• Kazimiers Dolny: Renaissance pur

    Aug 26–29, 2024 in Poland ⋅ ⛅ 26 °C

    Heute morgen war, so die Verabredung, Nichtstun angesagt. Monika kündigte dieses Agreement bereits frümorgens auf. Zunächst, indem sie durch unser Dachfenster im Heck die Weidenzweige kappte, die nächtens qietschend über das Dach strichen und den Nachtschlaf störten. Dann, indem sie - leistungsorientiert, wie sie ist - einem Freiluft-Fitness-Park zustrebte. Ihr zufriedenes Lächeln nach gelungenem 'work-out' machte mir klar, was demnächst auch bei mir wieder anstehen könnte!
    Nach kurzem Besuch beim Bäcker dann am grünen Ufer der Weichsel Frühstück. Mit dem frisch erstandenen Hefegebäck füllte ich die Kalorien auf, die Monika zuvor verbrannt hatte.
    Nach einigen Stunden des Lesens und Chillens dann hinein in das kleine Städtchen Kazimiers Dolny (der Zusatz 'Dolny' zur Abgrenzung vom gleichnamigen Stadtteil Krakaus). Es hat heute vielleicht knapp 3000 Einwohner, war aber seit dem späten 16. Jahrhundert über mehr als hundert Jahre eine wichtige Zoll- und Handelsstation. Aus dieser Epoche wachsenden Wohlstands stammen hier zwei imposante Renaissance-Kirchen, ein elegantes Rathaus, ebenfalls der italienischen Renaissance nachempfunden und mit einem sehenswerten Dachrelief geschmückt, zahlreiche Bürgerhäuser mit Wänden, die Jahrhunderten standhielten, gewaltigen Dächern und noch gewaltigeren Schornsteinen. Der Winter hier ist kalt. Kazimiers Dolny war in seiner Blütezeit neben Lublin das architektonische Zentrum der polnischen Renaissance. Über dieser historischen Kulisse thront auf einem grünen Hügel eine seit dem 13. Jahrhundert immer weiter ausgebaute Wehrburg mit frei stehendem Bergfried. Wir haben Hügel, Burg und Turm erklommen.
    Und überall hier Kobuty Dolny, eine Spezialität, ein Hefegebäck, das bei genauem Hinsehen einen stolz-gefiederten Hahn abbildet. Das Motiv, das im Ort auch zahlreiche Boutiquen, Galerien und die offiziellen Gebäude schmückt, verdankt sich einer Legende: Ein wachsamer Hahn, also das, was in Rom die kapitolinischen Gänse waren, rettete die Stadt, und zwar vor den Machenschaften des Teufels, der der aufstrebenden Stadt den Wohlstand neidete.
    Nach einem leckeren Bier auf dem 'mal nicht vollen Marktplatz werden wir bei untergehender Sonne den Grill aufbauen. Irisches Steak, polnische Gemüse und ein oder zwei Gläser deutschen Weins werden den Abend am Weichselufer mehr als erträglich gestalten.
    Nachdem wir in Polen so oft die Europa-Flagge gesehen haben, ist das unser deutsch-polnisch-irischer Betrag zum Gelingen der EU! Es endet der heutige Blog: Monika ruft zum wachtel'schen 18-Uhr-Termin!
    Der Rest des Abends: Idylle!
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