• #7 - Party

    May 4, 2024 in Italy ⋅ ⛅ 18 °C

    >> Everyday Life Nuggets <<
    • Geschäfte haben mittags von 13-16 Uhr geschlossen (Supermärkte nicht, aber alle anderen)
    • Kinder spielen auf öffentlichen Plätzen oft Ball (zumindest in Prato)
    • Wenn Italiener:innen sich angeregt unterhalten, reden sie oft gleichzeitig und ich frage mich, wie man sich da verstehen kann :D
    • Es gibt einen dm in Prato!!
    • Autofahrer:innen sind relativ vorsichtig und rücksichtsvoll zu mir als Radfahrerin. Sie halten Abstand oder bleiben sogar hinter mir – das habe ich nicht erwartet!

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    4. Mai
    Heute möchte ich etwas runterkommen, um mich von dem Stress der Vorbereitungen und der neuen Eindrücke zu erholen.

    Ich laufe etwas ziellos durch Prato, um ein paar Bilder für den Blog zu machen und fahre dann nach Florenz, um mein Wochenticket noch gut zu nutzen (geht noch bis morgen). Ich treffe mich mit Free, der bald 3 Stunden Pause hat. Wir essen und trinken Kaffee zusammen und es ist schön, sich mal wieder etwas komplexer ausdrücken zu können.

    Später versuche ich einen Secondhand Laden in Florenz zu finden, aber alles ist unfassbar teuer: Es werden hauptsächlich Markenklamotten verkauft und starten mit einem Preis von 100€ :-O Florenz ist eben eine Touristenstadt (vor allem da, wo ich mich bisher aufhalte). Schade!

    Abends schaue ich einen deutschen Film mit deutscher Musik. Normalerweise fänd ich das ziemlich nervig und unnötig – heuet gefällt es mir sehr. Warum fällt es uns mit Abstand oft leichter, Dinge zu schätzen? Ich bin ganz selig, obwohl es kein besonderer Film war. Aber es hilft mir gerade wie eine helfende Hand, einen kurzen Abstecher in meine Kultur zu machen.

    5. Mai
    Auch heute passiert nicht viel. Ich genieße ein wenig die Sonne im Garten, koche und esse, schreibe etwas Blog und führe kurze Gespräche mit Marta.

    Als ich mir einen Cappuccino in der Bar „um die Ecke“ (800m) holen möchte und das Marta auf Italienisch mitteile, bin ich ganz stolz, dass ich das hinbekommen habe. Sie sagt: „Wieso willst du dir einen Kaffee holen? Wir können auch hier einen machen!“ „Weil ich Schaum liebe!“ „Aber wir können auch hier Schaum machen!“ „Echt?“ „Ja, ich zeig’s dir!“ – und zack, sie holt einen Espressokocher für den Herd hervor. Aber keinen normalen… dieser magische Kocher kann tatsächlich gleichzeitig Schaum und Espresso kochen. Ich bin beeindruckt. Schmecken tut er leider nicht so gut; aber ich bin ganz selig, weil sie so lieb ist.

    6. Mai
    Heute ist wieder Montag und ich bin wie erschlagen: Marta ist heute Morgen um 4.50h aus dem Haus gestürmt, weil sie mit einer Freundin nach Slowenien fährt (ca. 5h Fahrt mit dem Auto) und ich werde davon geweckt. Außerdem habe ich mir offensichtlich eine Erkältung eingefangen: Ich habe heftige Halsschmerzen, eine extrem laufende Nase (5min ohne Taschentuch ist unmöglich) und Kopfschmerzen. Aber es hilft nix – der Alltag ruft!

    Ich fahre ins Büro und führe kurze Gespräche mit einer Frau aus meinem Raum. Außerdem hilft mir die Dame am Empfang herauszufinden, ob und wie man Koffer von Italien nach Deutschland schicken kann – was mal wieder eine kleine Herausforderung ist, weil wir die Sprache des anderen nur so wenig sprechen. Sie ist aber sehr geduldig und ich bekomme sehr hilfreiche Informationen.

    Ich mache etwas früher Feierabend, weil ich so kaputt bin und komme gegen 15 Uhr endlich nach Hause. Lorenzo ist zu Hause und wir essen gemeinsam zu „Mittag“. Er erzählt mir von seinem Wochenende, an dem er an einem zweitägigen, traditionellen Lauf teilgenommen hat.Der Hintergrund ist, dass wohl zwei Personen irgendwann in frühen Zeiten eine Wette abgeschlossen haben, dass Person x es nicht innerhalb von 24h schafft, an einen bestimmten Ort (dessen Name ich nicht mehr weiß) zu kommen, ohne den Fluss zu überqueren. Das bedeutet einen Umweg von 80km. Daher laufen alle die Lust haben an einem bestimmten Datum im Mai von Prato zu diesem Ort – aber in zwei Tagen, also ca. 40km pro Tag. Es ist ein großes Event, wo Essen und Unterkünfte für die Teinehmenden organisiert werden und jede:r am Ende eine kleine Geschenketasche bekommt (oft mit hilfreichen Dingen für Trekkingtouren).

    Lorenzo muss gegen 17 Uhr los und lädt mich abends zu einem Geburtstag einer Freundin ein. Er sagt: „Es geht gegen 19.30h los. Du kannst dazukommen, wenn du möchtest!“ Ich sage ihm, er solle mir den Ort schicken und ich würde gerne kommen. Neue Leute finde ich immer spannend und ich kann etwas mehr Italienisch üben. Lorenzo ist irgendwas um die Mitte/Ende 40, also werden es wahrscheinlich eher ältere Gäste sein, aber das macht nichts – ich bin neugierig!

    Ich schreibe Lorenzo, dass ich gegen 20h da sein werde und er schickt mir die Bar, wo die Freundin feiert. Kurz nach 20 Uhr finde ich die Bar, aber Lorenzo ist leider nicht da. Diese Italiener! Ich schreibe ihm und frage, ob er schon da ist. Er sagt, er sei noch auf der Arbeit und würde später kommen.Da es mir sehr unangenehm ist, mich unter die fremden Menschen zu mischen, die höchstwahrscheinlich wenig bis kein Englisch sprechen und eine andere Generation sind, entschließe ich mich, noch etwas durch das abendliche Prato zu schlendern. Ich bin ultra müde und mir fallen fast die Augen zu, sodass ich beschließe: wenn ich bis 20.30h nichts von Lorenzo gehört habe, fahre ich nach Hause – denn einfach ins Bett zu fallen klingt EXTREM verlockend!

    …“leider“ meldet sich Lorenzo um 20.15h mit einem live-Standort und ich folge ihm in die Bar, wo der Geburtstag gefeiert wird (das ist die Bar: https://maps.app.goo.gl/uVQoVvr5iaTQVyYZ7 ). Ich fühle mich etwas fehl am Platz und er stellt mich einer kleinen Gruppe von Frauen vor und sagt ihnen, dass ich nur ein bisschen Italienisch spreche.

    Sie sind alle zwischen 40 und 50 Jahre alt und sehr lieb. Ich sage ein paar Dinge über mich und während ich spreche, fallen meine Haare anscheinend ins Buffet und alle vier weisen mich direkt darauf hin und versuchen mir zu helfen. Ich bin sehr erstaunt, weil man in Deutschland diese peinliche Situation bei der Person belassen hätte – vor allem bei einer fremden Person: man hätte meine Haare im Buffet gelassen und sich danach darüber unterhalten, wie peinlich das war und dass man nicht weiß, was man hätte machen sollen; weil es wäre zu „nah“, so in den persönlichen Bereich der Person einzugreifen. Ich bin gottfroh, dass es hier nicht so lief.

    Eine nach der anderen beginnt ein kurzes Gespräch mit mir; da die Musik so laut ist, kann man sich in einer Gruppe nicht verstehen (es läuft übrigens Modern Talking :D ). Sie sind sehr lieb und -erneut- sehr geduldig mit mir. Tatsächlich läuft das Gespräch relativ gut: ich kann immer antworten und verstehe, was sie mich fragen. Allerdings kann ich das Gespräch nicht am Laufen halten, weil mir gefühlt alle Wörter dafür fehlen, um tiefer in eine Materie einzusteigen.

    Die Runde ist insgesamt sehr dynamisch und die Personen mischen sich ständig neu, sodass ich bald etwas am Rand stehe und meinen Wein trinke. Zum Glück dauert es nicht so lang, denn es kommt der nächste Programmpunkt: die Kerze auf dem Geburtstagskuchen muss ausgepustet werden! Das Geburtstags“kind“ (sie ist 50 geworden) setzt sich alleine an einen Tisch mit der Torte und muss sie auspusten. Danach werden Fotos mit den Gästen gemacht – getrennt nach Männern und Frauen (vermutlich aus Spaß, weniger wegen einem kulturellen Hintergrund) und sie winken mich explizit dazu. Ich freue mich sehr und geselle mich gerne dazu.

    Kurz danach trinke ich meinen Wein aus und schließe mich einigen Gästen an, die nach Hause fahren. Es ist mittlerweile 22 Uhr und ich bin todmüde. Lorenzo unterhält sich meistens mit Freunden und Freundinnen, sodass es schwierig für mich ist, Anschluss zu finden. Zufrieden fahre ich -natürlich mit dem Fahrrad- nach Hause und falle komplett kaputt ins Bettchen.
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