• Maneki-neko

    April 3 in Japan ⋅ ☀️ 19 °C

    Yokohama / Tokyo // Eigentlich sollte es heute Hakone werden. Aber die Füße sind so platt und es wäre ein anstrengender Tag geworden. Wir disponieren kurzfristig um. Julia hatte vor unserer Abreise extra noch einmal auf den Katzentempel Gotoku-ji etwas außerhalb des Stadtzentrums Tokyos hingewiesen. Den wollen wir uns nun anstatt des Mt. Fuji anschauen. Ich war irgendwie davon ausgegangen, dass wir außen um Tokyo herumfahren. Dann meint Hasi aber, wir fahren bis Shinjuku und steigen dort um. What? Shinjuku ist der verkehrsreichste Bahnhof der Welt. Das wollten wir eigentlich vermeiden. ABER... Plötzlich ergeben sich ganz neue Perspektiven: Wenn wir schon mal da sind, dann können wir ja kurz schauen, was die Shinjuku-Katze so treibt. Und hatten wir nicht dort auch die besten Yakitorispieße der Welt gegessen? Und außerdem... Hasi bremst kurz: "Lass uns erstmal zum Tempel fahren. Wir schauen später, was sich noch ergibt. Außerdem wollen wir zum Abendbrot ins Ramen-Museum in Yokohama gehen." Na gut, eins nach dem anderen.

    Shinjuku ist zwar ein riesiger Bahnhof, auf dem täglich 3,5 Millionen Menschen unterwegs sind und es wird auch gebaut, allerdings nehmen wir ihn als nicht so chaotisch wahr wie den Bahnhof von Kyoto. Alles läuft irgendwie gesitteter ab. Ich muss in diesem Zusammenhang auch mal meinen lieben Gatten loben, der uns bisher wieder hervorragend durch das japanische Verkehrsnetz gelotst hat. Er hat immer einen Plan, wo wir gerade sind und wohin wir mit welchem Verkehrsmittel kommen. Hut ab, ich wäre hier allein ziemlich aufgeschmissen. 😘

    Wir erreichen den Katzentempel Gotoku-ji zur Mittagszeit. Es ist heute ziemlich warm. Der Tempel ist gut besucht. Der Legende nach soll eine Katze den Fürsten Kira Masatada vor einem Blitzschlag bewahrt haben, indem sie ihn winkend in einen alten Tempel lockte. Zum Dank errichtete der Fürst an dieser Stelle einen neuen Tempel. Eine sehr schöne Anlage. Wer nach der Besichtigung eine Winkekatze kaufen möchte, wird vielleicht etwas enttäuscht sein. Pro Person darf man nur einen Glücksbringer käuflich erwerben. Und einen Stempel bekommt man auch nicht in sein Stempelbuch. Pühhhhh!

    Wenn wir uns ein kleines bisschen beeilen, schaffen wir noch einen kostenlosen Ausblick auf die Megacity. Wir fahren zurück nach Shinjuku und innerhalb von einer halben Stunde sind wir auf der Aussichtsplattform des Tokyo Metropolitan Government Building. Das ging wirklich schnell trotz langer Schlange am Fahrstuhl. Oben haben wir Vista. Leider auch heute wieder ohne Mt. Fuji. Dafür steht mitten im Raum ein Flügel mit Polka Dots. Die kennen wir doch! Jeder, der möchte, kann sich anmelden und für 5 Minuten ein Stück auf dem Flügel spielen. Eine Frau steht mit Stoppuhr daneben und achtet darauf, dass niemand zu lange spielt. Und die meisten haben es echt drauf! Das Instrument wurde von einer Privatperson gespendet und von der Künstlerin Yayoi Kusama gestaltet, deren Kunst wir schon in Naoshima bewundern durften. Da schließt sich wieder ein Kreis.

    Es geht zurück nach Shinjuku. Die Baustelle am Bahnhof war letzes Jahr schon da und scheint immer größer zu werden. Wir haben Mühe, die 3-D-Katze, die wohl doch ein Kater sein soll, zu finden. Aber sie (er) ist putzmunter. Kleines Revival: Es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, hier noch einmal zu stehen. DAS ist für mich Tokyo. Leuchtreklame, unendlich viele Menschen, laute Geräusche, Reizüberflutung. Ich bin gerade ein kleines bisschen glücklich.

    Wir sollten zurück nach Yokohama. Langsam macht sich auch der kleine Hunger bemerkbar. Das Ramen-Museum hatte ich auf die Wunschliste gesetzt, um endlich mal Klarheit zu schaffen, welche Unterschiede zwischen den verschiedenen Ramen-Sorten bestehen. Hier die Auflösung: Es handelt sich bei allen Sorten um eine Nudelsuppe. Wer hätte es gedacht. 😉 Und dann hört es eigentlich schon auf. Jeder Koch hat sein eigenes Rezept und versucht sich irgendwie von allen anderen geschmacklich abzuheben. Shoyu, Miso, Tonkatsu oder Shio sind nur grobe Oberbegriffe und sagen nur aus, nach welcher Art die Basisbrühe hergestellt wurde. Der Rest liegt im Ermessen des Kochs und den restliche Zutaten. Erkenntnis des Tages: Man muss sich durchs Sortiment kosten und wo es geschmeckt hat, da sollte man öfter einkehren. Das Schöne im Ramen-Museum ist, dass man kleine Portionen bestellen und deshalb mehrere Suppen probieren kann. Leider schaffen wir nur zwei Sorten. Also müssen wir wohl weitertesten. 😉
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