23.11. Nächste Insel Mukaishima
November 24, 2025 in Japan ⋅ ⛅ 12 °C
Ab heute drehe ich quasi um: von West zurück nach Ost. Bisher bin ich von Tokyo aus immer weiter westlich gefahren - insgesamt "nur" knapp 850 km, was nicht mal so weit ist wie von Kiel nach München. Mit schnellem Shinkansen am Stück wären das grade mal 3,5 Stunden Zugfahrt. Es war also dumm von mir, aus Bequemlichkeit im Voraus den Japan- Railpass für 600 € zu kaufen. Den kann man nur als Ausländer und nur online rechtzeitig! vor der Reise bestellen. Die Bewertungen dafür waren positiv, weil keine Ticketkäufe nötig sind. ABER: Vermutlich hätten mich alle Einzeltickets insgesamt höchstens die Hälfte gekostet. :-( Zumal es ja einige Strecken und Verkehrsmittel (Busse!) auf meiner Reiseroute gab, wo ich den Zugpass gar nicht nützen konnte, sprich: sowieso extra bezahlen musste. Vor allem auch die Öffis innerhalb der großen Städte. Ich war aber AUCH zu bequem gewesen, das alles vorher mit den Preisen zu recherchieren. Jetzt, wo ich weiß, WIE leicht es einem Googlemaps macht, das herauszufinden, hätte ich vielleicht anders entschieden... Die komplette Nord- Süd-Ausdehnung Japans ist 2400 km - wenn man DAS ausreizen würde, lohnt es sich natürlich! < Von der Gesamtfläche her ist Japan ähnlich groß wie Deutschland (J: 378 000qkm, D: 358 000qkm). Hat allerdings über doppelt so viele Waldflächen (J: 66 Prozent, Deutschland 30 Prozent)! Japan hat zwar VIEL (30-mal) mehr Küsten als wir, aber nur 12 Prozent Landwirtschaftsflächen (D: über 50 Prozent). Das mit den wenigen landwirtschaftlichen Nutzflächen ist für mich eine plausible Erklärung, weshalb nur so wenige Sorten von frischem Obst und Gemüse in den Supermärkten zu finden sind. > Ab heute ging es also wieder Stück für Stück zurück in den Osten. Im Unterschied zum Reisen in Europa FLUTSCHT es hier aber ganz anders!!! Ich habe außer der einen direkten Shinkansen-Verbindung von Kyoto nach Hiroshima (und auch das wäre mit Umstiegen spontan fast gleich schnell gegangen) nie irgendwo im Vorhinein eine Zug- oder Busverbindung recherchiert oder gar gebucht. Reisen klappt hier für Touristen sehr gut so: Man fährt zum Bahnhof im Minutentakt mit Bus, Tram, Metro. Dort guckt man in Googlemaps, von welchem Gleis oder Steig der nächste Zug oder Bus zum gewünschten Ziel fährt und steigt ein - fertig.
Ohne Zugpass löst man - genau wie bei uns - Zug-Tickets am Automat oder Schalter. Im Bus zahlt man erst beim Aussteigen beim Schaffner direkt.
ZURÜCK ZU HEUTE: Ich hatte mir also Zeit gelassen mit dem Verlassen des ach-so-bequemen Dormy inn-Hotels in Hiroshima: Checkout-Time war hier erst 11 Uhr - auch das selten entspannt (Üblich ist 10 Uhr - wie in Europa). Bereits um 11.05 Uhr saß ich im Bus zum Bahnhof, nahm dort den nächsten, langsamen Shinkansen "Kodama" bis Shin- Onomichi. Dann eine kurze Busfahrt zum Fährhafen Onomichi. Dort nur die Straße überquert und in einer unter zehnminütigen Fähr-Überfahrt rüber zur ersten der vielen kleinen Inseln im Inlandmeer vor Onomichi. Diese Inselchen sind vor allem bei Fahrradfahrern sehr beliebt: Man kann 7 Inseln über 6 Brücken ganz ohne Fähre erreichen, was mit 72 km Entfernung eine machbare Challenge für viele ist. Allerdings hat man mit einer morgendlichen Fahrradausleihe und Rückgabe vor 17 Uhr (Sonnenuntergang!) am Ziel tagsüber quasi kaum Pausen oder Zeit, sich unterwegs etwas anzuschauen. Und muss dann ja auch meistens wieder mit dem Zug zurückfahren vom Zielort Imabari bis Onomichi. Das war mir alles zu stressig.
Ich hatte also 2 Übernachtungen in der Nähe von Onomichi gebucht. Erst heute hab ich festgestellt, dass das Hostel nicht vor, sonder n bereits AUF auf der ersten INSEL liegt.
NACHTEIL: ich sehe nichts von der offenbar attraktiven Stadt Onomichi am Nachmittag. VORTEIL: Ich hab schon Schritt 1 der beabsichtigten Fahrradtour hinter mir.
DENN: Im Zug hab ich gegoogelt, ob es dort einen Fahrradverleih gibt: JA, 2 min Fußweg nach dem Fähranleger. Bewertungen super. Also nichts wie hin mit meinem Trolley zum Fahrradladen. Ich kam gleich dran. Der nette Sohn der Familie (auch schon 41 Jahre alt, hihi), den die nette Mama vorschickte wegen Englisch (obwohl SIE besser Englisch versteht als ER!!!), schlug mir von sich aus vor, mir für knapp 3 Euro den Trolley per Auto zu meinem Hostel zu bringen. Was ich natürlich begeistert annahm! Denn AUF der Insel hätte ich noch über 35 Minuten öden Fußweg die Straße entlang bis zu meiner gebuchten Unterkunft gehabt - und dazu keine Lust! Auf diese Weise saß ich schon vor 14 Uhr auf dem Fahrrad und fuhr entspannt ohne Gepäck zum LIGHTHOUSE-HOSTEL mit angeblichem " Meerblick" und Balkon. Darauf war ich gespannt! Das "MEER" präsentierte sich auf dieser dem Festland zugewandten Seite eher als ein breiter Kanal / Fluss mit heftiger Hafentätigkeit: alles voller Kranen, Container bzw. überall Industriewerke und Lagerhallen. Und DAZWISCHEN dieses schlichte Appartement- Hotel mit 2 schlichten zweistöckigen Flachdach-Gebäuden. Dahinter erhob sich tatsächlich ein kleiner metallener Leuchtturm! Aber als ich im Sonnenschein das geräumige Zimmer plus Balkon, Flur und 3teiligem Bad (Waschbecken, Dusche, Klo in 3 (1) verschiedenen Räumen nur für mich) sah, war ich doch zufrieden! Und gönnte mir erstmal einen Einmal-Filterkaffee mit Keksen auf meinem Balkon zum Wasser...Toll war, dass ich einen Tipp des Fahrradladen- Sohnes tatsächlich noch umsetzen konnte: Ich fuhr mit dem Rad die Küste entlang bis zu einem Eiscafe. Das hatte grade noch offen als ich ankam und schien eher alternativ- locker. Bestellen war einfach: Es gab nur noch EINE frische Eissorte und 1 Muffin. Dazu frischgepressten Orangensaft. Ich durfte mich innen in den 1. Stock ans Fenster setzen, wo schon 4 Freundinnen nebeneinander saßen wie die Hühner auf der Stange. Sehr lecker und sehr nett wars hier! Ein bisschen unheimlich dagegen das Ende der Heimfahrt. Besonders als ich aus dem MEGAgroßen, quasi MENSCHENLEEREN Supermarkt kam. nach über einer halben Stunde Recherchezeit mit Google- Translator- Kamera vor all den fremden Plastikschüsselaufschriften in den Regalen. Ich wollte nur ein paar Kleinigkeiten zum Abendessen, aber das hier war offenbar o eine Art Großhandel. ??? Alles mit Japanischen Schriftzeichen angeschrieben . Kein einziges Produkt war für mich (Was? Welche Zutaten?? Wie zubereiten???) leicht erkennbar. Ich war komplett verloren - lost in Translation! Bis ich endlich wieder entkam, war es stockdunkel. Keine Straßenlampen. Einfach blind den Sprachangaben aus dem Handy nachfahren ( "jetzt rechts abbiegen..."). Kein Mensch war hier im Dunkeln unterwegs in diesem abgelegenen Wohn- und vor allem Industriegebiet am Hafen... Echt ein bisschen unheimlich! Aber als ich dann endlich die Fastfood-Miso-Nudelpampe in heißem Wasser aufgelöst hatte und die Klimaanlage in meinem Zimmer warme Luft produzierte, ging es auch wieder. Den Rest des Abends verbrachte ich mit Umpacken: Ich wollte morgen früh meinen vollen Trolley für eine Nacht im Tausch gegen ein Ebike im Fahrradladen deponieren. Damit ich das Theater mit dem Gepäck-Transfer zum Fährhafen schon heute hinter mir hätte. Besonders VOR meiner diesmal sehr vielschrittigen Anreise zum heiligen Berg Koyasan mit Bahnen, Gondel, Bus... Dort oben soll es auch deutlich kälter sein als hier.Read more















