• Binondo - Klappe die Zweite

    April 13 on the Philippines ⋅ ☀️ 34 °C

    Camiguin / Cebu / Manila // Die Verabschiedung von Jerome und Andrew verläuft kurz, schmerzlos und herzlich. Wir deuten an, dass es nicht unmöglich ist, dass wir irgendwann noch einmal vorbeischauen. Jerome will uns nicht mehr wiedersehen. Es gäbe ja noch 7.000 andere Inseln, die ebenfalls einen Besuch wert sind. 😉 Zwei der elf Hunde des Anwesens lassen sich zum Frühstück blicken. Ansonsten kümmern sich die treulosen Tomaten ja sowieso nicht um die Gäste. Wir denken, dass es reicht, wenn wir ca. eine Stunde vor Abflug am Flughafen sind. Es ist ein Inlandsflug und so viele Passagiere passen auch nicht ins Flugzeug. Da haben wir die Rechnung aber ohne den Wirt gemacht. Als wir ankommen, erfolgt gerade der allerletzte Aufruf zum Einchecken. Was'n hier für'ne Hektik? Und zackzack eine halbe Stunde später sitzen alle auf ihren Plätzen. 20 Minuten vor der offiziellen Abflugzeit heben wir ab. Irgendwer muss hier zum Bus. 😉 Das gleiche passiert uns vier Stunden später auf Cebu. Abflug nach Manila soll 13:55 Uhr sein. Boarding completed wird um 13:27 Uhr gemeldet. Die Abläufe bei Cebu Pacific sind straff organisiert. Das war uns schon beim letzten Besuch aufgefallen. Anschnallzeichen heißt Anschnallzeichen! Basta!

    Unser Hotel in Manila ist diesmal das Ramada by Windham mitten in Binondo (Chinatown). Ob das eine gute Wahl ist, wissen wir noch nicht. Auf jeden Fall stimmt in diesem, etwas in die Jahre gekommenen, 4* Hotel der Service. Uns werden sofort alle Taschen aus der Hand gerissen und bis in den 15. Stock des altehrwürdigen Hauses gebracht. Ich muss wohl bei der Buchung die höchste Zimmerkategorie gebucht haben. Eine Suite, soso. Hatte ich schon wieder vergessen. Bestes Ausstattungsmerkmal (das kann man aber hier auch in einer einfachen Unterkunft haben) sind die harten Matratzen. Man findet immer wieder Beschwerden auf den Buchungsplattformen darüber. Wir lieben das!

    Warum haben wir uns Binondo ausgesucht? Seitdem wir in Malaysia das erste Mal die phantastischen Drachenköpfe gesehen haben, möchte ich gerne einen haben. Ich hatte schon zu Hause im Internetz recherchiert. Bei uns sind die Teile exorbitant teuer. Der Gedanke, solch einen Drachenkopf in einer Chinatown kaufen zu können, liegt nahe. Die Annahme wurde schon mal bestätigt, als wir in Yokohamas Chinatown ganz tolle Exemplare zu einem guten Preis gefunden haben. Wir laufen also von Laden zu Laden und finden dies und das. Allerdings ist noch nicht das Richtige dabei. Wir fragen uns durch. Die Verkäufer in den Läden sind super, sie geben uns Tipps, wo wir nochmal hingehen könnten. Und im fünften oder sechsten Laden mit chinesischen Waren werden wir schließlich fündig. Der Herr will seinen Laden gerade schließen, wirft uns seinen Preis zu und meint, er würde uns den Kopf auch so fachgerecht verschnüren, dass wir ihn am Flughafen aufgeben können. Aber er will Cash. Soviel haben wir nicht mehr, also müssen wir morgen wiederkommen. Wir wollten ohnehin noch in einer Mall nach Ube-Pulver schauen, da können wir gleich Geld holen.

    Die Mall nebst dazugehörigem Supermarkt enttäuscht. Uns wird zwar bestätigt, dass es sowas wie Ube-Pulver tatsächlich gibt, aber nicht bei ihnen, obwohl das Internetz Bestand gemeldet hat. Freundliches Schulterzucken. Pffffff! Und dafür sind wir extra eine halbe Stunde durch die Stadt gefahren? Wir bestellen uns ein Grab zurück nach Binondo. Es dauert eine Weile, bis es sich durch den Feierabendverkehr zu uns gewuselt hat und so können wir das geschäftige Treiben auf der Staße beobachten. Anfangs werden wir immer noch von Taxi- oder Tricycle-Fahrern angesprochen. Aber wir haben heute keine Lust, nochmal übers Ohr gehauen zu werden. Das ist eine gute Entscheidung. Man fühlt sich im abendlichen Verkehr von Manila etwas lost. Es soll in der Metropolregion Manila zwischen 50.000 und 70.000 Jeepneys geben. Diese sind gerade alle zusammen und vollbesetzt mit uns auf der Straße unterwegs. Außerdem noch Motorräder, Fahrräder, Fußgänger und Tricycles. Und alle hupen. Wir wundern uns immer wieder, dass wir keine Unfälle sehen. Hier fahren alle auf Pressung. Es ist heute ziemlich heiß und schwül in Manila. Die Atmospäre erinnert uns an Bangkok.

    Ich glaube, ich hatte schon bei unserer Anreise geschrieben, dass Binondo gewöhnungsbedürftig ist: Es stinkt (nicht nur nach Abgasen), ist dreckig und alle Verkehrsteilnehmer tummeln sich auf der Straße. Man muss aufpassen, dass man nicht überfahren wird. Durch Binondo fließt ein kleiner Fluss, der ganz weiß ist. Wir wollen wirklich nicht wissen, was da alles im Wasser ist. Außerdem sieht man viele arme Menschen. Wir werden oft wegen Geld angesprochen. Uns fällt immer wieder auf, wie offensiv, schon fast aggressiv, Kinder Touristen anbetteln. Ich habe noch zwei Schlumpf-Wackelbilder in der Tasche. Einer der kleinen Wegelagerer bekommt von mir eins geschenkt. Zuerst ist er verblüfft, weil er mit etwas ganz anderem gerechnet hat. Dann baut er sich mit seinem Kumpel vor uns auf und fordert ein zweites. Ich habe sogar noch eins mehr dabei, das rücke ich auch noch raus. Hasi leiert mit den Augen, was ich da wieder treibe. Als wir uns umdrehen und gehen, werfen die beiden uns ein lautes "Thank you!" hinterher. Damit hatten wir nun gar nicht gerechnet. 😊

    Witzig ist die Situation für die Leute, die hier nichts besitzen, sicher überhaupt nicht. Beim Abendessen stehen immer wieder Leute hinter der Scheibe des Restaurants und betteln uns an. Oder sie liegen mit ihren kleinen Kindern auf dem Fußweg und man muss drübersteigen. Eine Situation finden wir besonders krass. Da steht eine rappeldürre Frau mit einem winzigen Baby auf dem Arm und möchte Geld. Ich dachte am Anfang, sie hält eine Puppe im Arm, so klein und dünn ist das Baby. Solche Szenen sind sehr schockierend. Auf jeden Fall bekommen wir heute die volle Packung realen philippinischen Lebens, nur eben die andere Seite der Medaille.

    Der zweite Plan für Binondo ist gutes chinesisches Essen. Es gibt ja einen Haufen Videos bei YouTube, in denen verschiedene Restaurants mit Ahhhs und Ohhhs gehypt werden. Da wir am Anfang der Reise in keins der ach so tollen Restaurants reingekommen sind (YouTube sei Dank), versuchen wir es heute Abend noch einmal. Was sollen wir sagen: Es war Essen. 😉 Und ehrlich gesagt, noch nicht mal besonders tolles. Die Dumplings haben wir schon anderswo um Welten besser gegessen. Naja, einen Versuch war es wert...
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