• #8 - Schwankend

    May 7, 2024 in Italy ⋅ ☁️ 14 °C

    Hier ist mein geliebtes Fahrrad!

    >> Everyday Life Nuggets
    • Schwarztee heißt (bei Marta) "normaler Tee" (Ich hab sie gefragt: "Ist das schwarzer Tee?" "Nein, normaler Tee!" - Lorenzo klärte mich dann auf
    • Wasserkocher gehören nicht zum Standardrepertoire einer Küche. Wenn man sich Tee machen möchte, benutzt man die Mikrowelle
    • das Standardhaus in der Region ist sonnengelb (kräftig oder pastell) mit grünen Fensterläden und Türen - super schön!
    • die Rollläden sind oft (halb) geschlossen, sodass es im Haus relativ dunkel ist
    • einige Italiener:innen singen gerne vor sich hin (manchmal lautstark und ohne Hemmungen, manchmal nur kurze Passagen) - egal wo sie gerade sind.
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    7. Mai
    Ich habe immer noch einen kräftigen Schnupfen und Kopfschmerzen. Morgens kämpfe ich mich aus dem Bett und ins Büro. Fahrradfahren ist echt anstrengend und ich will einfach nur in mein Bett.

    Das Wetter ist aktuell sehr wechselhaft mit einem kühlen Wind und sehr schwülem Klima. Sobald ich mich bewege, fange ich an zu schwitzen, ziehe ein paar Sachen aus, um nicht noch mehr zu schwitzen – und dann kommt der kühle Gegenwind (der sich nicht kühl anfühlt).

    Als ich im Büro sitze, schüttet es aus allen Kübeln (zum Glück bin ich dieses Mal im Trockenen!). Da es draußen nur noch 15-17°C hat, macht eine Kollegin gegen Mittag die „Heizung“ (= Klimaanlage) an. Als mich die warme Luft erreicht, realisiere ich erst, wie kalt mir war. TUT DAS GUT!

    8. Mai
    …und die nächste Quälerei ins Büro. Wann hört diese Nase endlich auf zu laufen!? Und wann kann ich endlich den ganzen Tag in meinem Bett verbringen? Mit Wärmflasche und drei Decken?!

    Heute erreichen mich erste Rückmeldungen zu meinem Reiseblog. Ich merke, wie wichtig Teilen für mich ist und freue mich mega darüber! Wenn du Kommentare oder Gedanken zu irgendwas hast, schreib mir gerne – das macht die Erfahrung für mich noch schöner :-)

    Insgesamt mag ich es sehr, hier meinen Alltag zu leben. Allerdings nervt mich der Wechsel von den Sprachen manchmal sehr (ist aber nicht vermeidbar). Ich kann nicht richtig ins Italienische eintauchen, obwohl ich das dringend möchte (u.a. um mich hier besser zurechtfinden zu können).

    Als ich auf dem Fahrrad nach Hause fahre, packt mich der Frust, weil ich das Gefühl hab mit der Sprache auf der Stelle zu tappen. Warum hab‘ ich nicht vorher mehr gelernt? War ich zu naiv? Die zwei Monate werden so schnell umgehen und von meinem Ziel, ein einigermaßen flüssiges Gespräch führen zu können, fühle ich mich meilenweit entfernt (ich weiß, ich bin sehr ungeduldig!)…

    Ich komme nach Hause und sehr wohl genauso aus, wie ich mich fühle: tierisch müde und kaputt. Marta begrüßt mich, ganz fleißig in der Küche arbeitend -wie immer- und fragt mich ob ich müde sei. Ich sage: „Ja, sehr!“ Sie sagt: „Komm, setz‘ dich erstmal und trink einen Tee. Ich mach dir einen.“ (Schwarztee mit Zitrone)

    Sie ist eine richtige Großmutter: umsorgend, vor allem kulinarisch gesehen, ständig am kochen und für die Familie da sein – UND: sie hat ein ganz bestimmtes Bild von der Welt und das muss dann auch so umgesetzt werden (Betten gemacht müssen jeden Tag gemacht werden, Blumen sollen gepflegt sein, alles muss jeden Abend an seinem Platz sein (Töpfe, Geschirr, andere Gegenstände ...).

    Sie erklärt mir, dass sie gerade frische Tomatensoße macht (aus Tomaten, Zwiebeln, Sellerie, Basilikum). Alles wird gekocht, dann passiert, nochmal kurz aufgekocht, dann in Gläser gefüllt. Diese werden fest zugedreht und auf den Kopf gestellt, damit es lange hält. Sie erklärt mir alles, während sie das macht und ich verstehe ca. 40%. Wir essen zusammen und unterhalten uns. Und meine Sorge, dass es mit Italienisch nie klappt, bessert sich etwas. Danke, Universum! (Oder so :-) )

    9. Mai
    Langsam geht's mir endlich besser und ich hab‘ wieder mehr Kraft, um meinen Alltag hier zu wuppen – inkl. Sprache zu lernen. Das war die letzten Tage etwas viel.

    Ein Kollege empfiehlt mir ein Café in der Nähe. „Gibt es da guten Kaffee?“ – „Ja, der Kaffee ist ok. Und der Besitzer ist auch freundlich – meistens zumindest.“ Ein anderer Kollege kommentiert: „Wieso empfiehlst du das Café, wenn der Kaffee ok ist und der Besitzer nur manchmal nett ist?!“ Wir lachen alle. Ich probiere es trozdem – und es ist der beste Kaffee in Prato bisher!! Und nett waren sie alle. Immer wenn ich neu in einer Stadt bin, möchte ich das leckerste Café finden – tadaa, da ist das leckerste Café in der Gegend gefunden! Danke, Andrea!

    Später fragt Camilo mich, ob wir zusammen Mittagspause machen wollen. Ich stimme natürlich zu – mehr Italienisch sprechen! Leider ist es wieder relativ frustrierend: Ich kann einfach noch nicht flüssig sprechen, da mir die Konjugationen nicht geläufig genug sind. Ich kenne sie, aber während dem Sprechen kommen sie mir nicht schnell genug in den Sinn. Und mir fehlen seeehr viele Wörter, um mich erklären zu können.

    Trotz arbeiten habe ich einen weniger vollen Alltag, als alle die normal zu Hause sind. Mittlerweile hab‘ ich alle Sprachnachrichten, die noch offen standen, beantwortet (das war seit 4 Jahren nicht mehr der Fall!) und ich fühle mich etwas alleine. Heute hat mich ein Freund sehr enttäuscht, was meinen Bedarf nach liebevollem und vertrautem Kontakt noch erhöht. Uff!
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