• Atlantische Waschküche

    October 3, 2024 in Portugal ⋅ ☁️ 18 °C

    Gestern haben wir bei ersten Regentropfen Salamanca verlassen. Die Fahrt Richtung Portugal ließ sich zunächst trocken an. Auf der weiten Hochebene um Salamanca reihten sich die uns aus Niedersachsen so vertrauten Schweineställe mit ihren Futtersilos und den typischen niedrigen und geduckten Stallgebäuden. Manche von ihnen besaßen derartig industrielle Ausmaße, dass das 'Geruchs-Klima' über Minuten selbst im Auto 'verdorben' war. Die Schweinezucht, die inzwischen dank immenser ökologisch-politischer Auflagen aus Deutschland vertrieben wird, hat hier eine neue Heimat gefunden. Wie beim Strom ist Deutschland inzwischen auch Netto-Importeur von Schweinen. Die werden hier, ganz anders als in Niedersachsen, fast gänzlich ohne Tierschutz-Auflagen 'produziert'. Manche dieser Anlagen sind durch hohe Zäune und Flutlicht-Masten vor unerwünschten Besuchern geschützt. Von den so gerühmten, frei laufenden spanischen Pata-Negra-Sauen, die den ebenso teuren wie berühmten spanischen Bellota liefern, war auf der gesamten Strecke keine Spur.
    Bereits kurz vor der portugiesischen Grenze setzte Regen ein, der sich alsbald in eine Art Dauer-Wolkenbruch wandelte. Von den Panoramen, die das mächtige Gebirge und die zahlreichen tielfen Flusstäler üblicher Weise bieten, sahen wir nichts. Die Fahrt glich einer Achterbahn, steile Anstiege, steile Abfahrten, stets kurvig. Das alles als Endlos-Schleife, die erst kurz vor der Atlantikküste endete. Auch dort schüttete es aus Eimern. Auf unserem Camping- Platz 'Salgueiros' stand das Wasser knöcheltief.
    Am Abend sind wir noch zu einem kleinen Imbiss ins 'Aqua', ein schönes direkt am Strand gelegenes Restaurant. Aber insgesamt grauer Strand, graues Meer, grauer Nebel!
    Zum Abschluss des Tages ein leckeres Essen hinter Glas, aber direkt am Wasser. Der an sich herrliche Blick auf den Atlantik fiel aus, auch für den ganzen Tag heute. Dieser Nebel und Dauer-Niesel drücken schon ein wenig auf die Stimmung!
    Dennoch sind wir in einer Art Niesel-Pause mit dem Rad die paar Kilometer auf dem Küsten-Radweg nach Vila Nova de Gaia gefahren. Das gewohnte bunte Treiben am Strand und auf der Promenade des Städtchens fand heute nicht statt. Die Tische der kleinen Straßenrestaurants blieben verwaist. Der ansonsten herrliche Blick auf das jenseits des Douro an den Klippen klebende Porto war grau unterlegt.
    Porto und Vila Nova sind und bleiben, trotz der sehr regen und z.T. luxuriösen Bautätigkeit in Fluss- und Meer-Nähe, Städte der Gegensätze. Einerseits Villen und Appartments, die ab mindestens 500 000 Euro zu erwerben sind. Andererseits gibt es öffentliche Waschstellen und öffentliche Trockenplätze für die Wäsche all derer, die weder über Waschmaschinen noch Platz zum Trocknen verfügen.
    Auf unserem Campingplatz teilen sich die Camper ihre Plätze mit einheimischen 'Residenten', die hier in einfachen und einfachsten Zelt-Unterkünften leben.
    Was also tun bei diesem Wetter? Wir flohen ins Innere der Portweinproduktion. Am Abend zuvor hatte uns ein Einheimischer die recht unbekannte Porto-Quinta 'Cockburn's' empfohlen. Sie liegt nicht unten am Douro-Ufer, sondern steil bergauf etwas versteckt im Innern von Vila Nova. Die Anfahrt per Rad war schon eine kleine Herausforderung. Ein altes Gemäuer, von außen betrachtet wenig einladend, aber drinnen kein Regen.Es gab mit uns sechs weitere Menschen, die in den Genuss einer geführten Besichtigung dieser Portwein-Kellerei kamen. Eine charmante junge Frau führte uns durch die uralten Keller, vorbei an uralten Fässern, an Barriques, an Fudern mit 1000 Liter Fassungsvermögen bis hin zu riesigen Gebinden von bis zu 10 000 Litern. In einem dieser Fässer lagerten noch 8 300 Liter einer Colheita von 1935.
    Zu besichtigen war auch die alte Fass-Macherei, in der Cockburn's seine Fässer noch selbst 'renoviert'. Sie werden in die einzelnen Fassdauben zerlegt, diese werden befeuchtet, innen abgeschliffen und dann wieder neu zusammengesetzt. Sehenswert!
    Das gesamte Kellergewölbe ist uralt. Es stammt, wie die gesamte Firma aus 1825, Wände und Decken oft von schwarzem (erwünschten) Schimmel überzogen, der das Keller-Klima auf natürliche Weise reguliert. Zum Abschluss ein Flaschenlager, in dem die uralten Schätze, z.B. Jahrgangsport aus 1870, gelagert sind.
    Die abschließende Portweinprobe wird, ebenso wie die Besichtigung, in Erinnerung bleiben. Ein toller 'fine white Port' mit toller Frische und Säure, ein Ruby 'Cockburn's Special Reserve' tiefrot und mit viel Frucht und dann ein gealterter Tawny, blass orangerot mit Walnuss- Noten, Vanille und schön oxydiert. Wir haben für die Daheimgebliebenen und für uns einiges mitgenommen.
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