• Die nächsten zwei Tage gönnen wir uns etwas ganz Spezielles. Wir fahren zum Santuário do Caraça, ein Kloster, das in der Serra (Gebirge) do Caraça liegt. Da man hier nicht im Wohnmobil übernachten kann und es auch keine Stellplatzmöglichkeit in der näheren Umgebung gibt, quartieren wir uns für zwei Nächte ein. Das Kloster ist herrlich in der Bergwelt auf etwa 1000m gelegen, ringsherum gibt es viel schöne Wanderrouten. Für eine Nacht bezahlt man etwa 60 Euro pro Person, aber mit Vollpension. Und wie lecker das Essen ist!! Mann oh Mann, wir schlagen uns zu jeder Mahlzeit die Bäuche voll!! Vor allem das Frühstück ist der Hammer! Im Speisesaal, der noch ursprünglich klostermaßig aussieht, kann man sich Ei und Schinken oder was auch immer auf dem riesigen gußeisernen Ofen braten. Der wahre Grund, warum wir uns in dem Kloster einquartieren, ist aber weder das Essen noch die herrliche Lage. Sondern: Mähnenwölfe. Hier sollen nämlich fast jeden Abend ein oder zwei Mähnenwölfe auf die Treppe zum Kircheneingang kommen, da vor vielen Jahren ein Priester angefangen hat, diesen Futter zu geben. Am ersten Abend warten wir lange lange, aber leider kommt keiner. Das Futter wird so gegen halb 8 vor das Kirchenportal gestellt und alle Gäste setzen sich auf die Bänke, die rings um die Empore stehen. Nach einigen Stunden geben wir es auf. Kein Wolf da. Es regnet auch. Vielleicht hält das die Wölfe ab. Am nächsten Vormittag machen wir eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall. Leider regnet es am Nachmittag wieder, so dass wir gar nicht das Kloster verlassen wollen. Ist aber auch nicht schlimm. So haben wir mal ein bisschen Zeit zum Lesen. Am frühen Abend, muss ich nochmal zum Parkplatz, um aus dem Wohnmobil etwas zu holen. Nur bis 18 Uhr darf man den Parkplatz betreten, der genau vor der Treppe zur Kirche liegt. Bis morgens 6 Uhr ist es verboten, die Treppe hinunter zu gehen, da dann die Wölfe da sein könnten. Also gehe ich noch 15 Minuten vorher schnell hinunter. Als ich wieder zurück ins Kloster will, bemerke ich eine Bewegung im Augenwinkel. Als ich mich auf der Treppe umdrehe, läuft gerade ein Mähnenwolf hinter mir her. Mein Herz bleibt einen Moment stehen! Ich gehe langsam zur Empore hoch und stelle mich seitlich in die Tür. Der Wolf scheint mich völlig zu ignorieren. Er läuft zur Empore hinauf und sucht sein Futter. Das allerdings steht ja noch nicht da. Der Arme! Er hat Hunger und der Tisch wurde noch nicht gedeckt. Frustriert geht er die Treppe hinunter und läuft auf dem Parkplatz herum. In der Zwischenzeit gehe ich Micha holen. Als wir beide zurück kommen, sehen wir nur noch, wie er im Wald verschwindet. Micha bleibt noch an der Treppe und wartet, während ich mich umziehe. Als ich zurück komme, steht Micha ganz allein mit dem zurückgekehrten Mähnenwolf auf der Empore. Gleich darauf kommt noch eine andere Besucherin und wir beobachten das Treiben des Wolfes, der aber feststellen muss, dass es immer noch kein Futter gibt. So läuft er von dannen und wir gehen zu Abend essen. Nach dem Abendessen, versammeln sich alle Gäste auf der Empore. Wir setzen uns auf die Bänke und ganz ruhig verhält sich jeder. Ein Mann von der Naturschutzbehörde stellt dem Mähnenwölfen einen großen Teller mit Fleisch und Früchten hin. Und tatsächlich, nach einer Weile kommt derselbe Wolf wieder die Treppe hoch und macht sich ans Essen. Von den Touristen lässt er sich überhaupt nicht stören. Er dreht sich nur immer wieder um und schaut ängstlich die Treppe hinunter. Der Mann von der Naturbehörde erzählt uns später, dass dieser Wolf erst ein Jahr alt ist und nachdem er seine Eltern beim "sich Futter abholen" das erste Jahr nur beobachtet hat, hat er sich im Juli das erste Mal selbst getraut, die Treppe hinauf zu laufen. Das ist nun die dritte Generation von Wölfen, die sich füttern lassen. Es wird aber immer nur abends ein Teller dahin gestellt, damit die Wölfe auch nicht völlig auf das gefüttert werden einstellen und gar nicht mehr selbst jagen. Ein beeindruckendes Erlebnis war Diesel für uns und wir sind sehr glücklich, dass wir daran teilhaben konnten.Read more