• 24.11. Inselhopping per Fahrrad

    24. november 2025, Japan ⋅ ☁️ 11 °C

    Nach 2,5 Std Zeitaufwand für den langen Nachtrag für gestern, gebe ich mir jetzt 25 min. für heute. Und mit links. Rechts droht eine Sehnenscheidenentzündung vom Tippen. Tut schon jetzt weh. Morgens nach dem ins Zimmer gebrachten Frühstück (Hilfe, mit Würstchen!!!) hab ich den Trolley aufs normale Rad geschnallt. Ging prima, weil ja meine Lebensmittel und Übernachtungssachen noch NICHT drin waren. Schon vor 9.30 Uhr war ich wieder bei KINSO CYCLE und hab das Biobyce gegen ein Ebike getauscht. Das laut ist und schwer und dessen Akku sich besorgniserregend rasch leert. Deshalb bin ich heute oft ganz ohne Unterstützung oder nur unterste Stufe gefahren - auch anstrengend! Mit einem leichteren normalen Fahrrad oder gar einem Crossbyke wäre ich vielleicht besser und vor allem "zünftiger" unterwegs gewesen. EIGENTLICH muss man ja nur dem blauen Strich auf der Straße folgen. Der wurde speziell für diesen Shimamano- Kaido über 70 km hin als Markierung für Dumme angebracht. Aber was soll ich sagen: Wenn eine das Kunststück hinkriegt, sich TROTZDEM zu verfahren, bin ich das... ;-)) Schon kurz nach der ersten Brücke hab ich den blauen Faden verloren. Und war plötzlich ganz allein auf der linken Inselseite mit viel bergauf und bergab die Steilküste entlang unterwegs. Und somit 22 km statt 13 km fast ebene Straße rechts herum um Insel Nummer 2 bis zur nächsten Brücke - schön doof! :-(( ABER: ein kleines Erlebnis für die ewige Erinnerung hatte ich auf DIESEM Abschnitt: Ich bücke mich nach einer halbgrünen Mandarine im Straßengraben und hole sie raus. Taste gerade mit der freien Hand, ob die am vollen Baum am Straßenrand sich reifer anfühlen. Hält ein Polizeiauto neben mir und eine Polizistin steigt aus. Sie guckt empört und sagt was Japanisches. Ich erkläre auf englisch und pantomimisch, dass ich diese Mandarine in meiner Hand aus dem Graben habe. Sie wirkt etwas besänftigt, Ab er nun kommt ihr Kollege dazu mit gezücktem Stift und Schreibblock und baut sich vor mir auf. Er besteht darauf dass ich die Straßengrabenmandarine wieder dorthin zurücklege. Das tu ich demonstrativ, bin aber so sauer, dass ich auf eine komplett verfaulte Frucht am Boden deute und auf englisch frage: "Die ist aber erlaubt, oder?" Ich packe sie in meinen Fahrradkorb und beachte ihn nicht mehr. Nach 3 Metern Fahrt hole ich das verfaulte Ding raus und werfe es mit voller Kraft zwischen die Mandarinenbäume. Am liebsten hätte ich zu ihm gesagt: "Welcome to Japan!" Aber dann hätte er mich vermutlich mitgenommen... Ähnliche stiere Ordnungshüter hab ich bisher nur in der ehemaligen DDR erlebt. Aber dass Japaner bei der minimalsten, auch nur vermuteten eventuellen Regelübertretung jeglicher Art humorbefreit reagieren - das habe ich hier schon öfters feststellen können. Schade eigentlich. Die meisten sind echt super fürsorglich und hilfsbereit. Aber andererseits jederzeit willens und bereit, jemanden zurecht zu weisen, der sich nicht 100prozentig korrekt verhält. Selbst wenn das "ungehörige betragen" gar keinem schadet. Zum Beispiel bei ROT über eine komplett leere Kreuzung zu gehen oder gar RENNEN.: Undenkbar! ALLE stehen wie festgenagelt und warten oft MINUTENLANG vor LEEREN Straßen auf grün. Beim Signalwechsel guckt aber keiner mehr nach Autos. Alle bewegen sich wie aufgezogen nach vorne. (Hier endete mein 25min-Footprint) Deshalb nur noch cursorisch der Nachmittag: nach der zweiten großen Brücke kam ich endlich auf die Insel mit der Stadt SETODA - meinem Tagesziel. Dort besuchte ich das schöne Hirayama Ikuo Museum (Nachname, Vorname) des dort geborenen Künstlers, der als Teenager beim Atombombenabwurf in Hiroshima arbeitete und Strahlenschäden davontrug. Seine Malerei (viele buddhistische Themen, Landschaftsbilder) half ihm, dieses Trauma zu bewältigen. Im Museum konnte ich auch den Ebike-Akku laden und mir im Museumsshop kleine Holzstaffeleien u.a. für meinen Wochenkalender aus dem Miho-Museum daheim kaufen. Bei einer kurzen Fahrt durch die berühnmte Shiomachi-Einkaufsstraße kaufte ich mir auch mein Abendessen eingekauft. Dann eine über 30 km lange Rückfahrt bis zum Lighthouse-Hostel- am Ende wieder fast im Dunkeln. Aber heute erschreckte mich das schon viel weniger.Læs mere