• Spanische Grandeza: Burgos

    Sep 22–24, 2024 in Spain ⋅ ⛅ 13 °C

    Sehenswerte Fahrten sind kurzweilig. Die Fahrt hierher nach Burgos war kurzweilig! Zunächst ging es entlang der steilen und felsigen Atlantikküste weiter nach Westen, dann vorbei an der baskischen Hauptstadt Vitoria-Gasteiz und vorbei an der Rioja hinauf auf die kastilische Hochebene. Burgos liegt knapp 900 Meter hoch. Die landwirtschaftlich sehr ertragreiche Hochebene, die Burgos umgibt, ist gesäumt von oft felsigen Bergen, die bei der Passage eindrucksvolle Panoramen bieten.
    Burgos ist die Keimzelle der spanischen Nation und Heimatstadt des spanischen Nationalhelden El Cid. Sie war Hauptstadt der kastilischen Königin Isabella I., die mit ihrem Mann Ferdinand, König des eher kleinen Aragon, die Mauren endgültig besiegte und Ende des 15. Jhdt. aus Granada vertrieb. Diese historische Bedeutung spürt man von Anfang an, wenn man die Stadt betritt: Den Eingang zur Altstadt markiert der Arco de Santa Maria, und, kaum hat man ihn durchschritten, steht man vor der gewaltigen Kathedrale, eine der Prachtvollsten weltweit. Dann die herrlichen Plätze wie die Plaza Mayor, aber dann auch und vor allem die Burgoleses, wie sich die Einwohner der Stadt selbst nennen. Am Sonntag promenieren die Burgoleses durch ihre Parks, ihre Gassen und über ihre Plätze. Vom Campingplatz führt ein ca. fünf Kilometer langer Radweg fast ausschließlich durch eine für Spanien erstaunlich grüne Parkanlage und längs des Rio Arlanzón zum Arco, dem ältesten Stadttor von Burgos. Der Burgolese und die Burgolesin sind stilsicher gekleidet. Das gilt auch für die Kinder, selbst wenn sie mit Ball und anderem Spielgerät auf der Plaza herumtollen. Diese Bürger von Burgos wollen tatsächlich, so Monikas und mein Eindruck, Grandeza zeigen. Allerdings flaniert man nicht nur. Man isst auch stattlich zu Mittag, mal in einem der vielen guten Restaurants (eine hiesige Spezialität scheint gebackenes Lamm zu sein), mal in den Pintcho-Bars. Hier wird die kleine typische Mahlzeit nicht mehr wie im Baskenland 'Pintxo' geschrieben. Die Kastilier sind als Begründer der ja durchaus nicht unumstrittenen spanischen Nation überzeugte Zentralspanier und keine Rebellen. Wir haben auf der Plaza Mayor in der untergehenden Sonne gesessen und haben dieses Schaupiel genossen. Genossen haben wir auch die Musik. Ab 18 Uhr spielte eine achtköpfige Band auf großer Bühne auf der Plaza Mayor groß auf, während wir unseren Kaffee und die abendliche Wärme der letzten Sonnenstrahlen genossen. Eine spanische Redensart lautet : Der Sommer in Burgos dauert vom Tag des heiligen Jakobus bis zum Tag der heiligen Ana, und das wäre exakt vom 25. Juli bis zum 26. Juli. Wahrscheinlich ist das ein Spruch der Südspanier, aber er hat einen Kern Wahrheit. Schon jetzt sinken die Temperaturen selbst in dieser südlichen Region des Nachts auf bis zu sieben Grad und Monika packt alle verfügbaren Decken um sich. In einer richtig guten, uralt- traditionellen Pintcho-Bar, gegründet 1813, haben wir ein paar leckere Kleinigkeiten aufgetan, begleitet von einem der sehr guten Rotweine Spaniens aus dem Ribera del Duero, einem Condado de Haza, das Glas für 'stattliche' 3,20 Euro. Nach den Spezialitäten in Frankreich und nun den hiesigen verstärkt sich mein Gefühl: Wir werden in Deutschland von vielen mittelmäßigen Gastronomen finanziell 'über den Tisch' gezogen. Das ist hier qualitativ, vom Service und den Preisen eine andere Welt!
    Morgen lockt etwas Kulturprogramm, u.a. die Kathedrale Santa Ana.
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