22.11. Insel Miyajima im Pulk und allein
November 22, 2025 in Japan ⋅ 🌙 5 °C
Heute ein Gegenprogramm zu gestern. Auch heute musste ich vormittags im Menschenstrom mit schwimmen, aber am Nachmittag dominierten Wald, Rehe, und herrliche Ausblicke aufs Meer das Geschehen. Um halb neun morgens war ich tatsächlich schon auf dem Weg zum Bus. Nach einem opulenten japanischen Frühstück vom Buffet im Hotel. Dann immer der Menge nach im stetig anschwellenden Menschenstrom: per Zug zum knapp 30 min entfernten Fähranlegerhafen. Dort ein Stückchen zu Fuß , 55 Cent "Eintrittssteuer" für die Insel am Fährschalter, rauf auf die Riesenfähre (frei mit meinem JR-Pass), 10 min Überfahrt mit Blick auf den roten Torii im Inland- Meer. Mit allen Wartezeiten dauerte die Hinfahrt etwa eine gute Stunde. In der Touristeninfo erfuhr ich, dass es hier tatsächlich einen kleinen Laden gibt, der Ebikes verleiht: Juhu, Rettung war in Sicht! Die nette Dame riet mir aber, zuerst in die Touristenhölle nach rechts zu gehen: zum BERÜHMTEN gefluteten Itsukushima-Schrein, der 593 erstmals gebaut wurde. Statt wie die meisten Inselbesucher die kleine Seilbahn auf den Berg zu nehmen, sollte ich lieber ein paar hundert meter zu Fuß bergauf zum auch schönen alten Tempel Daisho-in gehen. Und erst danach zurück kommen, um links vom Fährhafen das Fahrrad zu mieten. Und genau so machte ich es! Die EssStände für Touristen öffneten grade erst. Es gab ganz viele Austern to go und alles mögliche Fischige am Stiel, aber ich war happy, als ich beim 3. Anlauf tatsächlich einen schon geöffneten Stand fand, der schlicht nur Coffee to go bot. Die Warteschlange vor dem Ticketschalter zum "Wassertempel" Itsukushima war noch überschaubar - als ich 1,2 Stunden später zurückkam, war der Andrang viel schlimmer. Toll hier war vor allem die Entdeckung des Malwettbewerbs für Kinder bzw. die Ausstellung der schönsten Bilder direkt über unseren Köpfen und somit gemeinsam mit den Motiven - der grandiosen Aussicht auf den roten Torii im Wasser. Dort gab es kurz ein allgemeines Luftanhalten gefolgt vom erleichterten Ausatmen aller Umstehenden: als eine Mutter nach einem deutlichen PLATSCH ihre etwa 5jährige Tochter tropfnass aus dem Wasser zog und zurück auf den Tempelboden stellte. Weder Mutter noch Tochter hatten dabei einen Laut von sich gegeben: Japan halt. Der Wasserschrein war ebenso wie der Torii über 3 Jahre lang restauriert worden bis 2022, so dass beide jetzt in frischen Farben erstrahlen und NEU aussehen. Der Torii zum Schrein wurde aus 600 Jahre alten Kampher-Bäumen gebaut. Beides Weltkulturerbe seit 1996 und beide meistfotografierte Japan-Motive. Das nahegelegene Daisho-in-Kloster, eine am Berg gebaute Tempelanlage, die immer noch von Mönchen bewohnt ist. Das Kloster wurde von Kukai, dem Gründer des Shingon- Bhiuddismus erbaut und stammt aus dem 9. Jhd. Es gibt dort mehr als 500 "beautiful statues" - u.a. die "süßen" Babybhuddas auf meinen Fotos. Meine Mini-Challenge des Tages war ein stockdunkler enger Tunnel unter einer Tempeleingangsfront, durch den ich mich etwa 30 Meter mit erhöhtem Puls schrittweise voran tastete - eine Erfahrung in "Blindsein". Was der eigentliche Sinn und Zweck dieses Tunnels war, erfuhr ich nicht. Nachdem ich mich durch die entgegenkommenden Menschenmassen und vorbei an vielen zahmen Rehen (die ALLES fraßen und sogar Austernschalen ausschlürften) geschoben hatte, konnte ich mir tatsächlich hinter dem Fähranleger in einem kleinen Restaurant eines von etwa 5 Ebikes mieten. Von hier ab änderte sich alles: Die Gruppen von Rehe am Straßenrand und sogar direkt am Strand (!) vervielfachten sich, MENSCHEN gab es ab hier - den Strand rechtsherum jedoch so gut wie keine mehr. Ein netzeflickender Fischer in einem winzigen Hafen, ein, zwei Fußgänger, aber über weite Strecken keine Menschenseele. Krasser konnte der Gegensatz innerhalb von 2 Kilometern kaum sein! Ich fuhr mehr als eine Stunde weiter in diese Richtung, wobei sich die Straße auch vom Strand entfernte und teilweise auch sehr steil in Kurven etwa 200 Höhenmeter bergauf (deshalb nur Ebikes im Verleih!) durch den Wald wand. Immer wieder ging es aber auch wieder hinunter vorbei an schönen, fast menschenleeren Stränden - siehe Fotos. Der Radverleiher hatte mir schon gesagt, dass ich irgendwann umdrehen und zurückfahren müsste. Eine Inselumrundung war so offenbar gar nicht möglich. Da ich einige Fotostopps und auch am letzten Strand vor dem kleinen Schrein eine Meditationspause einlegte, musste ich mich am Ende sogar beeilen, um rechtzeitig das Rad zurückgeben zu können. Auf dieser Inselseite hab es gar keine Einkehrmöglichkeit und auch keinen Laden oder Kiosk. So stillte ich meinen Hunger und Durst erst kurz vor 17 Uhr in einem Hotelcafè in der Nähe des Fähranlegers. Der Rückweg mit Fähre und Zug zurück zum Hotel dauerte fast doppelt so lange wie der Hinweg am Morgen: alle Touristen strömten jetzt gleichzeitig von der Insel weg zurück in Richtung Hiroshima! Hier gab es außerdem doch einige längere Wartephasen auf den nächsten Zug, was ich sonst in Japan kaum erlebte. Vor allem wegen der einsamen Fahrradtour in der Nachmittagssonne war es ein wunderschöner Inselausflugstag.Read more


























Traveler
Das sieht alles nach einer richtig tollen Reise aus, ichi-go-ichi-e!
TravelerDanke- die Idee dazu und ein paar sehr wertvolle Tipps verdanke ich -unter anderem - auch DIR! Zum Beispiel den Tipp, dass ich jetzt gleich aus meiner mitgenommenn Plastikschüssel mir mein Müslifrühstück am Hotelschreibtisch selber zubereite! :-)
TravelerSüß die Skulpturen :)