GT Tag 2: Kulturerbe-Tour
26. Januar in Malaysia ⋅ ☀️ 27 °C
Gut dass ich schon weiß, was "Nutmeg" bedeutet. Es handelt sich dabei um die Muskatnuss Frucht. Mit dem Fruchtfleisch um den Kern kann mann leckere würzige Marmelade machen. Schmeckt wie Frau L.'s Weintraubenmarmelade mit Chilli, einfach nur lecker. Um die Muskatnuss befindet sich auch das sogenannte "Maze", ist rot und gitterartig. Daraus, sowie aus dem Fruchtfleisch, wird auch Sirup hergestellt. Warum ich das weiß, ganz einfach, es gibt Nutmeg in meinem Lieblingscafé The Pittstop. Und dort konnte ich die Marmelade probieren sowie das Sirupgetränk im Austausch gegen Münzen erwerben. Hab ich auch noch nicht gewusst, dass die ganze Muskatnussfrucht verwendet wird.
So hat nämlich die heutige Stadtführung begonnen, denn wenn es um Leckereien geht, hören alle gleich viel besser zu.
George Town quillt nur so über vor Shop-Häusern im Südchina Style – kein Wunder, dass UNESCO hier zuschlug, denn die ganze Stadt fühlt sich wie ein einziges, großes Chinatown an. Die Dächer der einstigen Häuser kommen in fünf Varianten daher, passend zu Feng-Shui-Elementen wie Feuer, Erde, Metall, Wasser und Holz – als ob die Baumeister Pech mit Architektenlogik austricksen wollten. Und ja, die meisten Straßen sind Einbahnstraßen – praktisch für Locals, ein kleiner Test für Touristen mit Orientierungssinn. Entlang der Beach Street, dem Banken-Hotspot, lockte früher Street Food in Hülle und Fülle, bis die Regierung es in Food Courts verfrachtete. Für saubere Straßen, versteht sich. Malaysier essen jederzeit Nasi Lemak, das ultimative Alltagsgericht, mit Tee oder starkem Kaffee.
Der Zweite Weltkrieg hat reichlich Gebäude plattgemacht, und britische Spuren lauern in Straßennamen – malaysische Wörter klingen beim lesen oft englisch. UNESCO-Kategorie 3 lässt innen sanieren wie man will, solange die Fassade original bleibt. UNESCO Kategorie 1 wie bei Kirchen pocht auf originalgetreue Sanierung. Street Art? Regulär tabu, aber clevere Metallskulpturen von auserwählten Künstlern umgehen die UNESCO Auflagen geschickt. Henna-Tattoos mögen Inder und Malaien – hübsch und angeblich nagelheilend obendrauf.
Nächster Stopp auf unserer Führung: Der Queen Victoria Memorial Clock Tower – finanziert von einem steinreichen chinesischen Opium-Baron, weil damals niemand eine Uhr im Haus hatte. Praktisch für die Nachbarschaft, oder? Indisch beeinflusst, minarettartig mit Krone obendrauf – kolonialer Charme pur, denn er erst 1902 vollendete, nach Victorias Tod.
Das Tsen Lung Fui Kon ist ein exklusives Hakka-Clanhaus. Es entstand während der großen Migration Anfang 1800, als Bürgerkriege in China und die Opiumkriege das Leben unerträglich machten. Penang als wichtiger Handelshafen bot Hoffnung, auch wenn viele Chinesen als Sklaven in Zinnminen landeten. Die Society kümmerte sich um die erschöpften Migranten nach der langen, harten Reise aus China. Heute zählt sie nur noch wenige Mitglieder, und drinnen thront ein Ahnenaltar mit Holztafeln: eine Schriftreihe für Singles, zwei für Paare, drei für unverheiratete Kinder oder Zweitfrauen – typische Hakka-Familienhierarchie in Holz gemeißelt.
St. George’s Anglican Church ist mehr als 200 Jahre alt (erbaut 1818), überstand schwere japanische Bomben im Zweiten Weltkrieg und wurde danach britisch restauriert. 1943 übernahm sogar ein chinesischer Priester die Leitung, da Europäer flohen – der „chinesische Papst“ in der Not. Nach dem Krieg eskalierten Konflikte mit chinesischen Kommunisten, während Inder in Kolonialarbeit schufteten.
Im Goddess Of Mercy Temple wird es spannend, denn unser Guide praktiziert ein Ritual. In den ersten 15 Tagen des chinesischen Neujahrs rüttelt man die Box mit den Holzstäbchen – jedes mit Nummer und chinesischen Symbolen versehen – durch, bis eins herausfällt. Zwei rote Halbmond-Holzstücke dienen als Bestätigung: Beide offen? Schlechtes Zeichen, fang von vorne an. Sind zur Bestätigung wieder beide Halbmonde offen? Lass es gut sein, geh raus, zünde Räucherstäbchen an, um alle Götter zu besänftigen, und fang von vorn an. Eines offen, eines geschlossen? Erfolg – Nummer nehmen, Orakel-Gedicht holen und den Sinn deuten. Einfach, oder?
Letztes Highlight der Tour: Der taoistische Hock Teik Cheng Sin Temple lauert mit einem langen, schmalen Eingang wie eine Falle – perfekt, um die dunklen Schandtaten im Innenhof vor fremden Augen zu verbergen. Eine permanente Bühne thront drohend, doch Stille herrscht in diesem Familien-Tempel. Zwei winzige Notausgänge flüstern von Fluchtwegen bei Gefahr oder verbotenem Treiben – und die Gerüchte von Prostitution in der Vergangenheit lassen die Götter erzittern.
War eine sehr sehr informative Tour heute und ich mach danach mal ein Mittagsschläfchen. Am Abend sind wir dann noch zu viert zu einem Nachtmarkt gefahren. Christine und ich wollten alles erkunden, doch die 2 Jungs vom Hotel waren nur hungrig. So gingen wir schnurgerade zu den Shops und kauften ein: Zuckerrrohrgetränk, Hühnerspieße und Nudeln. Und nach dem Essen spazieren wir wieder heim. War echt ein schöner aber anstrengender Tag, da es jetzt um die Mittagszeit echt unerträglich heiß ist. 🔥 ♨️ 🥵Weiterlesen




























ReisenderUnd ich dachte immer Nutmeg ist der Tunnler beim Fußball ⚽ 😜