• CO2 Footprint - Fliegen

    2. november 2025, Tyskland ⋅ ☁️ 14 °C

    Sicher hat sich (fast) jeder schon mal die Frage gestellt, welchen Einfluss seine Flugreise auf unseren Planeten hat. Der vom Menschen verursachte Klimawandel rückt ja immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Flugreisen sind besonders klimarelevant und stehen besonders im Kreuzfeuer. Seit 1980 hat sich das weltweite Aufkommen an Passagierkilometern alle 15 Jahre verdoppelt und 2018 lag der Beitrag des Luftverkehrs zur vom Menschen verursachten CO2-Emission weltweit bei 2 - 3 %, so das Bundesumweltamt in einem Bericht aus 2023.

    Ich habe meinen sog. "Flight CO2 Footprint" für diese Reise durchexerziert. Insgesamt waren es sechs Flüge mit unterschiedlichem Fluggerät, Sitzkonfiguration (C = Business, Y = Economy) und Streckenlänge:

    :: DUS -> IST (A330-200/C24Y255): 2008 km
    :: IST -> ISB (B777-300ER/C28Y372): 3941 km
    :: ISB -> KDU (A320-200/Y174): ............ 298 km
    :: LHE -> ISB (A320-200/Y180): ............. 435 km
    :: ISB -> IST (A330-300/C28Y261): .... 3941 km
    :: IST -> DUS (A330-300/C10Y261): . 2008 km
    ---------------------------------------------------
    ...................................................................... 12.631 km

    Für die Berechnung/Abschätzung der CO2 Emission aus der Kerosinverbrennung nutze ich den Rechner der internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO (International Civil Aviation Organisation). Er greift auf öffentlich zugängliche Daten zurück, um verschiedene Faktoren wie Flugzeugtypen, routenspezifische Daten, Passagierlastfaktoren und beförderte Fracht zu berücksichtigen. Die tatsächlichen Daten werden von den Airlines in der Regel nicht veröffentlicht, weshalb Annahmen/Mittelungen wie folgt gemacht werden:

    :: Treibstoffverbrauch: gemittelt über verschiedene Flugzeugtypen, die diese Strecke bedienen.
    :: Distanz: Großkreisdistanz zwischen den Airports + streckenabhängiger Faktor für Routenabweichungen (<550 km: + 50 km / 550 - 5500 km: + 100 km).
    :: Passagierauslastung: Inner-Europa = 82% / Europa-Mittlerer Osten: 75%
    :: Frachtauslastung: Inner-Europa = 96% / Europa-Mittlerer Osten: 77%

    Daraus ergeben sich für meine Flüge eine CO2-Emission pro Person wie folgt:

    :: DUS -> IST (2008 km): ..... 184 kg
    :: IST -> ISB (3941 km): ......... 233 kg
    :: ISB -> KDU (298 km): ........... 51 kg
    :: KDU -> LHE (435 km): ........ 59 kg
    :: ISB -> IST (3941 km): ......... 233 kg
    :: IST -> DUS (2008 km): ..... 184 kg
    ---------------------------------------
    ......................................................944 kg

    Das ist aber nur die "halbe" Wahrheit, da ein Großteil der Klimawirkung auf Nicht-CO2-Effekte zurückzuführen sind. Besonders klimarelevant sind Stickoxide (Ozonbildung) und die Bildung von Kondensstreifen in hohen Höhen durch die Emission von Wasserdampf und Aerosole wie Rußpartikel als Kondensationskeime (1 kg Kerosin -> 3,15 kg CO2 + 1,25 kg H2O). Sie sind bei Jettriebwerken ab einer Flughöhe von >9 km zu berücksichtigen. Diese Effekte sind in der Summe zwei- bis fünfmal klimarelevanter, als die alleinige Wirkung von CO2.
    Um sie mit der Klimawirkung von CO2 vergleichen zu können, werden sie in sogenannte CO2-Äquivalente (CO2e) umgerechnet. Die Wissenschaft ist sich jedoch noch nicht einig, welcher Faktor für die Nicht-CO2-Effekte angesetzt werden kann. Offensichtlich gibt es zwischen den beiden Effekten keinen linearen Zusammenhang. Der CO2e-Rechner des Umweltbundesamts (UBA) nimmt dennoch einen festen Faktor und multipliziert die reine CO2 Emission mit einem Faktor von drei, den ich so übernehme. D.h. die Klimawirkung des Flugverkehrs von Düsenjets besteht zu 1/3 aus der CO2 Emission und zu 2/3 aus Nicht-CO2-Effekten (ab einer Höhe von 9000 m).
    Hört sich alles kompliziert an - ist es auch!

    Nimmt man also die 944 kg CO2 aus meinen Flügen minus der zwei kurzen Inlandsflüge (Flughöhe < 9 km), so ergeben sich noch 834 kg CO2. Multipliziert man es mit dem Faktor 3, so ergeben sich für mich ca. 2.500 kg CO2e plus die 110 kg aus den Inlandsflügen!
    Mein Güte, 2,6 Tonnen COe für eine Reise! Das sind schon 25% des durchschnittlichen Verbrauchs eines Deutschen, so das UBA.

    Was kann man dagegen tun?
    Klar, einfach nicht mehr fliegen. Das wird sich aber mit angrenzender Sicherheit nicht durchsetzen. Die Frage ist, ist eine emissionsfreie Luftfahrt möglich? Die DLR hat dazu ihre Strategie zum "European Green Deal" veröffentlicht, wie energieeffizientere und emissionsärmere Flugzeuge bis voraussichtlich 2050 zur Klimaneutralität beitragen können.

    Handlungsmöglichkeiten für Reisende gibt es natürlich auch - so das UBA und Greenpeace:
    > Direktflüge ohne Zwischenlandung(en) sind deutlich klimaschonender wegen weniger Treibstoff-intensiveren Starts.
    > Economy anstatt Business Class wählen.
    > Fluglinien nutzen mit modernen Flugzeugen, alternativen Treibstoffen - z.B. bietet der Airport IST sog. "Sustainabe Aviation Fuels" (SAF) an.
    > Mittlerweile können die Emissionen freiwillig durch Gutschriften (sog. Zertifikate oder offsets) für z.B. Windkraftanlagen, Aufforstungsprojekte usw. kompensiert werden. Jedoch gibt es eine Menge undurchsichtige Anbieter im Netz mit zweifelhaften ökologischen und sozialen Eigenschaften. Viele seriöse Airlines bieten es aber direkt bei der Buchung an.

    So, das war's zu einem etwas schwierigen Thema, das uns und alle nachfolgenden Generationen zunehmend betrifft!
    Vielleicht bewegt es ja so manchen, zu einem etwas achtsameren Handeln - einschließlich mich!

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    Quellen:
    > https://icec.icao.int/calculator
    > http://www.uba.co2-rechner.de/de_DE/
    > https://www.airliners.de/basiswissen-co2-effekt…
    > https://www.dehst.de/SharedDocs/downloads/DE/ab…
    > https://commission.europa.eu/strategy-and-polic…
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