• Bergerac: Ohne lange Nase

    September 19, 2024 in France ⋅ 🌙 18 °C

    "Oh diese Nase!” Das berühmte Zitat aus dem komödiantischen Versdrama von Edmont Rostand wird wohl für immer und ewig mit Bergerac verbunden bleiben. Obwohl de Bergerac, der ja nicht nur Theater-Figur war, sondern auch mehr als 200 Jahre vor dem Theaterstück leibhaftig gelebt und gedichtet hat, mit Bergerac so gar nichts zun tun hat. Dennoch widmen sich zwei prominente Standbilder der überaus langen, knolligen und deshalb so gerühmten Nase eines Dichters, die dieser Dichter niemals in die Angelegenheiten dieser Stadt 'hineingesteckt' hat. Aber was soll's: Die Standbilder schmücken die Stadt aufs Allerschönste. Dabei hat die Stadt Bergerac diese Nase gar nicht nötig. Die Hafenstadt ist insbesondere durch Weinhandel mit den Niederlanden und England zu erheblichem Wohlstand gelangt und hat städtebaulich, atmosphärisch und kulturell jede Menge zu bieten. Für uns ist sie eine der Favoritinnen für die Bestenliste. Zudem: Die Lage an der hier bereits stattlichen Dordogne verleiht zusätzliches Flair. Und natürlich überall der Wein aus Montravel, aus Pécharmant, aus Montbazillac, und und ... . Die Weine der Appellationen präsentiert das Maison des Vins im historischen Kreuzgang einer Abtei. Diese Abtei haben genau die Jesuiten und Rekollekten erbauen lassen, die am Ende der Religionskriege die tüchtigen französischen Hugenotten/Calvinisten aus der Stadt gewaltsam vertrieben haben, denen die Stadt ihren Wohlstand verdankte. Also ein Prunkbau genau derjenigen, die den Niedergang der Stadt eingeleitet haben. Auf der herrlichen Terrasse der Abtei - die Jesuiten lieben bekanntermaßen das gute Leben - haben wir nicht nur ein Gläschen, sondern auch das tolle Fluss-Panorama genossen. Hinter der Abtei klettert die Altstadt die steilen Ufer der Dordogne hinauf und verliert sich in zahllose Gassen und gemütliche Plätze. Überall sind die hier so typischen Fachwerkhäuser anzutreffen: Dicke schwarze Balken und dazwischen kein Flechtwerk, sondern der massive und rötlich-gelb strahlende Sandstein der Region, schräg geschichtet und in Form schmaler, fein bearbeiteter Ziegel. Auch Fachwerk kann richtig 'was hermachen'!
    Wer sich in all den Gassen verliert und sich orientieren will: Die Standbilder des Cyrano sind kaum zu übersehen!
    Das war ein schöner letzter Tag im Périgord, hier im Périgord pourpre.
    Morgen geht's nach Spanien!
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