Lange Anreise
Mar 19–21 in Germany ⋅ ⛅ 13 °C
Dresden / Berlin / Amsterdam / Istanbul / Manila // Und dann stand trotzdem wieder Manil(l)a auf den Tickets. Wie konnte das passieren? Nachdem ich nach unserer Rückkehr aus dem Sabbatical mindestens ein halbes Jahr glaubhaft jedem versicherte, dass es in naher Zukunft keine Fernreise geben würde, flatterte uns plötzlich dieses unschlagbare Angebot ins Postfach... Ursprünglich hatten wir in Richtung Rumänien, den Balkan oder Armenien / Aserbaidschan geschaut. Wie man sich so irren kann. Und eigentlich sollten es auch nur die Philippinen werden. Aber dann rückte ganz schnell wieder Japan mit in den Fokus.
Wir wollen in den nächsten 4 Wochen Orte besuchen, die uns bei der letzten Reise gefallen haben und so gut waren, dass man sie auch noch ein zweites oder drittes Mal sehen kann. Und wir wollen Orte besuchen, die wir beim letzten Mal aus Zeitmangel weglassen mussten.
Aber vor dem Genuss müssen wir uns eine lange Anreise gefallen lassen. Wir erreichen Manila nach fast 2 Tagen Reisezeit. In der aktuellen Situation sind wir einfach nur froh, dass unsere Flüge überhaupt stattfinden. Auf dem Flughafen in Istanbul werden den Passagieren 600 EUR angeboten, wenn sie auf ihren Flug verzichten. Krass! Dieser Krieg wirft alles durcheinander.
Turkish Airlines versüßt uns die Anreise mit sehr leckeren Speisen. So fürstlich wurden wir seinerzeit nicht mal bei Etihad bewirtet.
Leicht übermüdet kommen wir schließlich in Manila an. Die Einreiseprozedur ist zäh. Wir wollen nur noch schnell ins Hotel und tappen doch tatsächlich in die erste Touristenfalle. Ein supernetter junger Mann spricht uns an und erzählt uns, dass wir zu unserem Hotel nicht laufen können, weil ... Blablabla (eine kleine Kurzgeschichte folgt)... Er hat ein Schildchen um und sieht somit offiziell aus. Weil er so hilfsbereit ist (wie man die Filipinos kennt), organisiert er uns auch gleich ein Taxi. "Der Service ist kostenlos, Maam." Und schon sind wir 45 EUR los. Der kleine Halunke! Ab morgen nur noch Grab! Ich hatte gleich so ein komisches Gefühl. Man muss einfach auf seinen Bauch hören.
Wir gehen jetzt schlafen. Morgen geht es richtig los. Wir freuen uns. 😊Read more
Intramuros & Binondo
March 22 on the Philippines ⋅ ⛅ 31 °C
Manila // Wenn man sich im Vorfeld über die Philippinen informiert, wird man immer wieder von Podcastern oder Buchautoren angehalten, einen großen Bogen um Manila zu machen. Man soll so schnell wie möglich raus aus dem Moloch. Das wollen wir heute mal antesten.
Wir bestellen uns ein Grab und lassen uns in die Altstadt nach Intramuros fahren. Es handelt sich hier um die Überreste des historischen Stadtkerns, der im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört wurde. Bis auf Teile der Kirche San Agustin war dieses Gebiet ein einziges Trümmerfeld. Was innerhalb der alten Stadtmauer wiederaufgebaut wurde, ist trotzdem recht nett anzuschauen und versprüht einen Hauch des kolonialen Charmes, der hier wohl einmal geherrscht haben mag. Wer es noch nicht wusste: Die Philippinen gehörten ca. 3 Jahrhunderte zum spanischen Kolonialreich.
Wir laufen weiter in Richtung Binondo, der ältesten Chinatown der Welt, und hoffen auf gutes Essen. Leider wickelt sich um das Restaurant, das wir eigentlich besuchen wollen, ein lange Schlange. So kehren wir um die Ecke in eine andere Lokalität ein. Dass dort niemand auf einen Tisch wartet, hätte uns stutzig machen können. Das Essen ist zwar preiswert, aber wirklich nicht lecker. Wir belassen es dabei und treten den Rückzug an.
Abends machen wir einen kleinen Abstecher in die Mall of Asia. Die kennen wir ja schon von unserem letzten Besuch. Wir wollen eine Kleinigkeit essen. Zur Auswahl stehen das Hong Kong-Style Restaurant, in dem wir bereits sehr leckere Wantan-Suppe hatten oder Wendy's. Zielsicher liegen wir auch heute Abend mit dem Burger daneben, der anderswo auf der Welt von der gleichen Kette definitiv leckerer zu haben ist. Die Mall ist voll mit Leuten, die hier ihrem Hobby Malling frönen. Bummeln, essen, shoppen, Freunde treffen. Wir mischen uns einfach mit unters Volk.
Fazit unseres Ausflugs: Es war ganz okay. Der ganz große Jubel bleibt aus. Aber wir haben uns sehr sicher gefühlt. Stopover gut genutzt.
Was aber wieder einmal unschlagbar ist, ist die Freundlichkeit und die Gastfreundschaft, die uns entgegengebracht werden. Sogar die Straßenkehrer grüßen hier. Und immer wieder liegt beim Grüßen eine Hand auf dem Herzen. Mabuhay! - Willkommen!
Morgen geht es weiter nach Osaka.Read more
[A-ri-ga-toh Goh-zai-mass]
Mar 23–24 in Japan ⋅ ☀️ 17 °C
Osaka // So, jetzt haben wir es endlich geschafft, in Japan anzukommen. Mittags noch im brüllend heißen Manila, abends bereits in der Kühle Osakas. Der informierte Japan-Reisende weiß, dass Osaka die kulinarische Hauptstadt Japans ist. Nach dem Motto: "Essen, bis man umfällt" wollen auch wir es in den nächsten zwei Tagen so richtig krachen lassen. Es gibt dafür sogar einen japanischen Begriff: Kuidaore.
Da wir bei unserer Ankunft eine kleine Runde "Japanische Unflexibilität" drehen müssen (ohne Bargeld keine Aufladung unserer SUICA-Karten), kehren wir verspätet und unterzuckert im erstbesten Nudelrestaurant gleich neben unserem Hotel ein. Der ganz große Wurf ist es nicht. Zumindest bei mir. Die Brühe wurde mit Meeresfrüchtesud zubereitet und schmeckt auch so. Stand aber auch so auf der Karte. Also soll dies keine Beschwerde sein. Hasis Nudeln sind scharf, nach taiwanesischer Art und offenbar recht lecker.
Wir haben in Osaka wieder ein kleines Appartment. Eigentlich sollte es ein anderer Stadtteil sein. Dort gab es allerdings einen Wasserschaden und wir wurden nach Namba umquartiert, direkt an den Bahnhof. Klingt nach unruhigen Nächten. Die Züge fahren praktisch durch unsere Wohnung und auf der Straße ist auch Remmidemmi. Erstaunlicherweise schlafen wir recht gut.
Revival 1: Gegen Mittag startet unser kulinarisches Abenteuer. Wir fahren zum Kuromon-Markt und stürzen uns ins Getümmel. Die Auswahl fällt schwer und man ist viel zu schnell satt. 😉
Moeka hatte uns beim letzten Mal auch den Weg zum Markt für Gastronomiebedarf gezeigt und wir wollen dort unbedingt noch einmal hin. Ein Shopping-Paradies! Und diesmal wandern alle Dinge, die beim letzten Mal nicht in unseren Koffer gepasst haben, in unsere neue, schicke Kimmidoll-Einkaufstasche. Und die darf diesmal voll werden!
Blöderweise kommt uns unterwegs eine der zahlreichen Einkaufstaschen abhanden. Kein Problem! Wir sind ja in Japan. Einfach nur alle Läden rückwärts abklappern. Die kleine Tasche findet sich sehr schnell wieder an.
Revival 2: Wir sind bereits im Sabbatical auf den Asakura-Grillmeister in Kujo aufmerksam geworden. Leckeres Wagyu-Fleisch zum Selbergrillen zu sehr moderaten Preisen. Wir hatten vorsichtshalber reserviert. Eine gute Entscheidung. Der Laden hat nur elf Plätze und ist voll. Das Essen ist wieder köstlich. Alles richtig gemacht!
By the way: Es fällt mir wirklich schwer, das höfliche japanische Danke (Arigato gozaimasu) unfallfrei auszusprechen. Große Denkpausen inklusive. Wenn es dann aber raus ist, sieht man die Freude und Anerkennung auf der anderen Seite, dass man sich wirklich sehr bemüht hat. Allein das ist es wert. 😊Read more
Namba
March 25 in Japan ⋅ 🌧 12 °C
Osaka // Wir gehen es heute gemütlich an. Der Jetlag steckt uns offenbar etwas in den Knochen und Hasi kriegt einen Schnupfen. Osaka hat ja ohnehin kaum noch Sehenswürdigkeiten, die wir noch nicht besucht haben. Außerdem regnet es. Da passt das schon.
Wir fahren nach Namba und gönnen uns auf dem Markt ein leckeres Frühstück in Form von Okonomiyaki und Sushi. Das Sushi ist mit 30 EUR zwar recht teuer, aber wer die Aal- und Seeigelpreise an den anderen Ständen gesehen hat, stellt dazu keine weiteren Fragen mehr. Der Preis ist absolut gerechtfertigt. Und lecker ist es ohnehin. Kuidaore!
Das Internetz hatte uns erzählt, dass es fast um die Ecke einen interessanten Schrein zu besichtigen gibt. Der Namba Yasaka-Schrein wurde in Form eines Löwen gebaut. Leider bekommen wir keinen Stempel in unser Stempelbuch, weil angeblich gerade sehr viel zu tun ist. Aha, wahrscheinlich gedanklich. Vor dem Schalter steht nämlich gar keine lange Schlange. Aber wenn das Schild erstmal hängt, dann kann man es auch nicht einfach mal schnell wieder wegnehmen. 😉
Auf dem Rückweg kehren wir in der Deli-Abteilung des Takashimaya-Kaufhauses ein. Hier bekommt man wirklich jede japanische Spezerei, die man sich wünschen kann. Immer wieder gern jede Portion einzeln verpackt, um sie nach dem Kauf in eine weitere dekorative Verpackung zu sperren. Das Auge isst schließlich mit. Das ist übrigens nicht nur bei Lebensmitteln so, sondern jedes noch so kleine Souvenir wird erst in eine kleine Papiertüte gelegt und dem Kunden dann in noch einer Plastiktüte drumherum feierlich überreicht. Dies ist verbunden mit einer bis mehreren Verbeugungen und vielmaligem Danken. Der Kunde wird hier sehr gewertschätzt.
Wir entscheiden uns fürs Abendbrot für Bento-Boxen und Kartoffelsalat von Dallmayr. An diesem Stand wird sogar deutsch gesprochen. Das ist Service!Read more
Bambi
March 26 in Japan ⋅ ☁️ 17 °C
Osaka / Nara // Wir setzen heute um nach Nara. Allerdings nur für eine Nacht. Das Wochenende werden wir in Kanazawa verbringen. Aber wir haben in Nara noch Dinge zu erledigen. Zum Beispiel Hirsche kuscheln. Jaja, wir wissen, dass wir sie eigentlich nicht anfassen dürfen... 😎
Damit wir nicht mit dem ganzen Gepäck von A nach B in tausend Zügen unterwegs sein müssen, bemühen wir heute das Transportunternehmen Yamato mit der Verschickung unserer großen Taschen. Man kann sich seine Siebensachen von der "Schwarzen Katze" innerhalb von ein bis zwei Tagen bis an die nächste Unterkunft bringen lassen. Sehr praktische Angelegenheit. Wir werden sehen, ob unsere Sachen morgen in Kanazawa angekommen sind. Der Service kostet - je nach Entfernung - zwischen 30 und 50 EUR. Meine Schulter ist diesmal sehr dankbar dafür.
Bevor wir den Zug nach Nara besteigen, wollen wir ein kleines Revival starten: Wir hatten uns letztes Jahr zum Frauentag mit Julia und Familie in Osaka zum Abendessen verabredet und dort bei der Ramen-Kette Ichiran hervorragende Ramen gegessen. Das soll heute unser "Frühstück" werden. Wir haben Glück, um halb elf ist das Restaurant noch nicht allzu stark frequentiert. Die Wartezeit beträgt NUR 20 Minuten. Als wir später wieder gehen, müssen die Gäste vermutlich eine Stunde oder länger warten. Wir essen diesmal am "Schalter" (also sie nennen es Counter). Man zieht am Automaten seine 20 Coupons - für jede Zutat einen - und füllt anschließend noch ein Formular für Geschmacksintensität, Nudelweichheitsgrad, Schärfe usw. aus. Und schwupps, schon sind die 20 Minuten um. Cleveres Konzept, um die Wartezeit zu verkürzen. Am Platz übergibt man die Coupons, Vorhang runter. 5 Minuten später geht der Vorhang wieder hoch, die Suppe wird mit Verbeugung überreicht, essen, fertig. Das war auf jeden Fall eine neue Erfahrung. 😊
Wir bummeln noch eine kleine Weile in Richtung völlig überfülltes Dotonbori, dorthin wo die schrille Reklame einen wahnsinnig macht, trinken noch einen Kaffee und verschwinden in Richtung Bahnhof Namba. Die Bahn bringt uns in ca. 45 Minuten nach Nara. Sachen im Hotel abwerfen und schleunigst mit unserem Seightseeingprogramm beginnen. Die Zeit rennt.
Zunächst geht es zum Daianji Tempel. Ich hatte Fotos mit vielen kleinen Darumas gesehen, die dort aufgestellt wurden und fand das witzig. Dazu müssen wir mit dem Bus an den Stadtrand. Hier wird es von jetzt auf gleich dörflich. Wir sind dort fast die einzigen Besucher. Eine Wohltat nach dem völlig überlaufenen Osaka.
Bis zum Tempel stehen schon 15.000 Schritte auf unserem Tacho. Weitere 10.000 kommen noch dazu. Denn jetzt folgt das absolute Highlight: Die Hirsche von Nara. Mhhhhh, hier könnte ich bleiben. Tierpfleger im Park. Den ganzen Tag Hirschen in der Frisur rumwuscheln... 😆
Aber erstmal bricht leichte Panik aus. Alle Kekse ausverkauft! Neinnnn! Genauso schauen uns die Hirsche an. Man kann bei ihnen nur einen Blumentopf gewinnen, wenn man ihnen mit der Spezialnahrung vor der Nase rumwedelt. Wir finden schließlich einen Automaten, der uns sackteure Kekse ausspuckt. Was tut man nicht alles. Die Fellknäule sollen schließlich nicht verhungern. 😉 Es wird langsam dunkel, der Park leert sich, wir müssen jetzt auch zurück. Leider, leider, leider... Hier könnte ich echt mal ein paar Tage auf einer Bank verbringen und Hirsche beobachten.
Vorerst letztes Revival: Abends wollen wir wieder zu dem alten Ehepaar, das uns letztes Jahr mit dem besten Sushi ever glücklich gemacht hat. Eigenlich sollte offen sein, aber die ganze Bude ist verrammelt. Es wird doch hoffentlich alles in Ordnung sein bei den beiden? Was machen wir denn jetzt? Weil Hasi es sich so sehr wünscht, darf er noch einmal Tantan-Ramen in der Einkaufspassage essen. Somit sind alle zufrieden. 🙂 Was für ein schöner Tag!Read more
Nach Norden
March 27 in Japan ⋅ ☀️ 14 °C
Nara / Kanazawa // Bevor wir weiterfahren, haben wir noch etwas zu erledigen. Als es uns das letzte Mal nach Nara verschlagen hat, war leider das Naramachi Shiryo-kan Museum geschlossen. Es handelt sich um ein altes Stadthaus im historischen Stadtkern, in dem Herr Minami ein kleines Privatmuseum betreibt und dort Buddhastatuen, Volkskunst und Alltagsgegenstände ausstellt. Aber er verkauft auch die roten Affen-Glücksbringer, die in der Altstadt vor fast jedem Hauseingang hängen. Die Freude ist groß, dass er heute geöffnet hat. (Na gut, wir hatten uns vorher im Internetz informiert, wann er anzutreffen ist.)
Herr Minami fragt den Besucher nach seinem Namen. Diesen schreibt er in den drei japanischen Schreibweisen auf ein Stück Papier und dann kann man sich ein Glücksymbol aussuchen und die Äffchen damit beschriften lassen. Als wir ihm erzählen, dass wir letztes Jahr schon einmal vor seiner Tür standen, freut er sich ein Loch in den Bauch und legt noch diverse Kleinigkeiten mit in die Einkaufstüte.
Hach, Nara! Es war wieder toll und viel zu kurz hier. Es geht hier wesentlich beschaulicher zu als in den großen Städten und die Leute sind so nett! Falls wir noch einmal nach Japan kommen sollten, wird Nara mit Sicherheit wieder auf unserem Tourplan stehen. Auf dem Weg zum Bahnhof sehen wir, dass die Sushi-Bar, die gestern geschlossen hatte, jetzt offen ist. Na ein Glück! Da können wir beruhigt weiterfahren.
Es geht mit dem flotten Vorortzug nach Kyoto, von dort aus mit dem Thunderbird nach Tsuruga und weiter mit dem Shinkansen nach Kanazawa. Unser Domizil ist das Henn na Hotel. Wir wollten diese Kette mal ausprobieren, weil an der Rezeption beim Self-Check-in gerne mal ein Samurai oder Saurier hilft. Der Dino bemüht sich zwar redlich, unsere Pässe können trotzdem nicht gelesen werden. Kein Problem: Im Hintergrund gibt es richtige Menschen, die sich schnell und effizient um solche Problemfälle kümmern. Und unsere aufgegebenen Reisetaschen haben auch ihr Ziel erreicht. 😊Read more
Kenroku-en & Higashi Chaya Destrict
March 28 in Japan ⋅ ⛅ 17 °C
Kanazawa // Da uns in japanischen Hotels immer wieder gern suggeriert wird, dass wir ganz früh beim Frühstück sein müssen, weil es sonst nichts mehr geben könnte und wir uns auch immer wieder gern von solchen Aussagen beeinflussen lassen, stehen wir bereits um 08:00 Uhr geschniegelt und gebügelt im Frühstücksraum. Was für eine Auswahl! Wir sind begeistert.
Entsprechend gesättigt starten wir mit dem Loop-Bus in Richtung Higashi Chaya Destrict. Bereits hier fällt auf, wie viele Touristen am Wochenende in Kanazawa unterwegs sind. Die Busse sind brechend voll. Das Higashi Chaya Destrict ist das größte historische Unterhaltungsviertel in Kanazawa mit vielen alten Holzhäusern. Wer mag, kann in ein traditionelles Teehaus einkehren oder eine Geiko-(Geisha-)Show buchen oder wie wir einfach nur seine Nase in alle möglichen Souvenirläden stecken. In Kanazawa wird seit Jahrhunderten Blattgold hergestellt. Deshalb werden die Souvenirs gern mit einem gewissen Blattgold-Anteil angeboten. Wir gönnen uns ein Eis mit einem Blättchen obendrauf. Anders als anderes Eis schmeckt es auch nicht, aber es wirkt irgendwie exklusiver. 😉
Es geht weiter in den Kenroku-en Park, einen der drei bedeutendsten Gärten Japans. Wir hatten uns Nummer eins bereits letztes Jahr in Okayama angeschaut und sind nun gespannt auf Nummer zwei. Auf dem Weg dorthin kommt man wieder an etlichen Souvenirshops vorbei. Einer davon erregt meine Aufmerksamkeit. Hier werden alte Kimonos zum Kilopreis verkauft, genauer gesagt: 1 g = 1 Yen. Unschlagbarer Preis! Ich werde fündig und ca. 4 m Kimonobauchbinde landen in der Kimmidoll-Tasche.
Zum Park: Die Freude über die überragende Gartenbaukunst wird leider von einem unangenehmen Geruch im ganzen Park getrübt. Dieser kommt offenbar aus den kleinen Wasserkanälen, die den Park durchziehen. Vielleicht sind es auch irgendwelche Blüten. Wir können es nicht herausfinden. Unser Besuch endet jedenfalls etwas eher als geplant.
Gleich neben dem Park liegt die Seison-kaku Villa. Schönstes "Ausstellungsstück" ist der Nachtigallenboden. So wie auch in der Burg Nijo in Kyoto gibt der Boden zwitschernde Geräusche von sich, wenn man darüberläuft.
Auf dem Rückweg zum Hotel finden wir fast zufällig den Ishiura Jinja Schrein. Wie eine Miniatur des Fushimi Inari Taisha in Kyoto schlängelt sich eine lange Torii-Kette den Berg hinunter, nur etwas kürzer und kleiner. Da brauchen wir ja eigentlich gar nicht mehr nach Kyoto fahren... 😉 Die Füße sind platt und wir gönnen uns ein kleines, aber feines chinesisches Abendessen im Einkaufszentrum gleich um die Ecke.Read more
Ist das schon Kunst?
March 29 in Japan ⋅ ☁️ 16 °C
Kanazawa // Es gibt ja sone und solche Tage. Auch beim Reisen. Heute ist einer dieser Tage, wo eigentlich gar nichts passt...
Wir starten am Vormittag mit dem 21st Century Museum of Contemporary Art. Wir sind extra deshalb nach Kanazawa gekommen, in der Hoffnung auf gute neumodische Kunst. Vermutlich fehlt uns das Verständnis für die zeitgenössische japanische Kunst. Kaum ein Ausstellungsstück im Gebäude spricht uns auf irgendeine Weise an. Die Anzahl der Exponate an sich ist erstaunlich übersichtlich. Die bekannteste Installation ist wohl The Swimming Pool von Leandro Erlich. Hier muss man sich echt vorher eine Reservierung besorgen, um ihn komplett besichtigen zu können. Das haben wir natürlich weder gewusst noch gemacht. Dieser Besuch ist leicht frustrierend. Da hätten wir uns eigentlich den Eintritt sparen können und nur die Außenobjekte für lau angeschaut.
Hätte, hätte, Fahrradkette... 😉 Hätte ja auch gut werden können. Wir bringen unsere Reisetaschen zu Yamato und schlendern anschließend über den Omicho Fischmarkt. Hier erstaunen uns die Preise, die uns sogar höher als in Osaka erscheinen. Wir bestellen gegrillte Austern und Tintenfisch. Die Austern wollten wir gegrillt mal probieren. Naja, wird alles etwas überbewertet. An sich ist der Fischmarkt eine einzige Touri-Schubse. Wie man sieht, nimmt der Tag Fahrt auf. 😉
Wir kommen auf dem Rückweg am Oyama-Schrein vorbei. Hier werden gerade auf dem ganzen Gelände Kerzen aufgestellt. Abends soll eine Candle Night stattfinden. Da kommen wir später noch einmal zurück. Klingt spannend. Wir laufen in der Zwischenzeit kurz ins alte Samurai Destrict, das von vielen Besuchern als sehr sehenswert beschrieben wird. Außer "naja, ganz nett hier" können wir uns zu keiner weiteren Lobhudelei hinreißen lassen. Was issn heute los hier?
Wir laufen zurück zum Omaya-Schrein, wo schon alles voller Menschen ist. Also, die Anlage ist wirklich schön. Allerdings verliert die Veranstaltung durch die Menschenmassen sehr an Atmosphäre. Wir machen uns aus dem Staub und hoffen, dass morgen ein schönerer Tag wird.
Was vielleicht erwähnenswert ist: Es ist Sonntag und zu den vielen Touristen sind heute auch noch die Einheimischen unterwegs. Es ist überall unangenehm voll. Und nun genug geschmollt. 😊
Anmerkung Hasi: "Ich fand den Tag gar nicht so schlimm..."Read more
Kanazawa Castle
March 30 in Japan ⋅ ☁️ 20 °C
Kanazawa / Kyoto // Unsere Sachen sind gepackt und im Schließfach verstaut. Wir haben noch zwei Stunden Zeit, bis wir zum Bahnhof müssen. Also schauen wir uns ein bisschen in Kanazawas Burg um. Diese wird gerade renoviert. Sprich, sie wird komplett neu aufgebaut. Man kommt nur in ein Gebäude, das bereits fertiggestellt wurde, hinein. Hier kann man sich anschauen, wie so ein Wiederaufbau vonstatten geht. Es kommen fast nur natürliche Baumaterialien zum Einsatz. Und es wird viel Wert darauf gelegt, die alten Baumethoden anzuwenden. Klingt vielleicht ein bisschen dröge, wurde aber sehr interessant umgesetzt. Uns holt die Ausstellung jedenfalls ab. Ein sehr kurzweiliges Vormittagsprogramm.
Ich bilde mir ein, neulich irgendwo gelesen zu haben, dass der Abriss eines Gebäudes an sich eigentlich gar nichts Schlimmes ist, sondern laut Shintoismus eine positive Art von Erneuerung darstellt. Ich lasse mich gern korrigieren.
Auch die Außenanlagen sind sehr gut zum Lustwandeln geeignet. Im unteren Bereich wurde ein kleiner, aber feiner Park angelegt, garantiert Feng Shui-konform. Nur die Kirschen zieren sich immer noch etwas. Laut der letzten Kirschblütenprognose ist allerdings alles im grünen Bereich. Kanazawa liegt ja etwas nördlicher. In Kyoto wird alles schon etwas weiter sein.
Am Bahnhof finden wir im Automaten doch tatsächlich das tolle Eis, das so schön auf der Zunge knistert. Die Zugfahrt ist gerettet. Hasi war vorher noch kurz in der "Deutschen Bäckerei". Sie nennen sich zwar so, stellen aber vorwiegend Backwaren her, die eher nach Frankreich passen würden. Egal, die Teilchen sind trotzdem lecker. Zwei Stunden später stehen wir in Kyoto auf dem wie immer völlig überfüllten Bahnhof und versuchen, so schnell wie möglich dem chaotischen Treiben zu entkommen. Unser Hotel liegt in der Nähe zu Gion. Direkt in Gion kann man sich zur Kirschblüte kein Hotel leisten. Die Preise sind exorbitant.
Weil ich jetzt leicht verschnupft bin, holt Hasi uns zum Abendbrot eine Portion Tonkatsu aus dem benachbarten Restaurant. Lecker und preisintensiv. 😉Read more

TravelerDas sind ganz wunderbare Eindrücke. Rund um die Burg sieht es sehr leer aus. Ich lese immer wieder von Overtourism in Japan, aber kann hier nichts dergleichen sehen. Das ist schön.

TravelerLiebe Bee, Japan ist voll mit Touristen. So voll, dass es teilweise unschön ist. Auch Kanazawa ist davon betroffen. Der Park im unteren Bereich ist abgesperrt. Ansonsten wäre er auch voll mit Menschen gewesen. Bei unserer letzten Reise konnte ich wegen der rosaroten Brille die Menschenmassen offenbar ganz gut wegatmen. Auf dieser Reise fällt es mir eher schwer.

TravelerIch hatte mich schon gewundert, aber das erklärt einiges. Kurze Zeit später habe ich dann einen anderen Footprint von Dir gelesen und da war dann wie die Rede von vielen Menschen. Ganz lieben Dank, liebe Gritli, dass Du so authentisch berichtest.
Daruma & more
March 31 in Japan ⋅ 🌧 19 °C
Kyoto // Der Wetterbericht verspricht Regen. Deshalb lassen wir uns im Hotel vorsichtshalber Schirme geben. Unser erster Weg führt uns zur Post. Kimmidoll ist voll. Wir wollen das Paket aufgeben. Gestern hatten wir schon stundenlang Zolltarifnummern für den vielseitigen Inhalt herausgesucht und die Zollerklärung ausgefüllt. Die strenge junge Dame am Schalter hatte uns bereits vorab signalisiert, dass sie kein Paket annimmt, in dem als Inhaltsangabe Souvenirs steht.
Da wir diesmal eine entspannte Runde Japan erleben wollen, ist unsere Wunschliste relativ kurz. Zuoberst steht bei Kyoto: Darumatempel. Mit dem Bus kann man sehr gut alles erreichen. Nach 20 Minuten stehen wir vor dem Horinji Tempel oder auch Darumadera. Zu unserem Erstaunen sind wir hier die einzigen Besucher. Yesssss! Endlich haben wir mal unsere Ruhe! Meine verkalkte Schulter macht mir ja nach wie vor Probleme und deshalb beschließe ich, mich dem Ruf nach Ablass hinzugeben. Ein Daruma ist ein Glücksbringer. Vielleicht kann er mir ja bei meiner Problematik helfen. Das Brettchen ist schnell beschriftet und aufgehängt. Außerdem werden noch zwei Räucherstäbchen gezündet. Sicher ist sicher. 😉 Für diese Art "Dienstleistung" hinterlässt man einen kleinen Betrag. Eigentlich kaum der Rede wert. Der Tempel an sich ist ein wahres Kleinod. Überall stehen Darumafiguren. Man darf sich fast alle Bereiche anschauen. Die Mönche putzen gerade. Alles strahlt eine angenehme Ruhe aus. Hier könnte ich ne Weile bleiben... Aber - jetzt fängt es wirklich an zu regnen. Wir ziehen weiter.
Unser nächstes Ziel soll der Ninnaji Tempel sein. Spätestens jetzt geht uns ein Licht auf, wie viele große Tempel es in Kyoto geben könnte. Niemand kennt die genaue Anzahl. Man müsste vermutlich Jahre hierbleiben, um sie alle zu besuchen. Wir beginnen mit dem Omuro Kirschblütenhain. Es wäre jetzt wirklich langsam Zeit, dass hier mal was losgeht. Hm, nicht so wirklich. Ein paar Bäume blühen, aber der größte Teil zeigt nur Knospen. (Gerade haben wir im Prospekt gelesen, dass es sich um eine sehr spät blühende Kirschsorte handelt, die dort steht.)
Mittlerweile schüttet es wie aus Kübeln. Wir flüchten uns in den angrenzenden ehemaligen Kaiserpalast. Ein ausgesprochen schöner Gebäudekomplex, der locker mit der Burg Nijo mithalten kann, nur dass der Nachtigallenfußboden fehlt. Außerdem darf man hier fotografieren. Und es sind bei weitem nicht so viele Touristen unterwegs. Diese Anlage hat Hasi sehr gut ausgesucht.
Zurück ins Hotel geht es mit der Randen-Straßenbahn, einer Bimmelbahn mit einem oder zwei Triebwagen, die hier gemütlich durch die Stadt trödelt. Abends nehmen wir noch einmal den Bus nach Gion in das historische Vergnügungsviertel Kyotos. Wir erhoffen uns einen ruhigen Bummel durch die engen Gassen ohne Touristen. Dieser Wunsch bleibt leider unerfüllt. Alle anderen Besucher Kyotos sind auf die gleiche Idee gekommen. Wir schießen ein paar Fotos und nehmen Reißaus aus dem hoffnungslos gefluteten Stadtteil. Insgeheim sind wir froh, dass wir letztes Jahr schon alles gesehen haben.Read more
Waschtag
April 1 in Japan ⋅ 🌧 13 °C
Kyoto // Heute machen wir einen praktischen Tag: Wäsche waschen, Mitbringsel einkaufen, Kaffee trinken, Koffer abgeben, sowas eben. Es regnet ohnehin. Nachmittags überrascht mich Hasi mit der Information, er hätte vielleicht einen Laden gefunden, in dem es Kalligraphien zu kaufen gibt. Wir hatten schon überall geschaut, aber es werden leider immer nur Kurse angeboten. Darauf haben wir aber keine Lust. Diese Gelegenheit scheint eine günstige zu sein. Und wir haben wirklich Glük. Zwei Kalligraphien dürfen uns nach Hause begleiten.
Gleich um die Ecke befindet sich der Tempel Heian-jingu. Ein etwas größeres und bedeutenderes Exemplar seiner Gattung. Es stehen jedenfalls viele Reisebusse davor. Wir laufen etwas ziellos auf dem Gelände umher. Für nassgeregnete Kirschblüten müssten wir Eintritt zahlen. Och nö, heute nicht. Wir fahren also mit dem Bus zurück und kehren in einem Teishoku-Restaurant zum verspäteten Mittagessen ein. Das wollten wir ohnehin schon lange ausprobieren. Reichhaltige, einfache und leckere Komponenten der japanischen Küche landen dort auf dem Tablett und kosten wirklich nicht viel. Dabei belassen wir es für heute.Read more
Hoch gepokert... Fushima Inari Taisha
April 2 in Japan ⋅ ⛅ 15 °C
Kyoto / Yokohama // Revival: Als wir letztes Jahr die geführte Tour durch Kyoto gemacht haben, wurde uns jeweils eine Stunde zur Erkundung der einzelnen Sehenswürdigkeit eingeräumt. Ansonsten hätten wir das überaus ambitionierte Programm auch gar nicht geschafft. Beim Fushima Inari Taisha Schrein reichte die Zeit dann allerdings nicht aus, um den Berg komplett zu besteigen. Den Torii-Pfad zu Ende laufen steht deshalb auf unserer Wunschliste. Die letzten beiden Tage waren aufgrund des Regens dafür nicht optimal. Der Wetterbericht hat für heute Sonnenschein angesagt und so haben wir den Schrein auf den letzten möglichen Vormittag geschoben. Heute Mittag wollen wir schon weiter nach Yokohama. Hoch gepokert und gewonnen. Das Wetter hält.
Wir werfen das überflüssige Reisegepäck am Hauptbahnhof ab und nehmen den nächsten Zug nach Inari. Der Zug ist natürlich voll. Der Fushima Inari Taisha Schrein steht mit ganz oben auf der Beliebtheitsskala hier in Kyoto. Am besten wäre es sicherlich gewesen, ganz früh zu starten, da hätten wir aber auf's Frühstück verzichten müssen. Das wollten wir dann irgendwie auch nicht.
Hasi stellt sich kurz an, um noch einen Besucherstempel abzuholen. Ich laufe schon mal los, bleibe aber sofort im Stau stecken. Es ist unglaublich, welche Massen sich den Berg hochschieben. Zumindest am Anfang. Viele Besucher laufen den Weg nicht zu Ende. Besonders nervig sind die Instagram-Mäuschen, die alles blockieren, sich am besten noch vordrängeln oder einfach nicht fertig werden. Immer schön ruhig bleiben! Einmal werde sogar ich kurz verbal.
Ab zwei Drittel der Strecke haben dann die meisten aufgegeben. Es ist beruhigend zu sehen, dass auch andere Menschen keuchend die Treppen hochkommen. Da hilft es schon, dass unterwegs mal ein kleiner Schrein oder Souvenirladen steht, wo man kurz pausieren kann. Der Schrittzähler wirft uns freudig 60 Etagen entgegen, die wir heute hochgestiegen sind. Runter wird es dann richtig unangenehm für Unterschenkel und Knie. Zur Belohnung gibt's unten ein Sakura-Softeis. Ich bin schon ziemlich stolz, dass wir da hochgeschlappt sind. Insgesamt haben wir in gemütlichem Tempo ungefähr anderthalb Stunden für die komplette Strecke gebraucht.
Mittags steigen wir in den Shinkansen. Wir haben auf der linken Seite gebucht, um einen guten Blick auf den Mt. Fuji zu haben, falls er sich denn zeigt. Leider haben wir heute kein Glück. Eine dicke Wolke hängt davor. Zwei Stunden später sind wir in Yokohama.
Am Abend drehen wir eine kleine Runde durchs Bahnhofsviertel. Das Internetz hat uns ein gutes Restaurant empfohlen, das wir aber partout nicht finden können. Der JR-Bahnhof von Yokohama gleicht einem Irrgarten. Es wird zu allem Überfluss auch noch gebaut. Wir laufen dreimal im Kreis - nix. Es ist in Japan immer etwas tricky, Leute nach dem Weg zu fragen. Um ihr Gesicht nicht zu verlieren, wenn sie den Weg nicht wissen, schicken sie die suchende Person ggf. schon mal in eine falsche Richtung. Heute bleibt uns allerdings nichts weiter übrig, als eine Frau anzusprechen. Und siehe da, sie kennt den Laden und bringt uns sogar persönlich dorthin. Und das Essen ist auch noch gut. 😊Read more

TravelerZusätzlich zum Zaun wird man noch persönlich über Lautsprecher angewiesen, die gelbe Linie beim Filmen nicht zu überschreiten.

Traveler
Ist das abgesperrt? Sieht sehr schön aus ... okay, jetzt habe ich den Text gelesen, das war wohl weiter oben.

TravelerJa, es gibt oben manchmal ein kleines Sekündchen, wo wirklich niemand mehr im Bild steht.
Maneki-neko
April 3 in Japan ⋅ ☀️ 19 °C
Yokohama / Tokyo // Eigentlich sollte es heute Hakone sein. Aber die Füße sind so platt und es wäre ein anstrengender Tag geworden. Wir disponieren kurzfristig um. Julia hatte vor unserer Abreise extra noch einmal auf den Katzentempel Gotoku-ji etwas außerhalb des Stadtzentrums Tokyos hingewiesen. Den wollen wir uns nun anstatt des Mt. Fuji anschauen. Ich war irgendwie davon ausgegangen, dass wir außen um Tokyo herumfahren. Dann meint Hasi aber, wir fahren bis Shinjuku und steigen dort um. What? Shinjuku ist der verkehrsreichste Bahnhof der Welt. Das wollten wir eigentlich vermeiden. ABER... Plötzlich ergeben sich ganz neue Perspektiven: Wenn wir schon mal da sind, dann können wir ja kurz schauen, was die Shinjuku-Katze so treibt. Und hatten wir nicht dort auch die besten Yakitorispieße der Welt gegessen? Und außerdem... Hasi bremst kurz: "Lass uns erstmal zum Tempel fahren. Wir schauen später, was sich noch ergibt. Außerdem wollen wir zum Abendbrot ins Ramen-Museum in Yokohama gehen." Na gut, eins nach dem anderen.
Shinjuku ist zwar ein riesiger Bahnhof, auf dem täglich 3,5 Millionen Menschen unterwegs sind, es wird auch gebaut, allerdings nehmen wir ihn als nicht so chaotisch wahr wie den Bahnhof von Kyoto. Alles läuft irgendwie gesitteter ab. Ich muss in diesem Zusammenhang auch mal meinen lieben Gatten loben, der uns bisher wieder hervorragend durch das japanische Verkehrsnetz gelotst hat. Er hat immer einen Plan, wo wir gerade sind und wohin wir mit welchem Verkehrsmittel kommen. Hut ab, ich wäre hier alleine ziemlich aufgeschmissen. 😘
Wir erreichen den Katzentempel Gotoku-ji zur Mittagszeit. Es ist heute ziemlich warm. Der Tempel ist gut besucht. Der Legende nach soll eine Katze den Fürsten Kira Masatada vor einem Blitzschlag bewahrt haben, indem sie ihn winkend in einen alten Tempel lockte. Zum Dank errichtete der Fürst an dieser Stelle einen neuen Tempel. Eine sehr schöne Anlage. Wer nach der Besichtigung eine Winkekatze kaufen möchte, wird vielleicht etwas enttäuscht sein. Pro Person darf man nur einen Glücksbringer käuflich erwerben. Und einen Stempel bekommt man auch nicht in sein Stempelbuch. Pühhhhh!
Wenn wir uns ein kleines bisschen beeilen, schaffen wir noch einen kostenlosen Ausblick auf die Megacity. Wir fahren zurück nach Shinjuku und innerhalb von einer halben Stunde sind wir auf der Aussichtsplattform des Tokyo Metropolitan Government Building. Das ging wirklich schnell. Oben haben wir Vista. Leider auch heute wieder ohne Mt. Fuji. Dafür steht mitten im Raum ein Flügel mit Polka Dots. Die kennen wir doch! Jeder, der möchte, kann sich anmelden und für 5 Minuten ein Stück auf dem Flügel spielen. Eine Frau steht mit Stoppuhr daneben und achtet darauf, dass niemand zu lange spielt. Und die meisten haben es echt drauf! Das Instrument wurde von einer Privatperson gespendet und von der Künstlerin Yayoi Kusama gestaltet, deren Kunst wir schon in Naoshima bewundern durften. Da schließt sich wieder ein Kreis.
Es geht wieder zurück nach Shinjuku. Die Baustelle am Bahnhof war letzes Jahr schon da und scheint immer größer zu werden. Wir haben Mühe, die 3-D-Katze, die wohl doch ein Kater sein soll, zu finden. Aber sie (er) ist putzmunter. Kleines Revival: Es zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, hier noch einmal zu stehen. DAS ist für mich Tokyo. Leuchtreklame, unendlich viele Menschen, laute Geräusche, Reizüberflutung. Ich bin gerade ein kleines bisschen glücklich.
Wir sollten zurück nach Yokohama. Langsam macht sich auch der kleine Hunger bemerkbar. Das Ramen-Museum hatte ich auf die Wunschliste gesetzt, um endlich mal Klarheit zu schaffen, welche Unterschiede zwischen den verschiedenen Ramen-Sorten bestehen. Hier die Auflösung: Es handelt sich bei allen Sorten um eine Nudelsuppe. Wer hätte es gedacht. 😉 Und dann hört es eigentlich schon auf. Jeder Koch hat sein eigenes Rezept und versucht sich irgendwie von allen anderen geschmacklich abzuheben. Shoyu, Miso, Tonkatsu oder Shio sind nur grobe Oberbegriffe und sagen nur aus, nach welcher Art die Basisbrühe hergestellt wurde. Der Rest liegt im Ermessen des Kochs und den restliche Zutaten. Erkenntnis des Tages: Man muss sich durchs Sortiment kosten und wo es geschmeckt hat, da sollte man öfter einkehren. Das Schöne im Ramen-Museum ist, dass man kleine Portionen bestellen und deshalb mehrere Suppen probieren kann. Leider schaffen wir nur zwei Sorten. Also müssen wir wohl weitertesten. 😉Read more

Traveler
Schön! Und sie spielt den passenden Titel 😉. Diese Pianos zaubern mir auch auf den Flughäfen immer ein Lächeln ins Gesicht.

TravelerVon der Künstlerin gibt es gerade in Köln eine Ausstellung. Die wird völlig überrannt.

TravelerDas hab ich auch mitbekommen. Würde ich auch hingehen. Aber bis die Ausstellung zu ende ist, komme ich nicht mehr nach NRW
Team Lab
April 4 in Japan ⋅ 🌧 16 °C
Yokohama / Tokyo // Nein, das ist nicht das falsche Foto. Wir sind immer noch in Japan, genauer gesagt in Tokyo. Wenn man mit der spacigen Yurikamome-Hochbahn in Richtung Team Lab Planets fährt, kommt man an der künstlichen Insel Odaiba vorbei. Dort gibt es allerlei Möglichkeiten, sich Kurzweil zu verschaffen, etwa durch Shopping oder die Besichtigung solcher Attaktionen wie der Freiheitsstatue, der Rainbow Bridge, die ein bisschen wie die Golden Gate Bridge aussieht, oder auch eines Transformers. Da es mal wieder regnet, verweilen wir dort nicht lange, sondern fahren weiter in Richtung LaLaport Mall. Wir haben erst für 16:00 Uhr Tickets fürs Team Lab, da wollen wir vorher noch schnell etwas essen. Hier fällt uns das Restaurant Schmatz ins Auge. Da hatte ich neulich eine Werbung gesehen, konnte die aber überhaupt nicht einordnen. Aha, deutsche Küche und deutsches Bier also. Mal schauen, ob sie es hinkriegen. Wir testen verschiedene Wurstsorten. Das Sauerkraut schmeckt nicht ganz wie bei Mutti, ist aber auch nicht direkt unlecker. Das Bier ist auch gut. Können wir so gelten lassen. Allerdings ist das Essen dort viel zu teuer.
Gut gestärkt starten wir ins virtuelle Abenteuer. Wir wurden bereits bei der Buchung darauf hingewiesen, dass es von unten nass wird und wir doch bitte bis zu den Knien unbedeckt erscheinen sollen. Wir haben die kurzen Hosen dabei und sind gespannt. Es gibt verschiedene Themenbereiche wie Water, Garden oder Forest. Nach einer kurzen Einführung wird man ins Dunkel entlassen. Wohl dem, der einen Partner dabei hat, der im Dunkeln Dinge sehen kann. Ich kann das jedenfalls nicht und nutze Hasi als Blindenhund. 😉 Wir verbringen eine kurzweilige Stunde in einer funkelnden und farbigen Phantasiewelt und wissen manchmal gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollen. Kleine Reizüberflutungen mit vielen Ahhhs und Ohhhs. Danach übersehen wir fast den Bereich Forest, der für uns eigentlich der spannendste ist. Im Nachhinein bedaure ich es fast ein bisschen, nicht auch die App heruntergeladen zu haben, um die vielen verschieden Tiere virtuell einzufangen, die überall herumwandern. Die Kinder haben einen Heidenspaß. Auch im Außenbereich wird noch etwas geboten. Das hat uns sehr gefallen. 😃
Zurück in Yokohama kehren wir am Bahnhof noch einmal im gleichen Restaurant wie vorgestern ein. Sie haben hier eine Sushi-, Tempura- und Aal-Station, an der alle Speisen ganz frisch zubereitet werden. Da es unser vorletzter Abend ist und wir zu Hause kaum die Gelegenheit haben, gutes japanisches Essen zu genießen, übertrieben wir etwas und bestellen die Karte hoch und runter. Man spürt hier einfach die Liebe zum Detail. Wir sitzen heute im Tempura-Bereich. Die Bedienung bringt immer zwei Stücke Tempura an den Tisch und erklärt uns im feinsten Japanisch, was er gerade gebracht hat. Er weiß, dass wir es nicht verstehen, tut es aber trotzdem, weil es zum guten Ton gehört. Wir gehen kugelrund mit einer Rechnung von ca. 35 EUR für alles nach Hause.
Man könnte sich zu Recht fragen, ob wir nicht besser daran getan hätten, uns eine Unterkunft in Tokyo zu suchen, wo wir doch sowieso jeden Tag in diese Richtung fahren. Ähm, nein. Es war eigentlich eine sehr gute Entscheidung, in Yokahama zu übernachten. Die Hotelpreise sind wesentlich moderater und hier begegnet man kaum westlichen Touristen. Die Straßen sind leerer und man ist innerhalb von einer halben Stunde mit der Bahn in Shinjuku, also mittendrin. Alles richtig gemacht.Read more

TravelerDas sind wieder tolle Eindrücke. Könnte man theoretisch auch den Bereich, in dem man „von unten“ nass wird, umgehen und/oder auslassen?

TravelerIn dem "Water" Bereich mit Wasser und Spiegeln muss man die Schuhe auf jeden Fall ausziehen. Laut Erklärungsvideo am Anfang des Rundgangs gibt es für alle Räume auch Umleitungen. Man kann den Barfuß "Water" Bereich auch komplett auslassen und direkt mit dem zweiten anfangen.
Hanami
Apr 5–6 in Japan ⋅ ☁️ 21 °C
Yokohama // Heute haben wir endlich Zeit, uns um die Kirschblüte zu kümmern. Wir hatten kurz überlegt, ob wir einen Abstecher zum großen Buddha nach Kamakura machen sollen. Aber irgendwie ist ein bisschen die Luft raus und am Sonntag wird dort sicher die Hölle los sein. Also gemütliches Programm.
Das Internetz empfiehlt uns den Sankei-en Garten. Es handelt sich um einen traditionellen japanischen Garten, der Anfang des 20. Jahrhundert von Hara Sankei (eigentlich Tomtaro), einem schwerreiche Seidenhändler entworfen und angelegt wurde. Man muss Eintritt zahlen. Heute sind sehr viele Besucher im Park, die Hanami begehen wollen. Das bedeutet das meist gemeinschaftliche Genießen der vergänglichen Schönheit der Kirschblüte. Gern werden in Parks unter den Bäumen Planen ausgelegt, auf denen Picknicks oder kleine Feste veranstaltet werden. Wir hatten diese blauen Planquadrate schon vom Observation Deck des Tokyo Metropolitan Government Building gesehen.
Was für ein schöner Ort! Nach der Umrundung des kleinen Sees und der Besichtigung der ehemaligen Wohnhäuser beschließen wir, den Berg zur Pagode zu erklimmen. Es ist ziemlich windig und der Himmel bedeckt. Das macht es ein wenig ungemütlich. Aber ansonsten lohnt sich der Besuch unbedingt. Wir sehen, dass die Kirschblüte schon weit fortgeschritten ist. Viele Blütenblätter liegen bereits am Boden.
Auf dem Rückweg fahren wir über Chinatown. Hätte ich vorher gewusst, wie spannend es dort ist, wäre das nicht mein einziger Besuch geblieben! Leider sind wir zum großen Shopping schon zu spät dran. Das Kaufhaus, das ausschließlich chinesische Waren verkauft, hat leider schon zu. Hasi atmet hörbar aus. 😉 Aber man findet auch so noch viele tolle Sachen, die wir bedauerlicherweise alle nicht mitnehmen können, weil das Gepäck schon voll ist. Menno! Als im 19. Jahrhundert ein Seehafen in Yokohama gebaut wurde, kamen viele Chinesen als Händler und Agenten nach Japan und gründeten Chinatown. Wenn man durch eines der bunten Tore tritt, ist man sofort in einer anderen Welt. Viel Farbe, viel Leuchtreklame, viele Geräusche. Das hat man zwar auch gern anderswo in Japan, Chinatown ist aber ein bisschen wie eine Zeitreise. Und die macht sehr viel Spaß.
Zum Abendessen gibt es Ente, Wantan- und Sauer-Scharf-Suppe. Alles ein wenig anders als wir es kennen, aber nicht unlecker. Man merkt auch, dass die chinesischen Bewohner wesentlich zutraulicher und etwas weniger akkurat unterwegs sind als die Japaner, was aber keineswegs despektierlich gemeint ist. Wir nehmen es eher am Rande und sehr wohlwollend wahr. Wir bummeln noch etwas durch das schrille Viertel, finden zwei überaus dekorative Tempel und fahren wenig später zurück ins Hotel. Die Reisetaschen wollen gepackt werden. Morgen geht es zurück auf die Philippinen.
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Tokyo / Cebu // Der Narita Express fährt gegen 13:00 Uhr von Yokohama los. Davor müssen wir noch unsere letzten Yen unters Volk bringen. Es gelingt uns fast. Wir fliegen mit United Airlines. Am Fenster wird man schockgefrostet. Gegen 22:00 Uhr stehen wir schwitzend am Cebu Airport und warten auf ein Grab. Wenn das mal gut geht. Ab morgen können wir uns entspannen. Es geht ans Meer.Read more
SomeWhere Else
April 7 on the Philippines ⋅ ☀️ 29 °C
Camiguin // Dafür, dass Cebu Pacific Air uns in den Wochen vor unserer Abreise immer mal wieder mit Flugzeitänderungen geärgert und sich dann doch auf die ursprüngliche Abflugzeit festgelegt hat, erfolgt die Anreise erfreulich reibungslos. Mit uns sind noch 31 andere Personen an Bord des "fliegenden Busses", der nur zur Hälfte gefüllt ist. Ungefähr acht davon sind als Touristen identifizierbar. Das Flugzeug fliegt zweimal täglich von Cebu nach Camiguin. Wenn das Verhältnis an Reisenden immer so ist, dann können wir wirklich auf ruhiges Inselleben hoffen. Die Sitze sind putzig. Sie sehen fast aus wie Sitzbänke. Komfortabel sind sie auch nicht, aber wir fliegen ja nur eine Dreiviertelstunde.
Am Flughafen werden wir mit einem Schild abgeholt, auf dem mein Name & Friend steht. Hasi kommentiert das entsprechend. 😉 Zehn Minuten später sind wir schon im SomeWhere Else Boutique Resort und werden auch gleich von Jerome, dem Betreiber, in Empfang genommen. Ich wollte unbedingt hierher, weil die Bewertungen super waren. Die Fotos auf Agoda sprachen für sich. Leider gab es nur noch einen 4er Bungalow. Aber auch der war preislich erschwinglich und man wohnt hier wirklich schön und vor allem ruhig. Es gibt nur eine Handvoll Bungalows. Dadurch, dass es keinen Raum für Mahlzeiten gibt (das Frühstück kann man auf der Terrasse oder am Strand einnehmen) trifft man auch kaum auf die anderen Gäste. Die einzigen Menschen, die man hier trifft, sind Jerome und das Personal. Traumhaft!
Jerome "sammelt" Hunde und Katzen. Zumindest stellt es sich uns so dar. Hier ist immer ein kleines akustisches Halligalli, aber darauf hatte er vor der Buchung hingewiesen. Die Fellnasen sind zwar ständig präsent, aber völlig ungefährlich und gehen auch nicht auf die Gäste zu. Wir nehmen uns beim Kuscheln raus. Sie scheinen alle eine Vergangenheit zu haben.
Unser erster Weg führt uns an den Strand. Schwarzer Vulkansand, vor dem Hotel aber weder Korallen noch Fische. Jerome meint, wir sollen mal hundert Meter nach rechts laufen, da gäbe es mehr zu sehen. Das machen wir auch. Naja, wir sehen kleine Fische, allerdings ist das noch nicht ganz das, was wir eigentlich wollen. Aber das kommt noch. Auf dem Hin- und Rückweg begegnen uns nur ein paar Einheimische. Kinder, die am Strand spielen und baden, grüßen freundlich. Ansonsten sind wir hier echt ganz alleine. So hatten wir uns das vorgestellt.
Da hier nicht allzuviel Auswahl an Restaurants besteht, lassen wir uns gern von unserem Herbergsvater beraten und in eine Pizzeria fahren. Das Hotel bietet abends einen kostenlosen Fahrdienst zum Restaurant seiner Wahl an. Es gibt echte italienische Pizza von einem echten Italiener. Auch wie Jerome ein Auswanderer, der sich auf Camiguin niedergelassen hat. Heute lassen wir es mal so richtig krachen und bestellen uns - wie die Einheimischen auch - einen Partyeimer Bier. Wir haben beim Einchecken ein Handy bekommen, um Jerome oder Andrew, den Fahrer, jederzeit anrufen zu können. Super Service! Andrew holt uns bereits wenige Minuten nach Anruf beim Restaurant wieder ab. Wir hätten es nicht besser treffen können.Read more
Mambajao
April 8 on the Philippines ⋅ ☀️ 29 °C
Camiguin // Wir haben für 10:00 Uhr unser Frühstück angemeldet. Als Erster kommt Andrew vorbei und fragt nach unseren Plänen. Wir haben noch keine. Vielleicht können wir ja auf den Markt nach Mambajao fahren. Wenig später erscheint Jerome mit drei bis acht Hunden im Schlepptau und macht Vorschläge, was wir auf Camiguin so alles anstellen können. Gemeinschaftlich beschließen wir, dass wir uns melden. Er hetzt uns da nicht. Wir haben von unserem geplanten Marktbesuch erzählt und er macht uns mit den Gepflogenheiten auf der Insel vertraut. Wir sollen uns an die Straße stellen und ein Tuk-Tuk anhalten. Das kennen wir ja schon von den anderen beiden Inseln. ABER, man muss hier auf Camiguin auf die Farbe achten. Aha, gut zu wissen. Man nennt die Tuk-Tuks hier auch nicht Tricycle. Na sowas... Wie auch anderswo auf den Philippinen dient immer ein Motorad für den Antrieb. Auf der Insel fahren Tuk-Tuks in drei unterschiedlichen Farben herum: gelb, grün und rot. Für uns wichtig, dass wir nur mit den roten fahren können. Für den Hinweg nach Mambajao ist das unerheblich, aber auf dem Rückweg müssen wir unbedingt darauf achten. Die Tuk-Tuks sind der ÖPNV von Camaguin. Für unsere Tarifzone gilt von Mambajao zum Resort ein Festpreis von 17 Pesos im Sammelfahrzeug, das sind ca. 25 Cent. Wenn man sich die Spritpreise anschaut, dann wundert man sich, wie das Ganze sich trägt. Ein Liter Benzin kostet hier momentan 1,44 EUR. Der Krieg wirft seinen langen Schatten bis auf die Philippinen. Wenn man bedenkt, dass das Einkommen vieler Menschen bei gerade mal 500 - 600 EUR liegt, ist das in Relation schon sehr teuer für die Einheimischen.
Mit einem Regenschirm als Sonnenschutz bewaffnet, machen wir uns auf den Weg. Sofort hält ein rotes Tuk-Tuk. Eine Frau mit ihrer kleinen Tochter sitzt schon drin. Wohin jetzt mit den Knien? Und sehr hoch sind die Dinger innen auch nicht. Glücklicherweise steigt nur noch ein junger Mann zu. Wir organisieren uns irgendwie. Der Fahrer wirft uns am Markt ab. Das geht ja einfach. Die Markthalle überrascht uns positiv. Natürlich wird auch hier frisches Fleisch ohne Kühlung angeboten, aber es gibt nicht den penetranten Geruch nach eingeschlafenen Füßen und Fisch, den wir von Bohol kennen. Wir sehen auch keine Ratten durch die Gänge flitzen. Es macht insgesamt einen hygienischeren Eindruck als in Anda. Wir möchten gern kleine Bananen und frische Erdnüsse kaufen. Die Bananen sind kein Problem. Für die Erdnüsse schicken uns die Markfrauen auf die andere Straßenseite. Dort steht ein etwas moderneres Einkaufszentrum. Hier bekommt man sowohl Lebensmittel als auch Waren des täglichen Bedarfs. Und - es gibt sogar eine funktionierende Klimaanlage im Gebäude. Wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Jerome erklärt uns das am nächsten Morgen so: Camiguin ist eine kleine Insel. Da hat man alles besser im Blick. Außerdem kommt es immer auf den Gouverneur an, der in einer Provinz "herrscht". Wenn er sich gern die eigenen Taschen vollhaut, bleibt natürlich nichts mehr übrig für Infrastruktur. Dann kommt bei den Leuten nichts an. Offenbar ist der Gouverneur von Camiguin ein großzügiger Mann was die Verteilung von Steuergeldern angeht. Wir hatten schon bei unserem kurzen Ausflug das Gefühl, dass hier alles ein bisschen aufgeräumter und sauberer ist als in anderen Landesteilen.
Nach dem Einkauf - es gab sogar frische Mangosteen - wollen wir uns eigentlich einen Ube-Shake gönnen. Nachdem ich am Milchshakestand mit der Verkäuferin bereits geklärt habe, dass sie Industrieeis in ihre Shakes macht, teilt sie mir mit, dass Ube alle ist. What??? Sie schickt uns zum Stand auf der gegenüberliegenden Seite. Ah ja, Fruitas kennen wir schon. Das war lecker dort. Allerdings ist auch dort Ube aus. Was ist hier los? Warum ist Ube Mangelware? 😉
Naja, dann fahren wir jetzt eben zurück ins Resort. Der erste Tuk-Tuk-Fahrer in rot möchte uns nicht transportieren. Zwei Passagiere sind ihm zu poplig. Der Zweite ist zwar vollbesetzt, bietet uns aber an, uns mitzunehmen. Witzbold. Wo sollen wir denn sitzen? 😆 Schließlich finden wir einen Fahrer, der uns anbietet, uns für 200 Pesos bis ins Resort zu bringen, als Privattour sozusagen. Machen wir. Das sind nicht mal drei Euro. Und wir haben auch nicht das Gefühl, dass er uns übers Ohr hauen will. Passt.
ACHTUNG! Richtigstellung: Hasi erzählt mir gerade, dass der erste Fahrer der von unserer Hintour war. Er hat seine Frau ins Einkaufszentrum gebracht und draußen auf sie gewartet. Deshalb wollte er nicht fahren. Ich nehme alles zurück. 😉
Jerome hatte uns vorgewarnt, dass unter Umständen der Strom ausfallen könnte. Das passiert am Abend auch prompt. Wir finden aber Kerzen und Notlicht. Alles kein Problem und nach ein paar Minuten ist der Strom auch wieder da.Read more
Nach Mantigue
Apr 9–10 on the Philippines ⋅ ⛅ 28 °C
Camiguin // Jerome meint, heute ist ein guter Tag zum Schnorcheln. Er empfiehlt uns einen Abstecher nach Mantigue. Hier kann man mit etwas Glück Schildkröten sehen. Ein Teil der Küste ist Schutzgebiet. Man findet dort auch Korallen und viele Fische. Er bestellt uns einen Fahrer, der uns den ganzen Tag zur Verfügung steht. Dieser fährt ein hellblaues Multicab und erzählt uns, dass Front und Motor des Fahrzeugs aus Japan kommen, der restliche Aufbau erfolgt - wie auch bei den Tuk-Tuks - aber auf den Philippinen. Natürlich sind die Innenmaße wieder auf zierliche Filipinos ausgelegt. Er entschuldigt sich dafür vielmals.
Erste Station ist der Katibawasan Wasserfall. Da stürzen gewaltige Wassermassen ungebremst den Berg herunter. Wer mag, kann in den kalten Fluten baden. Hasi geht nur bis zu den Waden rein. Ist offenbar sehr frisch, das Wasser. Auch hier sind wir vom baulichen Drumherum begeistert. Im Vergleich zu den Fällen von Siquijor ist der Ausbau von Treppen und Zugängen wirklich sensationell.
Dann geht es mit dem Auslegerboot weiter nach Mantigue. Vorher leihen wir uns noch Schwimmflossen aus. Die Meeresströmung soll um die Insel herum nicht unerheblich sein. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob das gutgehen wird. Meine Schulter ist nach wie vor blockiert und ich bekomme Schwimmbewegungen nur sehr bedingt hin. Wir suchen uns deshalb einen Guide. Und das wird sich im Nachhinein als Fehler herausstellen. Der gute Mann hat es nämlich eilig. Wir haben nur eine halbe Stunde und die wird für mich zum Albtraum. Ich habe ihm am Anfang gesagt, dass es mit der Schulter und schwimmen eher mau aussieht. Er meint, ich soll mich an seiner Rettungsboje festhalten und er zieht mich dann hinter sich her. Die Flossen wollen nicht an die Füße und ständig läuft Wasser in die Schorchelmaske. Leider kann ich mich mit der anderen Hand überhaupt nicht betun und bin immerzu damit beschäftigt, das Wasser aus der Maske zu kriegen. Unser Guide hat es aber auch nicht zwingend leicht mit mir, weil er mich ja ständig hinter sich herziehen muss. Er zeigt immer wieder ins Wasser und ruft Fish oder Turtle. Leider kann ich das meiste weder sehen noch genießen. Eine absolute Lose-Lose-Situation.
Glücklicherweise sieht Hasi mehr: "Das Wasser war an sich recht diesig und die Korallen, Fische und Schildkröten eigentlich nur durch Abtauchen zu erreichen. Es waren viele Fische zu sehen, teilweise auch große Schwärme. Die Korallen sah man nur an der Riffkante. Das Schnorchelerlebnis lag bei 6 von 10."
Danach muss ich mich erstmal sortieren. Ich schwanke zwischen Heulkrampf und Wutanfall und würde am liebsten das komplette Schnorchelequipment im nächsten Mülleimer versenken. Sch...! M...! K...! Ich hatte mich so auf das Schnorcheln gefreut! Gut, es konnte niemand damit rechnen, dass Anfang des Jahres die Schulter anfängt, Sperenzchen zu machen. Ich gehe erstmal in das phantastisch azurblaue Meer und versuche, meine Wut wegzuatmen.
Wir fahren mit dem Boot zurück an Land. Auch hier spielt die Schulter wieder eine Rolle. Beim Abstieg ins Hafenwasser ist der letzte Schritt nach unten so tief, dass ich mir fast den Arm rausreiße. Läuft! Dafür gönnen wir uns anschließend im besten Fischrestaurant der Insel einen Molmol. Den wollte ich schon immer mal kosten. Das sind die blauen Fische, um die wir schon in Kota Kinabalu herumgeschlichen sind und uns nicht getraut haben, sie auf den Grill werfen zu lassen. Er ist zwar etwas schwarz, aber sehr lecker und hat kaum Gräten.
Ganz zum Schluss besuchen wir den Katunggan Park. Hier wurde ein alter Mangroven-Wald in eine Art Naturpark mit Erlebnisfaktor umgewandelt. Anstatt die Mangroven abzuholzen, wurden dazwischen Bungalows gebaut, die man mieten kann. Mit paddeln oder schwimmen oder einfach nur gemütlichem Beisammensitzen kann man hier seine Freizeit verbringen. Die Bungalows sind durch Holzstege miteinander verbunden. Man kann also auch einfach nur durchlaufen und sich an der Landschaft erfreuen. Umwelttechnisch eine sehr gute Idee, da die Mangroven bei einem Taifun als natürlicher Küstenschutz fungieren. Übrigens ist hier alles pikobello sauber. Im Wasser sehen wir kein einziges Stück Müll schwimmen.Read more
Sunken Cemetery
Apr 11–12 on the Philippines ⋅ ☁️ 29 °C
Camiguin // Nach meinem Schnorchel-Desaster auf Mantigue habe ich erstmal die Nase voll davon, mit Schnorchelmaske ins Wasser zu steigen. Allerdings wollten wir uns doch noch den Sunken Cemetery anschauen. Nach einigem inneren Hin und Her beschließen wir, erst einmal dorthin zu fahren und die Lage zu peilen. Wenn es nach neuerlichen Problemen ausschaut, bleibe ich eben am Strand und Hasi bestaunt die Unterwasserwelt. Andrew besorgt uns einen Fahrer, weil die Stadtrand-Tuk-Tuks bis dorthin nicht fahren dürfen.
Man muss wieder einen kleinen Obulus von 100 Pesos p.P. (ca. 1,44 EUR) entrichten und einen Guide buchen. Oh no! Nonono! Nicht schon wieder. Es geht leider nicht anders. Wir wollen in einem Schutzgebiet schnorcheln und da muss zwingend ein Guide dabei sein, der aufpasst, dass wir nicht auf Korallen treten oder die Fische behelligen. Hasi meint hinterher, man hätte gesehen, wie ich schon mal innerlich verkrampfe... 😎.
Unser Guide heißt Daniel und ist ein verständnisvoller Bursche. Er bietet mir den Rettungsring an. Nope, auf keinen Fall! Ich erkläre ihm die Situation und er lässt davon ab, mir weiterhin behilflich sein zu wollen. Es wird einfach etwas länger dauern. Und dann geht unter der Wasseroberfläche eine kleine Wunderwelt auf. Nach einem Vulkanausbruch im Jahr 1871 versank der Friedhof der alten Siedlung Bonbon in den Fluten. Hier konnte in den letzten 150 Jahren ein neues Korallenriff entstehen. Da die Korallen noch sehr jung sind, tummeln sich hier vorwiegend kleine Fische. Aber so viele unterschiedliche Arten. Wir sehen Riesenmuscheln, Mini-Nemos in Mini-Anemonen, Kugelfische und Drückerfische in Kleinformat. Überall schillert es in hellblau, rot, gelb oder orange. Und wenn man denkt, jetzt hatte man sie alle, dann kommt wieder eine ganz neue Spezies um die Ecke. Viele davon haben wir noch nie gesehen. In einer weißen Anemone sehe ich weiße Clownfische. Hasi zeigt mir eine fast schwarze Anemone, in der sich ganz dunkle verstecken. Verrückt! Und sehr, sehr interessant. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Die Korallen sind intakt, das freut uns ungemein.
Das große weiße Kreuz wurde erst 1982 errichtet. Der Wasserspiegel drumherum ist sehr flach. Man muss an manchen Stellen aufpassen, dass man beim Schnorcheln nicht auf Grund läuft. Bei Ebbe wird es dort vermutlich knifflig. Hinter dem aufrecht stehenden Kreuz liegt noch ein weiteres riesiges Kreuz im Meer. Wie und warum es dorthin kam, bekommen wir leider nicht heraus.
Den Guide bezahlt man für maximal eine Stunde, dann muss man raus. Das reicht aber auch. Diese Miniatur-Unterwasserwelt bekommt von uns eine 9+ von 10 und ich bin wieder versöhnt mit der Materie. Es gefällt uns so gut, dass wir am nächsten Tag gleich noch einmal hinfahren.
Nachmittags will ich nach Mambajao. Da steht noch ein Ube-Shake aus. Das muss sein! Hasis Begeisterung hält sich in Grenzen. Am Wochenende fahren zwar auch Tuk-Tuks, aber bei weitem nicht so viele, wie an den normalen Wochentagen. Wir müssen etwas warten, bis wir eingesammelt werden. Wir haben Glück, das Tuk-Tuk ist fast leer. Nur ein junger Mann sitzt drin. Die Freude hält nur kurz. Bis zum Markt werden insgesamt 10 Fahrgäste plus Fahrer im Tuk-Tuk gleichzeitig transportiert. Man atmet sichtlich flacher. Sicherlich wäre noch Platz für zwei weitere Personen, allerdings nicht mit zwei Wuchtbrummen aus Europa an Bord. Wir wissen jetzt auch, wo uns der Fahrer mit dem vollen Tuk-Tuk neulich hingesetzt hätte, nämlich links und rechts neben sich. Da sind auch noch zwei Sitze. Wäre kuschlig geworden.
Das Kaufhaus in Mambajao hat täglich geöffnet. Im Eingangsbereich findet man allerlei Stände, an denen man süße Teilchen, Kuchen, Kaffee, Milchshakes oder auch herzhafte Snacks kaufen kann. Unser Weg führt uns zielstrebig zu Fruitas. Heute wird es passieren! Aber die Verkäuferin sagt wieder nein zu allen Sachen, auf die ich zeige. Es stellt sich heraus, dass sie keine Tapiokaperlen für das Bubble-Gefühl haben. Dann eben ohne, verdammichnochmal! 😉 Wir werden uns schließlich einig. Für mich Ube, für Hasi Mango ohne Sago. Beide wirklich sehr lecker. Der Ube-Shake wird übrigens aus einem Pulver hergestellt. Pandan für den Geschmack scheint auch mit drin zu sein. Also wollen wir nach dem Schleckern nochmal im Supermarkt gucken, ob es das Ube-Pulver nicht vielleicht zu kaufen gibt. Dabei laufen wir John in die Arme. Ami, Maga- und Donald-Fan. Er wirft uns stakkatomäßig eine Phrase nach der anderen entgegen und feiert sich dabei selber. Da wir ihm so sympathisch sind, würde er uns ja sogar zu sich einladen... blablabla... Bloß nicht! Von uns will er glücklicherweise nicht viel wissen, er will uns einfach nur mit seiner verschrobene Sicht auf die Welt zumüllen. Nicken und freundlich bleiben... Mit Mühe werden wir ihn wieder los. Selbst am nächsten Morgen geistert mir der Typ noch im Gehirn rum. Gruslig! Ube-Pulver finden wir jedenfalls nicht.
Abends fährt uns Andrew in ein Restaurant, zu dem man das letzte Stück Weg fußläufig über einen Steg im Reisfeld zurücklegt. Im Schein der Stirnlampe schlängelt es plötzlich im Teich zu unseren Füßen. Als wir das Bild Andrew zeigen, meint er eher gelangweilt, es wäre wohl eine Art Kobra. Gegengifte wären verfügbar. Sehr beruhigend. 😉Read more

TravelerWas für wunderschöne Eindrücke Eurer Schnorcheltour! Womit sind die Aufnahmen gemacht?

TravelerDie Unterwasseraufnahmen sind mit der DJI Osmo 6 gemacht. Mit der Videoqualität bin ich zufrieden, mit den Fotos nicht so. Vielleicht habe ich bei den Fotos auch nur noch nicht die optimale Einstellung gefunden. 🤓 Für die mobile Videobearbeitung kann ich InShot nur empfehlen.
Binondo - Klappe die Zweite
April 13 on the Philippines ⋅ ☀️ 34 °C
Camiguin / Cebu / Manila // Die Verabschiedung von Jerome und Andrew verläuft kurz, schmerzlos und herzlich. Wir deuten an, dass es nicht unmöglich ist, dass wir irgendwann noch einmal vorbeischauen. Jerome will uns nicht mehr wiedersehen. Es gäbe ja noch 7.000 andere Inseln, die ebenfalls einen Besuch wert sind. 😉 Zwei der elf Hunde des Anwesens lassen sich zum Frühstück blicken. Ansonsten kümmern sich die treulosen Tomaten ja sowieso nicht um die Gäste. Wir denken, dass es reicht, wenn wir ca. eine Stunde vor Abflug am Flughafen sind. Es ist ein Inlandsflug und so viele Passagiere passen auch nicht ins Flugzeug. Da haben wir die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. Als wir ankommen, erfolgt gerade der allerletzte Aufruf zum Einchecken. Was'n hier für'ne Hektik? Und zackzack eine halbe Stunde später sitzen alle auf ihren Plätzen. 20 Minuten vor der offiziellen Abflugzeit heben wir ab. Irgendwer muss hier zum Bus. 😉 Das gleiche passiert uns vier Stunden später auf Cebu. Abflug nach Manila soll 13:55 Uhr sein. Boarding completed wird um 13:27 Uhr gemeldet. Die Abläufe bei Cebu Pacific sind straff organisiert. Das war uns schon beim letzten Besuch aufgefallen. Anschnallzeichen heißt Anschnallzeichen! Basta!
Unser Hotel in Manila ist diesmal das Ramada by Windham mitten in Binondo (Chinatown). Ob das eine gute Wahl ist, wissen wir noch nicht. Auf jeden Fall stimmt in diesem, etwas in die Jahre gekommenen, 4* Hotel der Service. Uns werden sofort alle Taschen aus der Hand gerissen und bis in den 15. Stock des altehrwürdigen Hauses gebracht. Ich muss wohl bei der Buchung die höchste Zimmerkategorie gebucht haben. Eine Suite, soso. Hatte ich schon wieder vergessen. Bestes Ausstattungsmerkmal (das kann man aber hier auch in einer einfachen Unterkunft haben) sind die harten Matratzen. Man findet immer wieder Beschwerden auf den Buchungsplattformen darüber. Wir lieben das!
Warum haben wir uns Binondo ausgesucht? Seitdem wir in Malaysia das erste Mal die phantastischen Drachenköpfe gesehen haben, möchte ich gerne einen haben. Ich hatte schon zu Hause im Internetz recherchiert. Bei uns sind die Teile exorbitant teuer. Der Gedanke, solch einen Drachenkopf in einer Chinatown kaufen zu können, liegt nahe. Die Annahme wurde schon mal bestätigt, als wir in Yokohamas Chinatown ganz tolle Exemplare zu einem guten Preis gefunden haben. Wir laufen also von Laden zu Laden und finden dies und das. Allerdings ist noch nicht das Richtige dabei. Wir fragen uns durch. Die Verkäufer in den Läden sind super, sie geben uns Tipps, wo wir nochmal hingehen könnten. Und im fünften oder sechsten Laden mit chinesischen Waren werden wir schließlich fündig. Der Herr will seinen Laden gerade schließen, wirft uns seinen Preis zu und meint, er würde uns den Kopf auch so fachgerecht verschnüren, dass wir ihn am Flughafen aufgeben können. Aber er will Cash. Soviel haben wir nicht mehr, also müssen wir morgen wiederkommen. Wir wollten ohnehin noch in einer Mall nach Ube-Pulver schauen, da können wir gleich Geld holen.
Die Mall nebst dazugehörigem Supermarkt enttäuscht. Uns wird zwar bestätigt, dass es sowas wie Ube-Pulver tatsächlich gibt, aber nicht bei ihnen, obwohl das Internetz Bestand gemeldet hat. Freundliches Schulterzucken. Pffffff! Und dafür sind wir extra eine halbe Stunde durch die Stadt gefahren? Wir bestellen uns ein Grab zurück nach Binondo. Es dauert eine Weile, bis es sich durch den Feierabendverkehr zu uns gewuselt hat und so können wir das geschäftige Treiben auf der Staße beobachten. Anfangs werden wir immer noch von Taxi- oder Tricycle-Fahrern angesprochen. Aber wir haben heute keine Lust, nochmal übers Ohr gehauen zu werden. Das ist eine gute Entscheidung. Man fühlt sich im abendlichen Verkehr von Manila etwas lost. Es soll in der Metropolregion Manila zwischen 50.000 und 70.000 Jeepneys geben. Diese sind gerade alle zusammen und vollbesetzt mit uns auf der Straße unterwegs. Außerdem noch Motorräder, Fahrräder, Fußgänger und Tricycles. Und alle hupen. Wir wundern uns immer wieder, dass wir keine Unfälle sehen. Hier fahren alle auf Pressung. Es ist heute ziemlich heiß und schwül in Manila. Die Atmospäre erinnert uns an Bangkok.
Ich glaube, ich hatte schon bei unserer Anreise geschrieben, dass Binondo gewöhnungsbedürftig ist: Es stinkt (nicht nur nach Abgasen), ist dreckig und alle Verkehrsteilnehmer tummeln sich auf den engen Straßen. Man muss aufpassen, dass man nicht überfahren wird. Durch Binondo fließt ein kleiner Fluss, der ganz weiß ist. Wir wollen wirklich nicht wissen, was da alles im Wasser ist. Außerdem sieht man viele arme Menschen. Wir werden oft wegen Geld angesprochen. Uns fällt immer wieder auf, wie offensiv, schon fast aggressiv, Kinder Touristen anbetteln. Ich habe noch zwei Schlumpf-Wackelbilder in der Tasche. Einer der kleinen Wegelagerer bekommt von mir eins geschenkt. Zuerst ist er verblüfft, weil er mit etwas ganz anderem gerechnet hat. Dann baut er sich mit seinem Kumpel vor uns auf und fordert ein zweites. Ich habe sogar noch eins mehr dabei, das rücke ich auch noch raus. Hasi leiert mit den Augen, was ich da wieder treibe. Als wir uns umdrehen und gehen, werfen die beiden uns ein lautes "Thank you!" hinterher. Damit hatten wir nun gar nicht gerechnet. 😊
Witzig ist die Situation für die Leute, die hier nichts besitzen, sicher überhaupt nicht. Beim Abendessen stehen immer wieder Leute hinter der Scheibe des Restaurants und betteln uns an. Oder sie liegen mit ihren kleinen Kindern auf dem Fußweg und man muss drübersteigen. Eine Situation finden wir besonders krass. Da steht eine rappeldürre Frau mit einem winzigen Baby auf dem Arm und möchte Geld. Ich dachte am Anfang, sie hält eine Puppe im Arm, so klein und dünn ist das Baby. Solche Szenen sind sehr schockierend. Auf jeden Fall bekommen wir heute die volle Packung reales philippinisches Leben, nur eben die andere Seite der Medaille.
Der zweite Plan für Binondo ist gutes chinesisches Essen. Es gibt ja einen Haufen Videos bei YouTube, in denen verschiedene Restaurants mit Ahhhs und Ohhhs gehypt werden. Da wir am Anfang der Reise in keins der ach so tollen Restaurants reingekommen sind (YouTube sei Dank), versuchen wir es heute Abend noch einmal. Was sollen wir sagen: Es war Essen. 😉 Und ehrlich gesagt, noch nicht mal besonders tolles. Die Dumplings haben wir schon anderswo um Welten besser gegessen. Naja, einen Versuch war es wert...Read more
Lucky Chinatown
Apr 14–15 on the Philippines ⋅ ☀️ 34 °C
Manila // Wegen meiner ständig rumorenden Schulter habe ich mal wieder eine kurze Nacht. Von der Straße hat man wegen der Jeepneys eine permanente Geräuschkulisse. Bis in den 15. Stock hört man die alten Motoren und das Hupen der Fahrzeuge. Früh um sieben kommen dann noch die melodischen Weisen aus der Morgenmesse der Basilica of Saint Lorenzo Ruiz gleich nebenan dazu. Die "Veranstaltung" wird akustisch auch nach draußen übertragen. Uns ist gestern abend schon aufgefallen, dass die Priester sehr wohlklingende Stimmen haben.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf die Socken, um den Drachenkopf abzuholen. Der Verkäufer erkennt uns wieder und wir machen ihm klar, dass das Teil ins Handgepäck MUSS. Den Kopf im Karton aufzugeben ist keine Option. Er wurde aus Pappmaché gefertigt und käme vermutlich zerstört in Amsterdam an. Wir haben auch eine "Mustertasche" in der Größe eines vernünftigen Handgepäcks mit. Der Drachenkopf weigert sich hartnäckig, dort hineinzupassen. Nervöses Blinzeln auf mindestens einer Seite. Wie Männer so sind, versichern mir alle drei, dass das schon irgendwie gehen wird. Ich bleibe eher skeptisch. Wir nehmen den Kopf trotzdem mit. Im Extremfall müssen wir ihn in Amsterdam eben bei DHL aufgeben. Der ganze Verkaufsvorgang ist wieder mal eine Art schönstes Ferienerlebnis. Die Filipinos sind so tiefenentspannt und kommunikativ. "Woher kommt Ihr, wohin wollt Ihr?" Wir bekommen Tipps, wie preiswert man doch in China urlaubt und wo man dort am besten einkauft oder wohin wir als nächstes auf den Philippinen fahren sollen. Wir haben bei diesem Verkaufsgespräch heute den Vorteil, als Erste "an der Kasse zu stehen". Einkaufen ist auf den Philippinen immer sehr spannend, vor allem das Stehen an der Kasse. Die VerkäuferInnen machen gern einen ausgedehnten Schwatz mit jedem Kunden, auch wenn sich bereits eine Schlange gebildet hat. Das bedeutet, dass man hier eigentlich immer in einer Schlange steht. Oder sie rennen auch mal weg, um eine spezielle Einkaufstüte zu holen, obwohl hinter der Kasse gefühlt hundert verschiedene Größen liegen. Auch die anderen drei VerkäuferInnen, die gerade nicht zu tun haben, können nicht mal eben einspringen. 😉 Unsere Erfahrung: Einkaufen auf den Philippinen geht nie schnell. In jedem Supermarkt findet eine nie enden wollende Inventur statt. Es wird gezählt, was das Zeug hält. Das geht meistens auch nicht allein. In den ohnehin schon engen Regalgängen sind immer mindestens zwei oder drei VerkäuferInnen gleichzeitig zu Gange. Klar, es müssen ja schließlich alle möglichen Neuigkeiten ausgetauscht werden. Gestern sehe ich einen Verkäufer, der beim Zählen offenbar eingeschlafen ist und mit dem Kopf am Regal lehnt. Ich höre jetzt mal auf zu lästern. Es ist aber ein so dankbares Thema. Ich könnte stundenlang diesem Treiben folgen. 😉
Wir haben noch Zeit, bis wir zum Flughafen müssen und laufen zur Lucky Chinatown Mall. Es ist heute ziemlich heiß, da können wir prima runterkühlen. Unterwegs spricht mich ein älterer Herr an, der mir anbietet, uns den Seng Guan Temple zu zeigen. Wir unterhalten uns zwar nett, aber meistens folgt solchen Gefälligkeiten irgendwann die Bitte nach einer Entlohnung. Mit einer Ausrede ziehen wir uns aus der Affäre. Nachdem wir in der Mall unser letztes Geld ausgeben haben, laufen wir dann aber doch noch einmal in Richtung Tempel los. Eigentlich ist der Weg nicht weit, aber bei diesen Temperaturen läuft bald der Schweiß in Strömen. Wir sind mittlerweile in einer sehr ärmlichen Gegend unterwegs. Es ist nicht so, dass wir uns fürchten müssten, aber man schaut schon etwas aufmerksamer nach links und rechts. Geld haben wir ohnehin nicht mehr. Hier sind sehr viele Leute damit beschäftigt, einfachen Tätigkeiten nachzugehen. Waren werden auf Karren von A nach B transportiert, es wird viel repariert. Etliche Leute in diesem Viertel können sich offenbar nicht mal ein Paar Schuhe leisten. Wir fallen auf jeden Fall auf. Zurück möchte ich deshalb gern im Grab fahren.
Völlig verschwitzt kommen wir am Tempel an. Hoffentlich verlangen sie jetzt keinen Eintritt. Ohne Cash geht in diesem Viertel gar nichts. Der Sicherheitsmann am Eingang lässt uns kommentarlos ein. Obwohl es noch eine Anzahl kleinerer Schreine in Binondo gibt, ist der Seng Guan Temple der bedeutendste buddhistische Tempel auf den Philippinen. Und was für ein Schmuckstück! Am Anfang denken wir noch, dass das Erdgeschoss schon alles war. Der Sicherheitsmann meint aber, wir sollen mal die Treppe hochgehen, da geht's noch weiter. Und in der Tat, wir finden auf der zweiten Etage ein kleines Highlight: Die Halle des Medzin-Buddhas. Er wird im Internetz als gülden beschrieben, wir sehen da eher eine kupferfarbene Oberfläche. Wie auch immer, wir laufen andächtig durch die riesige Halle und genießen die Ruhe. Es riecht nach Räucherstäbchen. So darf es sein. Von außen kann man leider keinen Blick auf das komplette Gebäude werfen. Deshalb erklimme ich heimlich die oberste Treppe hoch zum Stupa. Die Treppe ist zwar nicht abgesperrt, aber der Handlauf ist so dreckig, dass wir davon ausgehen, dass sie nicht oft benutzt wird. Oben steht man dann auf dem Dach. Hier gibt es eine kleine Bepflanzung. Ich mache nur kurz ein Foto vom Stupa und trete schleunigst den Rückweg an. So ganz geheuer ist es mir hier nicht.
Wir fahren zurück zur Basilica of Saint Lorenzo Ruiz und werfen auch hier noch einen Blick rein. Obwohl die erste Basilica an dieser Stelle bereits im 16. Jahrhundert erbaut wurde, ereilte sie das gleiche Schicksal wie die anderen Kirchen in Manila. In diversen Kriegen wurde auch diese Basilica mehrfach zerstört oder stark beschädigt. Deshalb sind katholischen Kirchen im Vergleich zu ihren Verwandten im Mutterland Spanien meistens sehr schlicht und haben kaum antikes Interieur. Hasi ist begeistert von der Figur des Heiligen Lorenzo von Manila (Lorenzo Ruiz). Er meint, seine Statue sieht aus wie ein Fußballer im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Man muss nicht immer aussprechen, was man denkt. 😉
Wir trinken im Hotel noch einen Kaffee und bestellen uns ein Grab zum Flughafen. Es sind zwar noch fast 5 Stunden bis zum Abflug, aber wir haben in Binondo nichts mehr zu tun. Es ist einfach zu heiß da draußen. Und dann wird mir im Auto plötzlich schlecht. Aber so richtig. Seit unserer Abfahrt aus Camiguin ist mir schon die ganze Zeit unterschwellig etwas übel. Vielleicht war es das Abendessen oder die Hitze, wer weiß das schon so genau. Also atmen, atmen, atmen. Glücklicherweise bleibt alles drin, aber in den nächsten anderhalb Tagen gibt es für mich nur Tee und Schonkost.
Alle Anschlüsse funktionieren, Turkish Airlines bringt uns planmäßig nach Istanbul und Amsterdam. Dort steigen wir noch einmal bei KLM ins Flugzeug nach BER und haben eine letzte Übernachtung in Berlin. Und jetzt nur noch duschen und schlafen. Die letzte Etappe nach Dresden erfolgt morgen mit dem Zug.
Wie ging denn jetzt eigentlich die Sache mit dem übergroßen Handgepäck aus?: Also, beide Fluggesellschaften sind äußerst kulant. In das erste Gepäckfach passt der Drachenkopf noch rein. Bei den anderen beiden Flugzeugen ist dann zick. Allerdings wird der Kopf in der ersten Maschine zum Start und zur Landung in die Küche verbracht und im zweiten Fall darf Hasi ihn auf dem Schoß behalten. Und alles ohne Aufpreis. Wir sind begeistert.Read more







































































































































































































































































































































TravelerViel Spass und ich bin sehr gespannt 🤩
TravelerDanke schön 😊
Traveler
Etwas groß, oder?
TravelerAch was! 😉
TravelerDadurch wirken aber die Taschen viel kleiner. 🤓