• Lost in Digital Translation😂

    March 5 in Morocco ⋅ ☁️ 17 °C

    Nach einer ziemlich kurzen Nacht begann der Tag mit einem kleinen Frühstück im Riad. Kurz war die Nacht übrigens auch deshalb, weil bereits um 5:20 Uhr der erste Gebetsruf aus einer der Moscheen erklang und der Imam zum Morgengebet rief – ein ganz besonderer, aber auch sehr früher Weckruf in der Medina.

    Das Frühstück war wunderschön angerichtet: frischer Obstsalat, viele süße Kleinigkeiten – eher etwas für Naschkatzen. Mein Highlight war aber das typische marokkanische Fladenbrot mit Ei. Mit ein bisschen extra Salz – richtig lecker.

    Danach bin ich einfach losgezogen, ohne großen Plan. Ich habe nur den Platz Jemaa el-Fna ins GPS eingegeben, damit ich wenigstens eine grobe Richtung hatte. Denn eines merkt man sofort: In der tiefsten Medina funktioniert Orientierung wirklich nur bedingt.

    Mit dem GPS sieht es zwar so aus, als würde alles funktionieren – aber in Wirklichkeit irgendwie doch nicht. Ich bin ständig irgendwo abgebogen, wieder zurückgelaufen, in die nächste Gasse rein und wieder in eine andere. Am Ende lief ich gefühlt in einem riesengroßen Kreis und wusste überhaupt nicht mehr, in welche Richtung ich eigentlich gehen sollte.

    Die Gassen sind unglaublich verwinkelt, eng und voller Leben. Überall Teppichläden, Schmuck, Gewürze und ganz besondere Dinge. Ich bin trotzdem mit großer Freude durch die Medina gelaufen, habe geschaut, mich unterhalten und die Atmosphäre aufgesogen. Irgendwann wurde es mir dann aber doch etwas zu voll mit den vielen Touristen, besonders rund um die Koutoubia-Moschee.

    Also habe ich mich langsam wieder auf den Rückweg gemacht und unterwegs ein schönes Rooftop-Restaurant entdeckt. Dort habe ich eine kleine Pause eingelegt und ein sehr nettes Paar kennengelernt – solche Begegnungen machen das Reisen einfach besonders.

    Als ich dann zurück zu meinem Riad wollte, hatte ich plötzlich nur noch zehn Prozent Akku. Und da wurde mir klar: Ohne GPS finde ich mein Riad vermutlich gar nicht mehr. Also begann ein kleines Abenteuer: Ich fragte mich durch die kleinen Gassen, und plötzlich standen wieder mehrere Männer um mich herum und erklärten mir den Weg – jeder natürlich in eine andere Richtung.

    Zum Glück spreche ich Französisch und auch ein bisschen Arabisch. Dadurch konnten wir uns gut verständigen, und die Menschen freuten sich sichtbar darüber, dass ich ihnen höflich antwortete und meine Fragen in ihrer Sprache stellte. Das machte die Begegnungen sofort persönlicher und herzlicher.

    Das Lustige daran: Einige von ihnen erkannten mich sogar wieder und hatten sichtlich Freude daran, dass ich mich schon wieder verlaufen hatte. Offenbar war ich an diesem Tag nicht zum ersten Mal orientierungslos durch die Medina unterwegs.

    Und genau in dem Moment kam ein Motorradfahrer vorbei – der mich ebenfalls wiedererkannte. Deshalb wusste er sofort, wo ich hinmusste und zeigte mir die richtige Richtung. Am Ende habe ich mein Riad tatsächlich wiedergefunden – juhu!

    Dabei habe ich auch gemerkt: Ich bin definitiv nicht die Einzige, die hier jeden Tag mit dem Handy vor der Nase durch die Medina läuft, um ihren Weg zu finden. Man sieht ständig Menschen, die genauso orientierungslos auf ihr GPS schauen wie ich.

    Am Abend hatte ich noch eine Restaurantreservierung, angeblich nur sechs Minuten entfernt. Tja… genau das gleiche Spiel. Verlaufen, wieder fragen, wieder verlaufen. Und das alles genau zur Iftar-Zeit im Ramadan, als überall Menschen zusammenkamen, um gemeinsam das Fasten zu brechen.

    Aber die Marokkaner sind unglaublich freundlich. Eine Frau ist schließlich sogar ein Stück vor mir hergelaufen, um mir den Weg zum Restaurant zu zeigen.

    Am Ende hatte ich einen wunderschönen Tag voller kleiner Abenteuer, netter Begegnungen und ganz viel Medina-Gefühl. Und das Beste: Obwohl Regen angekündigt war, schien den ganzen Tag die Sonne.
    Read more