• Guido Luterbach
  • Guido Luterbach

Luzern Rom auf dem Pilgerweg

Via Francigena Baca lagi
  • Verrès

    6 Mei 2025, Itali ⋅ ☁️ 16 °C

    Dass wir im Hotelzimmer überhaupt gut geschlafen haben, grenzt an ein Wunder: Es war komplett überheizt und lag direkt an einer stark befahrenen Strasse.
    Nach einem reichhaltigen Frühstück – die Hälfte des Buffets war mit Süssem bestückt – gehen wir heute etwas später los. Kein Problem, denn rund fünf Kilometer der heutigen Etappe haben wir gestern bereits vorgewandert. Es geht auf derselben Hangseite wie am Vortag weiter – durch Eichenwälder, auf Wegen, die Bergwanderwegen gleichen, und über Wiesenpfade. Zum Glück ist das Gras über Nacht abgetrocknet, sodass wir heute trocken unterwegs sind.
    Das Wetter bleibt stabil. Es fallen nur ein paar Regentropfen, später reißen die Wolken auf, und es zeigen sich immer mehr sonnige Abschnitte.
    Wieder sehen wir Schloss- und Burgruinen, viele Heiligenschreine und an einer Stelle sehr alte Karrenspuren im Felsen. Hundegebell gehört in jedem Dorf dazu – für die Einheimischen offenbar normal. Zum Glück sind die Hunde meist hinter Zäunen oder Balkongeländern, aber wenn plötzlich einer hinter einer Hecke losschlägt, ist der Schreckmoment garantiert.
    Auf dem letzten Drittel der Strecke wird es nochmals anspruchsvoll: Zweimal geht es steil bergauf – und entsprechend steil wieder hinunter. Teilweise über rutschige Steine oder über gepflasterte Rampen, wie sie für die Bewirtschaftung der Hänge genutzt werden. Man fragt sich, wie sie da überhaupt hochkommen.
    Auffallend heute: die vielen kitschigen Heiligenschreine, christliche Wandmalereien an Hauswänden und vor allem die Kreuze – sie sind allgegenwärtig, selbst auf Kaminen montiert.
    Schliesslich erreichen wir Verrès. Für einen Espresso bleibt Zeit – und überraschend treffen wir im Café auf Henry, der noch weiterwandern will und sich mit dem Café-Stempel begnügt. Danach holen wir in der Apotheke den offiziellen Pilgerstempel.
    Pünktlich treffen wir beim Appartement ein, wo uns die Vermieterin bereits erwartet. Später bummeln wir nochmals durch den Ort, besichtigen die Kirche und kaufen im Supermarkt fürs Abendessen und Frühstück ein.
    Ein gemütlicher Abend ist geplant – zur Feier des Geburtstages von Karin: Schnapszahl 66.
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  • Carema

    7 Mei 2025, Itali ⋅ 🌧 13 °C

    Beim Aufstehen hören wir heute Morgen den Regen. Wir hoffen, dass er bis zum Ende des Frühstücks nachlässt – und tatsächlich wird es etwas besser. Mit leichtem Nieselregen starten wir unseren Weg Richtung Carema. Die heutige Strecke verläuft bis auf wenige Ausnahmen auf der Talsohle, durch Dörfer und entlang des Flusses Dora Baltea.
    Auf den unbefestigten Wegen gilt es, Pfützen geschickt zu umgehen. Manchmal tasten wir uns an den Zäunen entlang, um keinen Schuh voller Wasser zu bekommen. Schon von weitem sehen wir das mächtige Forte di Bard. Am Fuss des Hügels in Hôhn gönnen wir uns einen Espresso.
    Über eine alte Bogenbrücke gelangen wir ins Dorf Bard und stehen beeindruckt vor der Festung. Über eine schmale Gasse steigen wir zur Kirche hinauf, wo wir Antoine treffen, einen 77-jährigen Pilger aus Holland, der in Aosta gestartet ist.
    Eine asphaltierte Steilstrasse führt uns wieder hinunter, wo wir auf eine in den Felsen gehauene Römerstrasse mit alter Zollstelle treffen. Der Felsen ist glatt abgeschliffen, und die Strasse weist tiefe Karrenspuren auf. Durch das anschliessende Dorf Donnas führt eine stille, unbelebt wirkende Gasse – man hört und sieht kaum etwas.
    Weiter geht es auf einer langen, geraden Strecke entlang der Via Roma nach Pont Saint Martin. Wir überqueren die alte Bogenbrücke und gönnen uns einen Espresso in einer Bar – immer eine gute Wahl!
    Der Weg zu unserer Wohnung in Carema ist nicht mehr weit, doch es geht nochmals über eine steile Naturtreppe, den sogenannten Geissenweg, hinauf und wieder hinunter.
    Angekommen in der Wohnung sind wir begeistert: Für alles ist gesorgt. Das Frühstück wurde von den Eigentümern eingekauft und bereitgestellt, sogar Süssigkeiten liegen auf dem Tisch. Das tröstet Karin über die heute Morgen in Verrès vergessene Schokolade hinweg.
    Die Essensfrage am Abend wird zum kleinen Dilemma: Entweder laufen wir nochmals vier Kilometer, um ein geöffnetes Restaurant zu finden – oder wir gehen in das einzige offene Lokal im Dorf, eine Gelateria. Die Entscheidung fällt schnell: Gelateria. Und tatsächlich haben wir Glück – es gibt Sandwiches und ein Glas Wein. Wir sind fast satt, der Abend ist gerettet.
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  • Ivrea

    8 Mei 2025, Itali ⋅ ☁️ 17 °C

    Nach einer langen, erholsamen Nacht starten wir bei Sonne, aber kühlen Temperaturen in den Tag. Wir sind bereits im Piemont angekommen, die umliegenden Berg- und Hügelflanken werden niedriger und das Tal öffnet sich. Der Weg verläuft leicht auf und ab, ist aber sehr abwechslungsreich: kurze Abschnitte entlang einer stark befahrenen Hauptstrasse wechseln sich ab mit wenig befahrenen Dorfstrassen, gepflasterten Nebenwegen mit Rundsteinen, Waldpfaden und schmalen, kanalartigen Durchgängen zwischen den Rebbergen.
    In Cesnola begegnen wir einer militärisch gekleideten Freizeittruppe mit zwei Maultieren. Die Gruppe wirkt ausgelassen und scheint bereits etwas intus zu haben. Zur Begrüssung offerieren sie uns einige mit Limoncello getränkte Biscuits.
    Fast alle Kirchen und Kapellen auf unserer Strecke sind heute geschlossen, ebenso die wenigen Dorfbeizen und Bars. In Borgofranco d'Ivrea entdecken wir einen einfachen Dorfladen mit integrierter Bar. Die Einheimischen geniessen hier nach dem Einkauf noch einen Espresso und tauschen Neuigkeiten aus. Neben dem obligatorischen Espresso gibt es heute auch selbstgebackenen Apfelkuchen – und das alles für 7 Euro (Wähe 2,50 Euro, Espresso 1 Euro). Über diese Preise staunen wir immer wieder.
    Kurz vor Ivrea führt der Weg an zwei kleinen Seen vorbei, die offenbar als Naherholungsgebiet der Städter dienen. Dennoch sind die Zugänge zu den Seen nur an wenigen Stellen möglich.
    Unsere Unterkunft in Ivrea entspricht nicht ganz unseren Erwartungen, wie wir sie bei der Buchung noch hatten. Deshalb zieht es uns bald wieder hinaus zur Stadtbesichtigung und Stempelsuche.
    Nach dem Besuch des Castello steigen wir hinab zur langen Einkaufsstrasse. Nach einem Espresso zieht es uns weiter zum rauschenden Fluss, der in Kaskaden über eine lange Felsenschwelle stürzt. Kanuten haben einen Bereich der Flusstreppe als Übungsstrecke hergerichtet und paddeln wild durch den gesteckten Torparcours.
    Für das Abendessen bleibt uns nur ein kurzer Weg ums Eck – bei starkem Regen. Die Suche nach einer Unterkunft für morgen hat viel Zeit in Anspruch genommen. Die Küche hier ist preiswert und schmeckt ausgezeichnet. Die Käseplatte als Vorspeise ist ein echtes Highlight.
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