• 18.11. Kyoto: Tempel, Wald, Teezeremonie

    November 18, 2025 in Japan ⋅ ⛅ 11 °C

    Ist schon nach 0 Uhr- ich schaffe höchstens noch paar Bilder und einen ganz schlichten Haiku- für gestern und heute passend
    Es herrscht Linksverkehr
    Radfahren in Kyoto ist
    Im Dunkeln schwierig.
    NACHTRAG - erst 2 Monate nach meiner Rückkehr vervollständigt:
    Ich war NICHT beim Inari-Tempel, weil zu spät aufgestanden. Bin mit "meinem" Fahrrad vom Hostel zunächst zum Heian-Schrein gefahren, zu dem eines der größten roten Torij Japans gehört. Das Hauptgebäude war in Baufolien gehüllt und der riesige kahle Schotter-Vorplatz war von diversen Schulklassen bevölkert. Ich konnte diesem Gelände leider GAR nichts abgewinnen. Außerdem hatte ich mangels Frühstück jetzt großen Kaffeedurst und kleinen Hunger- fand aber in den verschiedenen großen Läden auf dem Gelände nichts Trink- oder Essbares. Draußen gab es eine Art Straßen-Flohmarkt und dort - ganz am Ende - tatsächlich eine kleine, aber feine Kaffeequelle: eine komplette Kaffeeküche mit Bohnen verschiedener Stärke, elektrischer Mühle, Wasserkocher, Filter. Außerdem wurden zwei Sorten von kleinen selbstgebackenen Kuchen angeboten - alles untergebracht auf einem ganz normalen Lastenrad. Die junge Frau bereitete in aller Seelenruhe jede einzelne Tasse zu - mahlen, filtern, aufgießen, Becher, Milch? Zucker?... Ein wahrer SLOW-DRINK! Während der langen Zubereitungszeit kam ich mit der Rollifahrerin und ihrer Begleitung VOR mir sowie mit einer amerikanischen Touristin NACH mir in nette Gespräche. Kaffee und Minikuchen waren nicht billig, aber lecker. Die ruhige, zuvorkommende Betreiberin war so freundlich und ihre Tiny-Kaffeeküche so beeindruckend, dass alle Kundinnen die lange Wartezeit geduldig ertrugen. Danach gings per Rad weitereinem anderen, dem mir als besonders schön empfohlenen Nanzen-ji-Tempel aus dem 13. Jahrhundert gefahren, wo man mit einem Extraticket von innen auf das riesige Eingangstor hinaufsteigen konnte - nur in Strümpfen! - und eine schöne Aussicht hatte. Das sehr große Tempelgelände wurde von einem malerischen Aquädukt durchschnitten, unter dem sich alle Besucher fotografierten. Im Reiseführer hatte ich etwas von einer kurzen Wanderung direkt vom Nanzen-ji-Tempelgelände zu einem höhergelegenen Schrein gelesen. Also folgte ich den Schildern bergauf und landete schon nach wenigen Schritten ganz allein in einem sehr steilen Waldgelände, wo ich kaum noch den Weg erkennen konnte. Je weiter ich mich vom Tempelgelände entfernte, desto unheimlicher wurde es mir. Hier war KEINER - nur Bäume und recht wilde Wege in verschiedene Richtungen... Statt Wegweisern nur Schilder, die vor wilden Affen warnten. Irgendwann kam mir ein etwa gleichaltriger Engländer im Outdoor-Outfit entgegen, den ich nach dem Weg fragte. Er meinte, dass in ER in Japan noch nie Affen begegnet sei - es seien mehr Bären unterwegs... Er kam zwar von oben, hatte aber auch keine Ahnung, wo der besagte Schrein war. Wir unterhielten uns eine Weile sehr nett (er reist, lebt und jobbt immer wieder für einige Monate in verschiedenen Gegenden in Japan) bevor wir beide umdrehten - er zu seinem Auto und Freunden, ich zurück zu meinem Fahrrad. Ich wollte ja heute - letzte Gelegenheit! - endlich eine TEEZEREMONIE mitmachen. Die Elsässerin Anais, mit der ich abends durch den dunklen Nara-Park zurück zu unseren Hostels gelaufen bin, empfahl mir dafür NAGOMI, eine Ladenkette, die u.a. auch Kimono- Anproben als Touristenattraktion anbietet. Sie kannte die aus einer anderen Stadt, aber sie googelte und fand für mich den einzigen Nagomi-Laden in Kyoto: im vollsten und engsten Touristengässchen in Kyotos Altstadt. Als ich heute endlich dort ankam, war es schon fast 14.30 h und ich hatte nicht reserviert. Aber für mich als Einzelperson gab es dann doch noch ein Ticket für 16 Uhr. Neben mir saßen 4 junge Touristen, die in geliehenen Kimonos her gekommen waren. Ich hatte so die Gelegenheit mir einen echten Kimono genau anzuschauen. Besonders den auffälligen "Gurt", der so breit auf dem Rücken zusammenläuft, dass er eher wie ein flacher Rucksack wirkt. Die Brust wird dadurch vorne fast flach eingeschnürt. Ich getraute mich aber nicht, die junge Frau zu fragen, ob das nicht unangenehm ist. Die weißen "Socken" haben tatsächlich, wie ich vermutet hatte, einen Zeheneinschnitt für die traditionellen Zehen-Holzpantoffeln (siehe Bild) < Weil der Kimono auch am Knöchel noch recht eng ist und wegen der erhöhten Holz-"Flipflops" können die damit gekleideten Frauen und Mädchen nur kleine Trippelschritte machen. Genau so soll es ja sein... > Die anderen Teilnehmer waren meist Paare aus Europa. Zuerst sollte sich jeder eine Keramik-Teeschale aussuchen und vor sich hin stellen. Wir bekamen jede/r auch zwei kleine Kekse: einen extrem zuckerhaltigen in Form eines Ahornblattes und einen aus Reismehl. Eine mittelalte Japanerin leitete extrem "gut gelaunt" und deutlich artikuliert, aber mit starkem Akzent auf englisch die Veranstaltung. Nach diversen Erklärungen zur Herkunft und Bedeutung des grünen Tees und berühmten Teemeistern, demonstrierte sie Schritt für Schritt die Zubereitung von grünem Matcha-Tee. Jeder von uns 11 Teilnehmenden sollte sich nacheinander das Matchapulver nehmen, dann einzeln vor den heißen Wasserkessel knien und das heiße Wasser mit einer Holzkelle SEHR langsam und vorsichtig aus dem Kessel schöpfen und so in die Teeschale fließen lassen, dass das Plätschern deutlich hörbar war. Netterweise war die Französin neben mir bereit, mich dabei zu fotografieren. Nach jeder einzelnen Person jubelte die Leiterin begeistert und alle applaudierten. ;-) Dann musste jeder den Tee in seiner Schale mit einem Bambusbesen ebenfalls nach Vorschrift zwar locker aus dem Handgelenk, aber doch intensiv schaumig schlagen. Vor dem andächtigen Trinken wurden zunächst die beiden Kekse nacheinander achtsam und langsam verzehrt. Die an sich simple Zubereitung war so in winzige Teilschritte zerlegt und jeweils ausführlich kommentiert worden, dass die ganze Prozedur etwa eine Stunde dauerte. Somit der zweite SLOW-DRINK des Tages! Inzwischen war der Tee in der bowlartigen Teeschale lauwarm geworden und der Geschmack war eher gewöhnungsbedürftig für mich.... Trotzdem hat die ganze Aktion durchaus Spaß gemacht. Auf dem Heimweg beobachtete ich ein Fotografenteam, das ne pastos weiß geschminkte Kimonoträgerin vor einem Gartentor ablichtete - siehe Foto. Von der Haltung, Statur und von den Gesichtszügen wirkte sie auf mich sehr männlich. Ob es sich um einen Kabuki-Schauspieler handelte?
    Nun musste ich nicht nur zurück zum Hostel finden, um das Fahrrad gegen meinen Gepäcktrolley einzutauschen, sondern anschließend auch mit dem Bus und zu Fuß in eine weitere Unterkunft zu wechseln. Es kostete mich einiges Fragen und im Dunkeln Herumirren rund um und mehrfach DURCH den großen Bahnhof, um den RICHTIGEN Weg zum Piece-Hotel ausfindig zu machen - keine 400 m vom Bahnhof entfernt versteckt in einer engen Gasse. Das Hostel war modern und super ausgestattet mit einem schickem Gemeinschaftsbereich im riesigen Foyer, wo man sich kostenlos Tee und Kaffee machen konnte. Es war aber auch ziemlich teuer (91 € / Nacht) für sehr kleine Zimmer ohne Bad. Gemeinschaftstoiletten auf dem Stock und nur zwei, drei Duschkabinen für ALLE Gäste im Erdgeschoss. Der größte Vorzug war hier - einmal mehr - die unmittelbare Bahnhofsnähe. Im Kühlschrank fand ich ein paar brauchbare Leftovers "for free", die ich dankbar mit meinen bescheidenen Resten (Tütensuppe, Schmelzkäse etc.) als Abendessen annahm. Zum Einkaufen war ich heute nicht gekommen und nochmal raus wollte ich heute auf keinen Fall mehr... Das riesige Bett stellte sich aber als sehr bequem heraus und ich konnte mir ein gute Nackenstützkissen aus dem Flurregal nehmen.
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