Welcome to paradise
August 18, 2024 in Poland ⋅ ☁️ 24 °C
Paradies ist zwar kein Ort, sondern ein Zustand. Dennoch kann ich sagen: Wir haben einen kleinen Platz an einem der masurischen Seen gefunden, der den besagten Zustand zumindest kräftig befördert.
Aber von Anfang an: Recht früh morgens sind wir vom Platz bei Danzig aufgebrochen. Wir wollten den ersten Stau, den auf dem Platz, dringend vermeiden. Gelungen! Dann Richtung Ermland und zum oberländischen Kanal. Und schon die erste Verwirrung: Der Zielort, der lt. Internet ein attraktives Plätzchen zur Besichtigung des alternativen Schiff-Transportes dort böte, war eine Ansiedlung von drei, sehr arm anmutenden Häusern und einem Marien-Kapellchen, mehr allerdings nicht. Die Fahrt dahin war so abenteuerlich, dass wir schon früh einige Zweifel hatten. Und diese Zweifel waren berechtigt. Dann aber, nach weiteren 45 Minuten über schmale Straßen und durch das arme und ländliche Polen, endlich der oberländische Kanal mit seiner so spektakulären Schiffshebewerk-Alternative. Denn hier, in der Welt fast einmalig, fahren die Schiffe auf einen im Wasser versenkten Transportwagen auf, werden verzurrt und dann mit dem Wagen und dank eines raffinierten Seilwerks über Land und die hier so häufigen kleinen Hügel zur Kanal-Fortsetzung jenseits des Hügels transportiert: Ein Werk preußischen Erfindergeistes. Wir hatten Glück und konnten, da ein Schiff gerade heranglitt, die gesamte Prozedur 'live' besichtigen. Eindrucksvoll!
Danach dann Richtung Masuren zur 'ruska Wieś, einem Tipp von WoMo-Nachbarn in Thorn. Der Platz liegt unweit der russischen Grenze. Auch dorthin, das war wohl heute unser Schicksal, eine Art Odyssee. Denn Google Maps war dem Straßen-Neubau in einem der östlichsten Teile der Masuren nicht gewachsen und leitete uns derart in die Irre, dass wir uns, was den Staßenzustand betraf, wieder im östlichsten Balkan wähnten. Aber mit viel Mühe und einer zusätzlich investierten Stunde fanden wir die 'russische Wiese'. Und die hat Format: Zur Begrüßung drehte ein Adlerpärchen seine Runden über dem See. Der Platz selbst ist klein, in Terrassen angelegt und liegt unmittelbar an einem großen See. Zwar ziemlich abseits von allem, aber dafür ruhig, mit malerischem Blick über das Wasser, ausgestattet mit Paddel- und Ruderbooten, einem kleinen Sandstrand und - morgens - einem Brötchenservice. Soviel Zivilisation muss sein. Nach knapp 330 Kilometern Fahrt auf kleinen Landstraßen hängen wir hier ab, sind ein wenig über den See gerudert, ein wenig geschwommen und haben uns zum ersten Mal auf dieser Tour das Abendmahl selbst zubereitet. All das zusammengenommen, hat uns an diesem versteckten Ort der Masuren dem Zustand nahe gebracht, den man als fast paradiesisch bezeichnen könnte.
Zur Nacht hin Wetterleuchten über dem See. Die Schwüle und die Unwetter, die NRW vor Tagen heimgesucht haben, erreichen uns jetzt in abgeschwächter Form hier. Kein Unwetter, aber ein optisches Spektakel.Read more



















TravelerGenießen Sie also Ihr gefundenes Paradies in vollen Zügen :-)