• Guido Luterbach
  • Guido Luterbach

Luzern Rom auf dem Pilgerweg

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  • Roppolo

    May 9, 2025 in Italy ⋅ ☁️ 16 °C

    Beim Aufstehen regnet es noch kräftig, doch kaum sind wir draussen, lässt der Regen nach, und bis zum Mittag bricht sogar die Sonne durch die Wolken – mal wieder Glück gehabt.
    Das Frühstück nehmen wir heute in einer kleinen Bar in Ivrea ein. Danach führt uns der Weg aus der Stadt heraus, durch die Vororte und aufs Land. Während es in der Stadt noch Bürgersteige gibt, fehlen diese bald, und der Autoverkehr dominiert. Auf den Landwegen erwartet uns ein echtes Hindernislaufen zwischen Pfützen, um nicht völlig durchnässt zu werden.
    Am kleinen Lago di Campagna werden wir von hungrigen Mücken belagert – stehen bleiben unmöglich, selbst im Gesicht setzen sie sich fest. Also schnell weiter!
    Viele kleine Dörfer liegen auf unserem Weg, meist geprägt von Asphaltstrassen, jeweils mit zwei bis drei geschlossenen Kirchen, teils bewohnten, teils verlassenen Häusern und Ruinen. Überall Zäune, schwere Schlösser und „Vorsicht Hund“-Schilder prägen das Bild. Menschen sieht man kaum, und wenn, dann selten junge.
    In Roppolo sind wir etwas früh am Ziel und warten in der Sonne auf dem Dorfplatz auf die Zeit zum Zimmerbezug. Dort kommt Toni aus Stuttgart dazu, ein Pilgerwanderer wie wir.
    Unser Gastgeber im B&B ist ein besonderer Typ – intellektuell und musisch, und das Zimmer ist gross und aussergewöhnlich: eine leicht gewölbte, grau getönte Decke mit Malereien, antike, aber stilvolle Möbel.
    Die Unterkunftssuche für morgen Abend gestaltet sich schon wieder schwierig und zeitaufwändig, da im nächsten Ort ein Treffen der Alpini stattfindet. Hoffen wir, dass das nicht zur Dauer-Nervensache wird.
    Als Ausgleich genießen wir in der ortsansässigen Trattoria ein gutes Essen mit einem hauseigenen Barolo – ein schöner Abschluss des Tages.
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  • Santhià

    May 10, 2025 in Italy ⋅ ☁️ 16 °C

    Unsere Gastgeber haben uns heute ein Frühstück bereitet, das seinesgleichen sucht – alles, was man sich wünschen kann, stand auf dem Tisch. Nach einem herzlichen Abschied verliessen wir Roppolo und wanderten über das Castello in Richtung Cavaglià. Das Städtchen erreichten wir schnell, ebenso eine Bar für den obligatorischen Espresso und den Pilgerstempel.
    Weiter ging es Richtung Santhià. Nun sind wir endgültig im Flachland der Poebene angekommen. Kein Hügel ist mehr zu sehen, stattdessen prägt Ackerbau das Bild. Erste Reisfelder tauchen am Wegrand auf, doch häufig liegt das Land noch brach – was sich mit zunehmender Nähe zu Santhià ändert: Reis-, Mais- und Weizenfelder soweit das Auge reicht, nur vereinzelt durch kleine Hecken unterbrochen. Der Boden wirkt sehr steinig, fast wie ein loses Kiesbett, was erstaunt, da die Pflanzen dennoch gut gedeihen.
    Unsere Route führte uns über Landstrassen und Feldwege, durch kleine, oft lieblos wirkende Siedlungen und abgelegene Bauernhöfe. Überall lagern ungenutzte Gegenstände vor den Höfen, verrostet oder verrottet, ein Zeichen von Vernachlässigung.
    Kurz nach Mittag erreichten wir Santhià – eine kurze Etappe, denn bis zum nächsten Ort mit Unterkünften wären noch zusätzliche 29 Kilometer zu bewältigen gewesen.
    Mario vom Ostello hatte gestern für uns auf einem Hof ein Zimmer vorreserviert. Wegen des Festes der Alpini ist hier alles ausgebucht, doch von dem Fest merkt man kaum etwas – Filzhutträger sind selten, nur Landesflaggen wehen überall.
    Am Hof angekommen wird klar: Das Leben hier ist sehr einfach. Wir teilen uns ein Vierbettzimmer mit einer Taiwanesin, die Sanitäranlagen sind wenig einladend. Für eine Nacht wird es reichen, wir arrangieren uns mit der Situation.
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  • Vercelli

    May 11, 2025 in Italy ⋅ ⛅ 21 °C

    Gestern sind wir extra sehr früh ins Bett gegangen, um am Morgen zeitig aufzustehen. Vor uns liegen 29 km durch die Weiten der unbeschatteten Po-Ebene. Unsere Zimmergenossin, die Taiwanesin, hat uns in der Nacht mit ihrem Schnarchen keine erholsame Ruhe gegönnt, sodass wir wohl weniger erholt waren, als wir wollten. Nach einem kurzen, improvisierten Frühstück ging es schon knapp nach 7 Uhr los. Wir wanderten über Feldstrassen, viele Reisfelddämme, Bewirtschaftungswege und entlang von Bewässerungskanälen.
    Es ist wie ein Weglabyrinth: zwei Felder vor, vier seitlich, diagonal nach vorne, wieder drei seitlich, um schliesslich vier Felder weiterzukommen. Von der schnurgeraden Hauptstrasse zur schnurgeraden Bahnlinie, über die Überführungen dieser und wieder zurück. Viele Umwege über Höfe, da die grösseren Kanäle keine Brücken haben. Auf der Strasse wären es von Santhià nach Vercelli 21 km, wir sind also das 1,5-Fache gelaufen.
    Im einzigen Dorf auf der Route, San Germano, haben wir doch noch eine offene Bar gefunden – fast ein Wunder, denn das Dorf war totenstill. Auf dem Land sieht man außer Vögeln, Bisamratten und Feldhasen kaum Tiere und schon gar keine Menschen (wohl dem Sonntag geschuldet?). Aus jedem Kanal hört man das Quaken, aber man sieht die Frösche kaum, nur wenn man sich dem Gequake nähert, hört man ein Platschen.
    Von weitem sieht man dann endlich die Zielstadt Vercelli und denkt, es ist nicht mehr weit. Aber es zieht sich hin in diesem Labyrinth. Am Stadtrand freut man sich, angekommen zu sein, doch es geht nochmals auf einer schnurgeraden Strasse 2 bis 3 km bis ins Zentrum der Altstadt weiter.
    Wir trinken noch einen Eistee in der Altstadt und gehen dann zu unserem 100 m² grossen Appartement, wo wir herzlich empfangen werden. Als erstes kommt die ganze gebrauchte Wäsche in die Waschmaschine und wir unter die Dusche.
    Die anschliessende Altstadtbesichtigung zeigt ein ruhiges, beschauliches, reizvolles und schönes Städtchen mit vielen Kirchen und sogar einer Synagoge. Die Leute sitzen in der Sonne auf dem großen Platz, geniessen das Restaurant und unterhalten sich.
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  • Nicorvo

    May 12, 2025 in Italy ⋅ ☁️ 21 °C

    Heute stehen wir wieder etwas früher auf. Den Espresso und das Croissant haben wir in einer Bar auf dem Hauptplatz eingenommen. Bald verlassen wir die Stadt, und ein scheinbar endloser Wasserschutzdamm erwartet uns. Auf dem Damm geht es gefühlt ewig weiter bis nach Palestro. Im Dorf treffen wir lediglich eine Frau mit zwei Kindern und eine Dreiergruppe schwatzender Frauen, ansonsten herrscht Stille, und alles ist – wie so oft – geschlossen. Wir hoffen auf einen offenen Laden für die Zwischenverpflegung, doch auch dieser wurde wohl wegen zu geringer Frequentierung zugemacht. Also raus aus dem Dorf und weiter über Feldwege, vorbei an wenigen Bauern auf großen Traktoren. Sie schenken uns kaum Beachtung, die Feldarbeit ist wichtiger.
    Auffällig ist, dass wir außer Krähen und vereinzelten Froschlauten kaum andere Tiere sehen oder hören. Heute ist es wärmer, und der Himmel ist klar. Über die spärlichen, Schatten spendenden Bäume waren wir froh.
    In Robbio angekommen, suchen wir schnellstmöglich eine Bar. Wir sind durstig und etwas hungrig. Wir bestellen 2 Espresso, 2 Cola und ein Gebäck und staunen nicht schlecht über den Preis – 5 Euro!
    Gestärkt machen wir uns an die letzten 7 km nach Nicorvo, da der Barbesitzer uns noch drei Croissants gratis eingepackt hat. Er schloss wohl nach uns die Bar.
    Nicorvo ist ein kleines Nest, aber in der Umgebung gibt es weit und breit keine weiteren Unterkünfte. Wir finden eine private Lösung im Casa Stella. Blöd nur, dass das Ospitale (die Gratisunterkunft) denselben Namen trägt. Prompt landen wir zuerst im falschen Haus. Uns verwundert die Ausstattung und die Tafel „Sie leben von Spenden“, und wir hatten doch 70 Euro vorbezahlt! Als wir das bemerkten, wechseln wir sofort zur richtigen Adresse und werden – ach Schreck – von drei teilweise bellenden Hunden begrüsst.
    Die Appartementvermieterin ist sehr freundlich und wird zum Glück für uns das Abendessen kochen, denn im Dorf gibt es heute keine weiteren Verpflegungsmöglichkeiten.
    Beim Apéro in der Dorfbar beobachten wir, dass die Männer in der Bar sind, während die Frauen wohl in der Maiandacht in der Kirche sitzen. Sobald die Frauen zurückkommen, steigen die Männer ins Auto.
    Heute sind wir in der Lombardei angekommen.
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