumchen an. Es sieht wirklich aus wie im Film!
    Edda holt mich am Bahnhof ab, wir gehen noch schnell was einkaufen und dann nach Hause kochen – denn Essen gehen ist in der Schweiz leider sehr teuer (25-30€ Minimum für ein Essen). Danach quatschen wir noch ein bisschen, weil wir uns sehr lange nicht gesehen haben, und danach falle ich absolut tot ins Bett – was für ein Tag! …und was für ein toller Start in meine lange Reise :-)

    27. April
    Am nächsten Tag ist bestes Wetter im schönen Zürich, mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein – und warm ist es auch. Wir entscheiden uns für einen entspannten Rundgang durch die Stadt. Edda zeigt mir die beiden großen Unis, den Züri-See (s. Titelbild), ein bisschen von der wunderschönen Innenstadt mit ihren Gässchen, uvm. Und nebenbei lässt sie ab und zu lässig fallen „hier ist wieder eine Touri-Falle“ – und wir verdrehen lachend die Augen (obwohl ich ja auch ein Touri bin... 0:-) ).
    Direkt am Züri-See genehmigen wir uns ein kleines Picknick mit Laugengebäck und Früchten (yummy!) und ich fange mir meinen ersten Sonnenbrand ein. Obwohl Edda mir mehrfach die Sonnencreme anbietet. Ups!

    Abends gehen wir mit ihrem Mann in einem coolen Viertel japanisch essen und danach etwas trinken. Großzügigerweise laden mich die beiden dazu ein, weil ich mit meinem deutschen Gehalt wie eine Kirchenmaus schmausen müsste.

    28. April
    Heute geht’s auf große Wanderung. Edda hat eine Gratwanderung geplant, die auf einem Berg direkt am Züri-See entlanggeht. Ich hab große Lust auf Natur, Bewegung und neue Erfahrungen. Und die werd ich bekommen!

    Im Gegensatz zu einigen „Weichei-Touristen“, die sehr wohl in der Lage für einen Aufstieg wären, aber lieber die Gondel nehmen, marschieren wir zu Fuß nach oben zum ersten Gipfel. Mit einem Kaffee to go von einer super leckeren Rösterei und sprechen über Geld, Finanzen, Lebenspläne. Irgendwie witzig, beim Aufstieg auf einen Berg über finanziellen Aufstieg zu sprechen.

    Oben angekommen, mache ich ein paar Fotos mit meiner (System)Kamera und dann geht’s weiter am Grat entlang, durch den Wald, auf und ab und über Stock und Stein. Wir laufen relativ gemütlich, quatschen viel über Gott und die Welt.

    Immer wieder die Frage: Wollen wir hier runtergehen und die Bahn zurück nehmen? Antwort jedes Mal: Nein, lass uns noch ein Stück weitergehen. Ok, weiter geht’s!

    Nach ca. 6 Stunden wandern wollen wir dann doch runter, aber der normale Weg führt einen riiiesigen Umweg zu der Bahnstation. Durch den Wald geht es direkter. Wohlgemerkt: durch den Wald bedeutet teilweise steil bergab. Weil wir beide auf Abenteuer stehen, entscheiden wir uns trotzdem dafür. Alles ist voll mit blühendem Bärlauch und wundervoll unberührt – bis wir kommen!

    Wir rutschen, hüpfen, sliden, gehen und klettern ein bisschen. Ich hab überall Erdkrümel in der Leggings, die sich an unangenehmen Stellen sammeln und an den Waden lustige weiße Sprenkler von den Bärlauchblüten.

    Nach ca. 30min querfeldein kommen wir an der Bahnstation an. Puh! Das war anstrengend aber cool! Und jetzt freu ich mich ULTRA auf das Sitzen im Bus. Keine Bewegung mehr, es reicht! Und ich hab Hunger.

    Das Problem: es fährt kein Bus mehr. Denn es ist mittlerweile 18.30h. An einem Sonntag. In der Schweiz. Ziemlich ab vom Schuss. Oh oh!
    Kurz versuchen wir zu trampen, geben es aber schnell auf, da die Mentalität der Schweizer nicht gerade vor Abenteuerlust strotzt. …und laufen wieder. 2-3km bis zur nächsten Bahnstation. Und ich werde langsam seeeeehr HANGRY! …und es geht wieder bergauf! Noooooo! Ich schieb mir schnell einen Riegel zwischen die Kiemen, damit ich Edda nicht zu sehr auf den Leim gehe.
    Dann merke ich eine Blase im Schuh und meine Beine wollen nicht mehr weiter. Aber es muss! Ich hab Hunger und es wird demnächst dunkel. Also: hilft nix! Humpelnd geht es weiter.

    In dem kleinen Dorf, wo der Bus abfährt, ist ein Schaukasten mit Geburtstags- und anderen Grußkarten. Sie sehen sehr ansprechend aus. Auf einem Zettel steht, dass sie von einem kleinen Mädchen gemacht werden, die gerne stempelt. Gegen Spende kann man sich eine Karte herausnehmen. Wie cool!

    An der Bushaltestelle müssen wir noch etwas warten und kommen mit einer alten, betrunkenen Dame ins Gespräch. Bzw. Edda kommt mir ihr ins Gespräch – ich verstehe nur ungefähr 30% von dem was sie sagt (also eine gute Vorbereitung auf Italien :D ). Endlich kommt der Bus! Die Erlösung!! Meine Beine fühlen sich mittlerweile an wie Gummie und Edda berichtet mir -dank neuester Technik-, dass wir 26km gelaufen sind (+ etliche Höhenmeter).

    Wir fahren nach Hause, Gisbert hat gekocht. Wir duschen schnell, dann geht’s ab ins Bett. Aaaaah! Es gibt doch nichts bessers als nach so einem lustigen und anstrengenden Abenteuer im warmen Bettchen in einem gemütlichen Zimmer zu liegen – und zu schlafen! Ich fühle mich wahrlich wie ein kleines, glückliches Hobbitmädchen!
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