• 21.11. Die KATASTROPHE Hiroshima

    November 21, 2025 in Japan ⋅ 🌙 7 °C

    An meinen gestrigen Ankunftstag hab ich das Thema At0mbombenabwurf über dieser Stadt noch nicht behandelt bzw. noch kaum an mich heran gelassen. Dabei reicht ja schon der Name, um schlimme Assoziationen zu wecken. Es ist jetzt etwas über 80 Jahre her. Die Innenstadt ist eher hässlich - voll riesiger Hochhäuser und Neubauten.
    Erfreulich sind vor allem das Flussdelta bzw. die verschiedenen Flussarme im Herzen der Stadt, das Grün in den Parks und die Berge außen herum. Vor 1945 sah die Stadt auf den alten Fotos viel schöner aus und war offenbar sehr lebendig. Also: Erinnerungskultur wird hier SEHR GROSS geschrieben! Das kann man sich so in Deutschland kaum vorstellen. Es ist als Besucher dieser Stadt quasi unmöglich die KATASTROPHE ATOMBOMBE zu ignorieren. Im Friedenspark, im Friedensmuseum, in der Friedensgedächtnishalle, im Orizuru-Tower von gestern, im gesamten Peace-Park - selbst im Bahnhof oder auch auf der Aussichtsplattform vor dem MOCA- Museum (Museum Of Contemporary Art)- überall findet man Text und Bildtafeln, die auf das Vorher und Nachher hinweisen. Die Flamme des Friedens brennt lichterloh im Park und soll dort so lange weiterbrennen bis die letzte Atomwaffe vernichtet ist... Ich war über 2 Stunden im Museum, das ganz großartig gemacht ist. Sehr modern und museumspädagogisch beeindruckend. Auch ohne Audioguide bekommt man über riesige Fotowände, gemalte Bilder von Überlebenden, Videos, sehr viele Interviews mit Überlebenden in Text und Videos, durch übriggebliebene Kleidungsstücke und Alltagsgegenstände etc. HAUTNAH das Ausmaß des menschlichen Leids vermittelt. Und zwar immer mit Namen, Alter, genauem Aufenthaltsort und der Tätigkeit der jeweiligen Person/en am Morgen des 6. 8. 1945. Es werden immer kleine Geschichten erzählt von Einzelschicksalen. Ich war davon so gefangen genommen, dass mir die Hunderte von Schulkindern (heute extrem viele Grundschulklassen!) vor, neben und hinter gar nichts ausmachten. Man wurde einfach weiter geschoben durch diese Bilder des Grauens. Da gab es keine Schonung der armen Kinderseelen. Bilder von Toten, Leichen im Fluss, verkohlten Leibern, Details von Verletzungen Kinder mit schlimmen Verbrennungen in Lazaretten- Bilder und auch Stimmen tiefer Verzweiflung. Alles sehr gut auch auf Englisch und immer in sinnvollen Kontexten präsentiert. Der Eintrittspreis ist lächerlich gering - als Erwachsener zahlt man ca 1,20 € Kinder, Studenten, Gruppen, Senioren ab 65, Behinderte etc. etwa die Hälfte. Und überall Filme von Interviews - lauter O-Töne. Irgendwann war es dann aber auch genug. Die Weite des Parks mit Sonne und frischer Luft tat nach über 2 Stunden Enge in jeder Beziehung gut. Dabei ging es draußen ähnlich weiter mit den Denkmälern, Mahnmalen , Gedenkhalle etc. Japanische Reiseführerinnen erklärten deutschen Touristengruppen den Unterschied zwischen der Hiroshima- und der Nagasaki- Bombe. Erwachsene Touristen warfen selbst gefaltete Kraniche in die Schaukästen rund um das "Kinderdenkmal", das tatsächlich von Kindern für ihre verstorbenen Klassenkamerad/innen initiiert und durch Spenden ermöglicht wurde. Im Mittelpunkt steht die 1955 zwölf1ährige Schülerin Sadako, die 1945 zwei Jahre alt war. Sie war zunächst gesund und sportlich sehr ehrgeizig. Sie wollte Läuferin werden. Erst mit 12 Jahren bekam sie erste Symptome von Leukämie. Ihre Schulfreundin erzählte ihr von einer alten Sage, dass man ein Unglück abwenden kann, wenn es einem gelingt, 1000 Kraniche zu falten. An dieses Hoffnungszeichen klammerte sich das Mädchen. Sie starb aber doch bevor sie ihre 1000 Kraniche fertig hatte. Ihre Schulkamerad/innen falteten weiter, so dass sie mit 1000 Kranichen beerdigt werden konnte. Sie sammelten Geld und etablierten das Falten der Papierkraniche als Zeichen der Hoffnung auf Frieden. 3 Jahre nach Sadakos Tod wurde das Kinderdenkmal aufgestellt. Mit großer Glocke, die man läuten kann. Nachdem ich mir einen Kaffee etwas weiter im Gatepark draußen gegönnt hatte, wollte ich das tolle Fahrrad wenigstens noch etwas ausnützen. Es war schon nach halb 4, so dass ich beschloss, noch zum MOCA zu fahren. Das Museum selbst würde ich nicht mehr schaffen aber wenigstens den Skulpturengarten außerhalb des Museumsgebäudes... Ich war überrascht, dass das Museum oben auf einem Hügel liegt. Das war für mich weder über googlemaps noch auf dem Papier- Stadtplan zu erkennen gewesen. Jedenfalls wieder ein toller Platz um den Sonnenuntergang zu sehen. Die riesige Skulptur von Henry Moore ist sicher die prominenteste hier, aber mit dem Lageplan aus dem Museum konnte ich alle aufsuchen. Und der Heimweg bis zum Fahrradgeschäft war gar nicht mehr so weit, so dass ich das Rad rechtzeitig vor 18 Uhr abgeben konnte.
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