20.11. Züge und Hiroshima
November 20, 2025 in Japan ⋅ ☀️ 7 °C
Start früh - schon vor 8 Uhr war ich am knapp 5 min entfernten Bahnhof und durfte entspannt auf den Shinkansen warten. Dabei hab ich festgestellt, dass der heutige "Schnellzug" Japans der viel schnellere NOZOMI (Bedeutung: Wunsch, Hoffnung) ist - quasi unser ICE- Niveau. Er fährt häufiger und hält seltener. ES gibt noch einen schnelleren Zug - den MIZUHO - bis zu 320 km/h. Beide darf ich eigentlich nicht benützen mit dem JR- Pass. (Wobei das ja niemand kontrolliert, wenn man mal am Gleis steht ;-)) Shinkansen sind eher die Oldtimer-Variante mit geringerem Preisniveau - quasi die " Haltezüge" für Normal- Reisende. Analog zu IC- Zügen bei uns -bloß mit ICE - Tempo ( bis 300 km/ h) d.h. schneller und vor allem PÜNKTLICHER als unsere Züge! Der erste Shinkansen fuhr schon 1964.Schon 30 min nach Ankunft in Hiroshima war ich bei der Touristeninfo gewesen UND hatte live IM Okonomiyaki- Geschäft hinter dem Bahnhof einen Kochschule-Termin vor Ort vereinbart - leider bereits in gut 2 Stunden. Das war der einzige freie Termin für heute und morgen. Ich war im Nachhinein froh, unterwegs auf einen Zwischenstopp in Himeji verzichtet zu haben, d.h. NICHT dort ausgestiegen zu sein sein, um das berühmte weiße Castle zu besichtigen! Vom der Möglichkeit des Kochevents hier hatte ich gerade erst auf der Fahrt aus meinem LonelyPlanet- Reiseführer erfahren. Obwohl ich ihn bisher nur selten genützt habe - manche Infos und auch Vorschläge für Besichtigungstouren zu Fuß (z.B. in Nara und Hiroshima) waren sehr hilfreich! Ab sofort wurde das Fortbewegungstempo allerdings SEHR LANGSAM: bis die olle Straßenbahn zu meinem Hotel überhaupt losfuhr und bis sie irgendwo in der Nähe ankam - das ging soooo lahm , dass ich in dieser Zeit selbst mit Gepäck gefühlt zu Fuß schneller gewesen wäre. DANN hatte googlemaps mich noch mit dem Hotelnamen "dormy inn" in die Irre geführt: ich bin 20 min umsonst herum geirrt, bis mir im falschen dormy inn der Weg zum richtigen erklärt wurde... Aber: das GUTE daran war, dass ich auf dem Irrweg an einem Fahrradladen vorbeigekommen war. Dort kann ich mir also für morgen ein Fahrrad leihen - Freiheit von Bus und Straßenbahn: juhu! Puh - die Restzeit wurde nun recht knapp bis zu meinem Kochtermin: sobald ich wusste, welcher Bus vom richtigen dormy inn zum Bahnhof fährt, hechtete ich SEHR illegal über die vielbefahrene 6spurige Straße (siehe Foto von meinem Zimmerfenster) und sprang in den gerade heranfahrenden Bus: YES! Es könnte reichen. Tat es auch. Im Nebenraum war eine Gruppe Kochschüler- ich bekam eine EINZELstunde für meine vegetarische Variante mit Mais statt porc und auch andere Saucen. Zwei Städte sind bekannt für Okonomiyaki: Osaka, wo alle Zutaten in einen Teig gerührt werden und Hiroshima, wo noch Nudeln dabei sind und es dieses Schichtenprinzip gibt (siehe Bild!). Also sehr viele einzelne Zubereitungsschritte! Wobei HIER natürlich alles vorgeschnippelt war und mir in Schälchen angereicht wurde. Vor mir eine Edelstahlplatte mit verschiedenen Hitzezonen. Die Backzone hat 180 grad. Jedenfalls machte es Spaß und ich hatte hinterher für 13,50 € gesamt eine leckere, selbst zubereitete Mahlzeit intus. Was ich nachmittags noch gemacht habe nur kursorisch. Zuerst mit dem der Hop-on-Hop-off- Busse hier in Richtung Castle gefahren. Blöd, weil es die ungünstigste Linie war, wo ich noch mehr als 1 km Fußmarsch hatte. Das Castle war ähnlich wie alle: voller Touris wie ich, voller seltsamen historische Vitrinen und wieder sehr steile Stufen innen sowie eine gute Aussicht auf die Stadt von oben. Das ursprüngliche Castle von 1591 wurde natürlich beim Atombombenangriff am 6. August 945 zerstört. Es lag ja ganz nah beim "Epizentrum" (Einschlag) der Bombe. Das jetzige Castle wurde erst 1958 fertig. Weiter gings am Kunstmuseum vorbei zum Gate- Park, dort ein Kaffee to go, dann den Orizuru-Tower gesucht und gefunden. Ein modernes 12 Stockwerke hohes Gebäude mit großzügiger hölzerner terrassenförmiger Aussichtsplattform - besonders schön in der Abendsonne! Von oben entdeckte ich hier das erste mal den "A-bombendom" - das berühmteste, weil nahe von Ground Zero als erkennbares Gebäude übriggeblieben. Es ist 1915 von einem tschechischen Architekten schön europäisch-stabil mit Kuppeldach gebaut worden- heute Atombomben- Mahnmal. Der Eintritt in den Orizuru-Tower war genauso teuer wie mein Kochevent. Weshalb ich unbedingt auch im Stockwerk darunter wenigstens noch einen Kranich falten wollte - ohne zunächst recht zu verstehen, warum das hier angeboten wurde: Zuerst das eh schon hübsche Faltpapier mit 4 Stempeln in 4 Farben noch hübscher machen. Dann falten. Gottlob half mir ein junger Mitarbeiter, indem er mir auf meinen Wunsch hin jeden einzelnen Faltschritt zeigte. Und das sind echt viele!!!! Während die anderen sich mit Videoanleitungen abmühten, hihi! Jetzt kam das Beste: Ich wurde von einer Mitarbeiterin 4 oder5 Schritte über einen sehr schmalen Glasboden (gruseliger Blick nach unten zur Straße) quasi an der Außenseite des Gebäudes, aber innen am Fenster entlang zu einem transparenten Schacht geführt. Dort warf ich meinen rötlichen Minikranich rein, so dass er innen an der gläsernen Außenwand runtersegelte zu den 1,2 Millionen anderer (ich hab gefragt, WIE VIELE sind). Wow! Vor der Rutsche vom 11. Stock nach unten hatte ich erst etwas Angst. Die war aber ganz harmlos, weil sie nach jedem Stockwerk stoppte, so dass man jeweils hätte aussteigen und vollends die Treppe nach unten hätte nehmen können.. inzwischen war es draußen bereits dunkel . Der A-Bombendom nebenan war nun angestrahlt und sah aus wie ein Geisterschloss. Was er ja streng genommen auch IST. Ebenso wie bei den Twin-Towers in NY am 11. 9. 2001 sind auch hier drin am 6.8.1945 sehr viele Menschen gestorben. Nach ein paar Fotos davon und einem einem kleinen Einkaufsstopp in einem Kombini auf dem Heimweg gings wieder zum Hotel. Ich komme eben (22.15 Uhr) erst zurück ins Zimmer: Eineinhalb Stunden im hauseigenen Onsen plus Dampfbad - herrlich! Nur die soziale Kontrolle beim vorherigen Schrubben des Körpers im Sitzen mit Handbrause und Schüssel und Plastikhocker ist etwas stressend: jede kann dich beobachten. Sich unter 12 min reinigen, geht GAR nicht - die meisten Japanerinnen tun es doppelt solange. Dann Haare waschen - auch das mehrfach. Dann den Duschplatz reinigen (wovon?). Und erst dann ins warme Becken oder hier ins Dampfbad. --> Bei uns badet man, um sich zu reinigen - und zu entspannen.--> In Japan reinigt man sich, um sich DANN im Bad zu entspannen. Das Wasser im Onsen bzw. offenbar auch daheim, wird dann über Tage hinweg warm gehalten und abgedeckt. Der Stromverbrauch zum Wasser heizen ist zwar hoch, aber wohl niedriger als wenn jede Wanne ganz neu gefüllt würde. Durch die extreme Gründlichkeit bei der Körperreinigung hat quasi keine Hautschuppe und kein Haar eine Chance ein Wasserbecken zu verunreinigen!..😜 Und jetzt das nach dem schönen Onsen das Zweitbeste an DIESEM Dormy Inn- Hotel: Es gibt täglich von 21.30 - 23.00 Uhr umsonst heiße Nudelsuppe mit leicht gewellten Spaghetti - also Soba-Nudeln. Die späten Hausgäste kommen barfuß in Pantoffeln und alle in dem gleichen häßlichen braunen Kunstfaser -T- Shirt (Unisex) aus dem Zimmer ins Restaurant und bilden geduldig eine Warteschlange. Die Suppe wird " frisch" zubereitet: Jeder kriegt eine Bowl, in die an der Theke Brühe, eine fertig gekochte gepresste Portion Nudeln, 1/4 weiches Ei. 2 Stückle Bambus und schmale Ringe von Frühlingszwiebeln gegeben werden. Dann schlurfen alle mit ihrer heißen Schale irgendwo an einen Einzeltisch und schlürfen vor sich hin. Und zum Nachtisch hab ich mir eine kleine Eiswaffel aus der Kühltruhe mit der Aufschrift "Help yourself" vor dem Bad geholt - man kann unter 3 Sorten wählen. Kaffee gibt es hier im Foyer natürlich auch immer for free. Wie wirklich überall - selbst im Supermarkt und selbst auf dem Flohmarkt- Kaffeebyce - kann man wählen, welche STÄRKE des Kaffees: mild, mittel, stark. Ab 15 Uhr gibt es hier im Hotel auch eine besondere regionale Zitronenlimonade: mit Setouchi- Zitronen. Tatsächlich sehr lecker! :-)Read more

























TravelerSehr spannender Bericht!
Traveler
👌
Traveler
Mein Respekt Katrin dass du das mit den Zügen und Bahnen checkst. Ich fands krass
Traveler
Lecker 😋