• Altopascio

    30 maja 2025, Włochy ⋅ ⛅ 28 °C

    Am Morgen um 7.00 Uhr ist Lucca erfreulich leer. Nur vereinzelte Personen streben zur Arbeit. Beim Café am Stadttor trinken einige wohl kurz vor Arbeitsbeginn noch ihren Cappuccino und ein suesses Stück. Es herrscht Hochbetrieb. Auch wir halten kurz an und genehmigen uns einen Espresso und ein Croissant – unser heutiges Frühstück.
    Sobald man 500 Meter aus der Stadt ist, trifft man auf das „richtige“ Italien. Das ist uns schon mehrfach bei touristischen Städten aufgefallen. Heute gibt es nur Strassen und Häuser. Man kommt von der Stadt nahtlos in die Vorstadt, dann in die Vororte, in Einfamilienhaussiedlungen, ins nächste Dorf und in die Industriezone. Man sieht kaum etwas, das das Auge erfreuen könnte.
    Nahezu die einzigen Steigungen, die heute zu bewältigen sind, sind das Auf und Ab auf dem Trottoir, wenn bei einer Einfahrt der Randstein aufhört oder abgesenkt ist.
    Unerfreulich – es gilt einfach, die Etappe so rasch wie möglich hinter sich zu bringen. Auch die Wärme macht zu schaffen, denn wir laufen nahezu immer in der Sonne. Auf den Strassen gibt es nur sehr wenige Schattenspender. Bereits um 12.00 Uhr sind wir am Ziel in Altopascio. Das Hotelzimmer ist bereits bezugsbereit, und wir können endlich die Füsse hochlegen.
    Wir hoffen, dass es in den kommenden Etappen bald anders wird – weniger Strassen, dafür mehr Waldwege wären wünschenswert.
    Da es in Altopascio bis auf die Kirche nichts zu sehen gibt, entschliessen wir uns, unter einem Arkadendurchgang mit einem lauen Lüftchen ein spätes Mittagessen zu nehmen. Die Küche hat wegen uns extra länger gearbeitet. Es gibt je einen Teller feine Spaghetti.
    Nach einem kleinen Dorfrundgang – wir warten noch auf die Öffnung des Lebensmittelladens für Wasser und Kleinigkeiten – geht es schnellstmöglich zurück ins kühlere Hotelzimmer.
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  • San Miniato

    31 maja 2025, Włochy ⋅ ☀️ 30 °C

    Vor uns liegt mit 29 km und der erwarteten Wärme eine lange Etappe. Also gilt: je früher raus, umso besser. Am Morgen geht es im Halbstundentakt – 06.00 Uhr aufstehen, 06.30 Uhr Frühstück, 07.00 Uhr Abmarsch. Die erste Hälfte der Etappe lässt sich bei den noch kühlen Temperaturen und den schattigen Waldwegen gut angehen.
    Heute wandern wir vor Galleno wieder einmal auf einem sehr alten, gepflasterten Handelsweg. Er ist sehr breit, mehrere hundert Meter lang und gut erhalten. In Galleno machen wir einen kurzen Kaffeehalt, dann geht es weiter in Richtung Ponte a Cappiano.
    Ab dort wird es richtig warm. Wir wandern über einen Bachdamm in der prallen Sonne bis Fucecchio, wo wir uns im ersten Restaurant eine kühle Cola und ein Sandwich genehmigen – und unsere Füsse etwas auskühlen.
    Der restliche Weg nach San Miniato – noch 10 km – zieht sich weiter durch die Sonne, teilweise durch hüfthohes Gras und auf asphaltierten Wegen.
    Der krönende Abschluss der heutigen Etappe ist der letzte steile Anstieg hoch zum Städtchen San Miniato. Wir sind froh, endlich angekommen zu sein und uns im Appartement frisch machen zu können.
    Bald zieht es uns aber wieder raus – es gibt im Dorf noch einiges zu sehen. Die Kathedrale ist sehr pompös ausgestattet. Auffällig sind die golden gestrichenen Deckenfriese. Auch die anderen, von aussen unscheinbaren Kirchen sind reich verziert und mit mächtigen Bildern ausgestattet.
    Laut Infotafeln waren hier einst deutsche Kaiser zugegen, und San Miniato war ihre Finanzhauptstadt. Hier wurden die Steuereinnahmen der Toscana verwaltet.
    Den Turm „Rocca di Federico II“ haben wir ebenfalls bestiegen und oben die Aussicht genossen. Abschliessend haben wir auf unsere Leistung mit einem Glas Weisswein angestossen und uns auf die Suche nach einem Laden für Wasser und Frühstück gemacht – weit gefehlt: Einen Lebensmittelladen gibt es hier oben nicht, die befinden sich nur unten im Tal.
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  • Gambassi Terme

    1 czerwca 2025, Włochy ⋅ ☀️ 25 °C

    Schon um 6.30 Uhr verlassen wir ohne Frühstück das Appartement. Wir hoffen, dass am Sonntag um diese Zeit eine Bar offen hat – auf dem ganzen Weg gibt es kein Dorf und somit auch keine Einkehrmöglichkeit. Wir haben Glück: Nach einem Espresso mit Croissant können wir losgehen. Die Sonne steht noch tief, es ist neblig und dunstig. Da die ersten Kilometer auf Asphalt verlaufen, ist das ganz angenehm.
    Später laufen wir über Kieswege den Hügelkämmen entlang, im stetigen Auf und Ab, dabei aber immer etwa auf gleicher Höhe. Anfangs sorgt der Schatten der Bäume für angenehme Kühle, je näher wir jedoch unserem heutigen Ziel Gambassi Terme kommen, umso spärlicher wird der Baumwuchs – und so fehlt uns auch der erhoffte Schatten.
    Die Landschaft verändert sich merklich. Zu Beginn sind die Hügel noch teilweise bewaldet, später dominieren kahle Felder und Grashügel. Um die weit verstreuten Höfe liegen kleine Rebberge und Olivenhaine. Vielfach säumen die Olivenbäume im Spalier unseren Weg, dahinter die Reben. Leider sind die Olivenbäume eher kleinwüchsig und spenden kaum Schatten.
    Die letzten fünf Kilometer steigen zum Dorf hin an, grösstenteils auf einem schmalen Trampelpfad neben der stark befahrenen Hauptstrasse – ein schweisstreibender Anstieg.
    Auf der Piazza haben wir uns unter der grossen Linde zu den vielen Gästen der Dorfbeiz gesellt. Wir bestellen eine kleine Pizzaschnitte und trinken eine kühle Cola dazu. Die Italiener treffen sich hier zum Sonntagsapéro, palavern im grossen Kreis und hätscheln die Bambini.
    Da wir den Schlüssel fürs Appartement erst um 14.30 Uhr bekommen, verbringen wir die Zeit noch im Dorfpark. Angekommen in der Unterkunft am Dorfrand, heisst es aber gleich wieder zurück ins Dorf – Einchecken. Also gehe ich nochmals zurück, während Karin in der Zwischenzeit unsere Rucksäcke hütet. Es ärgert einen schon etwas – man geht wohl davon aus, dass jeder ein Auto dabei hat.
    Die Dorfbesichtigung gibt leider nicht viel her. Ausser Heilbädern für Entzündungen, Asthma usw. gibt es kaum etwas Sehenswertes, nicht einmal die Kirche direkt im Ort. Da es Sonntag ist, bleibt auch alles geschlossen – einkaufen unmöglich.
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  • San Gimignano

    2 czerwca 2025, Włochy ⋅ ☁️ 28 °C

    Trotzdem wir heute nur eine kurze Etappe vor uns haben – zwar mit zwei grösseren Auf- und Abstiegen – stehen wir früh auf. Die Mittagshitze ist nicht zu unterschätzen. Mit einem kleinen Frühstück in der Bar starten wir unsere Wanderung. Obwohl es erst 07.00 Uhr ist, ist die Temperatur bereits spürbar höher als am Vortag.
    Über Kiesstrassen, teilweise fast sandige Wege, geht es in Richtung Pancole – dort machen wir den nächsten kurzen Espressohalt. Ausser Weingütern, vereinzelten Häusern, zwei Kirchen und vermehrt auftauchenden Pilgern gibt es auf dieser Strecke nicht viel – ausser der Landschaft. Diese ist gegenüber gestern wieder grüner und etwas schattiger. Heute durchschreiten wir auch die erste kurze Zypressenallee.
    Zwischen Pancole und San Gimignano liegt eine schöne, romanische und angenehm schlichte Kirche – ganz ohne Pomp und Tand. Sie ist wohltuend ruhig und kühl.
    Vor San Gimignano, wie könnte es anders sein, verläuft unser Weg auf einem Trampelpfad neben der Strasse oder direkt auf der Hauptstrasse. Kaum im Städtchen angekommen, ist es mit den vielen Touristen sehr eng. Wir sind bereits um 10.30 Uhr vor Ort und müssen mit dem Appartementbezug bis 12.00 Uhr warten. Eine Stadtbesichtigung mit schwerem Rucksack macht keinen Spass, also trinken wir eine Cola und holen uns den Pilgerstempel.
    Nach dem Bezug der Wohnung und einem kurzen Nickerchen besichtigen wir die Basilika. Der erste Kirchenbesuch, für den Eintritt verlangt wird – hier gibt es nichts gratis. Die Touristen werden überall geschröpft.
    Es wimmelt von Menschen aus aller Herren Länder – man ist fast froh, wenn man wieder gehen kann.
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  • Ostello Contessa Ava dei Lambardi

    3 czerwca 2025, Włochy ⋅ ☀️ 28 °C

    Da es immer wärmer wird, stehen wir auch immer früher auf – heute bereits um 05.15 Uhr. Da Einkaufen in San Gimignano praktisch ein Ding der Unmöglichkeit ist, geht es nach dem Verzehr unseres Frühstücks – einem trockenen, nahezu salzlosen Brot mit etwas Käse – direkt los. Alle Bars hatten um diese Zeit leider noch geschlossen. Dafür gehört uns so früh am Morgen die Stadt: Plätze und Sehenswürdigkeiten von San Gimignano ganz ohne Touristen – ein seltener Anblick. Kurz nach dem Stadttor lohnt sich ein Blick zurück: Die berühmten Türme kommen in der Morgensonne besonders gut zur Geltung.
    Der Weg führt bald weg von der Strasse auf Wald- und Feldwege, noch angenehm im Schatten des tief stehenden Sonnenlichts. Wir durchqueren drei Wasserfurten – das heisst, hinunter zum Bach und wieder hinauf – bevor wir in Colle di Val d’Elsa ankommen. In der alten Oberstadt gönnen wir uns ein spätes Frühstück. Die Oberstadt wirkt mit ihren schmalen Gassen und den aneinandergereihten Häusern eher verschlafen. Unten in der Stadt ist mehr Leben zu spüren.
    Von dort aus geht der Weg hinunter zum Fluss Elsa und verläuft dann für eine ganze Weile an seinem Lauf entlang – ein richtiger Bilderbuchweg. Alles ist grün und schattig, fast wie ein Waldgürtel am Wasser. Der Weg ist sehr gut unterhalten. Mehrmals überqueren wir den Fluss und seine Zuflüsse über grosse Trittsteine, die mit Seilen zur Sicherung versehen sind.
    Ab Gracciano dell’Elsa geht es über Feldwege, dann über eine sehr staubige Kiesstrasse und schliesslich auf einem Waldpfad mit grossen Steinen und Felsbrocken weiter bis zu unserer Unterkunft. Sie liegt in Abbadia a Isola, kurz vor Monteriggioni. Es handelt sich um ein Ostello mit einem kleinen, angeschlossenen archäologischen Museum, das wir später noch besuchen.

    Pünktlich zur Bezugszeit um 14.00 Uhr treffen wir im Ostello Contessa Ava dei Lombardi ein.
    Wir stellen immer wieder fest:
    Dass der eigentliche Pilgerweg an manchen Stellen gesperrt wird – meist wegen grosszügigerer "Touristenanlagen". Die Pilger werden dann stattdessen über Strassen oder Umwege geführt.
    Und dass man sich auf dem Land kaum verirren kann. Denn verlässt man den offiziellen Weg, steht man meist sehr bald vor einem Zauntor mit der Aufschrift „Attenti al cane“ (Achtung Hund) – oder mindestens vor einem Schild mit dem deutlichen Hinweis: „Privato“.
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